Anak Krakatau: Angst vor weiterer Aktivitätssteigerung

Angst vor Aktivitätssteigerung – Katastrophenalarm gegeben

Der Anak Krakatau durchlebte am 27. und 28. November eine Phase deutlich gesteigerter Aktivität, als es pro Tag ca. 50 Explosionen gab. Vulkanasche stieg dabei bis zu 2000 m über Kraterhöhe auf. Gestern gab es deutlich weniger Explosionen, dennoch wurde laut einem Medienbericht Katastrophenalarm gegeben, da man sich besonders entlang den Küsten am Sunda Strait vor einer Wiederholung der Ereignisse von 2018 fürchtet. Damals kam es zu einem Flankenkollaps des Vulkans und ein kleiner Tsunami brandete gegen die Küsten. Dabei starben 116 Menschen, vor allem an der Küste der Provinz Lampung auf Sumatra. Einige Wochen vor dem Kollaps war Anak Krakatau ebenfalls sehr aktiv und es kam sogar zu Paroxysmen. Da die Aktivität der letzten Tage an die Eruptionen vor dem Flankenkollaps erinnerte, ist es verständlich, dass man vor Ort beunruhigt ist. Besonders, da man bei besonders starken Explosionen das dabei entstehende Grummeln auch an der Küste Sumatras hören kann. In einem Zeitungsbericht der Lokalpresse ist zu lesen, dass einige Anwohner der Küstenregion nervös werden und anfangen, an der Küste entlang zu patrouillieren, damit sie im Falle eines Tsunamis andere Menschen rechtzeitig warnen können und natürlich auch selbst rechtzeitig flüchten können.

Die Aktivitätssteigerung kündigte sich durch eine Vielzahl an vulkanisch bedingten Erdbeben an. Deren Zahl begann bereits im September deutlich zu steigen und erlebte Ende Oktober eine Hochphase. Vor allem wurden Hybriderdbeben und niedrigfrequente Erschütterungen registriert, die mit unterirdischen Magmenbewegungen in Verbindung standen. Es gab aber auch vulkanotektonische Erschütterungen, die durch Gesteinsbruch infolge von Magmenaufstieg verursacht wurden und werden. Dazu gesellten sich seit Beginn der Eruptionen intensive Phasen mit harmonischen Tremor.

Laut Hendra Gunawan, dem Leiter des Zentrums für Vulkanologie und geologische Katastrophenvorsorge (PVMBG) der Geologischen Agentur Indonesiens, gibt es Anzeichen dafür, dass im Krater des Vulkans ein Lavadom wächst, was besonders beunruhigt. In der Tat bildete sich bereits vor 2 Jahren eine entsprechende Struktur im Krater. Aktuelle Aufnahmen zeigen, dass die Explosionen aus dem Zentrum des Doms kommen. Der Vulkan befindet sich auf Warnstufe „Orange“.

Heute zeigt sich Anak Krakatau ruhiger als in den beiden vorangegangenen Tagen und erzeugt sporadische Eruptionen, wie sie in den letzten Jahren öfter in Phasen vorkamen. Weitere Entwicklung ungewiss.

Anak Krakatau mit Aktivitätssteigerung am 28.11.23

Vulkan Anak Krakatau steigerte Aktivität in signifikantem Ausmaß

Am Sonntag begannen sporadische Eruptionen am indonesischen Inselvulkan Anak Krakatau. Die Aktivität steigerte sich gestern signifikant, als das VSI gut 55 Explosionen registrierte. Heute scheint es auf ähnlichem Niveau weiter zu gehen. Es handelt sich um die stärkste Ausbruchsphase in diesem Jahr. Es werden auch zahlreiche Tremorphasen detektiert, so dass man davon ausgehen kann, dass sich im Untergrund einiges am Magma bewegt, was raus will. Leider werden vom VSI/Magma keine Daten zu geophysikalischen Messwerten veröffentlicht, die über seismische Ereignisse hinaus gehen, von daher wissen wir nicht, wie es um eine etwaige Inflation bestellt ist.

