Russland: Schneechaos auf Kamtschatka

Schneechaos auf Kamtschatka: Schneemassen reichen bis zum vierten Stock

Eine ungewöhnlich starke Wintersturmfront hat in großen Teilen der russischen Halbinsel Kamtschatka ein Schneechaos verursacht. Seit mehreren Tagen fallen bei starkem Wind große Mengen Schnee, was zu massiven Verwehungen führt, in deren Folge Straßen und Hauseingänge blockiert wurden und lebensbedrohliche Bedingungen entstanden. Mindestens zwei Männer starben durch herabstürzende Schneemassen bzw. abgegangene Dachlawinen.

Augenzeugen und lokale Behörden berichten von Schneeverwehungen, die in einigen Stadtteilen so hoch sind, dass sie Hausfassaden bis in den dritten und vierten Stock hinein bedecken und Eingänge blockieren. Bilder und Videos, die in den sozialen Medien kursieren, zeigen vollständig verschüttete Eingänge: Die Bewohner der Häuser konnten sich nur über ausgegrabene Schneetunnel Zugang zu ihren Wohnungen verschaffen oder mussten den Weg übers Fenster wählen.

„Der Schnee türmt sich hier meterhoch. Wir mussten uns einen Weg durch die Schneewehen graben, um überhaupt aus dem Haus zu kommen“, berichtet eine Bewohnerin von Petropawlowsk-Kamtschatski. Fahrzeuge liegen tief verschüttet an Straßenrändern, der öffentliche Nahverkehr ist weitgehend eingestellt und das öffentliche Leben kam zum großen Teil zum Erliegen. Um die wichtigsten Verbindungen aufrechtzuerhalten wurden Busse durch geländegängige LKW ersetzt, die sonst Touristen zu den Vulkanen Kamtschatkas fahren.

Die außergewöhnliche Kombination aus intensiven Schneefällen und heftigen Winden hat die Lage verschärft. Die Räumungsarbeiten sind vielerorts nur stockend möglich, da die Schneeverwehungen wiederholt neue Barrieren schaffen. Notfallteams kämpfen gegen die Zeit, um wichtige Verkehrswege und Versorgungslinien freizuhalten.

Meteorologen führen das extreme Wetter auf ein stark ausgeprägtes Tiefdruckgebiet über dem Nordpazifik zurück, das feuchte Luftmassen ins Landesinnere zieht und für dauerhafte Niederschläge sorgt. Obwohl Kamtschatka regelmäßig mit schneereichen Wintern konfrontiert ist, bezeichnet ein Vertreter des regionalen Wetterdienstes den aktuellen Sturm als „historisch intensiv“.

Die Gefahr durch die Schneemassen ist nicht nur logistischer Natur: Lokale Behörden bestätigten, dass mindestens zwei Männer ihr Leben verloren haben, nachdem sie von herabfallendem Schneemassen getroffen wurden. In Anbetracht der schwierigen Bedingungen riefen die Behörden zu äußerster Vorsicht auf und baten die Bevölkerung, nur dringend notwendige Wege zu unternehmen.

In verschiedenen Städten und Siedlungen leiden die Menschen nicht nur unter blockierten Straßen, sondern auch unter Versorgungsengpässen. Schulen und Behördenämter blieben geschlossen, und es wird befürchtet, dass die Aufräumarbeiten sich noch über Tage erstrecken könnten.

Polarwirbelstörung: Erneuter Wintereinbruch vorhergesagt

Polarwirbel in Unruhe: Altes Phänomen in einem neuen Klima

Kaum sind Schnee, Glatteis und Dauerfrost bei uns vorbei, da warnen einige Klimamodelle bereits vor dem nächsten Zusammenbruch des Polarwirbels, der ansonsten arktische Luftmassen zähmt und sie dort hält, wo sie hingehören: nördlich des Polarkreises. In der Folge könnte es wieder bis relativ weit in den Süden der nördlichen Hemisphäre zu einem starken Wintereinbruch kommen, so wie wir ihn jüngst erlebten. Betroffen könnten zunächst wieder zuerst Nordamerika, später dann Europa sein.

Wenn Meteorologen und Medien vor einer möglichen Störung des Polarwirbels warnen, klingt das für viele nach einem neuen, beunruhigenden Effekt des Klimawandels. Tatsächlich sind Störungen des Polarwirbels kein modernes Phänomen, sondern ein seit Jahrzehnten bekanntes Element der atmosphärischen Zirkulation. Neu sind vielmehr die Bedingungen, unter denen er heute wirkt.

