Lavadelta am Piton Fournaise wächst langsam – Lava fließt durch Tubes ins Meer
Der Ausbruch am Piton de la Fournaise hält seit dem 13. Februar an, unterliegt jedoch weiterhin der typischen Dynamik eines Vulkanausbruchs, wodurch sich das Eruptionsgeschehen laufend verändert. Im Krater des neu gebildeten Schlackenkegels auf 2056 m Höhe brodelt weiterhin Lava, deren Fontänen jedoch nur noch selten den Kraterrand überragen. Wie das OVPF mitteilt, kommt es aber gelegentlich zu Lavaüberläufen. Der Großteil der Lava fließt wieder in ein unterirdisches Röhrensystem, das sich erst während des Ausbruchs gebildet hat. Während am nördlichen Lavastrom keine sichtbare Oberflächenaktivität mehr besteht, tritt die Lava des südlichen Stroms am Hang des Grandes Pentes zutage. Im Grand Brûlé fließt sie wieder überwiegend durch Tubes, die direkt an der Klippe des Lavadeltas münden und die Lava ins Meer leiten.

Der Ocean Entry ist seit dem 16. März aktiv. Am Eintrittspunkt ins Meer wächst seitdem eine Plattform aus erkalteter Lava und Fragmentmaterial, die inzwischen etwa 8,4 Hektar groß ist und sich 193 m weit ins Meer erstreckt.
Diese Lavaplattform wird hauptsächlich durch ein System von Lavatunneln gespeist. Sichtbare Lavaaustritte sind selten und konzentrieren sich vor allem auf den Kontaktbereich mit dem Meer. Dort entsteht durch das Zusammentreffen der etwa 1130 °C heißen Lava mit salzhaltigem Meerwasser eine dichte Gaswolke aus Wasserdampf, Salzsäure-Aerosolen und feinen Partikeln. Es bildet sich eine Art „Lavanebel“, der beim Einatmen sowie bei Augenkontakt gesundheitsschädlich sein kann. Zudem können plötzliche Explosionen auftreten, insbesondere wenn Wasser und Lava abrupt reagieren oder Teile der instabilen Plattform einstürzen.
Die seismische Aktivität ist moderat, aber wieder leicht angestiegen: Gestern wurden 43 Erdbeben registriert, fast doppelt so viele wie am Vortag. Gleichzeitig verlangsamt sich die Absenkung des Gipfelbereichs deutlich, was darauf hindeutet, dass sich der Lavaausstoß verringert hat oder wieder mehr Magma aus der Tiefe aufsteigt und im flachen Magmenkörper zwischengespeichert wird. Der vulkanische Tremor bleibt insgesamt stabil, zeigt jedoch leichte Schwankungen, vermutlich bedingt durch eine variierende Gasfreisetzung. Aufgrund dichter Bewölkung konnten zuletzt keine verlässlichen Satellitendaten zur Lavaförderrate erhoben werden. Entsprechend wird bei MIROVA auch keine Thermalstrahlung angezeigt.
Vulkanspotter, die sich vor Ort befinden, berichten von strikter Umsetzung des Drohnenflugverbots. Mittels mobiler Radaranlagen werden Drohnen aufgespürt und verfolgt. Drohnenpiloten, die erwischt werden, müssen mit empfindlichen Geldstrafen rechnen.












