Island: Signifikanter Erdbebenschwarm vor Reykjanes

Starker Erdbebenschwarm vor Reykjanes – mögliches Alarmsignal für Island

Heute begann um 12:40 UTC vor der Felseninsel Eldey im Südwesten Islands ein starker Erdbebenschwarm. Das seismische Messnetz von IMO registrierte bisher deutlich mehr als 100 Erdstöße, wobei das kräftigste Beben eine Magnitude von 2,9 erreichte. Die Spannungen sind groß genug, dass die Erdbeben bis über Reykjanes hinaus streuen. Damit zählt es zu einem der stärksten Events seit dem Ende der letzten Eruption im letzten Sommer.

Island. © IMO

Schwarmbeben in dieser Region werden im Allgemeinen der tektonischen Aktivität entlang des Reykjanes-Rückens zugeordnet, traten in den letzten 3 Jahren aber besonders häufig wenige Wochen oder Tage vor Eruptionen bei Sundhnúkur auf, weswegen ich sie als mögliche Reaktion auf starke Spannungen durch Magmenaufstieg und Akkumulation bei Svartsengi interpretiere, was wissenschaftlich allerdings nicht bewiesen ist. Sollte sich allerdings in den nächsten Tagen der erwartete Vulkanausbruch zeigen, sollte man sich dieser Interpretation erinnern.

Bereits am 6. Februar wurde in etwa 30 km südwestlicher Richtung ein weiterer Erdbebenschwarm beobachtet, der in das beschriebene Muster des Spannungsaufbaus passt.  Beide Schwärme zusammen verursachten bislang 222 Erschütterungen. Der Erdbebenschwarm ist noch nicht vorbei und könnte noch einige Stunden anhalten.

Bei Svartsengi gibt es bisher nur vereinzelte Erdbeben. Die Bodenhebung machte gestern bei der letzten Messung einen kleinen Satz nach oben, aber wie so häufig sind einzelne Messungen mit Vorsicht zu betrachten. Erst eine Messreihe kann neue Trends bestätigen oder widerlegen.

Die allgemeingültige Interpretation von Schwarmbeben rückt die Plattengrenze entlang des Reykjanes-Rückens, zu dem auch die Eldey-Region gehört, in den Fokus der Erklärungen: Der Rücken liegt entlang der Ränder von Eurasien und der Nordamerikanischen Platte, die sich hier auseinanderbewegen. Dadurch kommt es immer wieder zu Serien kleiner bis mäßiger Erdbeben, teils rein tektonischer Natur, teils im Zusammenhang mit vulkanischer Aktivität. In den letzten Jahren wurden dort mehrere Erdbebenschwärme registriert, teilweise begleitet von Magmapulsationen und zeitweiligen Erhöhungen der Warnstufen durch das Isländische Meteorologische Amt.

Update 19:30 Uhr: Inzwischen gab es 2 Erdbeben mit den Magnituden 3,9 und 3,2. Insgesamt wurden 241 Erschütterungen innerhalb von 48 stunden registriert.

Island: Magmaakkumulation nähert sich Höchsstand

Das Geothermalkraftwerk Svartsengi liegt genau im Brennpunkt der größten Bodenhebung.

Magmaakkumulation bei Svartsengi nähert sich Höchststand – Gefahreneinschätzung bleibt unverändert

Im isländischen Svartsengi-Gebiet hebt sich der Boden langsam, aber vergleichsweise konstant, und nach fast einem halben Jahr Pause wird es langsam mal wieder Zeit für eine neue Eruption entlang von Sundhúkur Doch ob es dazu kommt, bleibt ungewiss, obwohl sich im flachen Magmenkörper inzwischen mehr als 21 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt haben – ein Wert nahe dem Höchststand von 22,3 Millionen Kubikmetern, der vor der Eruption vom Dezember 2023 angesammelt wurde. Die Bodenhebung ist bereits jetzt die höchste, da nach dem letzten Ausbruch im August nicht alles Magma eruptiert wurde und sich der Boden nicht so weit absenkte wie bei vorherigen Eruptionsphasen.