Was wir allerdings wissen, ist, das die Asche bis auf einer Höhe von 2100 m aufsteigt und vom Wind in Richtung Nordosten verfrachtet wird. Diese Daten stammen vom VAAC. Das VSI meldet Aschewolken, die bis zu 1500 m über Gipfelhöhe aufsteigen.

In Indonesien ist nicht nur Anak Krakatau munter, sondern auch der Lewotolok auf Lembata. Dieser Vulkan durchlebte dieses Jahr bereits mehrere eruptive Phasen und ist seit mehr als 3 Monaten daueraktiv. Heute gab es offenbar eine etwas stärkere Eruption als sonst, denn die indonesischen Vulkanologen berichten explizit über eine Explosion. Sie ließ die Asche bis zu 600 m über Kraterhöhe aufsteigen. Auf einem Webcamfoto sieht man, dass auch etwas rotglühende Tephra gefördert wurde, die auf der Außenseite des Vulkans landete. Die Seismometer fingen ein seismisches Signal mit 42 Sekunden Dauer und 34,5 mm Amplitude auf. Von dieser einen hervorgehobenen Eruption abgesehen, registrierte man gestern 47 Eruptionssignale, 154 starke Entgasungen und mehr als 20 Phasen nicht-harmonischen Tremors.

Neben diesen beiden Vulkanen erzeugten heute auch noch Semeru, Ibu und Dukono Aschewolken. Doch der Anak Krakatau bleibt der aktivste Vulkan des Archipels. Zugleich ist es der Vulkan mit der belebtesten Geschichte des Landes, denn über die Katastrophe von 1883 hat praktisch schon jederm mal etwas gehört.

Anak Krakatau ist am 26.11.23 ausgebrochen

Bekannter Inselvulkan in Indonesien Ausgebrochen – Erdbebenaktivität war zuvor erhöht

Im indonesischen Sunda-Strait, der Meerenge zwischen den Inseln Sumatra und Java, ist der Inselvulkan Anak Krakatau ausgebrochen. Eine erste Eruption gab es um 12:46 WIB als eine Aschewolke 600 m über Kraterhöhe aufstieg. Es folgten drei weitere Ausbrüche. Beim bisher letzten Ereignis stieg die Vulkanasche dann bereits 1000 m über Kraterhöhe auf. Laut dem VAAC Darwin erreichte die Vulkanasche eine Höhe von 1800 m über dem Meeresspiegel und driftete in Richtung Nordwesten. Bilder zeigen, dass auch rotglühende Tephra ausgestoßen wurde.

Die letzte Explosion erzeugte ein seismisches Signal von 45 Sekunden Dauer und hatte eine Maximal-Amplitude von 78 mm. Vor dem Ausbruch war die Seismizität wochenlang leicht erhöht. In der ersten Novemberwoche erreichte sie einen Peak mit fast 140 vulkanisch bedingten Erdbeben an einem Tag. Die Eruptionen kamen also nicht völlig überraschend.

Größere Mengen Wasser scheinen bei den Explosionen nicht mehr im Spiel zu sein, da sich der Krater nach dem Kollaps im Jahr 2018 wieder oberhalb des Meeresspiegels befindet und geschlossen ist.

Dafür macht aktuell noch ein anderer Inselvulkan von sich Reden: Dieser liegt in japanischen Hoheitsgewässern vor der Küste der Insel Iwo Jima (Ioto) und erlebte seinen Geburtstag erst Ende Oktober. Seitdem baute sich eine 450 x 200 m messende Insel auf, von der man noch nicht mit Sicherheit sagen kann, dass sie sich auf Dauer etablieren wird. Doch wenn die Eruptionen anhalten und die Insel weiter wächst, liegt es im Bereich des Möglichen.

