Ambrym emittiert sehr hohe Thermalstrahlung – größere effusive Eruption möglich
Der Inselvulkan Ambrym gehört zum Vanuatu-Archipel und liegt nordöstlich von Australien. Die per Satellit erfassten MODIS-Daten weisen heute eine sehr hohe Thermalstrahlung mit einer Leistung von fast 1600 MW auf, die am 6. Oktober um 04:05 UTC detektiert wurde. Die hohe Strahlung spricht für eine Intensivierung der eruptiven Aktivität im Marum-Krater, über die Vnet bereits in der vergangenen Woche berichtete. Da das VAAC Wellington keine Vulkanaschewarnung für Ambrym herausgegeben hat, kann man davon ausgehen, dass eine überwiegend effusive Eruption die Ursache für die Wärmestrahlung ist, wobei auch Lavafontänen generiert werden können.
Eines der wahrscheinlichsten Szenarien ist eine Flutung des Kraterbodens mit Lava oder die Entstehung eines neuen Lavasees, wie er bis 2018 im Marum-Krater brodelte. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich die eruptive Aktivität ausgeweitet hat und auch Bereich ausßerhalb des Marumkraters betrifft.

Bereits das jüngste Satellitenfoto vom 4. Oktober zeigte ausgeprägte Wärmeanomalien, die sich auf zwei aktive Schlote konzentrierten. Auffällig waren auch thermische Signaturen entlang des Randes des Kraterbodens, die entweder von Lavaströmen zeugen oder auf Risse hinweisen, aus denen heiße Gase austreten. Das hier gezeigte Bild ist eine Kombination aus dem Infrarot-Wärmesignal im SWIR-Band und einem Satellitenbild im sichtbaren Lichtspektrum. Ungewöhnlich ist, dass selbst auf dem Bild im sichtbaren Lichtspektrum bei entsprechender Vergrößerung schwache Rotglut in den beiden Förderschloten zu sehen ist. Dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass sich hier bereits Lavalinsen gebildet haben, wobei der größere Westschlot einen Durchmesser von gut 50 m hat.
Leider sind keine aktuellen Online-Daten mehr verfügbar. Das Vanuatu Geological Hazards Department verfügte bis vor einigen Jahren noch über eine gut ausgebaute Infrastruktur inklusive Webcams und Webcodern, die seit einiger Zeit jedoch offline sind. Ebenso fehlen aktuelle Updates zur Aktivität des Vulkans. Der Alarmstatus steht weiterhin auf 2. Um die aktiven Krater der Ambrym-Caldera gibt es Sperrzonen von bis zu 2 Kilometern.
Bislang konzentrierte sich der Fokus der Vulkanologen aus Vanuatu auf den Inselvulkan Ambae, der südlich von Ambrym liegt und seit Monaten effusiv und teilweise auch explosiv aktiv ist. Hier steht der Alarmstatus auf 3, und es gibt eine 3-Kilometer-Sperrzone um den Kratersee Lake Voui. Aktuelle Satellitenfotos zeigen hier zwar hoch aufsteigende Dampfwolken, aber keine thermische Anomalie, die auf anhaltende Lavastromtätigkeit hindeuten würde.
Die Aktivität konzentriert sich als auf Ambrym, wo sehr wahrscheinlich eine stärkere effusive Eruption im Gang ist.