Gestern veröffentlichte das Meteorologische Amt Islands (IMO) eine neue Gefahreneinschätzung, die gegenüber den beiden letzten Veröffentlichungen unverändert bleibt. Sie wurde bis zum 3. März verlängert. Die Entwicklungen werden weiterhin engmaschig überwacht. Entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe gilt das größere Eruptionsrisiko. Die Gefahreneinschätzung für Gridnvik wird als moderat eingeschätzt. Obwohl sich die letzten Eruptionsspalten vermehrt Richtung Norden öffneten, kann eine Ausbreitung in südlicher Richtung und damit nach Grindaik nicht ausgeschlossen werden.

Insgesamt kam es seit Dezember 2023 zu neun Vulkanausbrüchen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe. Die derzeitige Ruhephase ist mit 183 Tagen die längste seit Beginn dieser Ausbruchsserie. Parallel dazu setzt sich die Bodenhebung im Gebiet von Svartsengi fort und nähert sich inzwischen einem Meter, ein deutliches Zeichen für anhaltenden Magmazufluss und steigenden Druck im System.

Das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden Wochen ist laut IMO eine erneute Magmaintrusion von Svartsengi in Richtung der Sundhnúkur-Kraterreihe, die in einem weiteren Ausbruch münden könnte. Sollte es dazu kommen, würde dieser voraussichtlich ähnliche Merkmale wie die bisherigen Eruptionen entlang dieser Spalte aufweisen.

Ich frage mich allerdings inzwischen, ob der Druckanstieg nicht zu langsam vonstatten geht, um noch eine Eruption zu triggern.

Abseits von Svartsengi gibt es derzeit keine Hinweise auf neue Magmaansammlungen auf der Reykjanes-Halbinsel. Ein kürzlich ausgewertetes satellitengestütztes InSAR-Bild zeigt Bodenverformungen ausschließlich im Bereich von Svartsengi, während andere Regionen unverändert bleiben.

Die seismische Aktivität in unmittelbarer Nähe der Kraterreihe ist weiterhin gering. Am 28. Januar wurde jedoch östlich der Halbinsel, nahe Lambafell, ein Erdbebenschwarm mit rund 200 Beben registriert. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche etwas mehr als 260 Erdbeben erfasst, das stärkste mit einer Magnitude von M3 – ein für die Region typisches Niveau.

Heute gab es einen Erdbebenschwarm am Grjotarvatn bei der Snæfellsnes-Halbinsel Erstmalig seit langem bebte es auch vor der Nordküste der Westspitze der Halbinsel, wo der Vulkan Snæfelsjökull liegt.

Island: Schadensbilanz für Grindavik steht

Schadensbilanz für Grindavik steht – Ausbruchsprognose unsicher

Seitdem im Oktober/November 2023 die von Erdbeben begleitete Serie magmatischer Gangintrusionen und Vulkanausbrüche im isländischen Svartsengi-Gebiet begann, waren Versicherer beschäftigt, die Schäden zu begutachten, die die Naturkatastrophe in Grindavik verursachte. Nun nähert sich die Aufarbeitung und Bilanzierung ihrem Abschluss. Mehr als 70 Gebäude wurden infolge massiver Bodenverformungen und direkter Lavaeinwirkung zerstört oder beschädigt. Bei der isländischen Naturkatastrophenversicherung NTÍ gingen rund 800 Schadensmeldungen ein. Die Gesamtsumme der Entschädigungen dürfte sich auf nahezu 12 Milliarden isländische Kronen (ca. 83 Millionen Euro) belaufen und könnte durch noch laufende Prüfverfahren geringfügig ansteigen.

Ein Teil der betroffenen Immobilien gilt als wirtschaftlich nicht mehr zu retten. Zwölf Gebäude wurden so stark beschädigt, dass eine Reparatur unverhältnismäßig teuer wäre, weshalb sie als finanzielle Totalschäden eingestuft werden. Bei diesen Gebäuden handelt es sich überwiegend um große Hallen oder öffentliche Einrichtungen. Es wurden auch 47 geotechnische Gutachten erstellt, um zu gucken, inwiefern für Gebäude eine Gefährdung durch große Erdspalten besteht. Dazu wurden unter Einsatz von Baggern größere Erdmassen bewegt, um verborgene Strukturen und Schäden sichtbar zu machen.

