Piton Fournaise: Wiederaufnahme des Tremors

Erneut Tremor am Piton Fournaise detektiert – Vulkan nimmt Ausbruch möglicherweise wieder auf

Am Piton Fournaise detektiert das seismische Netzwerk des OVPF erneut Tremor. Die Tremorquelle liegt im Bereich des jüngst aktiv gewesenen Schlackenkegels, der sich bei der Eruption bildete, die zwischen dem 13. Februar und dem 25. März aktiv gewesen war. Aufgrund dichter Bewölkung gibt es aber keine visuellen Beobachtungen des Geschehens und somit kann ein Wiederaufleben der Eruption noch nicht bestätigt werden.

Tremor

Aus einer Notiz des OVPF geht hervor, dass die Wiederaufnahme des Tremors gegen 15:00 Uhr Ortszeit begann. Das Signal wird als schwach beschrieben, aber man verweist auf die Möglichkeit einer Verstärkung in den nächsten Stunden. Das Auftreten dieses Tremors deutet auf den Austritt heißer, glühender Gase an der Oberfläche hin und lässt auch die Möglichkeit eines Lavastroms vermuten.

Am Piton de la Fournaise wurden bereits in der Vergangenheit Wiederaufnahmen der Eruptionsaktivität nach Unterbrechungen beobachtet, insbesondere während der Eruptionen von August bis Oktober 2015 sowie im Februar 2019. Es gilt weiterhin die Warnstufe: 2,2 und der Zugang zur Caldera bleibt gesperrt.

Erstaunlicherweise galten für den Küstenbereich nicht so strenge Sperrvorschriften und zahlreichen Vulkanspottern, Touristen und Einheimischen gelang es, bis zum Ocean Entry vorzudringen, obwohl die Küstenstraße weit vor den Stellen, an denen sie durch die Lavaströme unterbrochen worden war, abgesperrt wurde.

Feuerflüsse 2007

Im Jahr 2004 konnte man vergleichsweise einfach bis zum Ocean Entry vordringen und es wurden Pfade und Aussichtspunkte in sicherer Entfernung zum Lavadelta angelegt. Bei der besonders starken Eruption von 2007 hingegen war das Areal großräumig gesperrt und streng kontrolliert. Tatsächlich schickte man sogar Gendarmen los, um mich und meinen Filmpartner Chris damals im Gelände zu suchen, nachdem man unseren geparkten Wagen gesehen hatte. Dank Presseausweis bleibt ein Bußgeld aus, doch verlassen mussten wir das Eruptionsgebiet trotzdem. Der Ausbruch hatte aber auch eine völlig andere Dimension als der Ausbruch von 2004 oder der aktuelle.

Update 17:00 Uhr: Der Tremor steigt weiter und auf einem Livecambild ist rot illuminierter Dampf über dem Kegel auf 2056 m Höhe zu erkennen. Es zirkuliert also wieder Lava im Schlot.

Piton de la Fournaise: Vulkanausbruch endete nach 40 Tagen

Vulkanausbruch am Piton Fournaise ist beendet – Tremor nicht mehr nachweisbar

Nach 40 Tagen ununterbrochener Aktivität endete der Vulkanausbruch des Piton Fournaise am Nachmittag des 25. März 2026. Das seismische Netzwerk des OVPF registrierte gegen 15:00 Uhr Ortszeit einen plötzlichen Abfall der Tremoramplitude. Bereits 90 Minuten später war das vulkanische Zittern komplett aus den Aufzeichnungen verschwunden und der Förderschlot in 2056 m Höhe stellte seine Aktivität komplett ein.

Tremor

In den folgenden Stunden gab es noch Lavabewegungen entlang des südlichen Lavafelds, als Restschmelze abfloss, doch inzwischen sind alle Lavafronten zum Stillstand gekommen und auch der Ocean Entry stellte seine Aktivität ein. Dennoch halten die Vulkanologen ihre Warnung aufrecht, die neu entstandene Lavaplattform nicht zu betreten, da die Brandung diese unterspült und mit Kollapserscheinungen gerechnet werden muss.

