Sizilien: Katastrophaler Erdrutsch bei Niscemi

Erdrutsch bei Niscemi auf Sizilien: Folge extremer Niederschläge der Unwetter der letzten Tage

Die Erde auf Sizilien kommt nicht zur Ruhe, nur diesmal ist weder der Ätna schuld noch ein starkes Erdbeben, sondern die extremen Niederschläge der letzten Woche, die gestern am Stadtrand der Stadt Niscemi einen starken Erdrutsch ausgelöst haben. Entlang eines Hangs am Ortsrand nahe einer Klippenzone senkte sich der Untergrund über mehrere Meter ab. Auffällig war dabei, dass große Teile des Hanges als kompakter Block abrutschten und eine terrassenartige Stufe bildeten – ein typisches Merkmal langsam gleitender Rutschungen. Niscemi – das in der südsizilianischen Provinz Caltanissetta liegt – ist auf instabilen Boden gegründet und es besteht die Gefahr, dass sich entlang der mehrere hundert Meter langen Abbruchkante weitere Erdrutsche manifestieren. Aus diesem Grund wurden mehr als 1000 Personen evakuiert. Todesopfer gab es wie durch ein Wunder nicht. Spektakuläre Bilder dokumentieren das außergewöhnliche Ereignis und dürften viral gehen. 



Niscemi

Geologisch betrachtet gehört das Gebiet von Niscemi zum südlichen Zentralsizilien, das von sedimentären Abfolgen geprägt ist. Der Untergrund besteht hier überwiegend aus Wechsellagerungen von Sanden, Sandsteinen, Mergeln und tonreichen Schichten, die im Miozän und Pliozän abgelagert wurden. Besonders problematisch ist die Kombination aus durchlässigeren Sandlagen über weniger durchlässigen Ton- oder Mergelhorizonten. Solche Grenzflächen wirken bei Wassersättigung als natürliche Gleitebenen, so wie es hier offenbar der Fall war.

Morphologisch ist die Region durch sanft bis mäßig geneigte Hügel gekennzeichnet, die von Erosionsrinnen und kleinen Tälern zerschnitten werden. Diese Topografie begünstigt Hanginstabilitäten, vor allem dort, wo menschliche Eingriffe – Straßen, Einschnitte oder Bebauung – das natürliche Gleichgewicht zusätzlich schwächen.

Nach ersten Einschätzungen handelt es sich um eine translational-rotierende Rutschung. Der Hang verlor nicht schlagartig seine Struktur, sondern glitt als relativ kohärente Masse hangabwärts. Solche Bewegungen verlaufen oft schleichend, können aber in kurzer Zeit deutliche Absenkungen von mehreren Metern verursachen. Genau dieses Bild zeigte sich in Niscemi: abgesackte Flächen mit scharf strukturierten Abrisskanten und ein insgesamt „intakter“, aber tiefer liegender Hangkörper.

Ein direkter Zusammenhang mit den starken Niederschlägen der letzten Tage gilt als sehr wahrscheinlich, ist aber wissenschaftlich noch nicht bewiesen. Intensive und anhaltende Regenfälle führten zur Sättigung der oberflächennahen Sedimente und zu einem Anstieg des Porenwasserdrucks. Dadurch verringerte sich die Scherfestigkeit insbesondere der tonreichen Schichten. In einem geologischen Umfeld wie dem von Niscemi reicht dieser Effekt oft aus, um bereits vorbelastete Hänge zum Gleiten zu bringen.

Tatsächlich gab es unweit des Ortes in der vergangenen Woche ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,6. Da die Herdtiefe aber in mehr als 40 Kilometern festgestellt wurde, ist es eigentlich auszuschließen, dass der Erdstoß den Erdrutsch triggerte.

