Ätna: Weitere Erdbeben unter der Westflanke

Etna
Erdbeben unter der Ätna-Westflanke. Sehr schön zu sehen sind die Parasitärkrater, der Gipfel und rechts das Valle del Bove. © Copernicus

Mehrere Erdbeben unter Ätna-Westflanke – stärkste Erschütterung Mb 2,5

Unter der Westflanke des sizilianischen Vulkans Ätna bebte erneut die Erde. Gestern manifestierten sich drei Beben mit Magnituden zwischen 2,1 und 2,4 bei Herdtiefen um 13 Kilometer. Die Epizentren wurden vom EMSC rund 5 km nordwestlich von Adrano lokalisiert. Bereits am 25. Januar meldete das INGV einen Erdstoß der Magnitude Mb 2,5 in 11 Kilometern Tiefe, der sich im gleichen Areal zwischen Adrano und Bronte zutrug und gut 3 Kilometer westlich des Monte Mindaro verortet wurde.




Die Erdbeben passen in das Muster, das wir bereits seit Ende letzten Jahres kennen. Die Beben hängen aller Wahrscheinlichkeit nach mit Magmenaufstieg zusammen, der Spannungen verursacht und Störungszonen aktiviert beziehungsweise Gesteinsbruch auslöst. Durch die fortgesetzte Intrusion erhöht sich der Druck im Magmaspeichersystem, wodurch in Kürze wahrscheinlich weitere Beben und mittelfristig ein neuer Vulkanausbruch ausgelöst werden.

Der Tremor stieg leicht vom grünen in den unteren gelben Bereich, ist aber noch als unauffällig zu bezeichnen. Aus dem letzten Wochenbulletin des INGV geht hervor, dass die Tremorquellen entlang eines schmalen Bandes angeordnet waren, das in Nordwest-Südost-Richtung verläuft und dabei den Süden des Nordostkraters streift. Die Längserstreckung ist außergewöhnlich groß und erinnert an einen magmatischen Gang. Es handelt sich um den gleichen Magmenkörper, der für die Eruption zum Jahreswechsel verantwortlich war. Heute oder morgen sollte das neue Bulletin erscheinen, und die neuen Daten könnten Aufschluss darüber geben, ob dieser Magmenkörper aktiv bleibt.

Seit Wochen gab es vom Ätna kein wolkenfreies Satellitenfoto mehr. Das letzte stammt vom 13. Januar und zeigte nicht nur einen schneebedeckten Vulkan, sondern auch kalte Förderschlote, ohne auch nur die winzigste Spur einer thermischen Anomalie im Bereich der Hauptkrater.

Gestern ereignete sich zudem ein sehr tiefes Beben nordöstlich der liparischen Vulkaninsel Stromboli. Dieses Beben hatte eine Magnitude von 2,9 und eine Herdtiefe von 253 Kilometern. Es ist innerhalb weniger Tage bereits das zweite Beben in diesem Areal und könnte mit Prozessen in Verbindung stehen, die für die Magmenentstehung verantwortlich sind. Stromboli setzt seine normale strombolianische Tätigkeit fort. Auffällig sind hohe CO₂-Emissionen, die auf eine größere Menge Schmelze in der Tiefe schließen lassen. Lavaüberläufe sind dort innerhalb weniger Wochen vorprogrammiert.

Sizilien: Katastrophaler Erdrutsch bei Niscemi

Erdrutsch bei Niscemi auf Sizilien: Folge extremer Niederschläge der Unwetter der letzten Tage

Die Erde auf Sizilien kommt nicht zur Ruhe, nur diesmal ist weder der Ätna schuld noch ein starkes Erdbeben, sondern die extremen Niederschläge der letzten Woche, die gestern am Stadtrand der Stadt Niscemi einen starken Erdrutsch ausgelöst haben. Entlang eines Hangs am Ortsrand nahe einer Klippenzone senkte sich der Untergrund über mehrere Meter ab. Auffällig war dabei, dass große Teile des Hanges als kompakter Block abrutschten und eine terrassenartige Stufe bildeten – ein typisches Merkmal langsam gleitender Rutschungen. Niscemi – das in der südsizilianischen Provinz Caltanissetta liegt – ist auf instabilen Boden gegründet und es besteht die Gefahr, dass sich entlang der mehrere hundert Meter langen Abbruchkante weitere Erdrutsche manifestieren. Aus diesem Grund wurden mehr als 1000 Personen evakuiert. Todesopfer gab es wie durch ein Wunder nicht. Spektakuläre Bilder dokumentieren das außergewöhnliche Ereignis und dürften viral gehen. 