Parallel zur Schadensbewertung laufen in und um Grindavík weiterhin umfangreiche Schutzmaßnahmen. Seit Ende 2023 wurden großflächige Erd- und Lavawälle errichtet, um künftige Lavaströme von Wohngebieten und kritischer Infrastruktur wie dem Geothermiekraftwerk Svartsengi abzulenken. Diese Barrieren werden laufend angepasst, erhöht und verlängert, da sich Ausbruchszentren und Fließrichtungen der Lava mehrfach verändert haben. Die Arbeiten erfolgen mit schwerem Gerät und unter Zeitdruck, da neue Eruptionen jederzeit möglich sind. Dabei entstanden Kosten in Höhe von sieben Milliarden isländischen Kronen (rund 48 Millionen Euro). Finanziert werden sie größtenteils aus staatlichen Mitteln, für die zum Teil Kredite aufgenommen werden mussten.

Ob es zu weiteren Eruptionen kommen wird, ist ungewiss. Der Prozess der Bodenhebung durch Magmenintrusion in 4 bis 5 Kilometer Tiefe unter Svartsengi ist noch nicht abgeschlossen, verlor in den letzten 3 Monaten aber deutlich an Schwung. IMO stuft die Wahrscheinlichkeit weiterer Ausbrüche als hoch ein. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sich die Aktivität in den nächsten Monaten oder Jahren auf ein anderes Spaltensystem von Reykjanes verlagern wird oder dass die Aktivität vorerst zum Erliegen kommt.

Island: Erdbebenschwarm im Hengill System

Erdbebenschwarm bei Lambafell erschüttert Region westlich von Þrengslin auf Island-  stärkstes Beben M 3,0

Das Erdbeben der Magnitude 3,0, welches heute Nacht um 02:01 Uhr die Region bei Lambafell im Hengill-System auf Reykjanes getroffen hat, war der bislang stärkste Stoß eines anhaltenden Erdbebenschwarms. Der Erdstoß war stark genug, um von Anwohnern am Rand der nahen Hauptstadtregion verspürt zu werden. Seit Beginn der Aktivität gegen 16:30 Uhr am 27. Januar wurden inzwischen mehr als 200 Erschütterungen registriert – Tendenz anhaltend.

Erdbebenschwarm Island

Erdbebenschwärme sind in diesem Gebiet kein ungewöhnliches Phänomen. Die betroffene Region liegt auf der Reykjanes-Halbinsel, einem der geologisch aktivsten Gebiete Islands. Hier verläuft ein Teil des Mittelatlantischen Rückens, an dem die Nordamerikanische und Eurasische Platte auseinanderdriften. Diese kontinuierliche Dehnung der Erdkruste führt regelmäßig zu Spannungsaufbau und -abbau in Form von Erdbeben entlang von Störungszonen.

Die Ursache hinter dem aktuellen Erdbebenschwarm ist nicht zur Gänze geklärt. Es könnte sich um rein tektonisch bedingte Erdbeben handeln und mit dem oben beschriebenen Spannungsabbau im Zusammenhang stehen. Darüber hinaus beherbergt die Reykjanes-Halbinsel mehrere aktive Vulkansysteme, und in den vergangenen Jahren kam es hier wiederholt zu magmatischen Intrusionen und Eruptionen. In Vulkanregionen stehen Schwarmbeben entlang von Störungen oft von magmatischen Fluiden ausgelöst. Es kann sich aber auch genauso gut um vulkanotektonische Beben handeln, die direkt von Fluidbewegungen ausgelöst werden, ohne dass Störungszonen involviert werden. Als Drittes ist auch die Einflussnahme des nahen Geothermalkraftwerks Hellisheiði eine mögliche Ursache, indem man mit hohem Druck Wasser in Bohrungen verpresst.