Erdbeben Mb 2,0 in Deutschland bei Darmstadt

Schwaches Erdbeben Mb 2,0 bei Darmstadt: Folgenloses Ereignis im aktiven Oberrheingraben

Datum: 26.01.2026 | Zeit: 19:43:40 UTC | Koordinaten 49.729 ; 8.626 | Tiefe: 5 km | Mb 2,0

Gestern Abend registrierten die seismologische Netzwerk Hessens ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,0. Das Epizentrum lag 16 Kilometer südlich von Darmstadt und 5 Kilometer nördlich von Bensheim. Die Herdtiefe betrug 5 Kilometer, was für eine tektonische Ursache des Bebens spricht. Es gab weder Schäden noch Wahrnehmungsmeldungen durch Anwohner der Region. Dennoch ist die Erschütterung von wissenschaftlichem Interesse.

Erdbeben Deutschland
Deutschland. © EMSC/Leaflet

Ein Erdbeben dieser Magnitude gilt als schwach, liegt aber deutlich über dem Definitionsbereich der Mikroseismizität, in dem sich die meisten Erschütterungen in Deutschland bewegen. In der Regel werden solche Ereignisse nur von empfindlichen Seismometern in ruhiger Umgebung erfasst. Vereinzelt können Menschen in unmittelbarer Nähe ein kurzes Vibrieren oder ein dumpfes Grollen wahrnehmen, meistens wird so ein schwaches Ereignis gar nicht bemerkt. Entsprechend ist das Ausbleiben von Wahrnehmungsberichten kein ungewöhnlicher Befund.

Tektonisch liegt das Epizentrum am Ostrand des Oberrheingrabens, einer der seismisch aktivsten Zonen Deutschlands. Der Oberrheingraben entstand vor etwa 35 bis 45 Millionen Jahren durch eine Dehnung der Erdkruste. Dabei bildeten sich zahlreiche Störungszonen, die bis heute aktiv sind. Obwohl Deutschland weit entfernt von Plattengrenzen liegt, wirken sich großräumige Spannungen aus der fortdauernden Kollision der Afrikanischen mit der Europäischen Platte bis in diese Region aus und führen immer wieder zu kleineren Erdbeben.

Südhessen zählt deshalb zu den Gebieten, in denen regelmäßig schwache Erdbeben auftreten. Die meisten Beben bleiben unter Magnitude 3 und sind harmlos. Historisch zeigt sich jedoch, dass der Oberrheingraben grundsätzlich auch stärkere Beben erzeugen kann. Das bekannteste Beispiel ist das Basler Erdbeben von 1356 mit einer geschätzten Magnitude von über 6, das schwere Zerstörungen verursachte. Solche Ereignisse sind jedoch äußerst selten.

Das aktuelle Beben bei Darmstadt ordnet sich somit in die normale seismische Aktivität der Region ein. Es zeigt, dass Erdbeben auch in Deutschland zum natürlichen Geschehen eines dynamischen Planeten gehören – meist jedoch in einer Stärke auftreten, die keine Gefahr für Menschen oder Infrastruktur darstellt.

Erneuter Wintereinbruch in Deutschland behindert den Verkehr

Wintereinbruch in Deutschland – glatte Straßen und knappe Gasreserven

Ein erneuter Wintereinbruch hat weite Teile Deutschlands erfasst und sorgte in den betroffenen Regionen im Osten und Südwesten des Landes für starke Verkehrsbehinderungen In zahlreichen Regionen verursachten Schnee und Eisglätte Verkehrsbehinderungen. Es kam zu zahlreichen Unfällen und Störungen im Nahverkehr. Auf Autobahnen blieben Fahrzeuge stecken, LKW blockierten Fahrbahnen, und in mehreren Bundesländern blieben die Schulen geschlossen, weil die Straßenbedingungen als zu gefährlich eingestuft wurden. Besonders für Pendler und Reisende hat das plötzliche Winterwetter den Alltag deutlich erschwert. An einigen Flughäfen kommt es zu Verzögerungen, allerdings ohne schwerwiegende Flugausfälle.

