Vulkan Stromboli mit Lavastrom am 16.11.22

Lava-Überlauf am Stromboli

Staat: Italien | Koordinaten: 38.79; 15.21 | Aktivität: Lavastrom

In den frühen Morgenstunden begann am Stromboli ein neuer Lavaüberlauf aus dem nördlichen Förderschlot des Kraters. Zudem gibt es strombolianische Tätigkeit und Lavaspattering. Der Lavastrom ist noch vergleichsweise klein: seine Front ist auf der Sciara del Fuoco, knapp unterhalb der Kraterkegelbasis. Der Tremor schoss bis in den roten Bereich, befindet sich aktuell aber schon wieder in der orangenen Zone. Nachts wurde eine schwache thermische Anomalie detektiert. Tatsächlich ereignete sich auch ein schwaches Erdbeben Mb 1,0. Solchen Erdbeben sind auf Stromboli immer bemerkenswert, da sie sich meistens einige Tage/Wochen vor einer Aktivitätssteigerung ereignen.

Im Oktober gab es ebenfalls mehrere Überläufe. Zuerst gab es an einigen Tagen vergleichbare Ströme wie heute, doch dann steigerte sich die Aktivität signifikant und es kam zu Pyroklastischen Strömen, die bis aufs Meer hinaus glitten. Lavaströme erreichten ebenfalls die Küste.

Inzwischen brachte das INGV einen Tätigkeitsbericht heraus. Er bestätigt im Wesentlichen meine Beobachtungen oben. Die Tremor-Zunahme begann um 5,40 UCT. Der Tremor stieg bis auf mittelhohe Werte. Einhergehend mit dem Tremor-Anstieg nahm das Lavaspattering zu, dass dann letztendlich zum Überlaufen der Lava aus dem Krater führte. Eine besondere Inflation wurde nicht detektiert.

Gestern Nachmittag wurde der Tätigkeitsbericht der letzten Woche veröffentlicht. Gegenüber dem vorherigen Beobachtungszeitraum nahm die Häufigkeit strombolianischer Eruptionen leicht zu. Pro Stunden gab es zwischen 11 und 14 Eruptionen. Außerdem gab es Phasen mit Lavaspattering. Der Gasausstoß stieg leicht, bewegte sich aber noch auf mittelhohen Werten. Im letzten Update wurde insbesondere eine Steigerung des Kohlendioxid-Ausstoßes beobachtet. Damals wies ich darauf hin, dass frisches Magma auf dem Weg sein könnte. Offenbar hat es heute den Krater erreicht. Wissenschaftliche Prognosen über den weiteren Eruptionsverlauf lassen sich anhand der Daten nicht erstellen. Die Erfahrung zeigt aber, dass solche Ereignisse wie heute und Anfang Oktober oft in Phasen erfolgen, die sich durchaus über mehrere Monate erstrecken können. Zwischendurch macht der Vulkan wie gewohnt weiter.

Unterwasservulkan Ahyi eruptiert möglicherweise

  • Medienberichten zufolge wurden akustische Signale vom Ahyi Seamount registriert
  • Sie könnten von Unterwasserexplosionen stammen
  • Seefahrer werden zur Vorsicht aufgerufen