Nach aktuellem Stand besteht an dieser Stelle keine akute Gefahr und ein sich anbahnender Vulkanausbruch gilt als unwahrscheinliches Szenario. Anders sieht es an einem anderen Geothermalkraftwerk auf Reykjanes aus: Unter Svartsengi gibt es eine große Magmaansammlung bei anhaltendem Druckaufbau. Entsprechend groß ist das Eruptionsrisiko. Allerdings flachte die Kurve der Bodenhebungsgeschwindigkeit in den letzten Tagen merklich ab und es sieht beinahe so aus, als würde die Inflation stoppen, wodurch das Ausbruchsrisiko abnimmt. Der vermeintliche Rückgang der Hebegeschwindigkeit könnte aber auch auf Messungenauigkeiten zurückzuführen sein. Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich der Trend bestätigt.

Island: Bodenhebung bei Svartsengi beträgt fast 30 Zentimeter

Geothermalkraftwerk Svartsengi

Bodenhebung bei Svartsengi auf Island hält an – Gefahrenanalyse unverändert

Seit Monaten richtet sich der Blick von Wissenschaftlern, Behörden, Anwohnern und Vulkanspottern auf die Reykjanes-Halbinsel im Südwesten Islands. Die Bodenhebung unter dem Gebiet des Geothermalkraftwerks Svartsengi, die im Herbst 2023 begann, hält weiter an und nähert sich langsam aber stetig der 1-Meter-Marke, wovon sich 30 Zentimeter seit dem letzten Ausbruch ansammelten – ein Hinweis auf fortgesetzte Magmenakkumulation in einer Tiefe von 4 bis 5 Kilometern unter dem Gebiet, in dem nicht nur das Geothermalkraftwerk liegt, sondern auch das Resort der Blauen Lagune. Nach aktuellen Modellrechnungen der IMO-Wissenschaftler haben sich seit dem letzten Ausbruch im Juli rund 20 Millionen Kubikmeter geschmolzenes Gestein im Untergrund angesammelt. Mit der zunehmenden Magmamenge steigt auch der Druck im vulkanischen System, wodurch sich die Ausbruchsgefahr erhöht.

Bodenhebung

Nach Einschätzung des Isländischen Meteorologischen Amtes gilt eine weitere Magmaintrusion aus dem Bereich Svartsengi und ein Ausbruch im benachbarten Sundhnúkur-Kraterfeld als wahrscheinlichstes Szenario. Sollte es dazu kommen, dürfte der Ausbruch den bisherigen Ereignissen entlang der Sundhnúkagígar-Kraterserie ähneln und effusiver Natur sein, bei dem kleine Lavafontänen und Lavaströme gefördert werden. Eine explosive Eruption gilt als unwahrscheinlich. Dennoch kann es bei Kontakt der Lava mit Grundwasser zu begrenzten Explosionen kommen.

Messbares Anzeichen der Magenakkumulation im Untergrund ist die Bodenhebung. Die Hebungsrate hat sich in den letzten Wochen auf ca. 1 mm pro Tag verlangsamt, hält aber weiter an, so dass sich der Boden seit dem Ende der letzten Eruption um fast 30 cm gehoben hat. Betrachtet man den Zeitraum seit Beginn der Magmaansammlung im Oktober 2023, hat sich der Boden um fast einen Meter angehoben. Die Hebungsrate war anfangs besonders hoch, hat jedoch mit jedem weiteren Ausbruch spürbar abgenommen. Messungen von GNSS-Stationen nordöstlich von Svartsengi dokumentieren diese Entwicklung detailliert.

Trotz der Magmaansammlung bleibt die seismische Aktivität vergleichsweise ruhig. In den vergangenen Wochen wurden überwiegend schwache Erdbeben mit Magnituden unter 1,5 registriert, vor allem zwischen Sýlingarfell und Stóra-Skógfell südlich des Berges Þorbjörn sowie im Gebiet von Víkurnar. Die Beben werden als Folge von Spannungsänderungen im Untergrund interpretiert, während die Aktivität am Kleifarvatn weiter abnimmt.

