Klimawandel: Temperaturanomalien im März

Bericht für den März zeigt: starke Temperaturgegensätze in Nordamerika infolge des Klimawandels

Der März 2026 reiht sich global betrachtet in eine Serie außergewöhnlich warmer Monate ein und belegt einmal mehr die Dynamik des Klimawandels. Nach aktuellen Daten des europäischen Klimadienstes Copernicus war er der viertwärmste März seit Beginn der Aufzeichnungen. Mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 13,94 Grad Celsius lag er rund 1,48 Grad über dem vorindustriellen Niveau der Periode 1850–1900 – ein Wert, der bedenklich nahe an die im Pariser Klimaabkommen angestrebte Begrenzung des Temperaturanstiegs von 1,5-Grad liegt.

Temperaturverteilung. © Copernicus

Auffällig sind dabei die starken regionalen Unterschiede in der Temperaturverteilung. Während Teile des südlichen Nordamerikas ungewöhnlich hohe Temperaturen verzeichneten – mit Abweichungen von über sieben Grad gegenüber dem langjährigen Mittel –, erlebten Kanada und Alaska gleichzeitig eine ausgeprägte Kälteperiode mit Durchschnittstemperaturen von -12 Grad. Solche Gegensätze sind kein Widerspruch, sondern Ausdruck komplexer atmosphärischer Zusammenhänge. Verschiebungen im Jetstream können warme Luftmassen weit nach Norden lenken und gleichzeitig kalte Polarluft nach Süden drücken.

Auch in Europa zeigte sich ein differenziertes Bild des Klimawandels. Nordosteuropa verzeichnete überdurchschnittlich warme Bedingungen, während Südeuropa und Teile des östlichen Mittelmeerraums etwas kühlere Temperaturen meldeten. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in der Arktis, wo die Temperaturen stellenweise bis zu zwölf Grad über dem Durchschnitt lagen. Diese sogenannte arktische Verstärkung gilt als eines der deutlichsten Signale des Klimawandels.

Zugleich richtet sich der Blick der Forschenden bereits auf den tropischen Pazifik. Einige Klimamodelle deuten darauf hin, dass sich im Laufe des Jahres ein starker El Niño entwickeln könnte. Noch ist die Lage unsicher, doch erste Anzeichen einer Erwärmung der Meeresoberflächen sorgen für Aufmerksamkeit. Sollte sich das Phänomen tatsächlich ausbilden, könnte es die globalen Temperaturen zusätzlich nach oben treiben und bestehende Wetterextreme verstärken.

Forschende sind der Ansicht, dass die klimatischen Bedingungen einzelner Monate noch keine endgültigen Schlüsse über langfristige Trends erlauben. Dennoch passt der März 2026 in das klare Muster der fortschreitenden globalen Erwärmung, die von zunehmenden Wetterextremen und stärkeren regionalen Schwankungen begleitet wird.

Australien: Rekordniederschläge im Süden

Regen der Superlative – extremer Starkregen überflutet Teile von Australien

Australien durchlebt in diesen Tagen ein außergewöhnliches Niederschlagsereignis, dessen Stärke von Meteorologen als ein Ereignis eingeordnet wird, das „einmal pro Generation“ auftritt. Besonders betroffen sind die südlichen Bundesstaaten South Australia, Victoria und New South Wales, die für ihr trockenes Klima bekannt sind. Innerhalb weniger Tage fielen in manchen Regionen Regenmengen, wie sonst in einem ganzen Jahr.

Nach Angaben des Bureau of Meteorology führte eine ungewöhnlich feuchte tropische Luftmasse in Kombination mit einem langsam ziehenden Tiefdrucksystem zu anhaltenden und intensiven Niederschlägen. Der leitende Meteorologe Dean Narramore – der im australischen Fernsehen auftrat – beschrieb die Luft in normalerweise trockenen Wüstenstädten als „aktuell unglaublich feucht“ und verglich sie mit tropischen Standorten Australiens wie Darwin oder Cairns.