Ahyi Seamount erzeugte akustische Signale

Der Unterwasservulkan Ahyi liegt am Nordrand des Marianen-Archipels und ist dort einer von mehreren submarinen Vulkanen. Wissenschaftler verdächtigen den Ahyi Seamount Quelle von hydroakustischen Signalen gewesen zu sein, die im letzten Monat von Sensoren auf der fast 2000 km entfernten Insel Wake aufgefangen wurden. Nun will ein Team des USGS untersuchen, ob sich der Vulkan in einem eruptiven Stadium befindet, oder ob die Signale von flach liegenden Erdbeben nahe der Oberfläche verursacht wurden. Erste Analysen von Satellitenaufnahmen gaben keine Hinweise auf eine größere Eruption, dennoch betrachtet man die Situation mit Argusaugen, da submarine Vulkanausbrüche einige potenzielle Gefahren bergen. Besonders für die Seefahrt ist es wichtig über etwaige Entgasungen gewarnt zu werden: viele Gasblasen im Wasser reduzieren seine Dichte und somit wird auch der Auftrieb von Schiffen reduziert, die solche Areale kreuzen. Im schlimmsten Fall könnten sie versinken. Weiter Gefahren gehen von großen Bimssteinteppichen aus: die schwimmenden Lavasteine stellen besonders für kleinere Boote ein Gefahr dar, da sie in solchen Bimssteinteppichen stecken bleiben könnten. Last, but not least, könnten surtseyanische Eruptionen die Wasseroberfläche durchbrechen. Doch dazu darf das Wasser über den Vulkankratern nicht allzu tief sein. Als Richtwert gilt, dass Eruptionssäulen entstehen, wenn das Wasser über den Krater nicht tiefer als 120 m ist. Der Krater des Ahyi Seamounts liegt in einer Tiefe von ca. 75 m. Zuletzt wurde im Jahr 2014 eine Explosion detektiert.

Die genaue Anzahl aktiver submariner Vulkane ist nicht bekannt, doch Experten gehen davon aus, dass sie die Zahl der bekannten aktiven Vulkane weltweit deutlich übersteigt: schließlich ist die Erde zu 70% von Ozeanen bedeckt, an deren Rändern sich die vulkanisch aktivsten Zonen der Erde befinden. An vergleichsweise wenigen Stellen erheben sich Vulkaninseln.

Große Submarine Eruptionen ereigneten sich in den letzten Jahren einige. Als Beispiele dienen der große Bimssteinteppich, der vor 3 Jahren von einem Vulkan des Vava’u-Rückens freigesetzt wurde, oder der unterseeische Ausbruch bei Mayotte, bei dem sich die ganze Insel absenkte, die gut 30 km vom vermuteten Eruptionszentrum entfernt lag. Und dann wäre da noch die stärkste Eruption der letzten Jahrzehnte gewesen, die sich im Dezember/Januar am Hunga Tonga-Hunga Ha’api ereignete.

Dass sich eine ähnlich starke Eruption am Ahyi Seamount aufbaut, ist schon rein statistisch gesehen sehr unwahrscheinlich. Dennoch kann man nicht ausschließen, dass es dort zu einer größeren Eruption kommen wird, die sich auch an der Wasseroberfläche auswirkt. Der vulkanische Inselbogen der Marianen besteht aus gut 60 Feuerbergen und Seamounts.

Vulkan-News 14.11.22: Shiveluch

Shiveluch speit Vulkanasche bis auf 5200 m Höhe

Staat: Russland | Koordinaten: 56.65; 161.36 | Aktivität: Dom | Link

Der Shiveluch auf Kamtschatka ist heute sehr aktiv und löste 4 VONA-Warnungen aus. In ihnen heißt es, dass der Vulkan Asche bis auf einer Höhe von 5200 m förderte. Die Eruptionswolken wurden vom Wind in Richtung Norden verfrachtet. In der Höhe wurde die Asche dann von einer ost-westlichen Luftströmung erfasst, so dass sie sich auch in diese Richtungen ausbreitete. MIROVA detektierte in den vergangenen Tagen eine moderate Thermalstrahlung. Der Alarmstatus steht auf „orange“. KVERT schreibt, dass der Lavadom weiter wächst und es kommt zu Abgängen glühender Schuttlawinen. Es wird vor Pyroklastischen Strömen gewarnt und vor Aschewolken, die bis zu 15 km hoch aufsteigen könnte. Sie stellen dann eine ernste Gefahr für den Flugverkehr dar.


Semeru mit Asche in 4000 m Höhe

Staat: Indonesien | Koordinaten: -8.108, 112.92 | Aktivität: Dom

Auf der indonesischen Insel Java stiegen Aschewolken bis auf 4000 m Höhe und drifteten in Richtung Südwesten. Der Vulkan ist strombolianisch aktiv. Das VSI meldete gestern 101 seismische Eruptionssignale. Die Anzahl vulkanisch bedingter Erdbeben ist rückläufig. Dafür ereigneten sich in den letzten Tagen vor der Südküste von Java mehrere moderate Erdbeben.