Die aktuelle Gefahreneinschätzung des Meteorologischen Amtes bleibt bis zum 3. Februar gültig. Die Lage wird fortlaufend überwacht – denn auch bei geringer Erdbebentätigkeit kann sich ein Ausbruch auf Reykjanes innerhalb kurzer Zeit ankündigen.

Island: Schwarmbeben vor Reykjanes am 11. Januar

Schwarmbeben erschüttert Reykjanes-Ridge vor Südwestspitze von Island – stärkstes Beben Mb 3,7

In den frühen Morgenstunden des 11. Januars 2026 begann vor der Südwestspitze von Reykjanes auf Island ein Schwarmbeben. Erste schwache Erdstöße wurden um 05:06 UTC registriert. Die beiden stärksten Erschütterungen der Sequenz ereigneten sich gegen 06:23 UTC und erreichten die Magnituden 3,7 und 3,4. Die Hypozentren lagen in geringer Tiefe. Die Epizentren wurden etwa 65 Kilometer südwestlich der kleinen Insel Eldey lokalisiert, wo sie einen Cluster bilden. Die kleine Insel vulkanischen Ursprungs befindet sich auf dem Reykjanesrücken und liegt rund 15 Kilometer vom Leuchtturm bei Reykjanestá entfernt. Die Erdbeben beschränken sich jedoch nicht nur auf diesen Cluster, sondern erstrecken sich entlang der kontinentalen Naht des Rückens bis zur Spitze von Reykjanes. Insgesamt gab es bislang 75 Beben. Der Schwarm ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beendet.

Schwarmbeben. © IMO

Die Erdbeben können rein tektonischen Ursprungs sein, wobei nicht auszuschließen ist, dass magmatische Fluide oder die Bodenhebung bei Svartsengi Spannungen im Untergrund verursachen, die letztlich die Beben auslösen. Die Seismizität bei Svartsengi selbst ist weiterhin gering, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass das Magma seinen finalen Aufstieg begonnen hat. Allerdings wurden einige Tage vor den letzten Ausbrüchen ähnliche Schwarmbeben entlang des Reykjanesrückens beobachtet, sodass durchaus ein Zusammenhang zwischen den Beben und möglichen Eruptionen bestehen kann.

Die Bodenhebung bei Svartsengi setzt sich auf niedrigem Niveau fort, beschleunigte sich jedoch in der zweiten Dezemberhälfte leicht und liegt derzeit bei etwa 1 mm pro Tag. Vom tiefen Magmenspeicher aus dürften etwas mehr als 1 Kubikmeter Magma pro Sekunde in das flachere Reservoir unter Svartsengi aufsteigen und sich dort akkumulieren. Der Druckaufbau erfolgt langsam, was Prognosen zu einem möglichen Ausbruch erschwert.

Die Betreiber des Kraftwerks Svartsengi veröffentlichten gestern ihre Pläne, in der Nähe der Kraterreihe Eldvörp Bohrungen vorzunehmen, um dort Erdwärme zu erschließen. Die Bohrlöcher sollen über Leitungen mit dem Geothermalkraftwerk verbunden werden. Die neue Anlage soll 2029 in Betrieb gehen. Offenbar sieht man dort derzeit keine akute Ausbruchsgefahr mehr, obgleich es auch in diesem Gebiet westlich von Svartsengi Bodenhebungen gibt.

Island: Beschleunigung der Bodendeformation Anfang Januar

Bodendeformation bei Svartsengi auf Island beschleunigte sich – weiterhin geringe Seismizität

Auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel hat sich die Bodenhebung bei Svartsengi in diesem Jahr wieder etwas beschleunigt. Ende Dezember zeigten die GNNS-Messwerte kurzzeitig eine Subsidenz an, wobei es sich wahrscheinlich ein weiteres Mal um Messungenauigkeiten gehandelt haben dürfte. Zeitgleich beschleunigte sich die Ostkomponente des horizontalen Versatzes, die auch jetzt noch erhöht ist. Das alles, bei weiterhin geringer Seismizität, was etwaige Prognosen zu einem möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruch erschwert.