In South Australia wurden historische Niederschlagswerte gemessen. In Loxton waren es 56 mm in 24 Stunden, was einen neuen Rekord für den Monat März aufstellt. In Yunta waren es 129 mm. In den Flinders Ranges kam es zu schweren Überschwemmungen, als ansonsten fast trockene Flüsse massiv über die Ufer traten. Berichten zufolge gab es mindestens ein Todesopfer.

Auch im Nordwesten Victorias erreichten die Niederschläge extreme Dimensionen. In Mildura wurden bis zum Morgen des 2. März 83 mm gemessen, was ebenfalls einen neuen Rekord darstellte. Es war der nasseste Märztag seit Beginn der Aufzeichnungen. Innerhalb einer Woche summierten sich die Mengen regional auf 140 bis 150 mm.

Im Südwesten von New South Wales, insbesondere in der Region Riverina, traten lokal 40 bis 70 mm in nur sechs Stunden auf, stellenweise bis zu 100 mm. Viele Böden waren mit Nässe gesättigt, wodurch die Hochwassergefahr trotz inzwischen nachlassenden Regens hoch bleibt.

Für uns Europäer sind diese Werte nicht unbedingt alltäglich, stellen aber bei Unwettern keine außergewöhnlichen Rekorde dar. In sonst ariden Gegenden reagieren Mensch und Natur auf solche Niederschlagsmengen sensibler.

Als mögliche Ursachen für die ungewöhnliche Wetterlage gelten mehrere Faktoren: Ein stationäres Tief transportierte kontinuierlich feuchte Luft aus dem tropischen Norden Australiens in den ariden Südosten. Zweitens begünstigten ungewöhnlich warme Meeresoberflächen höhere Verdunstungsraten und damit größere Feuchtemengen in der Atmosphäre. Drittens kann der langfristige Klimawandel Extremniederschläge verstärken, da wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Zusammengenommen führten diese Bedingungen zu einem Ereignis mit dramatischen Folgen für Infrastruktur, Landwirtschaft und Bevölkerung.

Auch im benachbarten Indonesien kam es gestern zu Starkregen, der am Vulkan Merapi im Süden Zentraljavas zu überlaufenden Flüssen und Laharabgängen führte.

Brasilien: Mindestens 25 Todesopfer durch Sturzflut

Tödliche Sturzflut in Brasilien: Warum die Landschaft und Bergbau zur Gefahr wurden

Nach tagelangen sintflutartigen Regenfällen sind im südostbrasilianischen Bundesstaat Minas Gerais mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende gelten als vermisst. Besonders betroffen sind Städte wie Juiz de Fora und Ubá. Neben den extremen Niederschlägen rücken nun auch geologische und menschengemachte Faktoren in den Fokus, die die Katastrophe verstärkt haben.

Brasilien

Die Bilder, die in den sozialen Medien geteilt wurden, zeigen teils dramatische Szenen, wie Wasser und Schlamm mit hohen Geschwindigkeiten durch die Straßen der Städte schießen und alles mit sich reißen, was nicht niet- und nagelfest ist Dabei wurden sogar ein schwerer LKW erfasst und umgeworfen. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen und mindestens 25 Menschen verloren ihr Leben. Die Opferzahlen könnten weiter steigen, da zahlreiche Personen als vermisst gelten.

Meteorologisch war der Starkregen typisch für den brasilianischen Sommer, doch in seiner Intensität war er außergewöhnlich. Die Ursache für die extreme Stärke war vermutlich eine stationäre Konvergenzzone über Südost-Brasilien während des südamerikanischen Monsuns: feuchtwarme Luftmassen aus dem Amazonasgebiet trafen über Tage hinweg auf instabile Luftschichten. In der Folge gab es wiederkehrenden und langanhaltenden Starkregen, der sich über denselben Regionen entlud Solche blockierenden Wetterlagen können deutlich mehr Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeit produzieren, als Böden und Flüsse aufnehmen können. Der Klimawandel kann blockierende Wetterlagen und Konvergenzzonen begünstigen.