Winter

Aus meteorologischer Sicht handelt es sich um eine klassische arktische Kältewelle: Ein blockierendes Hochdruckgebiet über Mitteleuropa lässt kalte Luftmassen aus dem Norden ungehindert nach Süden strömen, was nicht nur zu Dauerfrost, sondern auch zu anhaltenden Schneefällen selbst in tieferen Lagen führt. Im Südwesten des Landes, bei Stuttgart und Ulm, fielen bis zu 25 Zentimeter Neuschnee. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor weiter anhaltenden winterlichen Bedingungen, die den Druck auf Verkehrssysteme und Infrastruktur erhöhen.

Parallel zu diesen winterlichen Herausforderungen in Deutschland wird auch Nordamerika von Wetterextremen heimgesucht: In den USA hat ein schwerer Blizzard bereits zu großen Problemen geführt. In Teilen des Mittleren Westens und im Nordosten kommt es zu extremen Schneemengen mit weitreichenden Verkehrseinschränkungen. Bei teils zweistelligen Minustemperaturen verwandelten sich nicht nur Straßen in Eisbahnen, sondern Stromleitungen und Masten hüllten sich in dicke Eispanzer, was zum Kollaps der Strukturen und zu großflächigen Stromausfällen führte. Dieses Sturmsystem bewegt sich weiter nach Osten und könnte in den nächsten Tagen in abgeschwächter Form den Atlantik überqueren und einen weiteren Winterschub in Europa bedingen.

Tennessee

Die anhaltende Kaltwetterlage setzt die deutschen Gasspeicher unter Druck bzw. vermindert diesen schneller als sonst. Die Gasspeicher sind nur noch etwas mehr als zu 1/3 gefüllt, wobei noch mindestens einen Monat lang mit anhaltenden Minusgraden gerechnet werden muss. Die neue Regierung unter Kanzler Merz und der Wirtschaftsministerin Reiche – die ausgerechnet aus der Gaswirtschaft kommt – hatte schnell nach Amtsantritt Vorschriften für die Gasspeicherfüllstände gelockert, die unter der Vorgängerregierung infolge des Gaskrisen von 2022 eingeführt worden waren. Mit dem Ziel, die Wirtschaft zu entlasten, aber die Gefahr in Kauf nehmend, auf eine Gasmangellage zuzusteuern, sollte es mal einen Winter außerhalb der Norm geben. Doch nach Aussage der Verantwortlichen droht noch keine Mangellage: Neu gebaute LNG-Terminals sollen für Versorgungssicherheit sorgen, wobei es sich letztendlich wohl auch über den Gaspreis regeln wird, denn der schnellt bereits in die Höhe.

Die Situation bleibt prekär, da Energieverbrauch und Speicherstände eng miteinander verknüpft sind, insbesondere wenn erneuerbare Energien im Winter weniger bis gar keinen Strom liefern und fossile Gaskraft stärker nachgefragt wird.

Insgesamt zeigt der Wintereinbruch: Die Auswirkungen von Wetterextremen sind vielfältig, sie betreffen Verkehr, Energieversorgung und Alltag in Deutschland – und auch global betrachtet lassen ungewöhnliche Kältewellen niemanden kalt.

Mayon: 19. Tag des Vulkanausbruchs

Vulkanausbruch am Mayon dauert seit 19 Tagen an – Lavadom wächst weiter

Der philippinische Vulkan Mayon ist seit 19 Tagen ununterbrochen aktiv und hält die Vulkanbeobachter von PHILVOLCS-DOST in Atem. Heute fotografierten sie im Morgengrauen eine rot illuminierte Wolkenkappe, die den Lavadom einhüllte. Sein Wachstum hält zwar schon länger als 19 Tage an, doch der eigentliche Vulkanausbruch begann für die Mitarbeiter der Behörde offenbar mit den Abgängen von glühenden Schuttlawinen und pyroklastischen Strömen. Von diesen geht eine besondere Gefahr aus: Im Falle größerer Abbrüche vom Lavadom oder dem kurzen Lavastrom, der vom Dom ausgeht, können große pyroklastische Ströme entstehen, die bewohntes Gebiet erreichen.

