Island: Erhöhte Erdbebenaktivität bei Grindavik registriert

Erdbebenaktivität bei Grindavík auf Island auf dem höchsten Stand seit Monaten – Bodenhebung geht weiter

In den vergangenen Wochen ist es um Grindavík und das Svartsengi-Gebiet auf Reykjanes relativ ruhig bestellt gewesen. Besonders aus seismischer Sicht gab es wenig zu berichten: Zwar wurden immer wieder sporadische Erdbeben registriert, doch angesichts der anhaltenden Bodenhebung durch die Magmaansammlung in dem Gebiet waren es vergleichsweise wenige. In den letzten 48 Stunden manifestierten sich jedoch gleich zehn schwache Erschütterungen, von denen die meisten zwischen Grindavík und Þorbjörn verortet wurden.

Grindavik. © IMO

Die Magnituden der Erschütterungen waren gering und lagen im Bereich der Mikroseismizität. Genaue Werte sind der neuen IMO-Karte leider nicht zu entnehmen, das Gleiche gilt für die Herdtiefen. Doch dass überhaupt Beben festgestellt wurden, ist bemerkenswert, denn in den letzten Wochen konnte man den Eindruck gewinnen, dass das Bodenhebungsgebiet seismisch weitgehend inaktiv ist bzw. sich hier eine seismische Lücke bildet, während es an den benachbarten Risssystemen durchaus Erdbeben gab und gibt.

Aktuell sind die Erdbeben noch nicht zahlreich genug, um daraus auf einen baldigen Ausbruch zu schließen. Doch vor den anderen Vulkanausbrüchen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe steigerte sich die Erdbebentätigkeit bereits einige Tage vor den Ereignissen, ähnlich wie wir es aktuell beobachten. Die Vulkanologen des IMO halten nach wie vor einen Vulkanausbruch für ein wahrscheinliches Szenario. Seit die Bodenhebung vor mehr als einem Jahr einsetzte, haben sich schätzungsweise 30 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt, die auf eine Eruption warten.

Neben der Mikroseismizität bei Grindavík gab es gestern Mittag einen Erdbebenschwarm mit deutlich energiereicheren Erschütterungen, der sich südwestlich des vulkanischen Felsens von Eldey ereignete. Während Schwarmbeben direkt vor der Küste bei Reykjanestá eventuell mit der Magmaakkumulation bei Svartsengi zusammenhängen könnten, ist dies für das weiter entfernte Offshore-Gebiet bei Eldey eher unwahrscheinlich. Hier sind wahrscheinlich tektonische Kräfte entlang der divergenten Naht zwischen Nordamerika und Europa am Wirken.

Island: Spaltenverfüllung in Grindavik

Spaltenverfüllung in Grindavík läuft auf Hochtouren – Wiederholen sich Fehler der Vergangenheit?

Obwohl die vulkanische Krise auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel noch nicht beendet ist und es jederzeit zu einer weiteren Magmenintrusion oder einem Vulkanausbruch kommen könnte, hat in Grindavík ein neues Kapitel des Wiederaufbaus begonnen: Die markante Erdspalte Stamphólsgjá, die seit den Ereignissen im November 2023 das Stadtbild prägte und Wohngebiete durchschnitt, wird derzeit abschnittsweise verfüllt. Wo sich einst ein mehrere Meter breiter Riss durch Straßen und Grundstücke zog, arbeiten nun Bagger daran, die Spalte mithilfe von Geotextilien sowie Schichten aus Kies und Erdmaterial zu schließen. Die Konstruktion soll den Untergrund stabilisieren und Bewegungen bei künftigen Erdbeben besser aufnehmen können.

Die Spalte entstand infolge eines Riftingprozesses inklusive einer Magmenintrusion am 10. November 2023. Damals drang ein mehrere Kilometer langer Magmengang in geringer Tiefe unter Grindavík ein. Die dadurch ausgelösten starken Erdbeben und Bodenverformungen rissen Straßen auf, verschoben Gebäude und erweiterten bereits bestehende tektonische Klüfte. Die Schäden waren so gravierend, dass die Stadt evakuiert werden musste. Wenige Wochen später begann nördlich von Grindavík die Serie der Vulkanausbrüche entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe.