Generell ist die Geburt einer neuen Vulkaninsel ein langjähriger Prozess, der nicht ohne starke Geburtswehen abläuft. Oft braucht es mehrere Zyklen aus Schöpfung und Zerstörung, aus Geburt und Niedergang, bis neues Land entstanden ist. Wobei man sich die Fragen stellen muss, wie lange „auf Dauer“ bedeutet. Auch auf Anak Kraktau gibt es keinen Garant dafür, dass sich die Insel über lange Zeiträume hinweg über der Wasserlinie halten kann. Beim Flankenkollaps von 2018 büßte die Insel zwei Drittel ihrer Gesamthöhe ein. Sogar der Teil mit dem Gipfelkrater verschwand bis kurz unter die Wasseroberfläche. Doch nun gibt der junge Inselvulkan sein Bestes, um wieder zu wachsen.

Anak Krakatau mit Eruption – News vom 10.09.23

Staat: Indonesien | Koordinaten: -6.10, 105.42 | Aktivität: Aschewolken

Explosion am Krakatau lässt Aschewolke aufsteigen

Heute gab es am indonesischen Vulkan Anak Kakatau eine explosive Eruption bei der Vulkanasche bis auf eine Höhe von 1800 m aufstieg. Dies geht aus einer VONA-Meldung vom VAAC Darwin hervor. MIROVA registriert eine moderate Wärmestrahlung mit 73 MW-Leistung. Die vulkanisch bedingte Seismizität war in den letzten Tagen gering.

In der Tätigkeitsmeldung vom VSI/MAGMA heißt es, dass ein Ausbruch um 12:36 WIB eine Aschewolke förderte, die bis auf 1000 m über Kraterhöhe aufgestiegen ist. Ein entsprechendes LiveCam-Foto bestätigt den Ausbruch visuell. Dort sieht man auch, dass jemand auf der Insel Sertung, auf der die Livecam steht, in einem Zelt campt.

Die Eruption erzeugte ein seismisches Signal mit einer Maximalamplitude von 70 mm und 232 Sekunden Dauer. Inzwischen wurden 5 weitere Eruptionssignale detektiert, es gibt also eine kleine Eruptionsserie. Da die vulkanisch-bedingte Seismizität in den letzten Wochen gering war, gehe ich davon aus, dass die Eruptionen nur ein kurzweiliges Phänomen sind und sehr wahrscheinlich von dem tektonischen Erdbeben M 5,0 getriggert wurden, das sich am 6.9.23 an der Einfahrt zum Sundastrait ereignete. In meiner Meldung zum Erdbeben wies ich darauf hin, dass Anak Krakatau gerne entsprechend auf Erdbeben reagiert, wie er es dann heute auch gemacht hat.

Neue Bilder vom Anak Krakatau gibt es in der letzten Zeit kaum noch: Seit seinem Kollaps im Jahr 2018 ist er permanent gesperrt. Bootsführern drohen empfindliche Strafen, wenn sie bei einem Landgang erwischt werden, bzw. wenn sie erwischt werden, wie sie Vulkantouristen anlanden. Zudem hat sich der Vulkantourismus seit der Pandemie nie wieder richtig erholt. Zum einen hängt das mit den weltweit zu beobachtenden verschärften Aufstiegsrestriktionen zusammen, zum anderen natürlich auch mit den exorbitant gestiegenen Reisepreise nach Übersee. Schade eigentlich, wenn die Welt mainstream geht! Da erfreut mich der Anblick des Zeltes umso mehr.