Wir wissen, dass sich im flachen Untergrund weiterhin magmatische Fluide ansammeln, die den Druck im Speichersystem erhöhen, womit die Wahrscheinlichkeit für eine Eruption oder Gangintrusion ansteigt. Seit dem Ende der letzten Eruption im August haben sich fast 20 Millionen Kubikmeter neue Schmelze unter Svartsengi akkumuliert. Bei der Eruption entleerte sich aber nicht die gesamte Schmelze i flachen Speichersystem, so dass die tatsächlich vorhandene Magmamenge deutlich höher sein durfte und meinen Schätzungen nach bei 25 Millionen Kubikmetern liegen dürfte – eine der größten Magmaakkumulationen des Eruptionszyklus, der im November 2023 mit der Gangintrusion unter Grindavik begann.

Eigentlich sollte man erwarten, dass die Eruption bald beginnt, doch da bei den meisten vorangegangenen Ausbrüchen ein immer höherer Druck im Speichersystem vorhanden sein musste, als es zuvor der Fall war, damit eine Eruption startet und sich der Druckaufbau insgesamt verlangsamt zu habe scheint, lässt sich der Zeitraum des erwarteten Eruptionsbeginn nicht mehr eingrenzen.

Die IMO-Vulkanologen veröffentlichten am 6. Januar eine neue Gefahreneinschätzung, die sich gegenüber der vorherigen aber nicht geändert hat. Die größte Gefahr besteht entlang der Sundhnukur-Kraterreihe und es gilt die Empfehlung sich von diesem Gebiet Gebiet fern zu halten. Für das Kraftwerk Svartsengi, die Blaue Lagune und Grindavik gilt nur ein mittelstarkes Gefahrenpotenzial.

Erweitert man die Betrachtungen zu Svarstengi weiter aus und schaut auf die benachbarten Spaltensysteme, stellt man fest, dass es auch im Krysuvik-System eine deutliche Veränderung in der Ostkomponente der horizontalen Bodendeformation gibt. Während des Sommers war hier eine deutliche Subsidenz aufgetreten, die zu zahlreichen Erdbeben geführt hat. In der letzten Woche zeigen die Messwerte eine deutliche Inflation, wobei noch unklar ist, ob die Messungen korrekt sind.

Island: 115 Erdbeben innerhalb von 2 Tagen

Zahlreiche Beben auf Island und speziell Reykjanes registriert – stärkstes Beben Mb 3,0

Auf Island hat es innerhalb von 48 Stunden 115 Erschütterungen gegeben. Die meisten davon auf der Reykjaneshalbinsel, wo 72 Erschütterungen registriert wurden – nur 2 der Beben trafen das Svartsengigebiet, wo die Bodenhebung mit ca. 1 mm pro Tag weitergeht und nach wie vor ein Vulkanausbruch jederzeit einsetzen könnte. Das stärkste Beben mit einer Magnitude von 3,0 (EMSC) manifestierte sich vor der Südwestspitze von Reykjanes, nahe der kleinen Insel Eldey.

Island. © EMSC/Leaflet

Viele der Erdbeben gab es bei Krysuvik und anderen Spaltensystemen auf Reykjanes. In den letzten Tagen wurde auch vermehrt die Gegend um Selfoss im Süden der Hauptinsel erschüttert. Obwohl die Hekla nicht fern ist, werden diese Beben tektonischen Ursprungs gewesen sein, denn in der Region gibt es markante Störungszonen.

Einige Erschütterungen wurden im Bereich der Askja detektiert, wo die Bodenhebung wahrscheinlich ebenfalls anhält, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als zu Beginn der Hebungsphase in 2021. Auch hier könnte es ohne langes Vorspiel zu einer Eruption kommen.

Ein wenig aus dem Fokus geraten ist die Seismizität im Bereich des Grjotarvatn bei Borganes am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel Hier ereigneten sich binnen 2 Tagen 13 Erschütterungen. Seit einiger Zeit vermuten Geoforscher, dass hier das Ljósufjöll-Vulkansystem zu neuem Leben erwachen könnte, da hier neben den Erdbeben auch eine leichte Bodenhebung festgestellt wurde.