Viele Häuser entlang der Stamphólsgjá wurden inzwischen abgerissen, da sie irreparabel beschädigt waren. Das Stadtbild hat sich dadurch grundlegend verändert. Wo einst Wohnhäuser standen, dominieren heute Freiflächen und Baumaschinen.

Dass Spalten in Grindavík verfüllt werden, ist keine völlig neue Entwicklung. Die Stadt wurde in einem Gebiet errichtet, das seit Jahrtausenden von tektonischen Rissen durchzogen ist. Bereits beim Ausbau des Ortes im 20. Jahrhundert wurden kleinere, ältere Klüfte mit Schotter und Erdmaterial aufgefüllt, um Straßen und Baugrund zu schaffen. Diese Strukturen galten lange Zeit als stabil.

Allerdings verdeutlichten die Ereignisse des Jahres 2023, dass auch alte Störungen jederzeit reaktiviert werden können. Zahlreiche zuvor verfüllte Spalten öffneten sich erneut oder wurden deutlich verbreitert. Die heutige Verfüllung unterscheidet sich daher grundlegend von früheren Maßnahmen: Sie dient nicht der Erschließung neuer Bauflächen, sondern ist Teil der Bewältigung einer der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte Grindavíks und soll das Gelände langfristig sichern. Insofern werden die Fehler der Vergangenheit nicht einfach wiederholt. Dennoch stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit dieser Arbeiten, insbesondere da die seismovulkanische Krise auf Reykjanes noch nicht beendet ist.

Zudem stellt sich generell die Frage nach der langfristigen Stabilität des Untergrundes auf der Reykjanes-Halbinsel. Neuere Forschungen zeigen, dass die Risse nicht allein durch die Magmenintrusion entstanden, sondern auch Begleiterscheinungen eines tektonischen Riftingprozesses sind, der mit der Plattengrenze zwischen der Nordamerikanischen und der Eurasischen Platte zusammenhängt. Es handelt sich um einen fortlaufenden geologischen Prozess, der sich entlang dieser Riftzone jederzeit erneut bemerkbar machen kann.

Erdbeben Island. © IMO

Die Erdbebenaktivität der vergangenen Tage war auf Island geringer als in den Vorwochen, wobei das schlechte Wetter die Registrierung schwächerer Erdbeben erschwert haben könnte. Heute ist jedoch wieder ein Anstieg der Seismizität zu beobachten, insbesondere in den Regionen Langjökull, Grjótárvatn und Krýsuvík. Auch im erweiterten Fagradalsfjall-Sundhnúkur-Areal wurden wieder vermehrt Erdbeben registriert.

Die Bodenhebung bei Svartsengi setzt sich unterdessen kontinuierlich fort und sorgt für eine langsame, aber stetige Druckzunahme im magmatischen System. Ob sich der Druck schnell genug aufbaut, um einen weiteren Vulkanausbruch auszulösen, bleibt jedoch ungewiss.

Island: Schwarmbeben bei Vikur westlich von Grindavik

Schwarmbeben bei Víkur zwischen Grindavík und Reykjanestá auf Island – stärkstes Beben Mb 2,8

Am Abend des 15. Juni manifestierte sich im Westen der isländischen Halbinsel Reykjanes ein Schwarmbeben, das aus etwa 60 Erschütterungen bestand. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 2,8 bei einer Herdtiefe von 5,1 Kilometern. Das Epizentrum, das unweit des „Brimketill Lava Rock Pool“ lag, wurde 6,2 Kilometer ostnordöstlich von Reykjanestá mit seinem markanten Leuchtturm lokalisiert. Das bekannte Grindavík liegt etwa 7,5 Kilometer östlich des Epizentrums.

