Vulkane und ihre Eruptionen sind nicht nur Ausdruck der Erddynamik, sondern prägen das Geschick der Menschheit und anderen Bewohnern der Erde. Dabei gab es besonders in der Frühzeit des Planeten gewaltige Vulkanausbrüche, den Gashaushalt der Atmosphäre steuerte und halfen die Ozean mit Wasser zu füllen. Dabei kam es aber auch nachweislich zu Eruptionen, die für Masseaussterbe-Ereignisse verantwortlich waren oder zumindest maßgeblich an diesen beteiligt waren. Das erste ereignete sich vor gut 252 Millionen Jahren, als der Sibirische Trapp entstand. Die gewaltige Flutbasalt-Eruption dauerte mehrere Hunderttausend Jahre und verursachte das Perm-Trias-Massenaussterben, dem zwischen 90 und 96 Prozent aller Meeresbewohner zu Opfer fielen.
Ein ähnlicher Ereignis manifestierte sich vor ungefähr 201 Millionen Jahren, als sich die Zentralatlantische Magmatische Provinz (Central Atlantic Magmatic Province, CAMP) bildete. Damals gab es noch den Urkontinent Pangäa, der zu dieser Zeit auseinander zu brechen&xnbsp;begann. Die CAMP entstand, als sich der Atlantik zu öffnen begann. Die dabei freigesetzten Lavamengen beeinflussten das Klima so stark, dass ein Großteil der frühen Reptilien ausstarb. Das Ereignis machte den Weg endgültig frei für die Dinosaurier.
Ein weiterer Großausbruch war dann vor 66 Millionen Jahren an der Auslöschung der Dinosaurier beteiligt, als zusammen mit dem bekannten Asteroiden-Impakt das Kreide-Paläogen-Massenaussterben stattfand. Dabei entstand der Dekka-Trapp im heutigen Indien.
Sicherlich hat es in den frühen Erdzeitalter weitere gigantische Eruptionen geben, deren geologischen Spuren heute aber nicht mehr lesbar sind. Nach Jahrmillionen ist selbst die gewaltigste Caldera verfüllt und der größte Vulkan erodiert, ähnlich, wie es sich mit den Einschlagskratern von Asteroiden verhält. So sind die drei sich überlappenden Yellowstone-Calderen, die sich zwischen 2,1 und 0,64 Millionen Jahren bildeten, mit die ältesten erhaltenen Vulkanstrukturen der heutigen Erdkruste, die von klimaverändernden Eruptionen zeugen, die globale Katastrophen auslösten. Interessanterweise tauchte zu der Zeit der ersten Yellowstone-Supervulkaneruption die Gattung Mensch auf.
Diese wurde vor 74.000 Jahren fast Opfer eines gewaltigen Vulkanausbruchs, als auf der indonesischen Insel Sumatra Der Toba ausbrach. Die Eruption hatte einen VEI 8 und löste vermutlich die 1000 kältesten Jahre der Würm-Eiszeit aus. In der Folge gab es eine globale Ernährungskrise, der bis auf etwa 1000 Individuen alle Menschen zu Opfer gefall sind. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus genetischen Analysen, nach denen wir alle Nachfahren der Überlebenden sind. Wie es etwa um den Neandertaler bestellt war ist ungewiss. Er könnte Opfer einen weiteren Supervulkaneruption geworden sein, die zeitlich in etwa mit dem Aussterben der Seitengattung Mensch zusammenfällt: Die Eruption des Kampanischen Ingimbrit aus der Caldera Campi Flegrei, vor etwa 38.000 Jahren. Überlebende könnten dann endgültig durch die Taupo-Eruption von Neuseeland ausgelöscht worden sein, die sich vor 26.500 Jahren ereignete.
In Historischen Zeiten gab es ebenfalls eine Reihe katastrophaler Ausbrüche, die vielleicht nicht die gesamte Menschheit auslöschten, aber Lokal und Regional ernste Naturkatastrophen verursachten. Die Liste führt der indonesische Vulkan Tambora an, der 1815 ausbrach und durch Aerosoleintrag in die oberen Atmosphärenschichten das globale Klima abkühlte. Das Folgejahr ging als das Jahr ohne Sommer in die Annalen ein. Dieser Ausbruch hatte einen VEI 7. Es kam zu Hungersnöte in Europa und Nordamerika. mindesten 72.000 Menschen starben an den direkten Auswirkungen der Eruption.