Vulkan-News 25.08.23: Ätna

Ätna mit kleiner Aschewolke aus dem neuen Südostkrater

Staat: Italien | Koordinaten: 37.73, 15.00 | Aktivität: Explosiv

Der Ätna auf Sizilien zeigte sich heute Morgen mit der Eruption einer kleinen Aschewolke. Diese ist auf einem Foto zu erkennen, das von dem User Μηνάς Κολιογιάννης bei FB geteilt wurde. Weitere Informationen zum Ereignis liegen nicht vor. Den Kommentaren ist zu entnehmen, dass die Anwohner mit einem weiteren Paroxysmus rechnen. In der Vergangenheit gab es vor Paroxysmen kleinere Eruptionen. Hierbei handelte es sich um Ascheemissionen und strombolianischen Ausbrüche. Bei der aktuellen Ascheemission könnte es sich auch um eine Aschewolke handeln, die in erster Linie aus aufgewirbelter Tephra besteht, die bereits abgelagert war. Solche sekundären Aschewolken entstehen öfters durch Kollapsereignisse oder starke Entgasungen. Dagegen spricht, dass es ein schwaches thermisches Signal mit 6 MW-Leistung gibt, das von der Ätna-Gipfelregion ausgeht. Auf dem letzten Sentinel-Satellitenfoto erkennt man drei kleine thermische Anomalien. Zwei befinden sich im Zentralkrater, eine weitere stammt vom NSEC. Es ist also tatsächlich möglich, dass sich Ätna auf einen neuen Paroxysmus vorbereitet. Der Letzte ereignete sich vor 11 Tagen. Der Tremor ist bis jetzt allerdings unauffällig und bewegt sich an der Basis des gelben Bereichs. Ein Paroxysmus scheint zumindest nicht unmittelbar bevorzustehen.

Im letzten Wochenbericht zum Ätna, der am Dienstag veröffentlicht wurde, schrieben die Vulkanologen vom INGV über den letzten Paroxysmus und meinten, dass sich der Vulkan seitdem nicht wieder ganz beruhigt habe. So blieb insbesondere die Infraschalltätigkeit am neuen Südostkrater erhöht und bewegte sich auf einem mittelhohen Niveau. Es wurden im Verlauf der 33. Kalenderwoche bereits einige kleinere Ascheemissionen beobachtet. Während des Beobachtungszeitraums gab es keine signifikante Veränderung der geophysikalischen Parameter. Selbst kurz vor dem Paroxysmus gab es nur eine geringe Bodenhebung von weniger als 1 µrad. Das deutet darauf hin, dass sich die eruptierte Schmelze bereits einige Wochen vor der Eruption im flach gelegenen Magmenkörper angesammelt hat. Dies geschah wahrscheinlich bei den Schwarmbeben im Frühsommer.


Weitere Vulkan-Meldungen:

Anak Krakatau mit Asche-Emission

Staat: Indonesien| Koordinaten: -6.10, 105.42 | Aktivität: Aschewolke

Nicht nur der Ätna stieß Asche aus, sondern auch der Inselvulkan Anak Krakatau, der zwischen den indonesischen Insel Java und Sumatra liegt. Es gab eine VONA-Warnung, nach der die Vulkanasche bis auf einer Höhe von 1200 m aufgestiegen ist und Richtung Südwesten driftete. Die Seismizität ist unauffällig und es gibt keine Hinweise darauf, dass sich eine größere Eruptionsserie zusammenbraut.


Popocatepetl mit Eruption

Staat: Mexiko | Lokation: 19.028, -98.62 | Aktivität: Aschewolke

Am mexikanischen Popocatepetl gab es eine Eruption, bei der Vulkanasche mehrere hundert Meter über Kraterhöhe aufstieg. Außerdem meldete CENAPRED 113 Asche-Dampf-Exhalationen und 28 Minuten Tremor.

Anak Krakatau eruptiert am 13.07.23

Anak Krakatau mit zahlreichen Eruptionen

Bereits in der letzten Woche berichtete ich über erhöhte Seismizität am indonesischen Inselvulkan Anak Krakatau. Seit drei Tagen ist er wieder in Eruption begriffen, was aufgrund der Aufregung um die Fagradalsfjall-Eruption wenig Beachtung fand. Dabei meldete das VSI 53 seismische Eruptionssignale mit Amplituden zwischen 12 und 56 mm und einer Dauer von 30 bis 231 Sekunden. Das ist eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Eruptionen für den Krakatau. Auf den zu den Berichten geposteten Webcam-Bildern sieht man allerdings nur Dampfwolken aufsteigen. Zu allem Überfluss steht die Webcam schief, was ich ein wenig lieblos finde. Die Aufnahmen stammen daher von der privat geführten Twitter-Seite Krakatau Info.