Mayon. © PHILVOLDS-DOST

Eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht. Der Mayon ist weiterhin aufgebläht, der Magmanachschub aus der Tiefe dauert an, was sich in gelegentlichen vulkanotektonischen Erdbeben zeigt. Der Ausstoß an Schwefeldioxid steigerte sich im Eruptionsverlauf und betrug in den letzten 24 Stunden mehr als 2200 Tonnen. Dem täglichen Datenblatt von PHILVOLCS ist außerdem zu entnehmen, dass es zwischen dem 24. und 25.01.2026 jeweils um 12:00 Uhr zu 44 Abgängen pyroklastischer Ströme und 253 Steinschlägen gekommen ist, die seismische Signale erzeugten. Es steigt Vulkanasche auf, die beim VAAC Tokio häufig VONA-Warnungen auslöst, ohne dass die Höhe der Aschewolken genau bestimmt werden kann.

Die Alarmstufe „3“ wird aufrechterhalten. Es gilt eine permanente 6-Kilometer-Sperrzone um den Vulkangipfel mit seinem Lavadom sowie ein Überflugverbot. Die Bevölkerung wird aufgefordert, im Freien Staubschutzmasken zu tragen und Schluchten und Flussläufe in Vulkannähe zu meiden.

Neben dem Mayon stehen auf den Philippinen noch die Vulkane Bulusan, Kanlaon und Taal unter besonderer Beobachtung. Der Kanlaon erzeugte innerhalb von 24 Stunden 19 vulkanisch bedingte Erdbeben und kann jederzeit weitere Eruptionen hervorbringen. Das Gleiche gilt für den Taal, an dem 11 Beben festgestellt wurden. Der Bulusan ist momentan der unauffälligste der beobachteten Vulkane, gilt aber ebenfalls als aufgebläht und eruptionsbereit.

Island: Erdbeben bei Snaefellsnes und Vatnajökull

Erdbeben am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel-Halbinsel und unter dem Vantajökull auf Island

Am Wochenende gab es wieder eine erhöhte Erdbebenaktivität an 2 Lokationen auf Island: Während es im Bereich von Svartsengi und der Reykjanes-Halbinsel relativ ruhig blieb, bebte es verstärkt am Grjótavatn am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel und unter dem Gletscher Vatnajökull Dort gab es Freitagabend unter dem Bardarbunga auch den stärksten Erdstoß mit einer Magnitude von 3,0. Weitere Beben wurden am Grimsvötn registriert. Insgesamt manifestierten sich an diesen beiden subglazialen Vulkanen 37 Erschütterungen. Im Bereich von Snæfellsnes kamen 23 Beben zusammen.

grjotarvatn
Erdbeben am Grjotarvatn

Die Beben der Snæfellsnes-Halbinsel hatten Epizentren, die 30 Kilometer nördlich von Borgarnes verortet wurden, und lagen nahe des Grjótavatn am Rand des Ljósufjöll-Vulkansystems. Dieses steht aufgrund erhöhter Seismizität seit fast 2 Jahren immer wieder in den Schlagzeilen. Die Beben ereignen sich überwiegend in Tiefen von mehr als 15 Kilometern und werden mit magmatischen Prozessen in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich akkumuliert sich Magma, das dabei ist, in die Erdkruste einzudringen und aufzusteigen. Es wurden bereits leichte Bodenhebungen registriert. Der aktuelle Schwarm verlagerte sich gegenüber vergleichbaren Erdbeben letztes Jahr etwas weiter in den Norden der Region. Ein Vulkanausbruch lässt sich bis jetzt nicht vorhersagen, dennoch könnte es langfristig auf einen solchen hinauslaufen. Der bekannteste Vulkan der Halbinsel – der Snaefellsjökull – bleibt indes ruhig.