Niscemi

Geologisch betrachtet gehört das Gebiet von Niscemi zum südlichen Zentralsizilien, das von sedimentären Abfolgen geprägt ist. Der Untergrund besteht hier überwiegend aus Wechsellagerungen von Sanden, Sandsteinen, Mergeln und tonreichen Schichten, die im Miozän und Pliozän abgelagert wurden. Besonders problematisch ist die Kombination aus durchlässigeren Sandlagen über weniger durchlässigen Ton- oder Mergelhorizonten. Solche Grenzflächen wirken bei Wassersättigung als natürliche Gleitebenen, so wie es hier offenbar der Fall war.

Morphologisch ist die Region durch sanft bis mäßig geneigte Hügel gekennzeichnet, die von Erosionsrinnen und kleinen Tälern zerschnitten werden. Diese Topografie begünstigt Hanginstabilitäten, vor allem dort, wo menschliche Eingriffe – Straßen, Einschnitte oder Bebauung – das natürliche Gleichgewicht zusätzlich schwächen.

Nach ersten Einschätzungen handelt es sich um eine translational-rotierende Rutschung. Der Hang verlor nicht schlagartig seine Struktur, sondern glitt als relativ kohärente Masse hangabwärts. Solche Bewegungen verlaufen oft schleichend, können aber in kurzer Zeit deutliche Absenkungen von mehreren Metern verursachen. Genau dieses Bild zeigte sich in Niscemi: abgesackte Flächen mit scharf strukturierten Abrisskanten und ein insgesamt „intakter“, aber tiefer liegender Hangkörper.

Ein direkter Zusammenhang mit den starken Niederschlägen der letzten Tage gilt als sehr wahrscheinlich, ist aber wissenschaftlich noch nicht bewiesen. Intensive und anhaltende Regenfälle führten zur Sättigung der oberflächennahen Sedimente und zu einem Anstieg des Porenwasserdrucks. Dadurch verringerte sich die Scherfestigkeit insbesondere der tonreichen Schichten. In einem geologischen Umfeld wie dem von Niscemi reicht dieser Effekt oft aus, um bereits vorbelastete Hänge zum Gleiten zu bringen.

Tatsächlich gab es unweit des Ortes in der vergangenen Woche ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,6. Da die Herdtiefe aber in mehr als 40 Kilometern festgestellt wurde, ist es eigentlich auszuschließen, dass der Erdstoß den Erdrutsch triggerte.

Italien: Medicane Harry verursachte Zerstörungen auf Sizilien

Starke Zerstörungen entlang der Ostküste von Sizilien – Medicane „Harry“ wütete mit voller Kraft

Mit Merkmalen eines Zyklons bzw. Medicanes wütete Wintersturm Harry in weiten Teilen Süditaliens und hat insbesondere entlang der Ostküste Siziliens eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Italienische Medien sprechen von einem außergewöhnlichen Wetterereignis, das in seiner Intensität für den winterlichen Mittelmeerraum ungewöhnlich war. Eine Kombination aus orkanartigen Winden, gepaart mit extremen Regenfällen und schweren Sturmfluten, führte lokal zu starken Schäden an der küstennahen Infrastruktur. Noch heute fließt durch zahlreiche Küstenstraßen Meerwasser. Ufermauern und Kaianlagen wurden stark beschädigt oder sogar völlig zerstört.

Besonders betroffen waren Sizilien, der Süden Kalabriens und Sardinien. Dort trafen meterhohe Wellen ungebremst auf die Küsten und richteten schwere Schäden an Promenaden, Hafenanlagen und Stränden an. In einigen Orten drang das Meer weit ins Landesinnere vor, überschwemmte Straßen und Erdgeschosse und machte Verkehrswege unpassierbar. Küstenstraßen mussten gesperrt werden, weil Asphalt unterspült oder durch Geröll und Treibgut blockiert war. An mehreren Abschnitten brachen Fahrbahnen ein, was den Verkehr zum Erliegen brachte und die Verwundbarkeit der Küsteninfrastruktur verdeutlichte.