Das Ende der Eruption kam ziemlich plötzlich, doch Kenner des Vulkans rechneten bereits mit einem baldigen Ende, als der Tremor am letzten Wochenende noch einmal kräftig stieg und erneut Lavafontänen aus dem Kraterkegel übersprudelten: Solche eine Aktivitätssteigerung während eines fortgeschrittenen Eruptionsverlaufs in Verbindung mit Gasschüben (Gaspistons) ist ein typisches Verhalten für den Piton Fournaise in der Endphase einer Eruption.

Nach Einschätzung der Vulkanologen bleibt zur weiteren Entwicklung der Situation jede Möglichkeit offen. Sie halten sowohl ein endgültiges Ende als auch eine erneute Aktivität, sei es am selben oder an einem anderen Ort, für möglich. Pausierende Eruptionsverläufe wurden in der Vergangenheit bereits beobachtet, etwa beim Ausbruch von August bis Oktober 2015, als es nach einer Ruhephase plötzlich wieder zum Aufleben der Aktivität kam. Dafür könnte sprechen, dass es bis kurz vor der Verstärkung der Aktivität am letzten Wochenende noch Inflation gab und noch Restschmelze im Magmenkörper vorhanden sein könnte.

Die neu gebildeten Lavafelder auf der Vulkanflanke und das Lavadelta an der Küste sind weiterhin heiß und es kommt besonders nach Niederschlägen zu starken Dampfentwicklungen. Am Krater gibt es anhaltende Entgasungen und fumarolische Tätigkeit.

Piton Fournaise: Ocean Entry bleibt aktiv

Lavadelta am Piton Fournaise wächst langsam – Lava fließt durch Tubes ins Meer

Der Ausbruch am Piton de la Fournaise hält seit dem 13. Februar an, unterliegt jedoch weiterhin der typischen Dynamik eines Vulkanausbruchs, wodurch sich das Eruptionsgeschehen laufend verändert. Im Krater des neu gebildeten Schlackenkegels auf 2056 m Höhe brodelt weiterhin Lava, deren Fontänen jedoch nur noch selten den Kraterrand überragen. Wie das OVPF mitteilt, kommt es aber gelegentlich zu Lavaüberläufen. Der Großteil der Lava fließt wieder in ein unterirdisches Röhrensystem, das sich erst während des Ausbruchs gebildet hat. Während am nördlichen Lavastrom keine sichtbare Oberflächenaktivität mehr besteht, tritt die Lava des südlichen Stroms am Hang des Grandes Pentes zutage. Im Grand Brûlé fließt sie wieder überwiegend durch Tubes, die direkt an der Klippe des Lavadeltas münden und die Lava ins Meer leiten.

Fournaise

Der Ocean Entry ist seit dem 16. März aktiv. Am Eintrittspunkt ins Meer wächst seitdem eine Plattform aus erkalteter Lava und Fragmentmaterial, die inzwischen etwa 8,4 Hektar groß ist und sich 193 m weit ins Meer erstreckt.

Diese Lavaplattform wird hauptsächlich durch ein System von Lavatunneln gespeist. Sichtbare Lavaaustritte sind selten und konzentrieren sich vor allem auf den Kontaktbereich mit dem Meer. Dort entsteht durch das Zusammentreffen der etwa 1130 °C heißen Lava mit salzhaltigem Meerwasser eine dichte Gaswolke aus Wasserdampf, Salzsäure-Aerosolen und feinen Partikeln. Es bildet sich eine Art „Lavanebel“, der beim Einatmen sowie bei Augenkontakt gesundheitsschädlich sein kann. Zudem können plötzliche Explosionen auftreten, insbesondere wenn Wasser und Lava abrupt reagieren oder Teile der instabilen Plattform einstürzen.