Vikur

Das Beben der Magnitude 2,8 ereignete sich um 18:02 UTC. Es war zwar nicht der Auslöser des Schwarms, jedoch mit Abstand das stärkste Ereignis. Die übrigen Beben lagen überwiegend im Bereich der Mikroseismizität. Da viele Signale nur eine Qualität von rund 50 Prozent aufwiesen, besteht hinsichtlich ihrer Lokalisierung eine gewisse Unsicherheit. Zudem wurden nicht alle Ereignisse in den Darstellungen verschiedener Shakemaps berücksichtigt.

Die meisten Hypozentren lagen in einer Tiefe von etwa 5 Kilometern. Wahrscheinlich waren die Erschütterungen tektonischen Ursprungs. Aufgrund der Nähe zur Magmaansammlung bei Svartsengi könnten die Beben jedoch auch durch Spannungsumlagerungen ausgelöst worden sein, die mit der dort anhaltenden Bodenhebung zusammenhängen.

Die Messdaten der vergangenen Wochen deuten darauf hin, dass sich die Bodenhebung verlangsamt hat, auch wenn sie noch nicht zum Stillstand gekommen ist. Die Vulkanologen des IMO halten eine weitere Eruption dennoch weiterhin für ein wahrscheinliches Szenario.

Im Svartsengi-Gebiet wurden in den vergangenen 48 Stunden fünf Mikrobeben registriert. Im benachbarten Fagradalsfjall-Areal ereigneten sich sechs weitere Beben, ohne dass dort neue Bodenverformungen festgestellt wurden.

In den letzten Stunden wurden zudem neue Erdbeben im Langjökull-System registriert, und zwar genau an jener Stelle westlich des Þórisjökull, an der bereits seit gut drei Wochen eine erhöhte Seismizität beobachtet wird. Innerhalb von 48 Stunden wurden dort 58 Erschütterungen registriert; das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 2,4. Die Ursache der Beben ist wahrscheinlich tektonischer Natur. Dennoch kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass die Spannungen entlang der Störungszone mit einer tiefen Magmenakkumulation in Zusammenhang stehen. Bodendeformationen an den GNSS-Messstationen in relativer Nähe zum Erdbebengebiet wurden bislang nicht festgestellt.

Island: Neue Studie zum Rifting auf Reykjanes-Halbinsel

Neue Studie belegt bis zu 5 Meter tektonischer Krustendehnung auf Reykjanes in Island – Magma als Mitspieler und nicht als alleiniger Motor deklariert

Während sich der Fokus der Erdbeben- und Vulkanbeobachter in den letzten Tagen von Svartsengi in Richtung Hengill und Langjökull verlagerte, wo zwei intensive Schwarmbeben registriert wurden, die bislang noch nicht vollständig abgeklungen sind, wurde eine neue Studie zum Rifting auf der Reykjanes-Halbinsel veröffentlicht. Sie beleuchtet die tektonischen Prozesse, die mit den Eruptionen im Svartsengigebiet und bei Grindavík einhergingen und könnten auch für die aktuellen Bebengebiete zukunftsweisend sein.



Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine ausgeprägte Krustendehnung zu Rissbildungen führte, die den Aufstieg von Magma erleichterten. Die Rissbildung selbst sei dabei überwiegend tektonisch gesteuert gewesen, wurde jedoch durch magmatische Prozesse verstärkt.

Reykjanes während der Eruption am 8. Februar 2024. Der Schnee betont die NW-SE-streichenden Risssysteme .

Die neue Studie wurde in Geophysical Research Letters veröffentlicht und beleuchtet die geologische Dynamik der Reykjanes-Halbinsel in Island während der Unruhen zwischen 2021 und 2025 neu. Das internationale Forschungsteam analysierte Seismik, Satellitenradar, GPS-Daten und Geländebeobachtungen, um die komplexen Prozesse an der Plattengrenze zu rekonstruieren. Dabei zeigt sich ein Bild, in dem nicht nur Magma, sondern vor allem tektonische Spannungen eine zentrale Rolle spielen.