Der Polarwirbel ist ein großräumiges Starkwindsystem in der Stratosphäre, das sich im Winter über der Arktis ausbildet. Er hält extrem kalte Luftmassen in polaren Regionen gefangen. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht, etwa durch eine plötzliche Erwärmung der Stratosphäre, kann sich der Wirbel abschwächen oder aufspalten. In der Folge strömt arktische Kaltluft weit nach Süden und verursacht Kälteeinbrüche, Schnee und Frost in Europa oder Nordamerika. Solche Ereignisse wurden bereits seit den 1950er-Jahren wissenschaftlich dokumentiert und standen auch hinter historischen Kältewintern wie 1962/63.

Der Klimawandel hat den Polarwirbel also nicht „erfunden“. Er verändert jedoch die Spielregeln: Die Arktis erwärmt sich deutlich schneller als der Rest der Erde. Dadurch nimmt der Temperaturunterschied zwischen hohen und mittleren Breiten ab, der für einen stabilen Jetstream und einen kräftigen Polarwirbel entscheidend ist. Viele Studien deuten darauf hin, dass das atmosphärische System dadurch anfälliger für Störungen wird.

Das führt zu einem scheinbaren Widerspruch: Während die globale Durchschnittstemperatur steigt, können regional weiterhin extreme Kältephasen auftreten. Diese widersprechen dem Klimawandel nicht, sondern sind Ausdruck eines zunehmend instabilen Klimasystems. Meteorologen warnen daher weniger vor einem „neuen“ Wetterphänomen als vor einer Zunahme von Extremen eines bekannten Phänomens, was teils gravierende Folgen für Energieversorgung, Verkehr und Gesellschaft hat.

Ein Hauch von Winter legte Deutschland lahm

Ein anschauliches Beispiel für die Folgen eines Kälteeinbruchs habe ich selbst während des jüngsten „Arctic Outbreak“ rund um die Weihnachtszeit erlebt. Zu diesem Zeitpunkt war ich ich in New York und erhielt auf meinem Smartphone frühzeitig Warnungen vor einem herannahenden Blizzard. Die Reaktion der Stadt fiel entsprechend vorbereitet aus: Noch bevor der erste Schnee einsetzte, begannen die Straßendienste damit, Bordsteine und Fahrbahnen flächendeckend zu salzen. Trotz nächtlicher Neuschneemengen von mehr als zehn Zentimetern waren die Straßen am nächsten Morgen – auch außerhalb Manhattans – größtenteils frei und gut befahrbar.

Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass selbst diese Vorbereitung ihre Grenzen hat. In anderen Regionen des Nordostens der USA kam es zu schweren Unfällen und teils zum Stillstand des öffentlichen Lebens. Dort fielen innerhalb kurzer Zeit Schneemengen, wie wir sie in Deutschland meist nur aus Hoch- oder Mittelgebirgslagen kennen.

Zurück in Deutschland bot sich mir während des Wintereinbruchs in Oberhausen ein deutlich anderes Bild. Viele Straßen blieben noch Tage nach dem ersten Schneefall ungeräumt. Auch wenn sich eine Stadt wie Oberhausen nicht mit New York vergleichen lässt, verweist der Kontrast aus meiner Sicht auf strukturelle Defizite. Dass bereits wenige Zentimeter Schnee ausreichen, um den Verkehr großflächig zu beeinträchtigen und den Bahnverkehr lahmzulegen, ist in meinen Augen genauso ein Armutszeugnis wie der Blackout in Berlin. Man darf sich fragen, wie es sein kann, dass kritische Infrastruktur so leicht sabotiert werden kann und warum es keine redundanten Systeme gibt.

Argentinien: Starke Waldbrände in Patagonien

Patagonien in Flammen: Starke Waldbrände zwingen Tausende zur Flucht

In Argentiniens Patagonien kämpfen Einsatzkräfte seit Tagen gegen schwere Waldbrände. Besonders betroffen ist die Provinz Chubut, wo sich die Flammen durch trockene Wälder und Buschlandschaften gefressen haben. Tausende Hektar Vegetation sind bereits verbrannt, mehr als 3 000 Menschen mussten ihre Häuser und Ferienunterkünfte verlassen. Rauchschwaden liegen über beliebten Natur- und Tourismusgebieten. Zahlreich Straßen wurden zeitweise gesperrt und Ortschaften evakuiert.