Ähnlich verhält es sich mit den beiden Schwarmbeben am Vatnajökull: Sie ereigneten sich unter den beiden bedeutenden subglazialen Vulkanen Bardarbunga und Grimsvötn und stehen ebenfalls mit magmatischen Prozessen in Verbindung, die früher oder später in neuen Eruptionen gipfeln werden. Dabei ist es am wahrscheinlichsten, dass der Grimsvötn als Erster ausbricht. Statistisch betrachtet ist hier eine Eruption überfällig. Im langjährigen Mittel der letzten 100 Jahre kam es alle 4–5 Jahre zu einer Eruption. Die letzte fand 2011 statt, also vor gut 15 Jahren! So langsam wird es Zeit …

Es scheint ein wenig paradox, dass ausgerechnet unter dem größten Gletscher Europas zwei der mächtigsten Vulkane liegen, die sich direkt über dem Island-Hot-Spot befinden. Der Hotspot ist maßgeblich für die Entstehung Islands mitverantwortlich, da er nicht nur Lava zur Erdoberfläche pumpt, sondern die Erdkruste aufwölbt und nach oben schiebt. So begegnen sich auf einem vulkanischen Plateau Feuer und Eis.

USA: Blizzard legt Teile des Landes lahm

stopp
Stoppt nicht nur den Blizzard, sondern auch Trump!

Blizzard legt die USA lahm – Ausnahmezustand von den Plains bis nach Washington

Der gestern angekündigte Wintersturm hat weite Teile der Vereinigten Staaten lahmgelegt und in einen Ausnahmezustand versetzt. Heftige Schneefälle, gepaart mit Eisregen und extremer Kälte, führten zu katastrophalen Zuständen, von denen besonders der Osten des Landes betroffen ist. Auch die Hauptstadtregion Washington D.C. wurde schwer getroffen: Die Straßen sind teilweise unpassierbar, der öffentliche Nahverkehr wurde eingeschränkt oder eingestellt. Tausende Flüge fielen landesweit aus.

In mehreren Bundesstaaten meldeten Energieversorger großflächige Stromausfälle, von denen hunderttausende Haushalte betroffen sind. Behörden berichten zudem von zahlreichen Verkehrsunfällen, Versorgungsengpässen und mehreren Todesfällen, die in direktem Zusammenhang mit Kälte, Glätte oder medizinischen Notlagen stehen. Insgesamt sind mehr als 160 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Blizzard betroffen. Zahlreiche Bundesstaaten riefen den Notstand aus.

Besonders problematisch war die Kombination aus starkem Schneefall und gefrierendem Regen. Während in manchen Regionen mehr als 30 Zentimeter Schnee fielen, bildete sich andernorts eine dicke Eisschicht auf den Straßen, was zu unzähligen Unfällen führte. Auch Bäume und Stromleitungen wurden mit einem dicken Eispanzer überzogen. Das zusätzliche Gewicht ließ Äste brechen und Masten umstürzen.

Meteorologisch betrachtet handelt es sich um ein außergewöhnlich intensives Ereignis, das sich aber durchaus erklären lässt: Auslöser des Blizzards ist eine stark mäandrierende Strömung des Jetstreams, die sehr kalte arktische Luft weit nach Süden lenkte. Gleichzeitig wurde feuchte und vergleichsweise milde Luft aus dem Golf von Mexiko nach Norden geführt. Dort, wo diese Luftmassen aufeinandertreffen, entwickelte sich ein sehr großes Energiepotenzial und schuf die idealen Voraussetzungen für einen großräumigen Wintersturm mit Schnee, Eis und starken Winden. Verstärkt wurde das System durch eine gestörte Zirkulation des Polarwirbels, die Kaltluft länger über Nordamerika festhielt und den Sturm verlangsamte.

Medien berichten, dass es sich möglicherweise um den stärksten Blizzard der letzten 40 Jahre handelt. Ob dem so ist, wird unter Meteorologen kontrovers diskutiert. Seine Stärke ist jedenfalls historisch bemerkenswert und könnte im Kontext mit dem Klimawandel stehen, der immer stärkere Störungen von Jetstream und Polarwirbel bewirkt. Was im Winter zu extremen Kälteperioden führen kann, löst im Sommer häufig Omega-Wetterlagen mit Hitzewellen aus und sind zwei Seiten der gleichen Münze.