Die seismische Aktivität ist moderat, aber wieder leicht angestiegen: Gestern wurden 43 Erdbeben registriert, fast doppelt so viele wie am Vortag. Gleichzeitig verlangsamt sich die Absenkung des Gipfelbereichs deutlich, was darauf hindeutet, dass sich der Lavaausstoß verringert hat oder wieder mehr Magma aus der Tiefe aufsteigt und im flachen Magmenkörper zwischengespeichert wird. Der vulkanische Tremor bleibt insgesamt stabil, zeigt jedoch leichte Schwankungen, vermutlich bedingt durch eine variierende Gasfreisetzung. Aufgrund dichter Bewölkung konnten zuletzt keine verlässlichen Satellitendaten zur Lavaförderrate erhoben werden. Entsprechend wird bei MIROVA auch keine Thermalstrahlung angezeigt.

Vulkanspotter, die sich vor Ort befinden, berichten von strikter Umsetzung des Drohnenflugverbots. Mittels mobiler Radaranlagen werden Drohnen aufgespürt und verfolgt. Drohnenpiloten, die erwischt werden, müssen mit empfindlichen Geldstrafen rechnen.

Piton Fournaise: Lava fließt durch Tubes ins Meer

Eruption am Piton Fournaise hält an – Lava fließt durch Tubes ins Meer

Die Aktivität am Piton Fournaise ist weiterhin äußerst dynamisch und seit meinem letzten Update am Samstag änderten sich mehrere Parameter, sowohl geophysikalische Messgrößen als auch visuell zu beobachtende.

21. März. © OVPF

Am neu entstandenen Krater auf 2056 m Höhe ist die sichtbare Aktivität weiterhin hoch und es sind Lavafontänen sichtbar, die mehrere Zehnermeter über den Kraterrand hinaus aufsteigen. In Schüben kommt es zu Lavaüberläufen aus dem Krater, die von großen Gasblasen getriggert werden, die die Lava aus dem Fördersystem drücken.

Aus dem Förderschlot werden weiterhin Lavaströme gespeist, doch von den beiden Lavafeldern ist nur das südliche noch sichtbar aktiv und multiple Fronten schreiten voran. Das nördliche Lavafeld scheint seine Aktivität eingestellt zu haben. Die Förderrate reduzierte sich von 22 m³/s, die am Wochenende erreicht wurden, auf 13 m³/s.

Die Lava des südlichen Hauptstroms erreicht immer noch das Meer und vergrößert das Lavadelta, allerdings gibt es praktisch keine sichtbaren Oberflächenlavaströme mehr. Die Tubes (Lavaröhren), die sich durch Abkühlen der Lava an der Oberfläche gebildet haben, während unter der Erstarrungskruste die Schmelze weiterhin fließt, reichen bis zur Steilkante der Lavaplattform, wo die Lava erst in dem Moment sichtbar wird, in dem sie sich in den Ozean ergießt.

Tremor
Tremor © OVPF

Seit Freitag ist die Seismizität wieder deutlich erhöht und es ereigneten sich täglich mehr als 100 vulkanotektonische Erdbeben. In den letzten 24 Stunden ließ ihre Anzahl zwar nach, aber es wurden immer noch 133 Erschütterungen detektiert. Für eine Eruption, die seit über 5 Wochen andauert, ist das ein hoher Wert. Zeitgleich mit dem Einsetzen der Erdbeben stoppte die Deflation, die in den Vortagen gemessen wurde. Das bedeutet, dass sich Lavanachschub aus der Tiefe und Lavaausstoß durch die Eruption im Gleichgewicht befinden.

Der Tremor hatte seinen Zenit am Freitag und fällt seitdem genauso schnell ab, wie er angestiegen ist, liegt aber noch auf deutlich erhöhtem Niveau. Trotz dieser Schwankungen ist ein Ende der Eruption nicht in Sicht und niemand kann sagen, wie lange die Eruption noch andauern wird.