Waldbrände sind in Patagonien kein neues Phänomen. Die Sommermonate zwischen Dezember und Februar sind typischerweise trocken, begleitet von starken Winden, die Feuer schnell verbreiten und außer Kontrolle geraten lassen können. In diesem Sinne sind Brände durchaus jahreszeitlich bedingt. Neu ist jedoch ihre Intensität, sowie Ausdehnung und Häufigkeit.

Meteorologen verweisen auf eine Kombination mehrerer Faktoren: eine langanhaltende Dürre mit außergewöhnlich hohen Temperaturen und kräftige Winde aus den Anden. Ein einzelnes, klar benennbares Klimaphänomen wie El Niño steht diesmal nicht eindeutig im Vordergrund der Katastrophenursache. Stattdessen handelt es sich um eine gefährliche Häufung extremer Wetterbedingungen, die den Boden und die Vegetation stark austrocknen. Hinzu kommt, dass die Behörden in mehreren Fällen Brandstiftung oder fahrlässiges menschliches Handeln nicht ausschließen.

Der Klimawandel wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger. Steigende Durchschnittstemperaturen verlängern die Trockenperioden. Außerdem setzen Schnee- und Gletscherschmelze früher ein, und die Böden verlieren zunehmend Feuchtigkeit. Studien zeigen, dass Feuer in Südpatagonien heute schneller wachsen und schwerer zu kontrollieren sind als noch vor wenigen Jahrzehnten. Was früher ein lokales Ereignis war, entwickelt sich immer häufiger zu einer regionalen Krise.

Die aktuellen Brände sind daher kein bloßer „normaler Sommerbrand“. Sie stehen exemplarisch für eine neue Realität, in der klimatische Veränderungen bekannte Naturgefahren verschärfen. Für Patagonien bedeutet das nicht nur ökologische Schäden, sondern auch wachsende Risiken für Bevölkerung, Infrastruktur und Tourismus. Die Flammen dieses Sommers sind ein Warnsignal, das weit über Argentinien hinaus gilt. Der Kampf gegen den Klimawandel ist durch wachsende politische Unsicherheit und gezielte Sabotage der US-amerikanischen Politik unter Trump in den Hintergrund getreten. Die Chancen, für zukünftige Generationen das Schlimmste abzuwenden, schwinden täglich.

Deutschland: Wintersturm-Prognose legt Land teilweise lahm

Wintersturm beeinträchtigt in Teilen Deutschlands das öffentliche Leben – Schulschließungen und Unfälle

Sturmtief Elli sorgt in weiten Teilen Deutschlands für winterliche Extrembedingungen und bringt Schnee, Eisregen und kräftigen Wind. Der Deutsche Wetterdienst rechnet regional mit starken Verkehrsbehinderungen, sowie glatten Straßen und Schneeverwehungen. Besonders betroffen sind der Norden sowie die östliche Mitte des Landes, während im Süden verbreitet gefrierender Regen fällt und Blitzeis entstehen könnte. In Küstennähe treten teils schwere Sturmböen auf, die auf den Nordseeinseln Orkanstärke erreichen könnten. In 25 Landkreisen wurde die zweithöchste Wetterwarnstufe „Rot“ ausgerufen: Es besteht Gefahr für Leib und Leben.

In der Nacht kam es bereits zu ersten Glätteunfällen, unter anderem rutschte in Baden-Württemberg ein Bus einen Hang hinunter, mehrere Menschen wurden leicht verletzt. Insgesamt meldeten die Lagezentren der Bundesländer zunächst einen vergleichsweise ruhigen Verlauf. Dennoch wurde der Verkehr vorsorglich eingeschränkt. Zahlreiche Bahnverbindungen fallen aus oder sind verspätet. Im Regional- und S-Bahn-Verkehr Norddeutschlands wurde der Betrieb teilweise ganz eingestellt. Auch viele Buslinien fahren nicht mehr, insbesondere in Niedersachsen und angrenzenden Regionen.