Klimawandelleugner Trump spottet über globale Erwärmung

Klimawandelleugner und Wissenschaftsfeind Donald Trump – der auch sonst ein Freund von Desinformation, Unwissenheit und historischem Eigenlob ist – bezeichnete die Auswirkungen des Blizzards als katastrophal und spottete zugleich über den Klimawandel und fragte, wo denn die „globale Erwärmung“ geblieben sei. Zusammenhänge wollen verstanden werden. Stoppt die Dummheit!

Der Wintersturm zeigt nicht nur die Verwundbarkeit moderner Gesellschaften gegenüber Naturereignissen, sondern auch, wie eng Wetter, Wissenschaft und politische Deutung miteinander verwoben sind.

Kilauea: Eruption No 41 verursachte Evakuierungen im Park

Eruptive Episode No 41: Kilauea-Nationalpark aufgrund unerwartet heftiger Eruption kurzzeitig evakuiert

Der Kilauea auf Hawaii brach heute Nacht – wie von den HVO-Vulkanologen prognostiziert – aus und generierte die 41. Lavafontänen-Episode des fortlaufenden Vulkanausbruchs, der am 23. Dezember 2024 begann. Wie es für die Stop-and-Go-Eruption typisch ist, steigerte sich die Tätigkeit nach einer mehrtägigen Phase mit Lavaüberläufen schnell und es wurden Lavafontänen generiert. Diese waren diesmal aber außergewöhnlich hoch und starker Wind verteilte Tephra nicht nur im Gebiet des Hawaii-Volcano-Nationalparks, sondern bis zu den Küstenorten. Im Nationalpark gingen Schlacken von der Größe einer Pampelmuse nieder, so dass die Besucher evakuiert wurden. Die Aschewolke erreichte eine Höhe von fast 12 Kilometern und bewegte sich mit 55 km/h Richtung Osten. Es wurde eine VONA-Warnung für den Flugverkehr ausgegeben.




Wie die Vorgänger-Eruptionen spielte sich auch die 41. Episode im Halemaʻumaʻu-Krater ab. Sie begann am 24. Januar 2026 gegen 11:10 Uhr HST und entwickelte sich schnell zu einem der energiereichsten Ereignisse des gesamten Ausbruchs. Bereits am frühen Nachmittag schossen Lavafontänen aus beiden Förderschloten am Südwestrand des Kraters hunderte Meter in die Höhe.

Kurz nach 12:30 Uhr erreichten die Fontänen ihre maximale Höhe von schätzungsweise 460 bis 480 Metern. Im weiteren Verlauf des Nachmittags pendelten sich die Fontänen bei etwa 150 bis 200 Metern Höhe ein. Die eruptive Aktivität ging mit starkem Tephra-Ausstoß einher, der Schlacken und Gesteinsbrocken im Gebiet des Nationalparks niedergehen ließ, während der Wind feine Asche bis nach Hilo und in Küstenorte der Puna-Region trug, wo sie in 40 Kilometern Entfernung vom Vulkan abregnete.

Lapilli auf Auto

Besonders betroffen waren neben dem Hawaii-Volcano-Nationalpark die Ortschaften nördlich und östlich des Vulkans, darunter Volcano Village, Fern Acres, Kurtistown und Hawaiian Paradise Park. Entlang des Highway 11 kam es zeitweise zu gefährlichen Bedingungen, da zentimetergroße Tephra-Brocken auf die Fahrbahn einschlugen und zersplitterten. Solche bombenartigen Brocken sind durchaus in der Lage, Autoscheiben zu durchschlagen und unter Umständen auch durch das dünne Blech eines Autodaches zu dringen. Das Bombardement mit Tephra veranlasste die Katastrophenschutzbehörde zur Schließung des Nationalparks und der Evakuierung seiner Besucher und zur Sperrung des Highways 11.