Spalte in Grindavik

Die Daten belegen, dass sich die Erdkruste auf der Halbinsel im Untersuchungszeitraum insgesamt bis zu 5 Meter auseinanderbewegte, verteilt auf mehrere Rifting-Episoden, über die auch auf Vulkane.net ausführlich berichtet wurde. Besonders markant war die Phase am 10. November 2023, als es im Zusammenhang mit einer Magmenintrusion zu einer starken Bodenverformung kam. In Folge des Ereignisses wurde Grindavik evakuiert und mehrere Gebäude und Straßen zerstört oder beschädigt. Die neuen Datenanalysen weisen auf eine Kombination aus horizontalen Verschiebungen und vertikalen Bewegungen hin, die zunächst durch strike-slip-artige Scherung geprägt war und anschließend in eine Riftöffnung überging – ein Hinweis auf eine komplexe Bruchentwicklung statt eines einfachen magmatischen Schubs. Dennoch prägte eine massive Gangintrusion das Geschehen und besorgte mehr als die eigentliche Rissöffnung auf einer Breite von 1,70 m und einer Bodenabsenkung von bis zu 1 Meter. Modellrechnungen zeigen, dass die Störung auf eine Länge von gut 15 Kilometern vertikal versetzt wurde.
Die Forschenden sind der Meinung, dass diese Beobachtungen die verbreitete Annahme infrage stellen, wonach einzelne Magmaintrusionen in einigen Kilometern Tiefe allein für eruptive Krisen verantwortlich waren. Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass sich über längere Zeiträume tektonische Spannungen entlang der Plattengrenze zwischen Eurasien und Nordamerika aufbauten und sich dann episodisch entluden. In diesem Modell reagiert Magma eher auf die Schwächezonen in der Erdkruste, anstatt diese aktiv zu erzeugen und benutzt diese als Aufstiegswege.

Ein weiteres zentrales Studienergebnis betrifft die zeitliche Abfolge der Prozesse: Zunächst traten horizontale Scherbewegungen entlang der Plattengrenze auf, bevor es zu vertikaler Dehnung und Rissbildung kam. Diese Reihenfolge lässt vermuten, dass tektonische Bewegung selbst entscheidend dazu beitragen kann, Aufstiegswege für Magma zu öffnen.

Trotz dieser detaillierten Einblicke enthält die Studie keine eindeutige Prognose für zukünftige Eruptionen. Vielmehr verdeutlicht sie die Schwierigkeit, Deformation in aktiven Riftzonen eindeutig zu interpretieren, da sich tektonische und magmatische Signale stark überlagern können.

Interessanterweise wird der aktuelle Erdbebenschwarm im Grenzbereich zwischen dem Brennisteinfjöll und Hengill-System ebenfalls auf horizontale Scherbewegungen zurückgeführt. In seiner Intensität erinnert das Ereignis an die Vorgänge, die ab 2018 verstärkt im Bereich des westlichen Reykjanes auftraten und dort die Riftingepisoden einleiteten. Da die Geschichte lehrt, dass sich in früheren Eruptionsphasen die Spaltensysteme der Halbinsel nach und nach aktivierten, könnte sich Ähnliches nun bei Hengill zutragen. Auch die Aktivität am Langjökull -der quasi in der Verlängerung der Störungszone von Hengill liegt- deutet entsprechendes an.

In einem RÚV-Interview ordnete der isländische Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson die Ergebnisse weiter ein und diskutierte insbesondere die Bedeutung für die Gefahreneinschätzung bei Svartsengi und Grindavík. Er verwies darauf, dass der Magmazustrom in das System seiner Einschätzung nach zuletzt deutlich nachgelassen habe, begleitet von geringerer Hebung und schwächeren Intrusionssignalen im Vergleich zu früheren Unruhephasen. Daraus leite sich die Möglichkeit ab, dass die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Eruption derzeit geringer sei als von offizieller Seite kommuniziert, auch wenn vulkanische Systeme grundsätzlich unberechenbar bleiben.

Zugleich stellte Þorvaldur Þórðarson die Frage, ob großräumige Magmagänge tatsächlich bis unter Grindavík und Vogar reichen, wie es bisherige Modelle oft annehmen. Sollte sich ein stärker lokalisiertes Magmasystem bestätigen, müssten bestehende Gefahrenmodelle überarbeitet werden, da diese derzeit stark auf der Annahme basieren, dass Magma direkt unter bewohnten Gebieten vorhanden ist. Eine solche Neubewertung würde die Risikoanalyse der Region grundlegend verändern.