Der Wintereinbruch wirkt sich zudem auf den Alltag aus. In mehreren Bundesländern fällt der Präsenzunterricht aus, Schulen wechseln auf Distanzunterricht oder bieten Notbetreuung an. Kommunen warnen vor Problemen bei der Müllabfuhr und bitten Bürger, Wege freizuhalten und Tonnen zugänglich zu platzieren. Krankenhäuser bereiten sich auf eine erhöhte Zahl an Unfallverletzten vor und verschieben planbare Eingriffe. Gleichzeitig wird in einigen Städten die Winternothilfe für Obdachlose ausgeweitet, da die Kälte ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt.

Flughäfen wie der in Frankfurt haben sich gut auf den Schnee vorbereitet und haben zahlreiche Spezialfahrzeuge im Einsatz um den Flugbetrieb aufrecht zu halten. Probleme gab es bis jetzt in erster Linie bei der Anfahrt zum Flughafen mit der Bahn.

Parallel zur Wetterlage sorgt die öffentliche Bewertung des Sturmtiefs für Diskussionen. Während einige Meteorologen die Warnungen angesichts der komplexen Wetterkonstellation für notwendig halten, warnen andere vor einer Überdramatisierung, die langfristig die Akzeptanz ernsthafter Unwetterwarnungen schwächen könnte. Unstrittig ist jedoch, dass Elli vielerorts zu signifikanten Einschränkungen führt und erhöhte Vorsicht erforderlich macht.

Das Problem liegt meiner Meinung nach auch darin begründet, dass einige Medienvertreter aus Gründen des Clickbaits frühe Wettermodelle aufschnappen und von diesen die „Worst-Case-Szenarien“ als offizielle Prognosen verbreiten. In einigen Berichten wurde so überdramatisiert, dass sogar von Temperaturen jenseits der -20 Grad die Rede war. Tatsächlich waren es heute Nacht in den betroffenen Gebieten -7 Grad. Bei mir in Oberhausen blieb die letzte Nacht frostfrei und der Schnee vergangener Tage ist geschmolzen.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten meiner Jugend, als so ein Winterwetter typisch war und wegen Blitzeis und Schnee oft die Schule ausfiel. Damals sprach man noch von einer bevorstehenden kleinen Eiszeit, das war, bevor der Klimawandel die Erde verbrennen ließ. Nun ist zu lesen, dass sogar Geheimdienste einen Zusammenbruch des Atlantischen Golfstroms propagandieren: In der Folge befürchtet man, dass die Durchschnittstemperaturen in Mitteleuropa um 10 Grad fallen könnten. Na dann, viel Spaß mit der Wärmepumpe!

Marokko: Mindestens 37 Todesopfer durch Unwetter

Safi in Marokko unter Wasser – Mindestens 37 Todesopfer durch Unwetter an der Atlantikküste

In der marokkanischen Hafenstadt Safi, die an der Atlantikküste liegt, sind in kurzer Zeit mindestens 37 Menschen bei schweren Sturzfluten ums Leben gekommen. Das berichten örtliche Behörden nach extremen Regenfällen am Sonntagabend. Innerhalb von weniger als einer Stunde verwandelten sich Straßen in reißende Ströme, die 70 Häuser und Geschäfte überschwemmten, Autos weggespült und Verkehrswege blockiert. Mehrere Menschen wurden verletzt, da öffentliche Leben kam zum erliegen. Die Schulen bleiben für mehrere Tage geschlossen. Rettungskräfte suchen weiter nach möglichen Opfern.

Meteorologen erklärten, die Regenmengen seien zwar regional nicht völlig außergewöhnlich, doch in Verbindung mit unzureichender Infrastruktur und stark ausgetrockneten Böden habe dies zu den plötzlichen, zerstörerischen Fluten geführt. Zudem warnte der nationale Wetterdienst vor weiteren heftigen Regenfällen und teils starkem Wind in anderen Regionen Marokkos.

Ein gemeinsames Wettermuster über Europa und Nordafrika

Zeitgleich sorgte Sturmtief „Emilia“ über dem Atlantik und dem westlichen Mittelmeer für massive Unwetter in Spanien und auf den Kanarischen Inseln. Die spanische Wetterbehörde Aemet hatte für große Teile des Landes, besonders im Südwesten und an der Ostküste, roten und orangen Alarm wegen Starkregen, Sturm und Überschwemmungsgefahr ausgegeben. In einigen Regionen wurde mit mehr als 100 l/m² Regen innerhalb weniger Stunden gerechnet. In höheren Lagen, wie dem Pico del Teide auf Teneriffa fiel auch Schnee.