Die Morphologie der Region Minas Gerais erhöht die Gefahr für Sturzfluten deutlich. Sie liegt im Bereich des Brasilianischen Berglands, einem stark reliefierten Hochland mit steilen Hängen und tief eingeschnittenen Tälern. Die Höhenunterschiede beschleunigen den Oberflächenabfluss des Regenwassers. Flüsse schwellen innerhalb weniger Stunden stark an, wobei kleine Einzugsgebiete besonders empfindlich reagieren.

Hinzu kommt die geologische Beschaffenheit. Weite Teile bestehen aus stark verwitterten kristallinen Gesteinen wie Gneis und Granit. Darüber liegen tropische Verwitterungsböden. Diese können bei langanhaltender Durchfeuchtung ihre Stabilität verlieren: Der Porenwasserdruck steigt und die Scherfestigkeit der Böden sinkt, wodurch ganze Hangabschnitte ins Rutschen geraten können. Schlamm- und Gerölllawinen sind die Folge.

Auch menschliche Eingriffe könnten die Katastrophe verstärkt haben. Minas Gerais ist eine der bedeutendsten Bergbauregionen des Landes. Im sogenannten Quadrilátero Ferrífero dominieren großflächige Tagebaue, Abraumhalden und künstliche Böschungen. Solche Strukturen reagieren empfindlich auf Starkregen, da lockeres Material leichter mobilisiert wird. Frühere Katastrophen wie der Dammbruch von Brumadinho haben gezeigt, wie verletzlich die Region gegenüber Massenbewegungen ist.

Ein weiterer anthropogener Faktor, der das Wettergeschehen negativ beeinflusst, ist die Rodung des Regenwaldes. Wälder stabilisieren Hänge durch ihr Wurzelwerk und bremsen den Abfluss. Das Blätterdach bremst den Niederschlag ab, bevor er auf den Boden gelangt, und verlangsamt Abflussprozesse und Erosion. Wo Vegetation fehlt, fließt Regenwasser schneller oberflächlich ab – Erosion und Hangrutschungen nehmen zu. Informelle Bebauung an steilen Hängen verschärft das Risiko zusätzlich.

Die Tragödie von Minas Gerais ist damit nicht allein eine Folge extremer Wetterbedingungen. Sie ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus tropischer Starkregenlage, empfindlicher Gebirgsmorphologie und jahrzehntelanger Landschaftsveränderung.

USA: Eisvulkan im Letchworth State Park entstanden

Ungewöhnlicher Eisvulkan bildete sich im Letchworth State Park – eisige Temperaturen ließen Gebilde um Wasserfontäne wachsen

In den USA kam es durch das Zusammentreffen außergewöhnlich niedriger Temperaturen mit einer historischen Wasserfontäne im Letchworth State Park im Westen des Bundesstaates New York zur Bildung eines 9 Meter hohen „Eisvulkans“. Hierbei handelt es sich um einen steilen Eiskegel, der im Prinzip wie ein umgekehrter Eiszapfen aufgebaut ist und mich persönlich sehr an einen Hornito erinnert: Um den Wasserstrahl der Fontäne bildet sich aus dem gefrierenden Spritzwasser ein Eiskegel. Das spektakuläre Phänomen entwickelte sich aus der Glen-Iris-Fountain, die seit den 1860er Jahren in Betrieb ist und nach dem Prinzip eines artesischen Brunnens funktioniert.

Viele Tage mit konstanten Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt haben das ungewöhnliche Eisbauwerk in den letzten Wochen rapide wachsen lassen. Beobachter berichten, dass Windchill-Werte (gefühlte Temperaturen) teils bis zu −38 °C erreicht wurden, während offizielle Messstationen ähnlich extreme Minusgrade registrierten. Diese Bedingungen gehören zu den heftigsten arktischen Kälteeinbrüchen der vergangenen Jahre in der Region und trugen dazu bei, dass die Eisschichten um den Brunnen sich Schicht für Schicht auftürmten.