Manam eruptiert Asche bis auf 2100 m Höhe

Staat: PNG | Koordinaten: -4.08; 145.04 | Aktivität: Asche

In Papua Neuguinea ist es der Inselvulkan Manam, der VONA-Warnungen verursacht. Schwache Eruptionen lassen Vulkanasche bis auf einer Höhe von 2100 m aufsteigen. Die Aschewolken driften in Richtung Westen.


Anak Krakatau mit kleinen Aschewolken

Staat: Indonesien| Koordinaten: -6.10, 105.42 | Aktivität: Aschewolken

Mit dem Anak Krakatau steht ein weiterer indonesischer Vulkan in den Schlagzeilen. Er generiert kleinere Eruptionen, die Aschewolken bis auf einer Höhe von 600 m aufsteigen lassen. Das VSI meldet, dass die Eruptionen Tephra gut 300 m über Kraterhöhe fördern. Die Seismizität bleibt gering.

Seit dem Kollaps von 2018, bei dem ein Großteil des Vulkankegels ins Meer abrutschte und der Vulkan beachtlich an Höhe einbüßte, wird Anak Krakatau nicht mehr oft von Vulkantouristen angefahren. Gründe hierfür finden sich darin, dass auf Anak selbst der Wald vernichtet wurde, in dem man früher campieren konnte. Dort gab es sogar einen einfachen Shelter. Heute müsste man schutzlos in der Lavawüste zelten. Auch der zweite, oft angesteuerte Übernachtungspunkt auf Rakata fiel dem Kollaps zum Opfer: die ausgelösten Tsunamis brandeten gegen die Küste und trugen den Strand ab, auf dem man bis dahin sein Zelt aufschlagen konnte. Natürlich besteht die Hoffnung, dass sich dort ein neues Plateau ablagern wird, doch bis es soweit ist, könnten einige Jahre vergehen. Es gibt aber noch Plätze auf den beiden anderen Inseln, doch von dort hat man den Krater nicht so gut im Blick. Trotzdem gibt es noch sporadische Berichte von Augenzeugen der Tätigkeit. Erst letzte Woche wurden schwache strombolianische Eruptionen beobachtet.

Anak Krakatau ist das Kind Krakataus. Der Ursprungsvulkan vernichtete sich in 1883 in einer großen Eruption zum größten Teil selbst, was am Krakatau bereits mehrfach geschah. Die Geburt von Anak Krakatau geht auf die 1920iger Jahre zurück. Es war keine einfache Geburt, denn es dauerte Jahre, bis sich eine stabile Insel etablierte.

Der Ausbruch von 1883 gilt als Synonym starker Eruptionen und wird häufig als Referenz herangezogen. Doch es gab auch andere starke Vulkanausbrüche seit dem auslaufenden 19. Jahrhundert. Viele der Eruptionen gelangten nie in den Fokus der Weltöffentlichkeit.

Vulkan Taal mit langen Tremor-Phasen

Fast 6 Stunden Tremor am Taal

Staat: Philippinen | Lokation: 14.002; 120.99 | Aktivität: Phreatisch

Der philippinische-Taal Vulkan bleibt fumarolisch und seismisch aktiv und erstaunt einmal mehr mit ungewöhnlichen Werten: gestern meldete PHILVOLCS zwei lange Tremorphasen die fast 6 Stunden (genau 5,78 Stunden) anhielten. Heute wurde ein Signal von 53 Minuten Dauer gemeldet. Der Schwefeldioxid-Ausstoß ist moderat (für den Taal ehr gering) und liegt bei ca. 1000 Tonnen am Tag. Dampf steigt bis zu 300 m hoch auf. Temperatur und pH-Wert des Kraterseewassers sind quasi unverändert und liegen bei 65,1 Grad und pH 0,76. Bis auf den lange anhaltenden Tremor sind die geophysikalischen Parameter eigentlich unauffällig. Eigentlich, weil sie schon so unauffällig sind, dass es verdächtig ist. Tremor entsteht durch Fluidbewegungen im Untergrund. Möglicherweise wollen hydrothermale Tiefenwässer und Gase aus dem Schlot aufsteigen und rumoren, weil es eine Blockade im Fördersystem gibt, die die Fluide am Aufstieg hindert. Sollte es so sein, dann könnte es zu einem gefährlichen Druckanstieg im System kommen, der in einem phreatischen Schloträumer enden könnte.