Diese Interpretation steht jedoch neben der eigentlichen Studienarbeit und reflektiert eine persönliche Einordnung der Datenlage. Auch andere beteiligte Forschende, darunter Gregory De Pascale und Halldór Geirsson, arbeiten weiterhin an der Verfeinerung der Deformationsmodelle für die Reykjanes-Halbinsel und können bald vielleicht präzisere Einordnungen liefern.

Quelle der Studie: Fischer, T. J. et al. (2026): Dynamic Coupling Between Faulting, Rifting and Magmatism During 2021–2025 Unrest on Reykjanes Peninsula, Iceland. Geophysical Research Letters, American Geophysical Union (AGU), Wiley. https://doi.org/10.1029/2026GL122058

Island: Weitere Erdbeben am Langjökull Mitte Mai

Anhaltender Erdbebenschwarm südwestlich des Langjökull – Rand des Vulkansystem betroffen

Seit einigen Tagen bebt es südwestlich des Langjökull, einem der größeren Gletscher Islands im Hochland. In den vergangenen 48 Stunden registrierte das IMO 25 Erdbeben mit variierenden Herdtiefen. Die Magnituden lagen überwiegend zwischen 1 und 2. Auf Wochensicht wurden deutlich mehr als 50 Beben festgestellt. Das stärkste Ereignis vom 11. Mai (Vnet berichtete) erreichte eine Magnitude von 3,0. Bei genauer Betrachtung manifestiert sich der Schwarm westlich des kleinen Seitengletschers Geitlandsjökull, der zum Langjökull-System gehört. Unter ihm verbirgt sich ein Tafelvulkan sowie der nördlich davon gelegene Zentralvulkan Prestahnúkur.

Langjökull. © IMO

Betrachtet man die Morphologie der Landschaft auf hochauflösenden Satellitenbildern, erkennt man geradlinig verlaufende Geländestrukturen, die dem Westarm der isländischen Hauptriftzone folgen. Wahrscheinlich handelt es sich um tektonische Beben infolge der Divergenz. Möglich ist jedoch auch, dass magmatische Fluide entlang der Störungszonen aufsteigen und die Erdbeben triggern. Eine Bodendeformation wird derzeit nicht angezeigt.

Anhaltende Erdbeben gibt es auch am Grjótárvatn an der Basis der Snæfellsnes-Halbinsel. Hier wurden auf Wochensicht mehr als 30 schwache Erschütterungen in Tiefen zwischen 15 und 17 Kilometern registriert, die auf Fluide hindeuten, welche im unteren Bereich der Erdkruste intrudieren. Auffällig ist, dass sich in den vergangenen Wochen vermehrt Erdbeben im Westen Islands ereignen.

Dennoch steht auch der Südwesten weiterhin im Fokus des Interesses. Dort konzentriert sich die seismische Aktivität auf den Offshore-Bereich zwischen Reykjanestá und Eldey, aber auch auf das Krýsuvík-System.

Situation bei Svartsengi und Grindavik

Svartsengi. © IMO

Besonders zwischen dem 11. und 14. Mai wurden mehrere schwache Erdbeben zwischen Grindavik und Thorbjörn registriert. Insgesamt waren es 13 Ereignisse in den vergangenen sieben Tagen. Zudem wird dort eine relativ starke Bodenhebung detektiert: Seit November ist die Messstation GRIV nördlich von Grindavik wieder online und zeichnete eine Hebung von 15 Zentimetern auf. Doppelt so viel wurde an der Messstation SENG gemessen, wo sich der Boden seit August 2025 um 37 Zentimeter anhob. Nachdem die Hebegeschwindigkeit im Dezember deutlich zurückgegangen war, beobachten wir seit April wieder eine leichte Beschleunigung. Ein Vulkanausbruch in dem bekannten Gebiet bleibt weiterhin jederzeit möglich, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass Grindavik erneut in Mitleidenschaft gezogen wird.