Die Glen Iris Fountain ist eine rein durch natürlichen Wasserdruck gespeiste Quelle und arbeitet ohne Pumpensysteme. Das Wasser steht in einem unterirdischen Aquifer unter Druck, der angebohrt wurde. Seitdem steigt das Wasser von selbst an die Oberfläche, wie es für einen artesischen Brunnen typisch ist.

Der Eisvulkan ist kein komplett neues Phänomen, sondern die Eisstruktur wuchs auch schon bei früheren langanhaltenden Frostperioden, doch in diesem Jahr ist sie besonders groß.

Die Ursache für diese ungewöhnlich strengen Wintertemperaturen liegt in großen arktischen Luftmassen, die bis weit in den Osten der USA hineindrängen. Meteorologen führen dies unter anderem auf eine Störung des Polarwirbels zurück, einem riesigen Wirbel kalter Luft über der Arktis, der durch atmosphärische Effekte weiter nach Süden ausgedehnt wurde als üblich. Sehr wahrscheinlich ein Effekt des Klimawandels, wobei ich auch nochmal auf die Hunga-Tonga-Ha’apai-Eruption verweisen möchte, die gerade in den oberen Atmosphärenschichten einen deutlichen Temperaturanstieg bedingte und zur Störung des Polarwirbels beitragen könnte.

Für die kommenden Tage zeigen Wettermodelle eine allmähliche Milderung der Temperaturen, besonders in tieferen Lagen. Während tagsüber langsam wieder Werte um den Gefrierpunkt möglich sind, dürfte die Kälte nächtlich noch anhalten, sodass der Eisaufbau am „Vulkan“ vorerst weitergeht – zumindest bis ein markanter Wärmeeinbruch einsetzt.

Das Phänomen zieht Besucher aus nah und fern an, dient aber auch als eindringliches Beispiel dafür, wie extreme Wetterlagen dramatische und überraschende Spuren in der Natur hinterlassen können.

Eisvulkane gibt es etwas auch am Mount Erebus in der Antarktis. An diesem Vulkan entstehen hornitoähnliche Schornsteine um Fumarolen herum, die den Wasserdampf gefrieren lassen. Mächtige Kryovulkane finden sich auf den Jupitermonden Io und Europa und auf dem Saturnmond Enceladus. Allerdings ist es hier nicht unbedingt Wasser dass gefriert.

Karibik: Kälteeinbruch in Florida und Kuba

Kälteeinbruch bis in die Tropen: Wie ein gestörter Jetstream Florida und Kuba frösteln ließ

Aktuell erlebt die Nordhemisphäre einen der prägnantesten Winter der letzten Jahre, bei denen es nicht nur in Deutschland und Osteuropa ungewöhnlich lange Frostperioden gibt, sondern vor allem auch in Nordamerika und Teilen Asiens. In Sibirien, Kamtschatka und in Nordjapan sammelten sich enorme Schneemengen an, die auch den Osten und Mittleren Westen heimsuchten. Nun streckte der Frost sogar seine Finger bis ins karibische Kuba aus, wo das Thermometer erstmalig die Null-Grad-Marke erreichte. Die niedrigen Temperaturen wehten von Florida herüber, wo zwar kein Schnee vom Himmel fiel, dafür aber Kältestarre Leguane von den Bäumen.