Weitere Kandidaten potenzieller Eruptionen auf Island sind Grimsvötn und Bardarbunga – beide liegen unter dem Vatnajökull – sowie Katla unter dem Myrdalsjökull und die westlich davon gelegene Hekla. Doch bei keinem der genannten Vulkane sind die Anzeichen eines bevorstehenden Ausbruchs so ausgeprägt wie bei Svartsengi und der Sundhnukur-Kraterreihe, wo man das 10. Ereignis seit 2023 erwartet. Bis zum Herbst war ich mir sicher, dass zeitnah ein Ausbruch erfolgen wird, doch mit der Abnahme der Bodenhebegeschwindigkeit ist diesbezüglich eine gewisse Unsicherheit eingekehrt. Wenn der Druck im Speichersystem zu langsam ansteigt, besteht die Möglichkeit, dass die nötige Schwelle zum Einsetzen einer Eruption nicht erreicht wird.

Island: Erdbeben und Bodenhebung am 03.01.2026

Erdbeben Mb 4,2 unter Bardarbunga auf Island – Bodenhebung bei Svartsengi hält an

Die Erdbebenaktivität auf Island ist in den letzten Tagen wieder deutlich höher als in den Wochen zuvor. Am Neujahrstag ereignete sich unter dem subglazialen Vulkan Bardarbunnga ein Erdbeben der Magnitude 4,2. Es hatte eine Herdtiefe von etwa 10 Kilometern und lag westlich der Caldera. Es war der stärkste Erdstoß in diesem Bereich seit Oktober vergangenen Jahres. Das Beben wurde deutlich wahrgenommen und löste mehrere schwächere Nachbeben aus.

Erdbeben. © IMO

Auch heute kam es zu weiteren Erdstößen im Bereich des mächtigen Zentralvulkans, der sich direkt über dem Zentrum des Island-Mantelplumes befindet. Der etwas weiter südlich gelegene Grímsvötn wurde ebenfalls von schwachen Erdbeben erschüttert. Hier zeigt die GNSS-Messstation in der zweiten Dezemberhälfte einen scharfen Anstieg, dem ein ebenso schneller Rückgang folgte, sodass unterm Strich kaum eine dauerhafte Bodenverformung verblieb. Dennoch stehen beide Vulkane ganz weit oben auf der Liste potenziell eruptiver Vulkane, die in den kommenden Jahren auf Island aktiv werden könnten.

Zu diesen Feuerbergen zählt auch die Askja. Zwar liefern die GNSS-Stationen aufgrund der Schneebedeckung aktuell keine Daten, doch auf Jahressicht hob sich der Boden hier um etwa 90 Millimeter. Damit hat sich die Bodenhebung im Vergleich zu den Vorjahren weiter verlangsamt, doch seit Beginn der Hebungsphase im Herbst 2012 stieg das Gelände insgesamt um fast 900 Millimeter an. Im Untergrund hat sich mehr als genug Magma angesammelt, um eine kräftige Eruption zu ermöglichen.

Ähnlich stellt sich die Situation im Svartsengi-Gebiet auf der Reykjanes-Halbinsel dar. Auch hier ist ausreichend Schmelze im Untergrund vorhanden, um jederzeit eine Eruption auszulösen. Die Vorwarnzeit könnte dabei nur wenige Minuten betragen, weshalb in diesem Areal höchste Wachsamkeit geboten ist. Unmittelbar vor einer Eruption würde vom Zentrum der sich öffnenden Spalte aus Dampf aufsteigen. Es gilt jedoch keinesfalls als sicher, dass es erneut bei Sundhnúkur zu einer Eruption kommen wird, da sich die eruptive Aktivität auch verlagern könnte. Der Anstieg der Bodenhebung bei Svartsengi – wo sich der flache Magmenkörper befindet, der die Eruptionen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe speiste – hat sich weiter abgeschwächt, und es werden kaum Erdbeben in diesem Gebiet registriert. Dafür nahm in den vergangenen 48 Stunden die Erdbebenaktivität bei Fagradalsfjall und Krýsuvík zu. Signifikante Bodendeformationen sind dort derzeit jedoch nicht zu beobachten.