Riposto am Fuß des Ätnas

In den sozialen Medien geteilte Aufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörungen, die bis jetzt noch nicht bilanziert werden konnten. Im Großraum Catania und entlang der Küste von Aci Trezza und Aci Reale wurden zahlreiche Küstenmauern – aus Lavagestein des Ätnas erbaut – zerlegt und die Trümmer gegen Vorgärten und Hauswände geschoben, die ihrerseits beschädigt wurden. Die durch den rauen Seegang ausgelösten Überflutungen in den küstennahen Bereichen verwandelten Straßen in Flüsse, die allerlei Unrat mit sich führten. Der Fährverkehr zu den Liparischen Inseln vor der Nordküste Siziliens wurde eingestellt, die Inseln waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Berichte über neue Murenabgänge auf Stromboli liegen bis jetzt nicht vor.

Im Landesinneren sorgten anhaltende Starkregenfälle für Überflutungen und Erdrutsche. Bäche und kleine Flüsse traten über die Ufer und setzten Wohngebiete sowie landwirtschaftliche Flächen unter Wasser. Hangrutsche beschädigten Straßen und isolierten zeitweise kleinere Gemeinden. Der Bahn- und Fährverkehr wurde in vielen Regionen eingestellt, da Wind und Wellengang den sicheren Betrieb unmöglich machten.

Die Behörden veranlassten umfangreichen Schutzmaßnahmen. Für besonders gefährdete Gebiete wurden Evakuierungen angeordnet. Die Schulen blieben geschlossen. Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Zivilschutz arbeiteten im Dauereinsatz. Auch freiwillige Helfer sicherten Gebäude, pumpten Wasser ab und unterstützten Menschen, die ihre Häuser vorübergehend verlassen mussten.

Der Wintersturm Harry zeigte einmal mehr, wie anfällig der Mittelmeerraum für extreme Wetterlagen ist, die durch den Klimawandel an Häufigkeit und Intensität zunehmen können.

Sizilien: Meterhohe Wellen Durchbrechen Schutzmauer bei Catania

Medicane Harry wütet auf Sizilien – meterhohe Wellen überfluten Küstenstraße von Catania

Ein schweres Unwetter hat heute auf Sizilien gewütet und die Ostküste bei Catania am Ätna besonders hart getroffen: Meterhohe Wellen brandeten gegen die Küsten und richteten Schäden an der Infrastruktur an. Verantwortlich ist das mediterrane Tiefdrucksystem „Harry“, das seit den frühen Morgenstunden mit Sturm, Starkregen und extremem Seegang über die Region zieht. In Catania und dem Küstenort Fondachello drang das Seewasser in Küstenstraßen ein, nachdem es Brandungsmauern überwunden bzw. zerstört hatte.

Videos aus Fondachello dokumentieren eindrucksvoll, wie meterhohe Wellen die Küstenschutzbarrieren überwinden. Der Wellengang ist so stark, dass das Wasser über Mauern und Dämme schießt und die Uferstraße überspült. Augenzeugen sprechen von einer „Wasserwand“, die in kurzen Abständen auf die Küste trifft. Autos mussten umgeleitet werden und Fußgänger brachten sich hastig in Sicherheit.

In Catania kam es zu ähnlichen Problemen: Im Hafenbereich schlug das Wasser über die Wellenbrecher und Schutzmauern. Plätze und Zufahrten wurden überflutet.

Meteorologen berichten von einem sehr starken Sturm über dem Ionischen Meer, der einen außergewöhnlich hohen Seegang erzeugt. In Kombination mit tiefem Luftdruck und anhaltenden Böen treffen die Wellen nahezu ungebremst auf die Küste. Italienische Medien bezeichnen den Wirbelsturm als Zyklon, den man getrost auch als Medicane bezeichnen kann.