Leguane
Leguane

In Florida sanken die Temperaturen auf Werte, wie sie dort nur selten gemessen werden. In Orlando wurden nachts bis zu −4 Grad gemessen. Besonders auffällig war ein Phänomen, das in den sozialen Medien schnell viral ging: Grüne Leguane fielen reglos von Bäumen. Die wechselwarmen Tiere verlieren bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius ihre Bewegungsfähigkeit. Unter 4 Grad fallen sie in eine Kältestarre. Dann können sie sich nicht mehr festhalten und stürzen starr auf den Boden, wo sie ebenso bewegungslos liegen blieben. Helfer und Bürger sammelten die erstarrten Tiere der invasiven Art auf und brachten sie zu Sammelstellen, wo die meisten Tiere getötet wurden. Bis zu 8000 Leguane sollen so ihr Leben verloren haben.

Noch bemerkenswerter waren die Auswirkungen weiter südlich. Auf Kuba wurde an der Nordküste in der Region Matanzas eine Temperatur von 0,0 °C gemeldet – ein Wert, der dort bislang als praktisch ausgeschlossen galt. Dass kontinentale Kaltluft bis in die Tropen vordringen konnte, deutet auf eine außergewöhnliche atmosphärische Konstellation hin, die auch Meteorologen ins Staunen brachte.

Satellitenbilder der NOAA zeigten eindrucksvoll, wie sich lange Reihen von Zirruswolken bildeten, die von Florida aus Richtung Kuba zogen. Sie bildeten sich, als die kalte, trockene Luft über das deutlich wärmere Meer zog. Solche Wolkenstrukturen markieren scharfe Temperatur- und Strömungsgrenzen in der oberen Troposphäre und gelten als sichtbare Spur der Jetstream-Dynamik: Dank eines stark mäandrierenden Jetstreams konnten arktische Luftmassen bis weit in den Süden vordringen. Ein Phänomen, über das hier in den letzten Wochen häufig zu lesen ist. Dass Regionen wie Florida und Kuba gleichzeitig von ungewöhnlicher Kälte betroffen sind, bleibt selten, könnte sich aber in Zukunft öfter ereignen, als es bisher geschah.

In Mosambik treiben Fluten Hunderttausende in die Flucht

Fluten treiben Hunderttausende in Mosambik in die Flucht – schwerste Krise seit Jahren

Mosambik erlebt eine der schwersten humanitären Krisen der letzten Jahre. Ungewöhnlich lang anhaltende Monsun-Regenfälle führten im Süden und Zentrum des Landes zu massiven Überflutungen Seit Jahresbeginn wurden fast 400.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Besonders betroffen sind die Provinzen Gaza, Maputo und Teile Zentralmosambiks. Alleine in Gaza ist eine Fläche von der Größe Zyperns überflutet. Für viele Familien kam das Wasser über Nacht: Flüsse traten über die Ufer und Dämme hielten den Wassermassen nicht stand, ganze Dörfer wurden überflutet.

Laut Berichten der Flüchtlingshilfswerke sind die Folgen der Überschwemmungen katastrophal. Familien flohen panisch in höher gelegene Gebiete und ließen Vorräte und andere Güter zurück. Berichte sprechen von Kindern, die von ihren Eltern getrennt wurden, und von alten Menschen, die den Evakuierungen kaum folgen konnten. Personen mit Behinderungen wurden oft zurückgelassen. Gut 100.000 Betroffene leben derzeit in etwa Notunterkünften. Meistens wurden Schulen oder öffentliche Gebäude umfunktioniert. Diese sind überfüllt und bergen hohe Sicherheitsrisiken. Vor allem Frauen und Mädchen sind einem erhöhten Risiko von sexueller Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt, viele benötigen dringend psychosoziale Unterstützung.

Die Flut trifft ein Land, das ohnehin mehrfach belastet ist. Im Norden Mosambiks dauert ein bewaffneter Konflikt an, der allein Ende 2025 mehr als 300.000 Menschen zur Flucht zwang. Wiederholte Zyklone, Tropenstürme und Dürren haben die betroffenen Regionen bereits in der Vergangenheit geschwächt. Humanitäre Organisationen stoßen daher an ihre Grenzen.