Piton Fournaise: Signifikante Steigerung des Vulkanausbruchs

Vulkanausbruch am Piton de la Fournaise steigerte sich signifikant – neue Lavafontäne speist Oberflächenlavastrom

Am Piton de la Fournaise hat sich die Eruption, die bereits am 13. Februar begann, deutlich verstärkt. Seit gestern beschleunigte sich der Tremoranstieg, und in der Nacht setzte erneut eine Lavafontäne ein, die über den Krater des neu entstandenen Förderschlotes hinaus aufstieg. MIROVA registriert eine sehr hohe Wärmestrahlung mit einer Leistung von mehr als 6700 MW. Diese geht von mehreren Lavaströmen aus, die von der neuen Fontäne gespeist werden und bereits den Steilhang der Grand Pentes erreicht haben. Auch der Ocean Entry bleibt aktiv, wobei die neue Situation den Lavafluss verändern und sich auf ihn auswirken könnte.

Lavadelta

Aus Satellitendaten geht hervor, dass sich die Lavaflussrate seit dem 18. März mehr als verdoppelt hat und bis heute Morgen auf etwa 22 m³/s angestiegen ist. Zeitgleich begann sich der nördliche Lavastrom zu verändern. Seine Front war seit Wochen auf etwa 660 m Höhe zum Stillstand gekommen. Nun hat sich der Strom einen neuen Weg gesucht; die Front befindet sich derzeit auf etwa 690 m Höhe am Fuß des Grand Brûlé.

Der Ocean Entry bleibt aktiv und bildet eine wachsende Lavaplattform bzw. ein Lavadelta. Es ist 665 m lang und ragt 129 m weit in den Ozean hinaus. Damit erreicht es nahezu eine Fläche von 86.000 Quadratmetern. Das Volumen beträgt rund 200.000 Kubikmeter. Trotz dieser Dimensionen ist das neu entstandene Land instabil; insbesondere der Küstenabschnitt kann kollabieren. Von einem Betreten wird daher dringend abgeraten.

Neben dem Tremor hat auch die Anzahl vulkanotektonischer Erdbeben zugenommen: Gestern wurden 130 dieser Beben registriert. Seit Mitte März wird zudem eine Deflation des Vulkangebäudes festgestellt. Der Magmaausstoß an der Oberfläche ist inzwischen größer als der Nachschub aus der Tiefe, sodass sich der oberflächennahe Magmenkörper entleert. Dennoch könnte der Vulkanausbruch noch eine Weile andauern, da sich in den Wochen zuvor trotz anhaltender Eruption zusätzlich Magma angesammelt hatte.

Die Situation ist äußerst dynamisch, und die Verstärkung der Aktivität könnte noch einige Überraschungen mit sich bringen.

Piton Fournaise: Vulkanausbruch und Ocean Entry bleiben aktiv

The Show goes on: Eruption und Ocean Entry am Piton Fournaise stabil

Am Piton de la Fournaise auf La Réunion geht der Vulkanausbruch weiter und der Ocean Entry bleibt aktiv. Inzwischen baut sich ein immer größer werdendes Lavadelta auf, das dem Ozean Land abringt. Die Lava stürzt in einem breiteren Strom auf einer Höhe von 4 bis 6 m über die Küstenklippe. Die Lavaflussrate hat sich scheinbar leicht erhöht.

Das Lavafeld teilt sich in zwei Hauptarme: Der nördliche Arm hat sich kaum verändert und liegt weiterhin rund 2,6 km von der RN2 entfernt. Der südliche Strom verzweigt sich aufgrund der Topografie und dichter Vegetation stark, dagegen stark und erreichte nach der Überquerung der RN2 seit dem 16. März das Meer. Dort entsteht eine wachsende Plattform aus erstarrter Lava. Beim Kontakt mit Wasser bildet sich eine gefährliche Wolke aus Wasserdampf, die neben Salzsäure auch feine Lavapartikeln („Lavanebel“) enthält, die gesundheitsschädlich ist. Zudem kann es beim Kontakt der heißen Lava mit dem Meerwasser laterale Explosionen geben.