Meteorologen sehen darin keinen Zufall: Emilia ist Teil eines breiten Tiefdrucksystems, das atlantische Feuchtluft nach Osten und Süden lenkt. Diese großräumige Wetterlage bringt gleichzeitig starke Niederschläge und stürmische Bedingungen über Spanien, die Kanaren und Richtung Nordafrika, und kann so auch in Marokko heftige Regenereignisse auslösen – auch wenn die konkreten lokalen Auswirkungen, etwa die Regenintensität in Safi, regional variieren.

Experten betonen, dass extreme Wetterereignisse wie kräftige Schauer und Flash-Floods in einer sich erwärmenden Atmosphäre zunehmen können, weil wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen und bei Instabilität abladen kann. Marokko etwa erlebte kürzlich eines der heißesten Jahre seiner Geschichte, was trockene Bodenbedingungen und veränderte Regenmuster begünstigt.

Unwetter in Spanien: Ausmaß der Katastrophe wird sichtbar

Extreme Unwetter in Spanien: Wenn das erwärmte Mittelmeer zur Wettermaschine wird

Sintflutartige Regenfälle, über die Ufer tretende Flüsse und stürmische See haben in weiten Teilen Spaniens in den vergangenen Tagen eine Ausnahmesituation ausgelöst. Besonders betroffen waren der Süden Kataloniens und die Region Valencia mit den Provinzen Tarragona und Castellón. Was sich dort ereignete, ist kein gewöhnliches Herbstunwetter, sondern das Ergebnis einer meteorologischen Konstellation, die zunehmend häufiger auftritt – und immer zerstörerischer wird.

Im Zentrum der Unwetterlage stand das nahezu stationäres Höhentief Emilia. In Spanien werden solche Wettersituationen oft als DANA (Depresión Aislada en Niveles Altos) bezeichnet. Diese kalte Luft in der Höhe traf auf warme, feuchte Mittelmeerluft. Das westliche Mittelmeer weist derzeit deutlich erhöhte Oberflächentemperaturen auf und wirkt damit wie ein gigantischer Energielieferant: Warme Luft steigt auf, kühlt ab und entlädt sich in intensiven, lang anhaltenden Regenfällen. Da sich das Höhentief kaum verlagerte, regnete es stundenlang über denselben Gebieten.

Die Folgen waren drastisch. In Teilen der Provinz Tarragona fielen lokal über 300 Liter Regen pro Quadratmeter, insbesondere im Raum Montsià und Baix Ebre. Der Ebro führte bei Tortosa ein Vielfaches seiner üblichen Wassermenge, Nebenflüsse und Barrancos verwandelten sich innerhalb kürzester Zeit in reißende Ströme. Straßen wurden unterspült, der Verkehr kam vielerorts zum Erliegen und Keller und Erdgeschosse liefen voll. In Castellón mussten Einsatzkräfte mehrfach Menschen aus Fahrzeugen retten, die in überfluteten Straßen eingeschlossen waren – unter anderem im Raum Vila-real.

Angesichts der Lage aktivierten die Behörden die höchste Warnstufe. Die katalanische Regionalregierung setzte heute vorsorglich den Unterricht in mehreren Regionen aus, um das Risiko für Schüler und Lehrkräfte zu minimieren. Solche Maßnahmen zeigen, wie ernst die Situation inzwischen eingeschätzt wird: Die Dynamik dieser Unwetter lässt oft nur wenig Reaktionszeit.

Doch nicht nur an Land, auch auf See zeigte sich die Gewalt der Wetterlage. Starke Winde und hoher Seegang machten die Überfahrt in Teilen des westlichen Mittelmeers gefährlich. Besonders aufmerksam verfolgt wurde ein Vorfall mit einer Autofähre, die durch schwere Wellen zeitweise ihre Stabilität verlor. Im Frachtraum gerieten Fahrzeuge und Gepäck in Bewegung – ein eindrückliches Beispiel dafür, wie eng Starkregen, Sturm und hohe Wellen in solchen Wetterlagen miteinander verknüpft sind.

Meteorologen warnen, dass solche Ereignisse kein Ausnahmefall mehr sind. Die Kombination aus blockierten Wetterlagen und einem immer wärmeren Mittelmeer erhöht die Wahrscheinlichkeit extremer Niederschläge deutlich. Die Unwetter in Spanien sind damit nicht nur eine akute Krise, sondern auch ein Vorgeschmack auf eine neue, riskantere Wetterrealität im Mittelmeerraum, an der zumindest teilweise der anthropogene Klimawandel eine Mitschuld trägt.