Die natürlichen Gegebenheiten des Landes verschärfen die Katastrophe zusätzlich. Große Teile Süd- und Zentralmosambiks liegen in flachen Küstenebenen, die von großen Flüssen durchzogen sind. Breite Schwemmlandgebiete wirken wie natürliche Sammelbecken. Starkregen in Kombination mit gesättigten Böden lässt das Wasser kaum abfließen. Diverse Klimaphänomene, die vom Klimawandel verstärkt werden, schaffen ungünstige Bedingungen und verstärken die natürlichen Regenfälle.

Mosambik steht am Limit seiner Belastbarkeit. Die Situation wird durch den von Präsident Trump angezettelten Austritt der USA aus dem UN-Flüchtlingshilfswerk verschärft, da wichtige finanzielle Unterstützung fehlt. Mir mutet es paradox an, dass die reichsten Menschen der Welt den Ärmsten Hilfe verweigern, nur um noch mehr Reichtum anzuhäufen, den weder sie noch ihre Familien jemals ausgeben können.

Australien: Extreme Bodentemperaturen gemessen

Neue Satellitendaten bestätigen extreme Bodentemperaturen während Hitzewelle in Australien

Australien erlebte Anfang Januar eine außergewöhnliche Hitzewelle, die nicht nur neue Lufttemperatur-Rekorde hervorbrachte, sondern auch extrem hohe Bodentemperaturen, die von Satelliten aus gemessen wurden. Heute veröffentlichte Daten des europäischen Copernicus-Programms dokumentieren Landoberflächentemperaturen von bis zu 60 Grad Celsius, die in Teilen des trockenen Binnenlands von New South Wales und South Australia auftraten. In Orten wie Willcania und Broken Hill heizte sich der Boden auf Werte auf, die selbst für australische Verhältnisse extrem sind und die Intensität der Hitzewelle hervorheben. Barfußlaufen ist da weniger empfehlenswert.

australien
Australien. © Copernicus

Die Hitzewelle ist nicht nur von akademischem Interesse, sondern wirkte sich auch auf die Gesundheit der Bevölkerung aus und ließ kreislaufbedingte Notfälle in die Höhe schnellen. Vorläufige Zahlen gehen von bis zu 50 Hitzetoten aus, weswegen man die Hitzewelle als Naturkatastrophe betrachten kann. Zudem kam es zu lokal begrenzten Stromausfällen, da die Stromnetze durch Klimaanlagen auf Volllast überfordert wurden.

Die Extremtemperaturen betreffen nicht nur die Luft, sondern auch die Oberfläche von Böden und versiegelten Flächen. Dennoch stehen sie in enger Beziehung zu den gemessenen Lufttemperaturen. Während des Höhepunkts der Hitzewelle kletterten diese vielerorts auf knapp 50 Grad Celsius. Eine über Tage hinweg ortsstabile Hochdruckwetterlage mit starker Sonneneinstrahlung führten dazu, dass sich die Erdoberfläche deutlich stärker aufheizt als die darüberliegende Luft. Die extremen Bodentemperaturen bewirken dabei eine verstärkende Rückkopplung: Sie geben besonders nachts Wärme an die Atmosphäre ab, erschweren dadurch die Abkühlung und treiben die Temperaturen auf Extremwerte. Die Hitzewelle erhöht die gesundheitliche Belastung ebenso wie das Risiko von Buschbränden.

Weitere Copernicus-Daten korrelieren mit den Extrembedingungen in Australien und stellen einen globalen Kontext her: Gemeint sind die Temperaturen der Ozeane, die auch 2025 deutlich über dem langjährigen Mittel lagen. Auswertungen des Copernicus Marine Service und von Mercator Ocean International zeigen weit verbreitete marine Hitzewellen und eine unterdurchschnittliche Meereisausdehnung, die sogar trotz eher kühlend wirkenden La-Niña-Bedingungen auftraten. Tatsächlich war 2025 das wärmste La-Niña-Jahr seit Beginn moderner Ozeanmessungen.

