Massive Überschwemmungen in Marokko – gleiches Sturmtief wie in Portugal verantwortlich
Normalerweise verbindet man mit Marokko ein eher arides Wüstenklima, doch in diesem Februar ist es dort alles andere als trocken: Nordmarokko steht derzeit unter Wasser. Seit Tagen haben extreme Regenfälle im gesamten Nordwesten des Landes zu schweren Überschwemmungen geführt, die Zehntausende Menschen in die Flucht treiben. Besonders stark betroffen ist die Region um Ksar El Kebir, wo ein ganzer Landstrich überflutet ist. Die Katastrophe ist Teil des atlantischen Unwettersystems Leonardo, das zuvor bereits Spanien und Portugal mit heftigen Regenfällen heimgesucht hat und starke Überflutungen mit Todesfällen verursachte.
Die Lage in Marokko ist dramatisch: Das Innenministerium meldete, dass mehr als 154.000 Menschen vorsorglich aus überfluteten und gefährdeten Gebieten evakuiert wurden. Die meisten Betroffenen stammen aus der Provinz Larache, wo mehr als 110.000 Menschen in Sicherheit gebracht wurden, gefolgt von Kenitra und weiteren Regionen im Norden. In der Stadt Ksar El Kebir hat die Überschwemmung des Loukkos-Flusses große Teile der Stadt lahmgelegt. Gut 85 % der Bevölkerung mussten flüchten, wie Behörden und Medien übereinstimmend berichten. Die Katastrophe bestätigte mit auch ein Vnet-Leser, der aktuell in Marokko unterwegs ist.
Der außergewöhnlich starke Regen führte dazu, dass mehrere Staudämme, darunter der Oued Al Makhazine, ihre Kapazitätsgrenzen weit überschritten und kontrollierte Wasserablässe ausgelöst werden mussten. Dieser Umstand verstärkte das Hochwasser in den Flussbecken und traf vor allem niedrig gelegene landwirtschaftliche Flächen und Wohngebiete. Viele Dörfer und Stadtteile stehen noch immer unter Wasser. Die Strom- und Wasserversorgung sind in einigen Orten seit Tagen unterbrochen.
Bisher sind keine offiziellen Todeszahlen im Zusammenhang mit diesen jüngsten Überschwemmungen in Nordmarokko bestätigt worden, doch Menschenrechtsgruppen und Medien warnen vor möglichen unentdeckten Opfern und schweren Folgen für die Gemeinden. Die marokkanische Menschenrechtsvereinigung AMDH fordert die Regierung auf, die schlimmsten betroffenen Regionen offiziell als Katastrophengebiete zu erklären, um Hilfsmaßnahmen und Entschädigungen auf den Weg zu bringen.
Der Wetterzusammenhang zu den Extremereignissen auf der Iberischen Halbinsel unterstreicht die große Reichweite des Sturmtiefs, das zudem äußerst langlebig ist. In Spanien und Portugal wurden durch Leonardo mehrere Menschen getötet, darunter ein Mann in Portugal und eine Frau in Spanien, die von reißenden Fluten mitgerissen wurde.
Inzwischen rückt mit Sturmtief Marta weiteres Ungemach auf die Iberische Halbinsel zu und man wappnet sich für die nächsten Unwetter, die auf mit Wasser gesättigten Böden und vollen Wasserspeicher stoßen werden.
Marokko selbst blickt nach Jahren der Dürre auf diese Niederschläge mit gemischten Gefühlen: Zwar haben sie die Wasserreserven aufgefüllt, doch die verheerenden Folgen des Hochwassers offenbaren die fragile Balance zwischen Klimarisiken und der Anpassungsfähigkeit von Bevölkerung und Infrastruktur.