Generell ist die Gefahr phreatischer Eruptionen gegeben. Der Alarmstatus steht weiter auf „1“. Volcano Island liegt in der permanenten Gefahrenzone und das Betreten der Insel ist untersagt. Die Vulkanologen warnen vor mehreren Gefahren, zu denen besagte phreatische Explosionen gehören. Hierbei handelt es sich um Wasserdampfexplosionen, die ohne direkten Kontakt zwischen Grundwasser und Magma zustande kommen. Um die Eruptionen auszulösen reicht ein hoher geothermischer Gradient des Bodens, der freilich durch ein tiefer liegendes Magmen-Reservoire verursacht wird. Sollte es zu einem Kontakt zwischen Magma und Grundwasser kommen, dann entstehen phreatomagmatische Eruptionen. Sie gelten als kraftvoll.

Der Taal liegt im Südwesten der philippinischen Insel Luzon, keine 50 km von Manila entfernt. Größere Eruptionen gab es zuletzt im Januar 2020. Seitdem ereigneten sich mehrere Phasen phreatischer Eruptionen. Es gibt einen leicht inflationären Trend und es ist möglich, dass es in einigen Monaten weitere Ausbrüche gibt.

Vulkan-News 12.11.22: Popocatepetl

Popocatepetl eruptiert Vulkanasche bis auf 6700 m Höhe

Staat: Mexiko | Lokation: 19.028, -98.62| Aktivität: Asche-Emissionen

Am Popocatepetl zog die Aktivität weiter an. Das VAAC detektierte Vulkanasche in 6700 m Höhe. CENAPRED überschlägt sich in seinen Meldungen förmlich und berichtet von 5 schwachen Eruptionen, 67 Asche-Dampf-Exhalationen und 2 vulkanotektonischen Erdbeben. Sie hatten die Magnituden 2,0 und 2,3. Außerdem wurden 307 Minuten Tremor aufgezeichnet. MIROVA detektiert eine moderate Wärmestrahlung mit 11 MW Leistung. Möglicherweise wächst ein Lavadom im Krater. Aufschluss darüber könnte bald ein Observierungsflug liefern.


Merapi mit kleinen Pyroklastischen Strömen

Staat: Indonesien | Koordinaten: -7.541, 110.445 | Aktivität: Dom

Am Merapi auf Java gingen 2 kleinere Pyroklastische Ströme ab. Sie erzeugten seismische Signale mit Maximal-Amplituden von 18 und 23 mm und dauerten 104, bzw. 134 Sekunden. Die Gleitdistanz betrug ca. 1000 m. Die Seismizität zog auch hier leicht an. Innerhalb von 24 Stunden wurden 51 vulkanotektonische Erdbeben und 36 Hybriderdeben detektiert. Es steigt mehr Magma auf, als es in den letzten Tagen der Fall war.


Anak Krakatau mit kleinen Explosionen

Staat: Indonesien| Koordinaten: -6.10, 105.42 | Aktivität: Vulcanianisch, effusiv

Am Anak Krakatau im indonesischen Sunda Strait halten schwache strombolianische Eruptionen an. Das VAAC meldete Vulkanasche in 600 m Höhe. Das VSI bestätigte die Tätigkeit. Nachts wurde der Auswurf rotglühender Tephra beobachtet. Nach 2 Wochen mit sehr geringer Seismizität zog diese wieder etwas an. Es wurden 7 Erschütterungen mit niedrigen Frequenzen festgestellt.