Der Zivilschutz Siziliens rief die Bevölkerung in Küstennähe zur Vorsicht auf. Strände und Uferpromenaden sollten gemieden werden, da jederzeit weitere Überschwemmungen durch Brecher möglich seien. In einigen Gemeinden wurden vorsorglich Straßenabschnitte gesperrt, um Unfälle zu vermeiden.

Neben dem hohen Seegang an der Küste sorgt Zyklon „Harry“ auch im Landesinneren für Schwierigkeiten. Starke Regenfälle führten lokal zu überlasteten Kanälen und kleineren Erdrutschen. Einsatzkräfte sind seit Stunden im Dauereinsatz, um Gefahrenstellen zu sichern und die Lage zu überwachen.

Die Wetterlage bleibt angespannt. Nach Angaben der Behörden ist erst im Laufe der kommenden Stunden mit einer langsamen Abschwächung des Sturms zu rechnen. Bis dahin gilt entlang der sizilianischen Ostküste erhöhte Alarmbereitschaft.

Schwere Wetter treffen Sizilien und Liparische Inseln

Umgestürzter Baum am Ätna auf Sizilien. © Rosario Catania

Schwere Unwetter treffen Sizilien – Liparische Inseln zeitweise von Fährverbindungen abgeschnitten

Sizilien steht im Zentrum einer schweren Unwetterlage, deren Höhepunkt am Dienstag erreicht wird. Der italienische Zivilschutz hat für weite Teile der Insel sowie für Sardinien und Kalabrien die höchste Warnstufe „Rot“ ausgerufen. Besonders betroffen sind die östlichen Landesteile Siziliens sowie die ionische Küste Kalabriens. Auch die Liparischen Inseln sind deutlich von den Auswirkungen des Sturmsystems betroffen. Am Ätna wütet der Sturm so stark, dass bereits Bäume abknickten, die zuvor schon Opfer von Waldbränden wurden.

Seit den frühen Morgenstunden kommt es auf Sizilien zu intensiven und teils anhaltenden Regenfällen, die lokal zu Überflutungen und Erdrutschen führten, von denen auch Straßen blockiert wurden. Dadurch kam es zu starken Verkehrsbehinderungen. In mehreren Gemeinden mussten Straßen komplett gesperrt werden. Die Feuerwehr verzeichnete zahlreiche Einsätze, unter anderem wegen überfluteter Unterführungen, umgestürzter Bäume und feststeckender Fahrzeuge. In besonders gefährdeten Gebieten blieben Schulen vorsorglich geschlossen.

In Küstennähe verschärft sich die Lage zusätzlich durch starke Scirocco-Winde, die in Böen Orkanstärke erreichen können. Entlang exponierter Küstenabschnitte wird vor Sturmfluten und starkem Seegang gewarnt. Häfen sind nur eingeschränkt nutzbar, der Schiffsverkehr ist stark beeinträchtigt.

Die Auswirkungen des Unwetters sind auch auf den Liparischen (Äolischen) Inseln deutlich spürbar. Aufgrund des hohen Wellengangs und der starken Winde wurden Fähr- und Tragflächenbootverbindungen von und nach Milazzo zeitweise eingestellt. Damit waren (und sind noch) Inseln wie Lipari, Vulcano oder Stromboli vorübergehend von der Außenwelt abgeschnitten. Berichte über größere Sachschäden auf den Inseln liegen bislang nicht vor, die Einschränkungen im Verkehr treffen jedoch Bevölkerung und Touristen gleichermaßen und erschweren die Versorgung. Bei einem Unwetter in der letzten Woche kam es zu Überflutungen in den Hafenbereichen von Lipari und Vulcano, wo von den Wellen Mauern beschädigt wurden.

Die derzeitige Unwetterlage wird von einem ausgedehnten Tiefdruckgebiet nordafrikanischen Ursprungs verursacht, das feuchte Luftmassen nach Süditalien lenkt und sich nur langsam weiterbewegt. Die Energie stammt primär aus Temperaturgegensätzen in der Atmosphäre, bei denen kalte und warme Luftmassen kollidieren.

Der Zivilschutz ruft die Bevölkerung weiterhin zu äußerster Vorsicht auf. Auch in den kommenden Stunden bleibt die Situation insbesondere auf Sizilien angespannt.