Die seismische Aktivität bleibt gering, und auch die vorherige Aufblähung des Vulkans infolge anhaltenden Magmenaufstiegs in das flache Speicherreservoir hat aufgehört. Dies deutet auf ein Gleichgewicht zwischen Magmanachschub und Ausfluss hin, sodass sich kein zusätzlicher Druck im Reservoir aufbaut. Die Gefahr einer weiteren Spaltenöffnung sinkt, auch wenn dies in der Vergangenheit in vergleichbaren Eruptionsstadium vereinzelt ohne Vorwarnung vorkam. Seit dem 14. März wird ein deutlicher Tremoranstieg mit pulsierender Gasfreisetzung (Gaspistons) beobachtet, was auf verstärkte Entgasung hindeutet.

Die Schätzungen der Lavaförderrate sind uneinheitlich: Während einige Daten stabile Werte zeigen, deuten andere auf einen leichten Anstieg hin, bleiben aber unter 10 m³/s. Messunsicherheiten durch Wetter, Lavatunnel und den Eintritt ins Meer erschweren die Interpretation. Die gestern Nacht gemessene Wärmestrahlung erreichte Werte um 1600 MW und rangiert damit im Bereich der Spitzenwerte, seitdem sich die Lavatunnel bildeten.

Prognosen über die Dauer der Eruption lassen sich nicht anstellen. Eine kurzfristige Abschwächung ist nicht in Sicht, auch wenn die Inflation des Vulkangebäudes stoppte.

Piton Fournaise: Lava fließt weiterhin ins Meer

Lava fließt am Piton de la Fournaise weiterhin ins Meer – Ocean Entry verbreiterte sich

Am Piton de la Fournaise auf La Réunion ist weiterhin das seltene Naturspektakel eines Ocean Entry zu beobachten, etwas, das man als Vulkanspotter wenigstens einmal in seinem Leben gesehen haben sollte, das seitdem die Leilani-Eruption im Jahr 2018 auf Hawaii den langjährigen Seaentry stoppte, aber nur noch schwer zu erwischen ist. Umso erfreulicher, dass die Eruption auf La Réunion stabil ist und noch eine Weile weitergehen könnte. Allerdings könnten nur kleine Änderungen am Lavastrom diesen umleiten und den Ocean Entry vom Lavanachschub abschneiden.

Bereits jetzt bilden sich entlang des fast 10 Kilometer langen Lavafelds immer wieder neue Arme, die das Feld vergrößern, aber auch seine interne Struktur verändern, wodurch die Situation unberechenbar wird – Prognosen, wie lange der Ocean Entry aktiv bleiben wird, lassen sich aufgrund der Dynamik des Geschehens nicht anstellen.

Der Ausbruch wird weiterhin von einem aktiven Eruptionszentrum gespeist, das sich im Initialstadium der Eruption am 13. Februar bildete. Die sichtbare Aktivität verlagerte sich aber hangabwärts in ein komplexes System aus Lavatunneln und verzweigten Strömen. Gestern betrug die Lavaflussrate an der Oberfläche gut 8 m³/s. Satelliten registrierten eine sehr hohe Thermalstrahlung mit 1340 MW Leistung.

Der Ocean Entry, der sich seit dem 16. März etablierte, liefert ein atemberaubendes Naturschauspiel. Beim Kontakt der rund 1100 °C heißen Lava mit dem Meerwasser entstehen dichte Dampfwolken, die u. a. Salzsäure-Aerosole und feine Glaspartikel enthalten. Gleichzeitig wächst durch die rasche Abkühlung und Fragmentierung der Lava eine instabile Küstenplattform. Von einer Betretung der Plattform sollte man absehen. Thermische Messungen zeigen in diesem Bereich deutlich erhöhte Wassertemperaturen. Zudem sind Wasserverfärbungen sichtbar geworden. Sie zeugen von Stoffeintrag, der für die marine Lebewelt tödlich sein kann. Bei früheren Ocean Entrys auf Fournaise wurden sogar tote Tiefseefische angespült.