Vulkan Fuego mit Explosion nach Erdbeben am 12.11.22

Staat: Guatemala | Koordinaten: 14.47, -90.88 | Aktivität: Vulcanianisch

  • Nahe des Vulkans Fuego gab es ein Erdbeben Mw 5,7.
  • Minuten nach dem Beben ereignete sich eine größere Explosion.
  • Vulkanasche erreichte eine Höhe von 5200 m.

Größere Explosion am Fuego

Im Erdbeben-Update von heute Morgen berichtete ich über das Erdbeben Mw 5,7, das sich gestern Abend (Ortszeit) auf der guatemaltekischen Küstenebene ereignete. Es lag nur 20 km vom Vulkan Fuego entfernt und ich merkte an, dass der Vulkan möglicherweise auf den Erdstoß reagieren wird. Unser FB-Gruppenexperte und Vereinsmitglied Manfred Meyer recherchierte einen Artikel lokaler Medien, in dem es hieß, das der Vulkan 2 Minuten nach dem Erdbeben eine explosive Eruption generierte, die wohl ein wenig stärker als die üblichen Ausbrüche war. Livecam-Aufnahmen zeigen, dass glühende Tephra mehrere Hundert Meter über den Krater ausgeworfen wurden und auf der Vulkanflanke niedergingen. Das VAAC Washington meldete eine Aschewolke in 5200 m Höhe. Sie driftete in Richtung Süden und stieg gut 400 m höher auf, als es gewöhnlich der Fall ist.

In den täglichen Updates von INSIVUMEH ist diese Eruption noch nicht beschrieben. Aber schon vorher wurden einige stärkere Explosionen beobachtet. Demnach wurde glühende Tephra bis zu 400 m über Kraterhöhe ausgeworfen. Die Tephra löste auf den Vulkanflanken Schuttlawinen aus, die bis zum Vegetationsrand rollten. Besonders viele Lawinen gingen in der Ceniza-Schlucht ab. In den Orten Alotenango und San Miguel Dueñas wurde Ascheniederschlag registriert. MIROVA registrierte gestern eine moderate Wärmestrahlung mit einer Leistung von 23 MW.

Alles in allem lässt sich nicht sagen, ob die stärkere Explosion tatsächlich eine Antwort auf den Erdstoß war, oder ob sie sich im Rahmen der sowieso leicht erhöhten Explosivität ereignete. Generell haben Forschungen aber ergeben, dass starke Erdbeben Eruptionen beeinflussen können. Diese Wirkungen sind nur schwer zu belegen und treten nicht immer auf.

Der Fuego ist daueraktiv und der aktivste Vulkan Guatemalas. Unser Vulkan-Verein betreibt dort eine LiveCam. In der entgegengesetzten Blickrichtung sieht man an klaren Tagen die Küstenebene, unter der sich der Erdstoß manifestierte. Generell eine traumhafte Aussicht, die allerdings auch ihren Preis hat: das Haus, auf dessen Dach die Anlage installiert ist, entging im Jahr 2018 nur knapp der Zerstörung durch den großen Pyroklastischen Strom, der ca. 300 Menschen das Leben kostete.

Vulkan-News 11.11.22: Semeru mit Pyroklastischem Strom

Am Semeru floss ein Pyroklastischer Strom 4,5 km weit

Staat: Indonesien | Koordinaten: -8.108, 112.92 | Aktivität: Dom

Bereits am Mittwoch gab es am indonesischen Vulkan Semeru eine größere Eruption. Sie manifestierte sich in Form eines Pyroklastischen Stroms, der eine Gleitstrecke von 4,5 km hatte und die Basis des Vulkankegels erreichte. Da der Vulkan in Wolken gehüllt war, wurden die Bewohner erst recht spät auf das Ereignis aufmerksam. Wäre der Pyroklastische Strom größer geworden, dann hätten die Menschen keine Zeit zur Flucht gehabt. Allerdings bewegen sich die Glutwolken recht schnell, so dass höchstens Minuten bleiben, um sich in Sicherheit zu bringen. Besonders gefährlich ist es in den Abflussrinnen und Flusstälern an der Vulkanbasis, weil die Pyroklastischen Ströme meistens Vertiefungen folgen. So floss der aktuelle Pyroklastische Strom durch das Flussbett Besuk Kobokan. Große Glutwolken können aber auch die Vertiefungen verlassen und größere Barrieren überwinden.

