Vulkane gehören zu den beeindruckendsten Naturphänomenen der Erde. Gleichzeitig zählen sie zu den gefährlichsten. Die meisten Menschen denken bei einem Ausbruch zuerst an Lava ‐ doch in Wahrheit sind andere Prozesse oft deutlich tödlicher. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Vulkangefahren und erklärt, wie man sich davor schützen kann.Vulkankatastrophen und Unglücke der jüngeren Vergangenheit
Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeigt, dass Vulkangefahren nicht nur theoretische Risiken sind, sondern weltweit immer wieder zu schweren Katastrophen führen. Besonders eindrücklich sind Fälle, in denen unterschiedliche Gefahrenarten gleichzeitig Menschen und Infrastruktur getroffen haben:Am Ausbruch des Merapi 2010 auf Java verursachten pyroklastische Ströme und Lahare eine der tödlichsten Vulkankatastrophen der letzten Jahrzehnte. Ganze Dörfer wurden innerhalb weniger Minuten überrollt. Trotz intensiver Überwachung des Vulkans durch Vulkanologen und Warnungen vor den Folgen einer Eruption wurden die Menschen von der Gewalt des Ausbruchs überrascht. Das Gefährliche: Nach einer einleitenden Explosionsserie wuchs rasend schnell ein Lavadom im Krater, der wiederum durch starke Explosionen zum Kollabieren gebracht wurde, was die pyroklastischen Ströme auslöste, in denen fast 350 Menschen den Tod fanden.
Beim Vulkan Sinabung in Indonesien kam es während der anhaltenden Aktivitätsphase 2014-2021 immer wieder zu Abgängen pyroklastischer Ströme und starkem Ascheniederschlag. Die Asche lagerte sich auf Hausdächern ab und brachte diese nach Regenfällen zum kollabieren. Ganze Dörfer wurden so zerstört und 30 Menschen fanden den Tod.
Auf La Palma führte die Cumbre-Vieja-Eruption 2021 zu ausgedehnten Lavaströmen, die über Wochen hinweg Wohngebiete, Straßen und Plantagen zerstörten und eine komplette Umgestaltung der Landschaft zur Folge hatten. Rund 3000 Gebäude wurden zerstört.
Auch der Dukono auf Halmahera zeigt, dass selbst praktisch täglich aktive Vulkane, die gerne von Touristen bestiegen werden, gefährlich bleiben: Im Mai 2026 kam es zu einem ungewöhnlich starken Ausbruch, dessen kollabierende Aschesäule einen pyroklastischen Strom verursachte, als Touristen den Kraterrand betraten. Drei konnten nur noch tot geborgen werden, 5 Touristen wurden verletzt.
Diese Beispiele zeigen bereits, dass pyroklastische Ströme eine der häufigsten Todesursache am Vulkan sind. Zudem verdeutlichen sie, dass Vulkangefahren selten isoliert auftreten ‐ oft verstärken sich mehrere Risiken gegenseitig und machen Eruptionen unberechenbar und besonders gefährlich.
1. Pyroklastische Ströme ‐ die tödlichste Gefahr
Pyroklastische Ströme sind heiße Gemische aus Gas, Asche und Lavagestein, die mit extrem hoher Geschwindigkeit den Vulkan hinabrasen. Sie erreichen oft Temperaturen zwischen mehreren hundert und über 1000 °C und Geschwindigkeiten von bis zu mehreren hundert km/h.Sie zerstören alles auf ihrem Weg innerhalb von Sekunden. Flucht ist praktisch unmöglich, wenn man sich in ihrer Nähe befindet.
Ein historisches Beispiel ist der Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr., bei dem Ausbruch des Vesuv 79 n. Chr. die Städte Pompeji und Herculaneum durch pyroklastische Ströme vollständig zerstört wurden.
Die Katastrophe vom Mount Pele, bei der mehr als 28.000 Menschen starben lehrte, dass bestenfalls meterdicke mauern schützen können: der einzige Überlebende befand sich im Gefängnis der Stadt St. Pierre, die komplett ausgelöst wurde.
Wer nur in den Ausläufern eines pyroklastischen Stroms gerät, hat bessere Überlebenschancen, wenn er nicht-brennbare Kleidung aus Wolle oder Baumwolle trägt und auch seinen Kopf schützen kann. Ungeeignet sind die meisten normalen Kunstfasern, die schmelzen oder sogar brennen. Zudem sollte man versuchen möglichst nicht zu Atmen. Im Idealfall hält man sich ein nasses Tuch vor das Gesicht. Ich habe Opfer der Merapi-Katastrophe von 2010 im Krankenhaus besucht: dort wo Haut blank lag, wiesen sie schlimmste Verbrennungen auf. besonders betroffen waren Ohren, Gesicht, Hände, Arme und Unterschenkel. Aber bereits Hemd und Hose schützten vor dem Schlimmsten.
2. Ascheregen ‐ unsichtbare Last aus der Luft
Vulkanasche besteht aus feinen Gesteins- und Glaspartikeln. Sie kann über große Entfernungen transportiert werden und ganze Regionen bedecken. Die größten Gefahr geht von aschebedeckten Dächern aus: Besonders wenn sie Nass werden, bildet sich eine tonnenschwere, zementartige Schicht, die Hausdächer einstürzen lassen kann. Weiter drohen:- Ausfall des Flugverkehrs
- Schäden an Motoren, Maschinen und Elektronik
- Atemwegsreizungen und gesundheitliche Probleme
3. Lahare ‐ gefährliche Schlammströme
Lahare entstehen, wenn Vulkanasche mit Wasser vermischt wird, etwa durch Regen, geschmolzenen Schnee oder Gletscherwasser. Dabei entstehen betonartige Schlammströme, die sich mit hoher Geschwindigkeit durch Täler bewegen.Sie folgen oft Flussläufen und können dadurch weit entfernte Siedlungen erreichen. Besonders gefährlich ist, dass sie auch lange nach einem Ausbruch auftreten können und in der Lage sind Brücken niederzureißen. Lahare machen durch rumpelnde Geräusche auf sich aufmerksam. Am besten bringt man sich vor ihnen auf höherem Gelände in Sicherheit.
4. Lavaströme ‐ langsam, aber zerstörerisch
Lava ist geschmolzenes Gestein, das aus dem Vulkan austritt. Im Vergleich zu anderen Gefahren bewegt sie sich meist langsam, was theoretisch Zeit zur Flucht gibt.Trotzdem zerstört sie Gebäude, Straßen und Landschaft dauerhaft. Die Gefahr liegt daher weniger in unmittelbarer Lebensgefahr als in massiven Sachschäden.
5. Giftige Gase ‐ die unsichtbare Bedrohung
Vulkane setzen verschiedene Gase frei, darunter Kohlendioxid (CO2) und Schwefeldioxid (SO2).- CO2 kann sich in Senken sammeln und zur Erstickung führen
- SO2 reizt Augen und Atemwege und kann sauren Regen verursachen
6. Tsunamis durch Vulkane
Unterseeische oder küstennahe Vulkanausbrüche können gewaltige Wassermassen verdrängen und Tsunamis auslösen. Ebenso können Hangrutsche ins Meer große Wellen erzeugen.Ein bekanntes Beispiel ist der Krakatau-Ausbruch 1883, bei dem Krakatau-Ausbruch 1883 massive Tsunamis verursachte, die ganze Küstenregionen zerstörten. Ein Warnsignal eines heraneilenden Tsunamis ist sich weit zurückziehendes Wasser an der Küste. Hier hilft nur die Flucht auf höheres Gelände. Warnapps auf dem Smartphone können Zeit verschaffen.