Satellitenbilder von Ambae enthüllen wachsende thermische Anomalie im Krater, die auf einen Lavastrom hindeutet
Der Vulkan Ambae liegt im Inselstaat Vanuatu und trägt mehrere Namen: Er ist auch als Aoba, Lombenben oder Manaro Voui bekannt. Derzeit zeigt er eine anhaltende, vom VMGD als schwach eingestufte Aktivität, die sich in den letzten Tagen insbesondere in einer Zunahme der thermischen Strahlung widerspiegelt. Aktuelle Satellitendaten, darunter ein neues Bild des europäischen Copernicus-Sentinel-2-Programms, weisen auf eine ausgedehnte thermische Anomalie im Gipfelkrater nahe des Voui-Sees hin. Diese erhöhte Wärmesignatur deutet darauf hin, dass sich im Krater heißes Material an der Oberfläche oder knapp darunter befindet.

Der Vergleich mehrerer Aufnahmen der letzten Tage zeigt deutlich, dass sich die thermische Anomalie signifikant vergrößert hat. Laut MIROVA schwankt die Wärmestrahlung von Tag zu Tag. Am 28. April wurde der bislang höchste Wert gemessen: Um 2 Uhr nachts erreichte die Wärmestrahlung eine Leistung von 485 MW. Die letzte VONA-Meldungen des VAAC Wellington zu Aschewolken vom Ambae stammte vom Freitag, sodass stärkere explosive Eruptionen derzeit ausgeschlossen werden können. Das VMGD meldete in den vergangenen Wochen wiederholt schwache Ascheeruptionen, beobachtete zuletzt jedoch einen leichten Rückgang der Aktivität. Auch wenn direkte visuelle Bestätigungen vom Ambae fehlen, liegt die Vermutung nahe, dass der Vulkan effusiv tätig geworden ist und ein Lavastrom eruptiert, der sich innerhalb des Kraters bewegt.
Durch die Lavastromaktivität steigt auch die Gefahr phreatischer- beziehungsweise phreatomagmatischer Eruptionen, sollte es zu einer Interaktion von Magma mit dem Wasser des Kratersees kommen. Der aktive Kratersee Voui ist bekannt für solche Prozesse, bei denen Wasser und Magma aufeinandertreffen und explosive Aktivität auslösen können.
Ambae ist der größte aktive Vulkan des Inselstaates Vanuatu und bildet eine rund 2500 km³ große Schildstruktur. Sein Gipfel besteht aus einer Caldera mit mehreren Kraterseen, darunter Voui, Manaro Ngoru und Manaro Lakua.
Die Vielzahl an Namen spiegelt sowohl die wissenschaftliche als auch die lokale Perspektive wider: Während „Aoba“ und „Ambae“ gebräuchliche Inselnamen sind, bezeichnen „Manaro“ oder „Lombenben“ speziell den zentralen Vulkanbereich. In lokalen Traditionen gilt der Gipfel zudem als heiliger Ort.