Da sich die Eruption am Spätnachmittag abschwächte und gegen 19:30 HST endete, verkündete der Katastrophenschutz am frühen Abend die Wiederöffnung der Straße. Der Tephra-Niederschlag kann jedoch noch mehrere Stunden anhalten, während sich Asche und vulkanische Partikel aus der Atmosphäre absetzen. Die Warnstufe für den Luftverkehr bleibt auf „Orange“.

Neben der für Schlagzeilen sorgenden Tephra wurde auch eine große Menge Lava ausgestoßen, die den Boden des Halemaʻumaʻu-Kraters überflutete. Von den Lavaströmen ging eine sehr hohe Thermalstrahlung mit einer Leistung von 5640 MW aus.

Messinstrumente registrierten während der Eruption eine deutliche Deflation des Gipfelbereichs. Der Neigungsmesser am Standort Uēkahuna zeichnete eine Abschwächung von mehr als 20 Mikroradian auf: ein typisches Muster der Lavafontänen-Episoden, die in kurzer Zeit viel Lava ausstoßen und so das Magmaspeichersystem entleeren, was den Boden absinken lässt.

Die 41. Lavafontänen-Episode des Kilauea zeigte einmal mehr, wie dynamisch eine Eruption verlaufen kann: Bereits vergleichsweise kleine Änderungen der Fördersystemstruktur bewirken eine Verstärkung der sichtbaren Auswirkungen eines Vulkanausbruchs: Während es im Sommer 2025 eine Phase gab, während der die Lavafontänen schräg ausgestoßen wurden und in einem Bogen durch den Krater – der eigentlich eine Caldera ist – schossen, bündelte die Architektur des Schlotes die Lavafontänen nun und ließ sie durch einen verengten Förderschlot nahezu einen halben Kilometer senkrecht in den Himmel steigen. Aufgrund der großen Höhe der Fontäne und dem Wind verteilte sich die Tephra großräumig.

Vulkan El Chichón: Kratersee verwandelte sich in Säuresee

Veränderungen im Kratersee des El Chichón und erhöhte Seismizität im vergangenen Jahr fordern Wachsamkeit

Der mexikanische Vulkan El Chichón beherbergt einen Kratersee, der nach der verheerenden Eruption von 1982 entstand. Jahrzehntelang war sein Wasser von Algen grün gefärbt, ein Indiz dafür, dass sich ein für Einzeller und andere Mikroorganismen akzeptables Milieu etabliert hatte, in dem Leben möglich ist. In den letzten Jahren zeigen sich allerdings deutliche Veränderungen, die sich in den vergangenen Monaten beschleunigten und von UNAM-Wissenschaftlern aufmerksam beobachtet werden. Sie könnten Anzeichen dafür sein, dass sich einer der gefährlichsten Vulkane des Landes auf eine neue Eruption vorbereitet.




Der im Fokus des Interesses stehende Kratersee ist ein Spiegel der magmatischen Aktivität, die sich im Untergrund des El Chichó abspielt. Nach einem der explosivsten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts, der mit einer gewaltigen Asche- und Gaswolke verbunden war und zahlreiche Menschenleben forderte, bildete sich ein zunächst türkisfarbener See mit einem Durchmesser von rund einem Kilometer und einer Tiefe von etwa 200 Metern. Im Laufe der Jahre kühlte das Wasser ab und es kam zu Algenwachstum. Der Kratersee verfärbte sich zu normalem Grün Inzwischen wandelt er sich wieder und die Wassertemperatur steigt, tötet die Algen ab und bewirkt eine Farbveränderung des Sees.

Fumarolen am Grund des Sees stoßen heiße Gase und fast kochend heißes Wasser aus, das viel Schwefeldioxid enthält und den See in eine säurehaltige Brühe verwandelt. Wissenschaftler der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) beobachten seit etwa 20 Jahren Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung des Wassers, die heute von Sulfaten und Kieselsäure geprägt ist. Zudem wurden hohle Schwefelkugeln an der Wasseroberfläche entdeckt, die auf einen flüssigen Schwefelsee am Grund hinweisen, der bis zu 118 Grad Celsius erreicht.