Sizilien: Mittelstarkes Erdbeben nahe der Nordküste

Sizilien. © EMSC

Erdbeben Mb 4,2 vor der Nordküste von Sizilien: Moderate Erschütterung von Anwohnern gespürt

Datum: 18.01.2026 | Zeit: 13:54:16 UTC | Koordinaten 38.039 ; 14,675 | Tiefe: 8 km | Mb 4,2




In den letzten Tagen gab es auf und um Sizilien herum mehrere mittelstarke Erdbeben. Die meisten ereigneten sich im Ionischen Meer östlich von Sizilien, aber auch die Ätna-Region geriet zusehends unter Spannungen. Gestern manifestierte sich nun in 8 Kilometern Tiefe ein Erdstoß der Magnitude 4,2 nahe der Nordküste. Das Epizentrum lag rund 13 Kilometer süd-südwestlich von Capo d’Orlando bei Milazzo und etwa 70 Kilometer nordwestlich von Catania, in der Provinz Messina. Milazzo ist als das Tor zu den Liparischen Inseln bekannt, wo die beiden Vulkane Vulcano und Stromboli liegen. Es gab insgesamt 12 Nachbeben. Das stärkste hatte eine Magnitude 3,5.

Die Erschütterung wurde in weiten Teilen Nord- und Ostsiziliens wahrgenommen. Zahlreiche Einwohner des nächstgelegenen Dorfes Alcara Li Fusi berichteten von grollenden Geräuschen und deutlich spürbaren Vibrationen, klirrenden Fenstern, schlagenden Türen und schwankenden Gegenständen. Auch aus Städten wie Sant’Agata di Militello und Capo d’Orlando gingen Meldungen ein. Die vergleichsweise geringe Herdtiefe von etwa acht Kilometern verstärkte die Wahrnehmung an der Oberfläche.

Nach Angaben der Zivilschutzbehörden und lokaler Medien wurden bislang keine Verletzten oder größere Schäden gemeldet. Dennoch sorgte die plötzliche Erschütterung bei vielen Menschen für Verunsicherung, einige flüchteten aus Angst vor einem stärkeren Erdbeben aus ihren Häuser. Schulen, Verkehrswege und kritische Infrastrukturen blieben unbeeinträchtigt, wurden von Einsatzkräften aber auf Schäden untersucht.

Tektonisch liegt das betroffene Gebiet in einer der komplexesten Zonen des Mittelmeerraums. Nord-Sizilien befindet sich im Einflussbereich der Kollision zwischen der afrikanischen und der eurasischen Platte sowie der Dehnungsprozesse im Tyrrhenischen Becken. Das aktuelle Erdbeben wird nach Einschätzung von Seismologen nicht mit dem nahen Vulkan Ätna in Verbindung gebracht, sondern mit aktiven Störungszonen der oberen Erdkruste. Östlich des Erdbebengebiets liegt die bekannte Capo-d’Orlando-Verwerfung, die grob in Nord-Süd-Richtung verläuft und für die Entstehung des Vulkanismus der Liparischen Inseln mitverantwortlich ist. Sie gehört zu der Nebrodi-Peloritani-Übergangszone, an der sich zwei Gebirgsketten treffen, die mit zum Apennin gehören. Das Beben hat sich an einer dieser Randstörungen dieser Zone ereignet.

Ätna: Spektakulärer Vulkanausbruch am Nordostkrater

Platzende Lavablase im Ätna-Nordostkrater. © André Müller. Screenshot aus Video

Ätna ist weiterhin aktiv – spektakuläre Lavablasen im Nordostkrater fotografiert

Dass der Ätna auf Sizilien zu Heiligabend aus seinem Dornröschenschlaf erwacht ist, hat sich inzwischen rumgesprochen. Den meisten unbekannt dürften aber die spektakulären Bilder sein, die Vulkanspotter André Müller gestern am Ätna mithilfe seiner Drohne schoss: Im Nordostkrater sind mindestens zwei Schlote aktiv. Während der eine kleine Lavafontäne förderte, generierte der andere phänomenale Lavablasen, die beim Platzen sich kugelförmig ausbreitende Lavafetzen ausbreiteten. Im Krater bildet sich unterdessen ein sekundärer Lavasee. Bilder, wie man sie nur selten zu Gesicht bekommt!