Das PVMGB warnt davor, sich der Basis des Vulkans zu nähern. Diese Warnung gilt insbesondere für die Arbeiter, die in den Flussbetten am Vulkan Schotter fördern. Es gilt eine 13 km durchmessende Sperrzone um den Gipfel. Es wird empfohlen, sich den Ufern des Flusses Besuk Kobokan höchstens auf 500 m zu nähern.

Das VSI berichtete in seinem Update am 09. November für den Beobachtungszeitraum 12.00-18-00 WIB über die Abgänge von 2 Pyroklastischen Strömen. Während der erste Strom relativ klein war und ein seismisches Signal von 360 Sekunden Dauer verursachte, war das Signal des Hauptstroms deutlich stärker und hielt 3255 Sekunden an. Man kann davon ausgehen, dass in den 54 Minuten mehrere Pyroklastische Ströme abgingen. Normalerweise entstehen sie durch Kollaps-Ereignisse am Lavadom, oder gehen von einer Lavastromfront ab. In den Tagen vor dem Ereignis stieg der Tremor am Semeru deutlich an: es wurden täglich bis zu 20 Tremorphasen detektiert. Darüber hinaus gab es auch die normale strombolianische Aktivität. Pro Tag ereigneten sich zwischen 70 und 80 Explosionen.

Pyroklastische Ströme entstehen oft in Serien, da sie meistens dann auftreten, wenn die extrusive Aktivität hoch ist und Lavadom und/oder Lavastrom schnell wachsen. Das Gefahrenpotenzial bleibt am Semeru hoch. Zuletzt kam es im Dezember 2021 zu einer Serie Pyroklastischer Ströme, die auch Zerstörungen verursachte und Todesopfer forderte.

Vulkan-News 10.11.22: Ebeko

Ebeko eruptiert Vulkanasche 4800 m hoch

Staat: Russland | Koordinaten: 50.68, 156.01 | Aktivität: Ascheeruption

Auf der Kurileninsel Paramushir ist der Ebeko aktiv und förderte gestern Aschewolken bis auf einer Höhe von 4800 m. Sie driften in Richtung Südosten und könnten tieffliegende Flugzeuge gefährden. KVERT warnt zusätzlich davor, dass es jederzeit zu Eruptionen kommen könnte, bei denen Vulkanasche eine Höhe von 6000 m erreicht. Der VONA-Alarmstatus steht auf „orange“.  Es wurde ein neues Foto veröffentlicht, das eine Eruption vom 5. November zeigt. Auf einem gleichalten Sentinel-Satellitenbild ist eine schwache thermische Anomalie im Krater sichtbar. Außerdem erkennt man Ascheablagerungen auf dem Schnee. Sie hinterlassen einen Fächer in südöstlicher Richtung. Auffällig ist, dass es Schnee nur auf den Hochlagen gibt und nicht im Küstenbereich der Insel. Ein Indiz, dass es selbst in Sibirien viel zu warm ist. Normalerweise ist die Landschaft ab Oktober in ein dickes Schneekleid gehüllt. Die Situation im Süden Kamtschatkas sieht ähnlich aus: Schnee nur in den Höhenlagen, während die Küsten schneefrei sind. Beängstigend! Als ich vor 8 Jahren im Oktober in Kamtschatka war, hat es oft gescheit und Schnee war allgegenwärtig. Damals dokumentierte ich die Eruptionen der Vulkane Klyuchevskoy und Shiveluch.

Der Klyuchenskoy ist aktuell nicht aktiv, obwohl es in der letzten Zeit Aschewolken gab, die von diesem Vulkan ausgingen und VONA-Warnungen auslösten. Dass lag daran, das Vulkanasche vom wind remobilisierte wurde. Statistisch gesehen ist ein Ausbruch des Vulkans aber wieder fällig. Der Shiveluch hingegen ist auch jetzt aktiv und baut an seinem Lavadom. Gelegentlich gehen glühende Schuttlawinen ab und es kommt zu Explosionen, die Vulkanasche bis auf einer Höhe von 6000 m aufsteigen lassen. Kamtschatka, und die Kurilen sind also ideale Lokationen für Vulkanspotter, würden sie nicht in Russland liegen.