Diese warmen Ozeane spielen eine zentrale Rolle für das Geschehen über Land. Sie speichern den Großteil der überschüssigen Wärme im Klimasystem und beeinflussen großräumige Zirkulationsmuster der Atmosphäre. Im australischen Raum begünstigen sie stabile Hochdrucklagen mit geringer Bewölkung und eine anhaltende Trockenheit. Die extreme Erwärmung der australischen Landoberfläche ist damit Ausdruck eines Klimasystems, das insgesamt mehr Energie enthält – mit spürbaren Folgen für Mensch, Umwelt und Infrastruktur.

Sizilien: Katastrophaler Erdrutsch bei Niscemi

Erdrutsch bei Niscemi auf Sizilien: Folge extremer Niederschläge der Unwetter der letzten Tage

Die Erde auf Sizilien kommt nicht zur Ruhe, nur diesmal ist weder der Ätna schuld noch ein starkes Erdbeben, sondern die extremen Niederschläge der letzten Woche, die gestern am Stadtrand der Stadt Niscemi einen starken Erdrutsch ausgelöst haben. Entlang eines Hangs am Ortsrand nahe einer Klippenzone senkte sich der Untergrund über mehrere Meter ab. Auffällig war dabei, dass große Teile des Hanges als kompakter Block abrutschten und eine terrassenartige Stufe bildeten – ein typisches Merkmal langsam gleitender Rutschungen. Niscemi – das in der südsizilianischen Provinz Caltanissetta liegt – ist auf instabilen Boden gegründet und es besteht die Gefahr, dass sich entlang der mehrere hundert Meter langen Abbruchkante weitere Erdrutsche manifestieren. Aus diesem Grund wurden mehr als 1000 Personen evakuiert. Todesopfer gab es wie durch ein Wunder nicht. Spektakuläre Bilder dokumentieren das außergewöhnliche Ereignis und dürften viral gehen. 

Niscemi

Geologisch betrachtet gehört das Gebiet von Niscemi zum südlichen Zentralsizilien, das von sedimentären Abfolgen geprägt ist. Der Untergrund besteht hier überwiegend aus Wechsellagerungen von Sanden, Sandsteinen, Mergeln und tonreichen Schichten, die im Miozän und Pliozän abgelagert wurden. Besonders problematisch ist die Kombination aus durchlässigeren Sandlagen über weniger durchlässigen Ton- oder Mergelhorizonten. Solche Grenzflächen wirken bei Wassersättigung als natürliche Gleitebenen, so wie es hier offenbar der Fall war.

Morphologisch ist die Region durch sanft bis mäßig geneigte Hügel gekennzeichnet, die von Erosionsrinnen und kleinen Tälern zerschnitten werden. Diese Topografie begünstigt Hanginstabilitäten, vor allem dort, wo menschliche Eingriffe – Straßen, Einschnitte oder Bebauung – das natürliche Gleichgewicht zusätzlich schwächen.

Nach ersten Einschätzungen handelt es sich um eine translational-rotierende Rutschung. Der Hang verlor nicht schlagartig seine Struktur, sondern glitt als relativ kohärente Masse hangabwärts. Solche Bewegungen verlaufen oft schleichend, können aber in kurzer Zeit deutliche Absenkungen von mehreren Metern verursachen. Genau dieses Bild zeigte sich in Niscemi: abgesackte Flächen mit scharf strukturierten Abrisskanten und ein insgesamt „intakter“, aber tiefer liegender Hangkörper.

Ein direkter Zusammenhang mit den starken Niederschlägen der letzten Tage gilt als sehr wahrscheinlich, ist aber wissenschaftlich noch nicht bewiesen. Intensive und anhaltende Regenfälle führten zur Sättigung der oberflächennahen Sedimente und zu einem Anstieg des Porenwasserdrucks. Dadurch verringerte sich die Scherfestigkeit insbesondere der tonreichen Schichten. In einem geologischen Umfeld wie dem von Niscemi reicht dieser Effekt oft aus, um bereits vorbelastete Hänge zum Gleiten zu bringen.