Eine weitere Vulkankatastrophe ereignete sich 1883 ebenfalls in Indonesien, als sich die Inselvulkan Krakatau sprengte und eine Serie gewaltiger Tsunamis verursachte, die mindesten 36.000 Menschen das Leben kosteten. Dieser Ausbruch hatte einen VEI 6.
Eine der gewaltigsten Eruptionen der jüngeren Geschichte verursachte 1991 der philippinische Pinatubo. Infolge der Eruption mit einem VEI6 starben mindestens 875 Menschen. Die globale Durchschnittstemperatur sank um 0,5 Grad.
Die stärkste Eruption seit Tambora liegt noch nicht lange zurück und manifestierte sich im Januar 2022, als in Tonga der submarine Vulkan "Hunga Tonga-Hunga Ha'apai" ausbrach. Er förderte eine extrem hoch aufsteigende Aschewolke, die eine Höhe von 57 bis 58 Kilometern erreichte. Der Vulkanausbruch brachte die ungeheure Mengen von 146 Teragramm Wasserdampf in die Stratosphäre ein, die sich unerwarteter Weise abkühlte und bis heute das Klima beeinflusst.
Die 22 größten Vulkanausbrüche der Erdgeschichte
| # | Vulkan / Provinz | Zeit | VEI | Auswirkungen |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Sibirische Trapps Flutbasalt | ~252 Mio. Jahre (Perm-Trias) | - (LIP) | Größtes Massenaussterben; extremer CO2-/SO2-Ausstoß, Ozeananoxie |
| 2 | Zentralatlantische Magmatische Provinz Flutbasalt | 201 Mio. Jahre (Trias-Jura) | - (LIP) | Klimaschock; Aussterben vieler Reptilien, Weg frei für Dinosaurier |
| 3 | Dekkan-Trapps Flutbasalt | 66 Mio. Jahre (Kreide-Paläogen) | - (LIP) | Langzeit-Klimastress; Mitverursacher des Dino-Aussterbens |
| 4 | La Garita (Fish Canyon Tuff) | ~28 Mio. Jahre | 8 | Eine der größten bekannten Einzel-Supereruptionen |
| 5 | Whakamaru | ~335.000 Jahre | 8 | Massive Ascheablagerungen in Neuseeland |
| 6 | Toba | ~74.000 Jahre | 8 | Vulkanwinter-Hypothese; globaler Klimaeinbruch |
| 7 | Yellowstone (Lava Creek) | ~640.000 Jahre | 8 | Kontinentale Aschedecke in Nordamerika |
| 8 | Campi Flegrei Supervulkan | ~38.000 Jahre | 7 | Massiver pyroklastischer Auswurf in Italien; weitreichende Aschewolken; lokale Zerstörung |
| 9 | Oruanui (Taupo) | ~26.500 Jahre | 8 | Größte bekannte Eruption der letzten 70.000 Jahre |
| 10 | Tambora | 1815 | 7 | "Jahr ohne Sommer", Hungersnöte |
| 11 | Samalas | 1257 | 7 | Starke globale Abkühlung im Mittelalter |
| 12 | Kuwae | 1452/53 | 6-7 | Klimaanomalien in historischen Chroniken |
| 13 | Huaynaputina | 1600 | 6 | Missernten in Europa & Russland |
| 14 | Laki (Spalteneruption) | 1783-1784 | 6 | "Giftnebel" über Europa; Hungersnöte |
| 15 | Krakatau | 1883 | 6 | Tsunamis; globale atmosphärische Effekte |
| 16 | Santa María | 1902 | 6 | Massive Aschewolken über Mittelamerika |
| 17 | Novarupta | 1912 | 6 | Größte Eruption des 20. Jh.; Valley of Ten Thousand Smokes |
| 18 | Pinatubo | 1991 | 6 | Globale Abkühlung ~0,5 °C |
| 19 | Puyehue-Cordón Caulle | 2011 | 5 | Flugverkehr über Monate gestört |
| 20 | Eyjafjallajökull | 2010 | 4 | Luftverkehr in Europa wochenlang lahmgelegt |
| 21 | Bárðarbunga Island | 2014-2015 | 4 | Lavaflüsse über 85 km²; Evakuierungen in der Nähe; Flugverkehr nur kurzfristig gestört |
| 22 | Hunga Tonga-Hunga Ha'apai | 2022 | 5-6 | Rekord-Plumehöhe; Tsunami & globale Druckwellen |
Hinweis: Flutbasalt-Provinzen (LIPs) lassen sich nicht sinnvoll mit VEI vergleichen; sie wirken durch Dauer & Gasemissionen.