Island: Erdbeben südwestlich von Grindavik

Dächer von Grindavik aus dem Südwesten aus gesehen. © Marc Szeglat

Mehrere Erdbeben südwestlich von Grindavik auf Island – Spekulationen um Verlagerung der Aktivität

In den vergangenen Tagen gab es auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel häufiger als üblich Erdbeben an der Küste südwestlich von Grindavik. In der vulkanisch geprägten Netzwelt lässt das Spekulationen über eine mögliche Verlagerung der vulkanischen Aktivität in diese Region aufleben. Sie liegt am Randgebiet der magmatisch bedingten Bodenhebung, dessen Zentrum sich unter Svartsengi befindet und seit Oktober 2023 für die Eruptionen und Intrusionen der Sundhnúkur-Kraterreihe verantwortlich ist.

Erdbeben

Der Grund für diese Spekulationen liegt nicht alleine in den Erdbeben, sondern darin, dass die seit Monaten erwartete Eruption bei Sundhnúkur weiter auf sich warten lässt. Es wird vermutet, dass der Untergrund zwischen Svartsengi und der Kraterreihe durch die zahlreichen Magmaintrusionen versiegelt und verhärtet ist, so dass frühere Aufstiegswege des Magmas blockiert sind. Da der Druck im flachen Speicherreservoir unter Svartsengi weiter anwächst, ist es nur logisch, wenn etwaige Schwächezonen entlang von Störungen in andere Richtung nun aktiviert werden. An der Stelle der aktuellen Erdbeben gibt es zwar ein Lavafeld, dieses wurde aber von der Eldvörp-Eruptionsspalte westlich von Svartsengi mit Lava versorgt. Schon früher äußerten sich isländische Vulkanologen dahingehend, dass dieses Spaltensystem als nächstes aktiviert werden könnte, was ins Muster des Westwärtsshifts der Aktivität passen würde.

Wir erinnern uns: Die Eruptionsserie auf Reykjanes begann bereits im März 2021 mit den Vulkanausbrüchen im Fagradalsfjall-Gebiet, das östlich von Svartsengi liegt. Unter diesem Vulkansystem befindet sich wahrscheinlich auch eine große und tiefer liegende Magma-Domäne, von der ausgehend das flacher liegende Reservoir unter Svartsengi und der Blauen Lagune gespeist wird. Theoretisch könnte die Schmelze von hier aus auch nach Osten in das Krysúvik-System migrieren, wofür es auch in den Monaten vor Beginn der Bodenhebung bei Svartsengi Anzeichen gab.

Ob es in dem aktuellen Erdbebengebiet Bodendeformation auftreten ist unklar, denn hier gibt es eine größere Lücke im Messnetz. Die vorhandenen GNSS-Daten zeigten in den vergangenen Tagen bei Svartsengi eine leichte Deflation, doch hierbei könnte es sich um Messfehler handeln.

Tatsächlich rechnen die IMO-Vulkanologen in ihrer Gefahreneinschätzung weiterhin damit, dass es wieder bei Sundhnúkur zu einem Ausbruch kommen wird. Im Prinzip bleibt die Situation dynamisch und wenig vorhersehbar.

Island: 100 Zentimeter Bodenhebung auf Reykjanes

Das Satellitenbild zeigt sehr schön die beiden Lavafelder von Sundhnúkur und Fagradalsfjall (rechts). © Copernicus

Bodenhebung auf Reykjanes-Halbinsel hält an – 1-Meter-Marke geknackt

Unaufhaltsam hebt sich seit Oktober 2023 der Boden auf der isländischen Halbinsel Reykjanes und hat nun die 1-Meter-Marke geknackt – und das, obwohl 9 Vulkanausbrüche und Gangbildungen immer wieder einen Großteil der Hebung abbauten. Dennoch entleerte sich der Magmenkörper nur bei dem ersten Ereignis am 9. November 2023 so sehr, dass eine Deflation entstand, die unter die 0-Marke abfiel, wobei diese Bodensenkung zum Teil auch dem Rifting geschuldet war. Damals sackte der Boden um 20 Zentimeter ab, sodass man nun eigentlich bereits auf 120 Zentimeter Netto-Bodenhebung kommt.