Vulkanausbruch könnte für Pestausbreitung verantwortlich sein

Wie ein rätselhafter Vulkanausbruch möglicherweise die Pest nach Europa brachte

Eine neue Studie internationaler Klimaforscher wirft ein überraschendes Licht auf den Ausbruch des Schwarzen Todes im 14. Jahrhundert. Lange galt die Pest – eine der tödlichsten Pandemien der Menschheitsgeschichte – vor allem als biologisches und soziales Ereignis. Die jetzt veröffentlichte Analyse zeigt jedoch: Am Anfang könnte eine großer Vulkanausbruch gestanden haben, der das Klima Europas dramatisch veränderte und eine folgenschwere Kettenreaktion auslöste.

Die Forscher Martin Bauch vom Leibniz‑Institut für Geschichte und Ulf Büntgen der University of Cambridge widmeten sich in ihrer Studie „Climate-driven changes in Mediterranean grain trade mitigated famine but introduced the Black Death to medieval Europe“ der Frage nach dem Ursprung der „Kleinen Eiszeit des Mittelalters“, die schon seit längerem im Verdacht steht, die Ausbreitung der Pest in Europa begünstigt zu haben.

Ausgangspunkt ihrer Studien ist eine deutliche Schwefeldioxid-Signatur in arktischen und antarktischen Eisbohrkernen, datiert auf etwa 1345. Solche Signale entstehen, wenn gewaltige Vulkane große Mengen Schwefel in die Stratosphäre schleudern. Laut den Autoren deutet die geochemische Verteilung darauf hin, dass die Eruption in den Tropen stattfand – der exakte Vulkan bleibt jedoch unbekannt. Die Folgen waren eindeutig: Die Atmosphäre trübte sich ein, die Sonneneinstrahlung sank, und in Südeuropa setzten mehrere Jahre ungewöhnlich kühler und feuchter Sommer ein.

Abkühlung

Diese Abkühlung fällt in die Frühphase der Kleinen Eiszeit, jener mehrere Jahrhunderte andauernden Klimaperiode, in der Europa regelmäßig von extremen Witterungslagen heimgesucht wurde. Um 1345 führten die abrupten Temperaturstürze zu massiven Ernteausfällen, besonders im Mittelmeerraum. Staaten wie Venedig und Genua standen plötzlich vor drohenden Hungersnöten – und reagierten mit einer stark intensivierten Einfuhr von Getreide aus dem Schwarzmeergebiet.

Was als Notmaßnahme gegen die Nahrungskrise gedacht war, eröffnete jedoch ungewollt einen neuen Transportweg für Krankheitserreger. Mit den Getreideladungen gelangten vermutlich auch flohbefallene Ratten an Bord der Handelsschiffe. Genau auf diesen Routen breitete sich wenige Jahre später die Pest rasend schnell aus und erreichte 1347 die Häfen des Mittelmeers. Von dort überrollte sie ganz Europa.

Die Studie verbindet damit die klimatischen Folgen einer großen Eruption, wirtschaftliche Zwänge und die pandemische Dynamik der Pest zu einer einzigen Ursache-Wirkungs-Kette. Sie zeigt, wie eng Klima, Handel und Seuchenausbreitung miteinander verwoben sein können – und wie ein nicht dokumentierter Ausbruch am anderen Ende der Welt der Geschichte eine neue Richtung geben könnte.

Nur 17 Jahre später als die Datierungen der Eisbohrkerne ergeben, brach auf Island der Öræfajökull aus und verursachte eine katastrophale Hungersnot auf Island.

(Quellenangabe: Bauch, M. & Büntgen, U. «Climate-driven changes in Mediterranean grain trade mitigated famine but introduced the Black Death to medieval Europe.» Communications Earth & Environment, Band 6, Artikel 986 (2025). DOI: 10.1038/s43247-025-02964-0, Lizenz der CC)

Island: Kollaps des Golfstroms befürchtet

KI-generiertes Bild anhand eines realen Fotos von Reykjavik. © Marc Szeglat

The Day after Tomorrow: Island erklärt möglichen Abriss der AMOC als Nationale Bedrohung