Stromboli mit Tremoranstieg

Staat: Italien | Koordinaten: 38.79; 15.21 | Aktivität: Lavaspattering

In den letzten 2 Tagen stieg die Tremoramplitude am Stromboli bis in den roten Bereich, von dem sie heute wieder abstürzte. Dennoch bewegt sie sich auf mittlerem Niveau. Webcam-Beobachter meldeten in unserer FB-Gruppe frequente strombolianische Eruptionen. Im INGV-Bericht der letzten Woche hieß es, dass es zwischen 5 und 11 Explosionen pro Stunde gab. Ein Anstieg gegenüber dem vorherigen Beobachtungszeitraum. Vereinzelte Explosionen wurden als stark beschrieben, während man im ganze eine durchschnittliche Explosivität feststellte. Der Gasausstoß nahm in Bezug auf Schwefeldioxid und Kohlendioxid zu, es könnte also wieder mehr Magma in der Pipeline stehen.


Suwanose-jima mit 1800 m hohen Aschewolken

Staat: Japan | Koordinaten: 29.64, 129.72 | Aktivität: Vulcanianisch

Der südjapanische Inselvulkan Suwanose-jima bleibt aktiv und eruptiert Aschewolken, die bis auf einer Höhe von 1800 m aufsteigen. Der Wind verdriftet sie in westlicher Richtung. Die Seismizität steigerte sich in den vergangenen Tagen wieder. So wurden am 8. November über 50 vulkanotektonische Beben festgestellt. Gestern waren es 25. Der Tremor ist gering.

Vulkan-News 09.11.22: Popocatepetl

Popocatepetl generiert Aschewolken

Staat: Mexiko | Lokation: 19.028, -98.62| Aktivität: Asche-Emissionen

Der Popocatepetl ist in Mexiko wieder besonders aktiv und eruptiert mehrmals täglich Aschewolken. Das VAAC Washington bringt VONA-Warnungen heraus, nach denen die Asche bis auf einer Höhe von 6100 m steigt und gen Südwesten driftet. CENAPRED berichtet von 94 Asche-Dampf-Exhalationen und 17 Minuten Tremor. Während die Anzahl der Emissionen zugenommen hat, bleibt der Tremor relativ gering. MIROVA zeigt eine thermische Anomalie mit 24 MW Leistung an. Es ist möglich, dass im Krater wieder ein Lavadom wächst. Die Alarmstufe steht auf „gelb“.


Fuego mit Explosionen

Staat: Guatemala | Koordinaten: 14.47, -90.88 | Aktivität: Ejektiv

In Guatemala bleibt der Fuego explosiv aktiv. Gestern wurde Vulkanasche in 5200 m Höhe detektiert. Die Anzahl der stündlichen Explosionen erhöhte sich leicht: es wurden zwischen 6 und 10 Ausbrüche registriert. Glühende Tephra stieg bis zu 200 m über Kraterhöhe auf. MIROVA registriert heute eine moderate Wärmestrahlung mit 23 MW Leistung.


Anak Krakatau mit milden strombolianischen Eruptionen

Staat: Indonesien| Koordinaten: -6.10, 105.42 | Aktivität: Stromblianisch

Im indonesischen Sunda-Strait ist der Inselvulkan Anak-Krakatau weiterhin tätig. Zwar liegen keine VONA-Warnungen vor, dennoch ist der Vulkan schwach strombolianisch aktiv. Das geht aus einem Bericht hervor, den Vulkanführer Andi erstattete. Er war im Rahmen eine VolcanoDiscovery-Expedition vor Ort. Vorgestern wurde eine schwache Thermalstrahlung detektiert. Die Seismizität ist gering und es sieht nicht so aus, als würden sich die Eruptionen kurzfristig verstärken. Daher ist das Risiko die Insel zu betreten vertretbar gewesen.