Überwiegend waren die Eruptionen phreatischen Ursprungs und sind durch Wasser getriggert worden, dass bei kontakt mit der Erdwärme schlagartig verdampfte. Für diese These spricht auch, dass es keine VONA-Warnungen durch aufsteigende Asche gab. Die Explosionen könnten mit starken Regenfällen in Verbindung stehen. Denkbar ist auch, dass vermehrt Meerwasser in den Vulkan eindringt. Dann drohen starke phreatomagmatische Explosionen. Vor dem Einsetzen der Eruptionen am Dienstag gab es mehrere Tage lang ca. 40 vulkanisch bedingte Erdbeben. Gestern waren es noch 6 Beben. Die explosive Tätigkeit hält an: Heute wurden innerhalb von 12 Stunden 20 Explosionen registriert. Es gab leichten Tremor, aber keine Erdbeben.

Beim Anak Krakatau handelt es sich um das „Kind des Krakataus“, jenem Vulkan, der sich im Jahr 1883 in einer starken Eruption selbst vernichtete. Obwohl, so ganz stimmig ist diese Aussage nicht, denn es wurde nur eine Vulkaninsel vernichtet, die sich bereits aus einer großen Caldera erhob, ähnlich wie es heute Anak Krakatau macht. Die Insel damals war allerdings um einiges größer als das aktuelle Eiland, welches ebenfalls nicht stabil sitzt und im Jahr 2018 einiges an Höhe einbüßte, als es zu einem Kollaps kam. Dabei wurde ein Tsunami ausgelöst.

In Indonesien sind noch weitere Vulkane aktiv. Aschewolken werden aktuell nur von Dukono und Semeru gemeldet. Vor zwei Tagen war auch der Lewotolok mit einer kleinen Ascheeruption präsent. Am Merapi wächst der Lavadom. Gestern gingen 105 Schuttlawinen ab. Nachdem die Seismizität in der ersten Juliwoche hoch war, hat sie sich inzwischen wieder normalisiert. Ähnliches gibt es vom Karangetang zu berichten. Hier gab es gestern 256 Abgänge von Schuttlawinen, und der Lavadom erhält Magmennachschub. Es könnten pyroklastische Ströme entstehen.

Zusammenfassung:

  • Am Anak Krakatau kam es gestern zu 53 phreatischen Eruptionen.
  • Dukono ist explosiv aktiv und fördert Asche bis auf 1800 m Höhe.
  • Am Karangetang wächst der Lavadom und es gehen sehr viele Schuttlawinen ab.
  • Der Merapi bleibt effusiv aktiv und zeigt schwaches Domwachstum.
  • Semeru fördert Aschewolken bis auf 4300 m Höhe.

Vulkan-News 21.06.23: Ätna

Vulkan Ätna mit kleiner thermischer Anomalie

Staat: Italien | Koordinaten: 37.73, 15.00 | Aktivität: Fumarolisch

Am Ätna auf Sizilien gab es vor drei Tagen einen wolkenfreien Blick auf die Gipfelkrater. Die Satelliten konnten so Infrarotaufnahmen machen und detektierten eine kleine thermische Anomalie im Zentralkrater Bocca Nuova. Der Neue Südostkrater dampfte zwar, zeigte uns aber weiterhin die kalte Schulter.

Gestern wurde das neue INGV-Wochenbulletin zum Ätna veröffentlicht, dass seit dem jüngsten Paroxysmus wieder regelmäßig erscheint. Die Vulkanologen attestierten dem Vulkan eine eher schwache Aktivität. Am stärksten war sie wohl am 18. Juni, als von den Infraschallsensoren 60 Ereignisse registriert wurden. Sie stammten von explosionsartigen Entgasungen oder tief im Schlot sitzende Eruptionen und kamen überwiegend aus Richtung des Zentralkraters.

