Vulkanausbruch am Anak Krakatau vergrößerte die Insel – Boot mit Journalisten an Bord verschollen
Nach dem jüngsten Paroxysmus des Inselvulkans Anak Krakatau, der am 4. September begann, am Folgetag seinen Höhepunkt durchlebte und am 6. September abebbte, machten sich am Montag 5 Journalisten in einem Boot mit 3 Besatzungsmitgliedern auf den Weg zum Vulkan, um die Veränderungen dort zu dokumentieren. Ob sie es tatsächlich bis zum Vulkan schafften, ist nicht bekannt, denn der Kontakt zum Boot brach ab und es gilt samt Besatzung als vermisst. Auf Satellitenbildern erkennt man aber die umwälzenden Veränderungen, die der Vulkan durch die Eruption erfuhr.
In den Berichten zur Eruption des Anak Krakatau war bis jetzt ausschließlich die Rede von Lavafontänen und hoch aufsteigenden Aschewolken, die den Flugverkehr in der Region mehrere Tage lang zum Erliegen brachten. Nicht erwähnt wurde der Umstand, dass die Lavafontänen logischerweise Lavaströme speisten, die ins Meer flossen und die Insel um ein Lavadelta erweiterten. Entsprechendes kann man gut auf Fotos sehen, die kurz vor und nach dem Ausbruch vom Sentinel-2L-Satelliten geschossen wurden. Auf dem SWIR-Bild vom 8. September erkennt man noch eine ausgeprägte thermische Anomalie im Süden des Vulkans, die nicht nur den gesamten Kraterbereich einnimmt, sondern bis zum Meer hinabreicht. Insofern weist die Eruption Parallelen zum Ausbruch von 2018 auf, bei dem ebenfalls ungewöhnlich viel Lava gefördert wurde.

Ob die eingangs erwähnten verschollenen Journalisten Gelegenheit hatten, diese Veränderungen zu dokumentieren, ist bis jetzt ungewiss. Gewiss ist, dass sich an Bord des Speedbootes fünf Journalisten, zwei Besatzungsmitglieder und ein Guide befanden, die am Montag, 7. September, gegen 14 Uhr Ortszeit mit einem Speedboat von Pagedongan bei Carita an der Westküste Javas aus in See stachen. Der letzte bekannte Kontakt erfolgte am Nachmittag, als einer der Journalisten gegen 15 Uhr seine Position einem Kollegen mitteilte. Später meldete die Gruppe, dass sie die Gewässer des Anak Krakatau erreicht habe. Danach brach der Kontakt vollständig ab.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Guide kurz vor dem Verschwinden noch ein Foto vom Vulkan verschickt haben soll. Damit gibt es zumindest einen visuellen Hinweis darauf, dass sich die Gruppe tatsächlich in unmittelbarer Nähe des Anak Krakatau befand.
Die Suche wurde inzwischen auf große Bereiche der Sundastraße ausgeweitet. Mehrere Schiffe von BASARNAS (Badan Nasional Pencarian dan Pertolongan), Marine, Polizei und Militär sind mit Unterstützung von Drohnen im Einsatz. Schwierige Wetterbedingungen mit hohen Wellen und schlechter Sicht erschweren die Operation.
Die ca. 50 Kilometer weite Fahrt zum Krakatau ist besonders bei rauer See abenteuerlich, zumal aus dem flachen Wasser Pfähle herausragen, an denen Fischer wohl Reusen befestigt haben oder die früher Fischereiplattformen trugen. Läuft man auf einen dieser Pfähle auf, schlägt ein kleineres Boot unweigerlich Leck. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass sich das Boot zu nahe dem Vulkan annäherte und von einer vulkanischen Bombe versenkt wurde. Die Behörden scheinen jedoch eher davon auszugehen, dass das Boot abgetrieben wurde oder einfach kenterte.
Der Anak Krakatau ist weiterhin aktiv und emittiert weiterhin Aschewolken, die bis zu 1500 m hoch aufsteigen. Während die Erdbebenaktivität gestern noch hoch war, hat sie in den letzten Stunden nachgelassen. Dennoch besteht das Risiko stärkerer Eruptionen.









