Shiveluch setzt seine eruptive Aktivität fort: Vulkanasche in 10.400 Metern Höhe detektiert
Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka setzt der Vulkan Shiveluch seine eruptive Aktivität unvermindert fort. Seit gestern wurden sechs VONA-Warnungen veröffentlicht, die den Flugverkehr vor starken Ascheeruptionen warnen. Die jüngste Eruption ereignete sich heute Morgen um 05:07 UTC und ließ eine Aschewolke auf mehr als 10 Kilometer Höhe aufsteigen. Das zuständige Vulkanobservatorium KVERT stufte den Luftfahrt-Farbcode daraufhin von Orange auf Rot hoch – die höchste Warnstufe für den Flugverkehr.

Nach Angaben des VAAC Tokyo erreichte die Aschewolke eine Höhe von Flugfläche FL340 (rund 10,4 Kilometer) und driftete mit hoher Geschwindigkeit in östlicher bis ostnordöstlicher Richtung. Den Prognosen zufolge wird sich die Asche in den kommenden Stunden und Tagen weiter über den Nordpazifik ausbreiten und dabei möglicherweise internationale Flugrouten kreuzen.
KVERT berichtet, dass die explosive-extrusive Eruption des Shiveluch unvermindert anhält. Im nördlichen Bereich des Lavadoms wächst weiterhin ein neuer Lavablock. Starke Gas- und Dampfausstöße begleiten die Aktivität. Daten zum Schwefeldioxidausstoß werden von den Vulkanologen nicht veröffentlicht. Vermutlich fehlen dem kleinen Observatorium in Kljutschi die entsprechenden Messinstrumente, etwa ein mobiles GOSPEC-System.
Bereits in der vergangenen Woche kam es am 24., 25., 26. und 28. Juli zu starken Explosionen, bei denen Asche ebenfalls bis in Höhen von rund 10 Kilometern aufstieg. Satellitendaten registrierten während dieser Ereignisse durchgehend eine ausgeprägte thermische Anomalie. Die Aschewolken legten dabei Entfernungen von bis zu 1.700 Kilometern zurück.
Die Vulkanologen warnen, dass jederzeit noch stärkere Explosionen auftreten können, bei denen Asche bis in Höhen von 12 Kilometern geschleudert wird. Solche Ereignisse stellen insbesondere für den internationalen Luftverkehr ein signifikantes Risiko dar. Gelangt Vulkanasche in die Triebwerke eines Flugzeugs, kann sie dort schmelzen und die Turbinen beschädigen oder sogar zum Triebwerksausfall führen. Zudem wirkt die Asche bei Fluggeschwindigkeit von nahezu 1.000 km/h wie ein Sandstrahlgebläse: Sie trägt die Oberflächen der Cockpitscheiben ab, wodurch diese mattiert und die Sicht der Piloten beeinträchtigt werden kann.
Der Shiveluch ist der nördlichste aktive Großvulkan Kamtschatkas und zählt mit seinem ausgedehnten Lavadom zu den aktivsten Vulkanen Russlands. Er liegt etwa 45 Kilometer von der Ortschaft Kljutschi entfernt, in der rund 5.000 Menschen leben. Für die Bevölkerung besteht derzeit keine unmittelbare Gefahr, da sich die Aschewolke überwiegend nach Osten bewegt und somit vom Ort wegzieht.