Die Seismizität war gering. es gab einige schwache Erdstöße, die sich vor allem auf der Ostseite des Vulkans konzentrierten. Die Tremoramplitude bewegte sich im unteren moderaten Bereich und stieg leicht an, so dass sie zum Ende des Beobachtungszeitraums mittlere Werte angenommen hatte. Die Quelle des Tremors wurde in geringen Tiefen lokalisiert und wanderte in den vergangenen Wochen weiter Richtung Osten, sodass sich scheinbar Magma im Bereich der NSEC-Basis am Steilhang vom Valle del Bove akkumulierte.

Eine signifikante Änderung der Bodendeformation wurde nicht beobachtet. Die Messkurven zeigen aber eine minimale Deflation an. Der Schwefeldioxid-Ausstoß war leicht rückläufig, während sich der Kohlendioxid-Flux noch in höheren Regionen als üblich bewegte.

Die Vulkanologen schließen nicht aus, dass der Vulkan plötzlich mit Eruptionen beginnen könnte. Es sind Explosionen aus den Gipfelkratern möglich, aber auch effusive Eruptionen und Paroxysmen. Das Gleichgewicht des Vulkans sei dauerhaft gestört, was eine Vorhersage der Aktivität erschwert. Also, es ist alles beim Alten und es könnte jederzeit wieder los gehen.


Weitere Vulkanmeldungen:

Anak Krakatau mit Zunahme der Seismizität

Staat: Indonesien| Koordinaten: -6.10, 105.42 | Aktivität: Aschewolken

Vom indonesischen Vulkan Anak Krakatau gibt es aktuell eine VONA-Warnung von gestern, nach der sich Vulkanasche in einer Höhe von 3700 m befinden soll. Webcambilder einer größeren Eruption gibt es aber nicht. Die Asche wurde auch nicht von Satelliten erfasst. Sehr wahrscheinlich stammt die Meldung von einem Piloten. Möglicherweise ist Asche von mehreren kleinen Eruptionen so hoch aufgestiegen und sammelte sich in der Höhe an, oder es handelt sich um eine Fehlmeldung. Was auf jeden Fall zu beobachten ist, ist ein leichter Anstieg der Seismizität seit letzter Woche. An zwei Tagen in Folge gab es mehr als 15 vulkanische bedingte Erdbeben. Am Wochenende wurden auch einige kleinere Vulkanausbrüche registriert.


Eruption am Kilauea pausiert

Staat: USA | Lokation: 19.42, -155.29 | Aktivität: Hawaiianisch

Relativ unerwartet pausiert seit gestern Abend die effusive Eruption am Kilauea auf Hawaii. Zunächst hörte der Lavanachschub aus dem Hornito in der Kraterwand auf, dann erstarrt auch die Lava am Boden des Halema’uma’u-Kraters. Auf der Livecam erkennt man nur noch Rotglut in Rissen der Lavadecke. Die Seismizität hat wieder leicht zugenommen und es wird Bodenhebung registriert. Ob es bereits das Ende des Vulkanausbruchs ist oder nur eine Pause, lässt sich erst in einigen Tagen sagen.

Anak Krakatau in Eruption – News vom 10.06.23

Staat: Indonesien| Koordinaten: -6.10, 105.42 | Aktivität: Aschewolken

Explosionen erzeugen Aschewolken am Anak Krakatau

Seit vier Tagen gibt es wieder eine schwache bis moderate explosive Aktivität am indonesischen Inselvulkan Anak Krakatau. Täglich kommt es zu mehreren Eruptionen, die glühende Tephra und Vulkanasche fördern. Gestern wurde vom VSI eine Aschewolke gemeldet, die bis zu 3000 m über Kraterhöhe aufstieg. Das zugehörige seismische Signal hatte eine Maximalamplitude von 75 mm und eine Dauer von 56 Sekunden. Heute Nacht wurde eine Eruption gemeldet, deren Aschewolke es immerhin auf 2000 m Höhe schaffte. Auf dem zugehörigen Livecambild ist eine Säule aus glühender Tephra zu erkennen.