Tatsächlich gab es unweit des Ortes in der vergangenen Woche ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,6. Da die Herdtiefe aber in mehr als 40 Kilometern festgestellt wurde, ist es eigentlich auszuschließen, dass der Erdstoß den Erdrutsch triggerte.

Australien: Hitzewelle nach Überflutungen

Zwischen Hitze und Flut – Australien fest im Griff der Wetterextreme

Australien erlebte in den letzten Tagen einen schnellen Wechsel extremer Wetterereignisse: Während Queensland erst vor wenigen Tagen mit starken Überschwemmungen kämpfte, hat nun eine Hitzewelle das Land im Griff und es drohen neue Waldbrände. Die Kombination aus Hitze und Starkregen scheint auf den ersten Blick widersprüchlich zu sein, doch Wissenschaftler warnen, dass beide Phänomene Symptome eines sich rasant verändernden Klimas sind.

Hitzewelle
Hitzewelle Australien

In den vergangenen Wochen stiegen die Temperaturen in weiten Teilen Australiens auf Rekordwerte von bis zu 49 Grad Celsius an. Städte wie Melbourne und Adelaide verzeichneten Hitzeextreme, die für Menschen und Infrastruktur eine große Belastung darstellen. Parallel dazu richteten die heftigen Regenfälle in Queensland vor wenigen Tagen massive Schäden an. Flüsse traten über die Ufer und ganze Gemeinden wurden überschwemmt. Obwohl das Hochwasser inzwischen zurückging, dauern die Aufräumarbeiten noch an.

Wie lassen sich diese scheinbaren Gegensätze erklären? Klimaforscher machen den menschengemachten Klimawandel als übergeordneten Auslöser für extreme Wetterereignisse verantwortlich. Durch die globale Erderwärmung kann die Atmosphäre deutlich mehr Feuchtigkeit speichern. Der Wert liegt bei rund sieben Prozent pro Grad Celsius Erwärmung. Das führt dazu, dass Starkregenereignisse intensiver werden und länger andauern können. Gleichzeitig sorgt der Temperaturanstieg für ein gehäuftes Auftreten von Hitzewellen. Aufgrund langanhaltender und weitestgehend ortsstabiler Hochdruckgebiete werden extreme Temperaturen generiert.

Die globale Verstärkung der Wetterextreme ist eng mit der Erwärmung der Meere verbunden, wodurch die Atmosphäre mit zusätzlicher Energie und Wasserdampf versorgt wird, ähnlich wie wir es in den letzten Tagen auch im Mittelmeerraum erlebten.

Die Folgen für Bevölkerung und Umwelt sind ernst zunehmen: Hitzeperioden erhöhen das Risiko für gesundheitliche Schädigungen, während Überschwemmungen Existenzen bedrohen. Ökosysteme geraten unter Druck und erleiden große Schäden.

Besonders gefährdet sind Menschen aus sozial schwächere Bevölkerungsgruppen, weil sie oft weniger Schutz vor den Folgen solcher Extremereignisse haben und finanzielle Rückschläge nur schwer überwinden können.

Politik und Gesellschaft stehen vor der Herausforderung, effektive Strategien zur Anpassung an die Klimaveränderungen und Risikominimierung im Fall von Extremwetterereignissen zu entwickeln. Neben Maßnahmen zum besseren Katastrophen- und Klimaschutz sind vor allem schnellere Schritte zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes notwendig, um die Erderwärmung einzudämmen. Dabei ist eine globale Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung: Der Kampf einzelner Staaten bringt wenig, wenn die globalen Player wie die USA und Russland nicht mitziehen. Auch das Mitwirken der bevölkerungsreichsten Länder, Indien und China, ist von großer Bedeutung.