Die spektakuläre Interaktion zwischen Lava und Meer ist nicht nur für Meeresbewohner gefährlich: Plötzliche Explosionen können glühendes Material und heißen Dampf freisetzen.

Piton Fournaise: Ocean Entry in der Nacht

OE

Lava des Piton de la Fournaise erreicht den Indischen Ozean – Ocean Entry aktiv

Die Lava hat am Piton Fournaise heute Nacht endlich die Küste erreicht und fließt über eine kleine Klippe ins Meer. Bei dem Meer handelt es sich um den Indischen Ozean, in dem sich die Insel La Réunion erhebt, die vulkanischen Ursprungs ist und sich – ähnlich wie Hawaii – über einen Hotspot bildete. Nach Angaben der Vulkanologen vom OVPF floss die Lava gegen 00:20 Uhr Ortszeit ins Meer und erzeugte damit einen sogenannten Ocean Entry – eines der spektakulärsten Phänomene aktiven Vulkanismus.

Der Lavastrom entspringt weiterhin dem neu entstandenen Schlackenkegel auf dem aktiven Förderschlot, der seit Eruptionsbeginn am 13. Februar gewachsen ist und dessen Seiten inzwischen komplett geschlossen sind. Die Lava fließt im oberen Bereich des Vulkans komplett durch ein neu angelegtes Tunnelsystem, wodurch sie bei gegebener Abkühlung gut isoliert ist und die ca. 10 Kilometer lange Strecke bis zur Küste zurücklegen kann. Dennoch kommt es eher selten vor, dass Lavaströme aus Schloten so weit oben am Vulkan die Küste erreichen. Typischerweise entspringen solche Lavaströme tiefer gelegenen Eruptionsspalten auf der Flanke des Piton de la Fournaise.

Das Lavafeld bildet zwei Hauptarme. Der nördliche Arm bewegt sich weiterhin langsam hangabwärts und endet derzeit rund 2,6 Kilometer oberhalb der Küstenstraße RN2 in etwa 660 Metern Höhe. Der südliche Arm hingegen entwickelte sich dynamischer. Er verzweigte sich in mehrere Nebenarme, deren Geschwindigkeit stark von der Topographie und der Vegetation entlang des Weges beeinflusst wird.

Am 13. März überquerten drei Arme des südlichen Lavastroms die Nationalstraße RN2, die entlang der Südostküste der Insel verläuft. In den folgenden Tagen setzte der Strom seinen Weg über den nunmehr sanft geneigten Vulkanhang fort. Dabei verlangsamte sich der Strom deutlich und es dauerte wesentlich länger, bis ein schmaler Frontabschnitt die Küste erreichte, als zunächst angenommen wurde. Einer der Gründe liegt darin, dass sich oberhalb der Küstenstraße ein neuer Lavaarm vom Hauptstrom abzweigte, so dass dieser weniger Nachschub frischer Lava erhielt.

Die seismische Aktivität bleibt währenddessen gering. Gleichzeitig zeigen GNSS-Messstationen weiterhin eine leichte Aufblähung des Vulkangebäudes, was auf einen erneuten Druckanstieg im Magmafördersystem hinweist.

Die Tremoramplitude hat seit dem 14. März wieder zugenommen und hat jetzt wieder fast das Niveau wie vor dem plötzlichen Rücksetzer letzte Woche erreicht. Seit der erneuten Zunahme treten am Förderschlot Gaspistons auf: explosionsartige Entgasungen, die durch große Gasblasen im Magma verursacht werden. Hierdurch kann es zu größeren Schwankungen im Lavaausstoß kommen. Am Piton Fournaise treten diese Gaspistons häufig in einem fortgeschrittenen Eruptionsstadium auf und deuten darauf hin, dass überwiegend älteres, bereits stark entgastes Magma gefördert wird. Dennoch kann es zu einem weiteren Schub jungen Magmas kommen.