Die Seismizität ist gering und es wurden in den letzten Tagen nur wenige vulkanisch bedingte Erdbeben festgestellt. Der Tremor ist ebenfalls gering und an einigen Tagen nicht vorhanden und es sieht nicht so aus, als wäre größere Mengen magmatischer Fluide in Bewegung. Von daher gehe ich nicht von einer länger dauernden Aktivitätsphase aus. Die aktuelle Phase könnte von einer Serie moderater Erdbeben im Westen der Sundastraße ausgelöst worden sein und Schmelze zum eruptieren gebracht haben, die sich bereits unter dem Vulkan angesammelt hatte. Ähnliches konnten wir in den letzten Monaten öfters beobachten, wobei es wissenschaftlich nicht bewiesen ist, dass es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den tektonischen Erdbeben und den Eruptionen am Krakatau gibt.

Auf Sentinel-Satellitenbildern sah und sieht man keine thermische Anomalie, ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Eruptionen nicht längerfristig vorbereiteten. Nichtsdestotrotz lassen die Eruptionen den Kraterkegel weiterwachsen. Allerdings ist er noch ein gutes Stück davon entfernt der höchste Punkt der Insel zu werden. Dieser liegt zum Zentrum der Insel hin und ist 155 m hoch. Nach dem partiellen Kollaps des Inselvulkans im Jahr 2018 wächst der neue Kraterkegel heran, der nach dem Kollaps knapp unterhalb des Meeresspiegels lag.

Vulkan-News 14.05.23: Krakatau

Staat: Indonesien | Koordinaten: -6.10, 105.42 | Aktivität: Aschewolken

Anak Krakatau mit weiteren Eruptionen am 13.05.23

Gestern gab es weitere Asche-Eruptionen am Anak Krakatau. Wie das VSI berichtete, wurde Vulkanasche bis zu 2150 m über Kraterhöhe ausgeworfen. Es entstanden seismische Signale mit einer Maximalamplitude von 65 mm und bis zu 68 Sekunden Dauer. Die bis jetzt letzte Eruption wurde um 07:10 WIB gemeldet. Heute gab es bislang keine weiteren Ausbrüche und es könnte sein, dass die Eruptionsphase bereits wieder vorbei ist. Solche kurzen Phasen, die oft nur 2 bis 3 Tage dauern, sind in der letzten Zeit typisch für Anak Krakatau. Die Eruptionen stossen nicht nur Vulkanasche aus, sondern auch glühende Tephra. Auf nächtlichen Livecam-Fotos sieht man, dass die Schlacken mehrere hundert Meter hoch ausgestoßen wurden.

Die Eruptionen waren nicht nur auf der Livecam zu sehen gewesen, sondern wurden auch von den Kameras der Satelliten aufgenommen. Das europäische Copernicus-Programm veröffentlichte ein Landsat-Sentinel-Foto, dass die Aschewolke zeigt, die sich in Richtung Südwesten ausbreitete. Sehr schön zu sehen ist das kleine Krakatau-Archipel: die Inseln Rakata, Lang-Island und Sertung gruppieren sich um Anak Krakatau in ihrer Mitte. Während sich Anak Krakatau in der Mitte der Krakatau-Caldera erhebt, markieren die drei anderen Inseln den Rand einer älteren Caldera, die bereits vor der katastrophalen Eruption von 1883 entstanden war. Damals kollabierte etwa nicht der große Urvulkan, sondern bereits ein Nachfolger, der eine Insel mit Rakata bildete. Lang-Island und Sertung waren bereits damals nicht mit dem aktiven Vulkaneiland verbunden gewesen. Ein Foto mit den ungefähren Umrissen der damaligen Insel findet ihr in meinem Bericht zur Katastrophe 1883.

Erst im Jahr 2018 hatte es einen Ausbruch gegeben, bei dem auch Anak Krakatau beinahe von der Landkarte ausradiert worden wäre und der Vulkan über zwei Drittel seiner Höhe einbüßte. Damals entstand ein vergleichsweise kleiner Tsunami, der an den Küsten von Sumatra und Java Schäden angerichtete und 439 Menschen das Leben kostete.