Reykjanes. © IMO

Der Prozess der Bodenhebung verlangsamte sich in den letzten Monaten deutlich, wobei unklar bleibt, ob dies geschieht, weil in der Tiefe nicht mehr genug Schmelze vorhanden ist und der Druck nachlässt, oder ob der Gegendruck im oberen Stockwerk der Magmadomäne zu groß ist und die Speicherkapazitäten im Porenraum des Gesteins nahezu erschöpft sind, was weiteren Magmenaufstieg erschwert. Die Eruption der Krafla in den 1970er Jahren zeigte, dass die Pausenintervalle auch damals immer länger wurden und es immer größeren Druck bedurfte, damit die nächste Eruption durchstarten konnte.

Wie auch immer, die Bodenhebung geht langsam, aber relativ stetig weiter und aus der Tiefe strömt ca. 1 Kubikmeter Magma pro Sekunde in das oberflächennahe Speichersystem. Auffällig ist, dass sich die Hebegeschwindigkeit an den bei Grindavik gelegenen Messstationen zuletzt steigerte. In der Region der gebeutelten Stadt wurden in den letzten 24 Stunden 3 schwache Erdbeben registriert.

Ebenfalls auffällig ist, wie still es in der Wissenschaftswelt um die Vorgänge geworden ist. Nach einer Zeit der medialen Überpräsenz mit einer Menge Spekulationen ist in den letzten Monaten kaum noch was zu lesen, obgleich das Thema nicht vom Tisch ist. Die nächste IMO-Gefahrenanalyse soll am 3. März veröffentlicht werden. Ich greife hier mal ein wenig vor und gehe davon aus, dass im Wesentlichen die Einschätzungen vom 17. Februar bestehen bleiben und man weiterhin mit einer Eruption bei Sundhnúkur rechnen muss.

Darüber hinaus gab es in den letzten 2 Tagen eine erhöhte Seismizität unter den subglazialen Vulkanen Grimsvötn und Katla, aber auch im Gebiet der Torfajökull-Caldera und in anderen Bereichen entlang von Störungen im Süden von Island.

Update:
Ich habe hier eine Grafik einer anderen Messstation eingebunden, die bereits 120 cm Bodenhebung anzeigt.

Island: Schwarmbeben westlich von Grindavik

Schwarmbeben westlich von Grindavik auf Island – Gut 30 Erdbeben bis jetzt

Heute Morgen manifestierte sich auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel ein Schwarmbeben an einer eher ungewöhnlichen Lokation: Seit 08:26:56 Uhr bebt die Erde genau in der Mitte zwischen dem Leuchtturm von Reykjanestá und Grindavík. Die Distanz zwischen den beiden Orten beträgt gut 14 Kilometer. Die Epizentren liegen unter dem Lavafeld Berghraun an der Südküste von Reykjanes und in unmittelbarer Nähe zur Küstenstraße Nesvegur. Die Tiefe der meisten Erdbebenherde liegt bei rund 5 Kilometern. Das stärkste Beben hatte laut IMO eine Magnitude von 2,5 und ein Hypozentrum in 0,6 Kilometern Tiefe.

Island. © VAFRI

Obwohl das Schwarmbeben bislang nicht weiter bedrohlich ist, könnte es mit den Spannungen in der Erdkruste zusammenhängen, die infolge der Magmaakkumulation bei Svartsengi entstehen. Es ist auch möglich, dass sich hier direkt magmatische Fluide entlang von Störungszonen bewegen. Die am nächsten gelegene GNSS-Messstation GEVK westlich von Grindavík zeigt in den letzten Tagen eine leichte Deflation. Es ist also denkbar, dass sich der unterirdische Schmelzfluss verlagert. An der nördlich von Berghraun gelegenen Kraterreihe Eldvörp stoppte die Bodenhebung laut den letzten Messungen jedoch ebenso wie bei Svartsengi. Die nächsten Tage werden zeigen, ob es sich erneut um Messfehler oder um einen neuen Trend handelt.