Wer erinnert sich nicht an die dramatischen Szenen aus dem Film „The Day after Tomorrow“, als Regisseur Roland Emmerich im Jahr 2004 New York einfrieren ließ? Als Grund für die neue Eiszeit postulierte der Regisseur und Drehbuchautor den Zusammenbruch der AMOC (Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation), einem marinen Strömungssystem im Atlantik, zu dem auch der Golfstrom gehört. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass dieses Szenario im 21. Jahrhundert deutlich wahrscheinlicher wird als man bislang angenommen hat. Was damals vielfach als Vision eines Filmemachers belächelt wurde, könnte bereits in wenigen Jahrzehnten Realität werden. Eine Prognose, auf die Island mit der Deklarierung einer „nationalen Sicherheitsbedrohung“ reagierte. Politiker sprechen von einer „existentiellen Gefahr für Klima und Gesellschaft“.

Das vergleichsweise milde Klima Islands hängt maßgeblich von einem komplexen Netzwerk warmen Wassers ab, das vom Atlantik her Wärme nach Norden transportiert. Ohne diese Strömungen wäre Island – und gesamt Nord- und Mitteleuropa – deutlich kälter und stürmischer, so der isländische Umwelt-, Energie- und Klimaminister Jóhann Páll Jóhannsson. Die AMOC funktioniert dabei wie ein riesiges Förderband: Kaltes Wasser aus der Polarregion fließt in der Tiefe des Atlantiks in den Süden und verursacht einen oberflächennahen Rückstrom warmen Wassers aus den Tropen. Infolge des vermehrten Süßwassereintrags in den Atlantik durch das klimawandelbedingte Schmelzen arktischer Gletscher droht das Förderband der AMOC aus dem Gleichgewicht zu geraten und könnte kollabieren.

Die Wahrscheinlichkeit hierfür wird in neuen Studien als besorgniserregend hoch eingestuft: Sollte wider Erwarten das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens erreicht werden, liegt die Wahrscheinlichkeit eines AMOC-Abrisses bei 25%. Doch an ein Erreichen dieser Klimaschutzziele glaubt kaum noch jemand. Verharren die globalen CO₂-Emissionen auf aktuellem Niveau, beträgt sie etwa 37 % und folgen die Emissionen dem derzeitig steigenden Trend, liegt die Wahrscheinlichkeit eines AMOC-Versagens bei rund 70 %. In diesem Jahrhundert wohlgemerkt. Selbst wenn es nicht zu einem vollständigen Abriss der AMOC kommt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Abschwächung sehr groß. Bereits eine signifikante Abschwächung des Warmwasserrückstroms wäre so, als würde man die Heizung Europas zurückdrehen.

Ein Kollaps der AMOC hätte nicht nur für Island gravierende Folgen. Laut Forschenden könnten in Teilen Mitteleuropas die Temperaturen um fünf bis 15 Grad sinken, was eine „moderne Eiszeit“ bedeuten würde. Darüber hinaus drohten massive globale Wetter- und Klimaveränderungen: ein Anstieg des Meeresspiegels an der US- und europäischen Ostküste, Störungen der Monsunsysteme in Afrika und Asien sowie eine mögliche Ausbreitung von Meereis bis nach Großbritannien. Island selbst könnte in eine starke regionale Abkühlung geraten und zeitweise von Meereis umgeben sein.

Im August informierte Minister Jóhannsson die Regierung über neue Forschungsergebnisse, die ernste Zweifel an der Stabilität der AMOC äußerten. Bereits im September stufte der Nationale Sicherheitsrat Islands den möglichen Zusammenbruch erstmals als nationale Sicherheitsbedrohung ein – ein Novum für klimabedingte Risiken im Land. Diese Einstufung fordert nun eine koordinierte und hochrangige Reaktion der Regierung, um Präventions- und Anpassungsstrategien zu entwickeln.

Der Minister warnt eindringlich: „Das Klima könnte sich so drastisch verändern, dass eine Anpassung unmöglich wird.“ Für Island, dessen Wirtschaft stark von der Fischerei abhängt, wäre ein Zusammenbruch ein „existenzielles Risiko“. Auch Mitteleuropa steht vor schweren Herausforderungen, während sich die globale Klimakrise weiter zuspitzt.

Die Auswirkungen einer kleinen Eiszeit wären weltweit spürbar – von zerstörten Ernten bis zu katastrophalen Überschwemmungen. In Deutschland wäre mit einem Klima ähnlich wie auf Kamtschatka zu rechnen: kalte, schneereiche Winter die bis in den Frühling dauern und nur eine kurze Vegetationsperiode während des Hochsommers.