Parallel zu diesen Veränderungen wurde im Jahr 2025 eine Phase erhöhter seismischer Aktivität registriert. Zahlreiche kleinere Erdbeben – typisch für hydrothermale Systeme – wurden im Umfeld des Vulkans aufgezeichnet. Diese Erdbeben sind jedoch bisher nicht mit weiteren Anzeichen für Magmaintrusionen verbunden, was eine größere Eruption derzeit unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Die Veränderungen im Kratersee und die erhöhte Erdbebenaktivität zeigen jedoch, dass der Vulkan El Chichón weiterhin vulkanischen Prozessen unterliegt. Die für die Vulkanbeobachtung verantwortlichen UNAM-Mitarbeiter fordern eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Vulkanologen, Risikomanagement und lokalen Behörden, um die Entwicklungen genau zu beobachten und angemessene Schutzmaßnahmen zu gewährleisten.

Türkei: Erdbeben Mb 4,9 im Westen

Erdbebenserie im Westen der Türkei setzt sich fort – Bevölkerung in Alarmbereitschaft

Datum: 23.01.2026 | Zeit: 21:24:38 UTC | Koordinaten 39.191 ; 28.291 | Tiefe: 11 km | Mb 4,9

Im Westen der Türkei kam es bei Sindirgi erneut zu einem mittelstarken Erdbeben. Es hatte eine Magnitude von 4,9. Die Herdtiefe wird beim EMSC mit 11 Kilometern angegeben. Messungen türkischer Institute ergaben eine Lokalmagnitude von 5,1. Das Beben manifestierte sich gestern Nacht um 21:24:38 UTC und war Teil eines Schwarms aus Hunderten Erschütterungen. Mehrere der Beben hatten Magnituden über 3 und wurden von den Anwohnern der Gegend verspürt. Der stärkste Erdstoß war sogar in Izmir und Istanbul zu spüren gewesen. Dort fürchtet man sich seit langem vor einem Megabeben. Entsprechend besorgt reagierten die Menschen.



Westen
Türkei. © EMSC/Leaflet

Viele Bewohner berichteten in sozialen Netzwerken und beim EMSC von ihren Wahrnehmungen: Teilweise wurden Menschen aus dem Schlaf gerissen, als ein tiefes Grollen anrollte und die Häuser zu wackeln begannen, Gebälk knarzte und Geschirr und Fenster klirrten. Nahe des Epizentrums fielen Gegenstände aus den Regalen. Die über mehrere Stunden anhaltende Folge von leichten bis moderaten Erschütterungen hat in einigen Gemeinden zu einer latenten Angst vor größeren Beben geführt – viele Menschen verbrachten die Nacht im Freien.

Die Region gilt als hochgradig seismisch aktiv. Sie liegt in einem tektonisch komplexen Bereich der Anatolischen Platte, der von der Arabischen und Eurasischen Platte flankiert wird. Durch teils gegensätzliche Bewegungen und Drehungen der Platten und Krustenblöcke kommt es zu ausgedehnten Verwerfungs- und Dehnungszonen. Eine davon ist der Simav-Graben, an dessen Südrandstörung sich die Beben ereigneten.

Die jüngsten Erschütterungen reihen sich ein in eine anhaltende Erdbebenserie, die seit dem Frühsommer 2025 anhält. Bereits am 10. August und 27. Oktober 2025 waren starke Beben der Magnitude etwa 6,1 registriert worden, die über Wochen hinweg von tausenden Nachbeben begleitet wurden. Diese Serie hatte im vergangenen Jahr für Besorgnis gesorgt und Warnungen vor weiterer Aktivität ausgelöst.

Nicht nur in der Sindirgi-Region fürchtet man sich vor starken Erdbeben, sondern vor allem im Bereich der Nordanatolischen Verwerfung bei Istanbul. Hier rechnen Seismologen bereits seit Jahren mit einem Megabeben, das große Teile der Metropole verwüsten könnte. Man sitzt dort sprichwörtlich auf einer seismologischen Zeitbombe.