Über die letzten Monate hinweg verfestigte sich der Trend der Bodenhebung in einem weiten Teil von Zentralisland. An der Messstation KISA hob sich der Boden seit Juli 2025 um bis zu 70 mm. Diese Messstation liegt westlich von Bárðarbunga am Rand des Gletschers Vatnajökull. Aber auch an anderen Stationen rund um den Gletscher Hofsjökull ist eine Hebung von etwa 20 mm festzustellen.

Die Hebung Zentralislands ist unter Wissenschaftlern seit Längerem bekannt, war bis dato aber eher subtil und nahm erst in den letzten Monaten deutlich an Fahrt auf. Es gibt Überlegungen, dass die Hebung mit dem isländischen Mantelplume in Verbindung stehen könnte, dessen aktivster Teil unter dem Vatnajökull mit seinen mächtigen Zentralvulkanen angesiedelt ist.

Island: Schadensbilanz für Grindavik steht

Schadensbilanz für Grindavik steht – Ausbruchsprognose unsicher

Seitdem im Oktober/November 2023 die von Erdbeben begleitete Serie magmatischer Gangintrusionen und Vulkanausbrüche im isländischen Svartsengi-Gebiet begann, waren Versicherer beschäftigt, die Schäden zu begutachten, die die Naturkatastrophe in Grindavik verursachte. Nun nähert sich die Aufarbeitung und Bilanzierung ihrem Abschluss. Mehr als 70 Gebäude wurden infolge massiver Bodenverformungen und direkter Lavaeinwirkung zerstört oder beschädigt. Bei der isländischen Naturkatastrophenversicherung NTÍ gingen rund 800 Schadensmeldungen ein. Die Gesamtsumme der Entschädigungen dürfte sich auf nahezu 12 Milliarden isländische Kronen (ca. 83 Millionen Euro) belaufen und könnte durch noch laufende Prüfverfahren geringfügig ansteigen.

Ein Teil der betroffenen Immobilien gilt als wirtschaftlich nicht mehr zu retten. Zwölf Gebäude wurden so stark beschädigt, dass eine Reparatur unverhältnismäßig teuer wäre, weshalb sie als finanzielle Totalschäden eingestuft werden. Bei diesen Gebäuden handelt es sich überwiegend um große Hallen oder öffentliche Einrichtungen. Es wurden auch 47 geotechnische Gutachten erstellt, um zu gucken, inwiefern für Gebäude eine Gefährdung durch große Erdspalten besteht. Dazu wurden unter Einsatz von Baggern größere Erdmassen bewegt, um verborgene Strukturen und Schäden sichtbar zu machen.

Parallel zur Schadensbewertung laufen in und um Grindavík weiterhin umfangreiche Schutzmaßnahmen. Seit Ende 2023 wurden großflächige Erd- und Lavawälle errichtet, um künftige Lavaströme von Wohngebieten und kritischer Infrastruktur wie dem Geothermiekraftwerk Svartsengi abzulenken. Diese Barrieren werden laufend angepasst, erhöht und verlängert, da sich Ausbruchszentren und Fließrichtungen der Lava mehrfach verändert haben. Die Arbeiten erfolgen mit schwerem Gerät und unter Zeitdruck, da neue Eruptionen jederzeit möglich sind. Dabei entstanden Kosten in Höhe von sieben Milliarden isländischen Kronen (rund 48 Millionen Euro). Finanziert werden sie größtenteils aus staatlichen Mitteln, für die zum Teil Kredite aufgenommen werden mussten.

Ob es zu weiteren Eruptionen kommen wird, ist ungewiss. Der Prozess der Bodenhebung durch Magmenintrusion in 4 bis 5 Kilometer Tiefe unter Svartsengi ist noch nicht abgeschlossen, verlor in den letzten 3 Monaten aber deutlich an Schwung. IMO stuft die Wahrscheinlichkeit weiterer Ausbrüche als hoch ein. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sich die Aktivität in den nächsten Monaten oder Jahren auf ein anderes Spaltensystem von Reykjanes verlagern wird oder dass die Aktivität vorerst zum Erliegen kommt.