Wer sich aufmacht, einen aktiven Vulkan bei seinen Eruptionen zu beobachten, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er sich stets einem gewissen Risiko aussetzt. Letztlich kann es an jedem aktiven Vulkan zu einem größeren Ausbruch kommen als erwartet, was bei einer zu großen Annäherung an das Objekt der Begierde gefährlich werden kann. Davon abgesehen gibt es auf der Erde nur wenige Naturerlebnisse, die mit der Beobachtung eines Vulkanausbruchs vergleichbar sind.
Vulkanreiseziele in Europa
Die Herausforderung für den potenziellen Vulkanbeobachter besteht darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein ‐ oder sich einen dauerhaft aktiven Vulkan als Reiseziel auszusuchen. Für Europäer ist das in der Regel der Stromboli. Auch Ätna und Vesuv zählen zu den beliebtesten Vulkanzielen, doch Letzterer ruht seit seinem letzten Ausbruch im Jahr 1944, sodass die Chance, dort eine Eruption zu erleben, praktisch bei null liegt.
Am Ätna ist alles eine Frage des Timings. In den vergangenen Jahren zeigte der Vulkan meist nur ein bis zwei Aktivitätsphasen pro Jahr, die jedoch mehrere Wochen andauern können. Selbst während dieser Phasen muss der Vulkan nicht durchgängig aktiv sein, und schlechtes Wetter kann die Sicht zusätzlich beeinträchtigen. Am Stromboli sind die Chancen dagegen am größten, rotglühende Lava zu sehen, da der Vulkan in der Regel mehrmals pro Stunde seine charakteristischen Explosionen erzeugt. Während es früher möglich war, bis zum Pizzo oberhalb des aktiven Kraters aufzusteigen, ist der Aufstieg ohne Bergführer heute nur noch bis zu einem Aussichtspunkt auf etwa 290 Metern Höhe erlaubt. Mit Führer gelangt man rund 110 Höhenmeter weiter hinauf. Im Vergleich zu früheren Zeiten bleibt man jedoch deutlich weiter vom Krater entfernt. Wer Vulkanfotografie betreiben möchte, sollte ein Teleobjektiv im Bereich von 70‐200 mm mitführen. Wird der Vulkan zu aktiv, können auch die Aussichtspunkte gesperrt werden. Dann bleibt nur die Beobachtung von der Seeseite aus. Entsprechende Bootstouren werden regelmäßig angeboten.
Vulkanische Reiseziele in Guatemala
Neben dem Stromboli gibt es nur noch zwei weitere regelmäßig eruptierende Vulkane auf der Welt, an denen die Chancen besonders hoch sind, explosive Vulkanausbrüche zu erleben. Einer davon ist der Volcán de Fuego in Guatemala, den ich inzwischen sogar dem Stromboli vorziehe. Von Antigua aus werden Wandertouren mit Übernachtung auf dem benachbarten Vulkan Acatenango angeboten. In geführten Gruppen erreicht man nach etwa vier Stunden die Lagerplätze auf dem ruhenden Vulkan, von denen aus man in rund drei Kilometern Entfernung die Eruptionen des Fuego beobachten kann. Da diese meist deutlich stärker ausfallen als am Stromboli, genügt hier bereits ein 24‐70-mm-Standardzoom für eindrucksvolle Fotos. Die ideale Brennweite liegt bei etwa 100 mm. Von erweiterten Touren, die näher an den Krater des Fuego heranführen, rate ich allerdings ab.
In Guatemala gibt es mit dem Santiaguito einen weiteren dauerhaft aktiven Vulkan. Dieser zeigt überwiegend effusive Aktivität, wobei es dennoch meist mehrmals täglich zu Ascheeruptionen kommt. Eine Tour dorthin ist anspruchsvoller und erfordert deutlich mehr Geduld als ein Besuch am Fuego.
Vulkanreisen in Indonesien
Lange Zeit war Indonesien ein El Dorado für Vulkanspotter, doch das hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Nach mehreren Unfällen mit Todesfolge sind die Aufstiege zum Semeru, Dukono und nun auch zum Ibu gesperrt. Am Merapi kann man bestenfalls von unten aus glühende Lavalawinen beobachten. Lewotobi und Lewotolok liegen abseits der bekannten Inseln und sind etwas für Kenner und Könner.Wer die berühmten blauen Flammen des Kawah Ijen in Indonesien besichtigen möchte, sieht sich inzwischen mit großen Touristenmengen konfrontiert. Zudem ist vor dem Aufstieg ein Gesundheitscheck erforderlich.
Vulkane Ozeaniens
Der dritte dauerhaft strombolianisch aktive Vulkan im Bunde ist der Yasur auf der Insel Tanna in Vanuatu. Obwohl der Vulkan vergleichsweise leicht zu besteigen ist, handelt es sich um eine teure und logistisch aufwendige Reise, die von Europa aus meist nur ambitionierte Vulkanspotter unternehmen. Da man hier bis an den aktiven Kraterrand gelangen kann, zählt die Tour zugleich zu den gefährlichsten Vulkanerlebnissen weltweit.Für den Kilauea auf Hawaii gilt Ähnliches wie für den Ätna: Er ist nicht ständig aktiv, und seit dem Ende des Lavastroms, der vor 2018 viele Jahre lang ins Meer floss, gibt es keine Garantie mehr, einen Ausbruch zu erleben. Derzeit treten episodisch Lavafontänen auf, die ein unvergleichliches Naturspektakel darstellen. Allerdings bedarf es hier einer guten Planung, einer gewissen Spontanität und auch etwas Glück, um zur richtigen Zeit vor Ort zu sein.
Früher galten auch die Lavaseen des Erta Alé in Äthiopien und des Nyiragongo im Kongo als sichere Hotspots für Vulkanspotter. Derzeit sind diese Lavaseen jedoch nicht oder nur temporär aktiv. Zudem ist der Kongo aus politischen Gründen praktisch nicht mehr zu bereisen. Aus gleichem Grund ist auch das in Russland gelegene Kamtschatka mit seinen Vulkanen zumindest für mich off limits.
Fazit
Für Vulkanneulinge sind Stromboli und Fuego nach wie vor die Topfavoriten, wobei für mich am Fuego eher echtes Vulkanfeeling aufkommt als am Stromboli. Wer ein gut gefülltes Bankkonto hat und auf abenteuerliche Fernreisen steht, kann sich auf den Weg zum Yasur machen. Eine hundertprozentige Erfolgsgarantie gibt es aber an keinem Vulkan, denn auch daueraktive Vulkane pausieren zwischendurch mal oder das Wetter macht einem einen Strich durch die Rechnung.Letztlich gibt es kein perfektes Vulkanreiseziel, denn jeder Vulkan besitzt seinen eigenen Charakter und seine eigenen Herausforderungen. Wer jedoch seine Reise sorgfältig plant und realistische Erwartungen mitbringt, hat gute Chancen, eines der beeindruckendsten Naturschauspiele unseres Planeten hautnah zu erleben.
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