(Quellen der wichtigsten Studien zum potenziellen AMOC-Amok:

Smolders, E. J. V., van Westen, R. M., & Dijkstra, H. A. (2024). Probability estimates of a 21st-century AMOC collapse. arXiv:2406.11738. https://arxiv.org/abs/2406.11738

van Westen, R. M., Vanderborght, E. Y. P., Kliphuis, M., & Dijkstra, H. A. (2024). Substantial risk of 21st century AMOC tipping even under moderate climate change. arXiv:2407.19909. https://arxiv.org/abs/2407.19909

Bellomo, K., Meccia, V., Fabiano, F., D’Agostino, R., Corti, S., & von Hardenberg, J. (2023). Influence of the Atlantic Meridional Overturning Circulation on future climate change impacts. In: Proceedings of the XXVIII General Assembly of the IUGG. Potsdam: GFZ German Research Centre for Geosciences. DOI: 10.57757/IUGG23-0905)

Iran: Wasserrationierung aufgrund Dürre

Iran trocknet aus – Geologie, Missmanagement und Klimawandel verschärfen die Dürre

Der Iran erlebt derzeit eine seiner schwersten Dürren seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Besonders betroffen ist die Hauptstadt Teheran, deren Wasserreservoirs in Form von nahe gelegenen Stauseen nahezu leer sind, und die nordostiranische Metropole Maschhad, wo die Wasserreserven bei unter drei Prozent liegen. Landesweit droht eine akute Wasserknappheit. Millionen Menschen müssen sich auf strenge Rationierungen einstellen.

Trockenes Teheran. © Copernicus

Die Ursachen für die Krise sind vielfältig und reichen von klimatischen Veränderungen über geologische Besonderheiten bis hin zu jahrzehntelangem Missmanagement. Der Iran liegt überwiegend in ariden und semiariden Klimazonen. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt nur rund 250 Millimeter pro Jahr, was unter einem Drittel des globalen Mittels ist. Klimaforscher weisen darauf hin, dass steigende Temperaturen infolge des Klimawandels die Verdunstung beschleunigen und die ohnehin kurzen Regenperioden weiter verkürzen. Der Klimawandel wirkt damit wie ein Brandbeschleuniger in einem ohnehin trockenen Land.

Doch der Klimawandel ist nicht das einzige Phänomen hinter der Dürre: Geologisch liegt der Iran auf einem Hochplateau, das von Gebirgen wie dem Zagros und dem Elburs umrahmt wird, die als Wolkenfänger dienen – nur auf der jeweils anderen Seite der Gebirge.

Viele Regionen bestehen aus durchlässigen Gesteinen und lockeren Böden, die Wasser schlecht speichern. In den weiten Wüstengebieten des Zentraliran verdunstet Regen rasch, anstatt ins Grundwasser einzusickern. Die Übernutzung dieser begrenzten Reserven hat gravierende Folgen: Der Grundwasserspiegel sinkt, ganze Landstriche leiden unter Bodensenkungen von bis zu 30 Zentimeter pro Jahr.

Während das benachbarte Pakistan regelmäßig mit Überschwemmungen kämpft, leidet der Iran unter der gegenteiligen Extremsituation. Die topographische Lage und der fehlende Monsuneinfluss führen dazu, dass Niederschläge unregelmäßig und oft zu kurz ausfallen, um den Wasserhaushalt zu stabilisieren.

Hinzu kommen menschliche Fehlentscheidungen. Rund 90 Prozent des iranischen Wassers fließen in die Landwirtschaft und wird oft mit veralteten und ineffizienten Bewässerungsmethoden verteilt. Der massive Ausbau von Staudämmen in den vergangenen Jahrzehnten hat Flusssysteme verändert und natürliche Speicher zerstört. In vielen Städten stammen große Wassermengen aus weit entfernten Regionen und beim Transport des Wassers entstehen hohe Verluste durch Verdunstung und Lecks in Pipelines.

Experten warnen, dass ohne eine grundlegende Reform der Wasserpolitik, moderne Bewässerungssysteme und eine effizientere Nutzung der Ressourcen selbst massive Infrastrukturprojekte kaum Abhilfe schaffen werden. Der Iran steht damit sinnbildlich für eine Region, in der Klimawandel, Geologie und menschliches Handeln zu einer gefährlichen Trockenheit verschmelzen.