Die geschätzten Lavaausflussraten liegen aktuell unter 5 m³ pro Sekunde. Trotz der momentan stabilen Situation bleibt der Vulkan unter Beobachtung, da sich in früheren Ausbrüchen neue Spalten teilweise ohne Vorwarnung geöffnet haben. Der Alarmstatus bleibt daher bei Stufe 2.2.

Piton Fournaise: Lava stagniert kurz vor Küste

Lavastrom stagniert kurz vor der Küste und der Bildung eines Ocean Entrys am Piton Fournaise

Die Lava macht es spannend: Kurz vor dem erwarteten Ocean Entry auf La Réunion hat sie sich so weit verlangsamt, dass einige Stimmen davon sprachen, sie hätte in 150 mm Entfernung zur Küste gestoppt. Laut OVPF-Vulkanologen bewegt sich die am weitesten fortgeschrittene Lavafront noch mit einigen Metern pro Stunde. Grund hierfür dürfte sein, dass sich das Gelände immer weiter abflacht, je näher es der Küste kommt, und das Gefälle führte den Lavastrom nicht auf den kürzesten Weg zum Meer, sondern auf eine etwas abgeschrägte Route dorthin, wo es bereits schon mal einen Ocean Entry gab.

Es ist noch offen, ob die Lava die letzten Meter schafft, und es hängt natürlich nicht nur vom Gefälle ab, sondern auch vom Lavanachschub. Wenn dieser schwächelt, sieht es schlecht aus. Bei konstant anhaltendem Lavafluss sollte es aber früher oder später zu einem Ocean Entry kommen. Natürlich spielen noch andere Faktoren eine Rolle, etwa wie sich der Lavastrom in mehrere Arme teilt und ob dann in einem Arm genug Schmelze unterwegs ist, um die Front schnell genug voranschreiten zu lassen, bevor sie erstarrt und sich selbst blockiert. Wenn das der Fall ist, kann sich weiter hangaufwärts ein neuer Lavaarm bilden, der es dann wieder weiter bis zur Küste hat.

Piton Fournaise 2004. © Marc Szeglat

Ich selbst hatte bisher zweimal das Glück, eine Ocean-Entry am Piton de la Fournaise mitzuerleben, wobei der von 2004 der spannendste und ästhetischste war. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wie groß das Interesse der Réunaisen ist, dem Lava-Schauspiel beizuwohnen. Damals standen Observatorium und Präfektur noch unter Leitung von Menschen, die selbst etwas lockerer waren, und sorgten dafür, dass die Schaulustigen von Gendarmen begleitet zu Aussichtspunkten nahe der Lava geführt wurden. Wir Geonauten/Vulkanauten waren mit Sondergenehmigungen ausgestattet und konnten direkt bis zur Lavafront vordringen. Klar ist, dass von einem Ocean Entry einige Gefahren ausgehen: Es drohen sekundäre Explosionen bei Kontakt von Lava mit Wasser, es gibt eine extrem starke Dampfentwicklung und sauren Regen, die einem Sicht und Atem nehmen, verstärkt von brennender Vegetation. Waldbrände und die fließende Lava selbst können einen in Bedrängnis bringen und sogar den Rückweg abschneiden Geht man auf ein neu entstandenes Lavadelta hinaus, droht dieses zu kollabieren, da die Lava von den Wellen des Ozeans schnell erodiert und unterspült wird Doch trotz – oder gerade wegen – dieser Gefahren ist ein Ocean Entry ein besonders Naturschauspiel, das man auf der Erde nur selten zu Gesicht bekommt.