Das INGV hat in einem neuen Update die Daten vom Vortag bestätigt. Inzwischen wurde auch eine VONA-Warnung vom VAAC Toulouse ausgegeben: Auf Satellitenbildern tauchte bis jetzt keine Vulkanasche auf, dennoch wurde vorsichtshalber der Warncode Orange ausgegeben. In einigen Ortschaften, darunter Taormina, kam es zu leichtem Ascheregen.

Neben dem Nordostkrater zeigte auch der Krater Bocca Nuova in der Nacht sporadische strombolianische Explosionen.

Nachdem es gestern Morgen zunächst zu einer leichten Verringerung der Tremoramplitude kam, steigerte sie sich mittags deutlich und verläuft seitdem konstant seitwärts. Die oben beschriebene Tätigkeit dürfte mit der Tremorsteigerung eingesetzt haben.

Nachts verhüllte sich der Gipfel des Ätnas wieder mit Wolken, so dass die Livecams keine Beobachtungen zuließen.

Die Messinstrumente lieferten gestern noch Anzeichen für eine deutliche Bodenhebung im Gipfelbereich, was auf magmatische Prozesse in geringer Tiefe schließen lässt.

Die Vulkanologen vom INGV beobachten den Ätna engmaschig. Dennoch bleibt es schwierig, das Verhalten des Vulkans vorauszusagen. Der Ätna ist für schnelle Änderungen seines Aktivitätsniveaus bekannt – und dafür, dass auf scheinbar ruhige Phasen jederzeit neue Ausbrüche folgen können.

Für Anwohner und Besucher bedeutet die aktuelle Lage vor allem eines: erhöhte Aufmerksamkeit, aber keinen Anlass zur Panik. Der Ätna zeigt einmal mehr, warum er seit Jahrhunderten als eines der faszinierendsten Naturphänomene Europas gilt.

Der Ätna ist nicht der einzige aktive Vulkan in Italien. Nördlich von Sizilien liegt der Stromboli, der gestern erneut mit der Förderung eines kleinen Lavastroms begann, der aus dem Nordkrater überläuft und über die Sciara del Fuoco fließt.

Stromboli: Lavastrom auf der Sciara del Fuoco

Nahaufnahme Explosion am Stromboli. © André Müller

Neuer Lavaüberlauf und Explosionen aus dem Stromboli-Gipfelkrater – Lavastrom auf der Sciara del Fuoco unterwegs

Am liparischen Inselvulkan Stromboli begann gestern Abend überraschend ein neuer Lavaüberlauf aus dem nördlichsten Schlot des Gipfelkraters. Darüber berichtete nicht nur das INGV, sondern auch der Vulkanspotter André Müller, der gestern Abend einen Livebericht veröffentlichte. Laut André setzte der Lavaüberlauf gegen 18:30 Uhr ein, während das INGV mitteilte, dass der Lavastrom ab etwa 19:50 Uhr MEZ auf den Überwachungskameras sichtbar wurde.

Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) beschrieb einen mäßig ausgeprägten Lavastrom, der sich langsam talwärts bewegt und dessen Fronten sich im oberen Abschnitt der Sciara del Fuoco befinden.

Aus seismologischer Sicht zeigte der zeitliche Verlauf der mittleren Amplitude des vulkanischen Tremors keine nennenswerten Veränderungen. Die Werte blieben mit geringen Schwankungen im mittleren Bereich. Auch bei Häufigkeit und Amplitude der Explosionsbeben wurden keine signifikanten Abweichungen festgestellt.

Ebenso wurden keine relevanten Veränderungen in den Messdaten der Bodenverformung registriert. Es handelt sich somit um ein vergleichsweise schwaches Ereignis, das die geophysikalischen Parameter nicht maßgeblich beeinflusste.

Der Lavastrom hält auch heute Morgen (23. Dezember) weiter an. Auf der Livecam ist eine thermische Signatur des Stroms erkennbar, der sich weiterhin im oberen Bereich der Sciara del Fuoco bewegt.

Die Lavastromtätigkeit hatte keinen Einfluss auf die explosiven Eruptionen. André gelang es jedoch, mit seiner Drohne kurz vor Beginn des Lavaüberlaufs diese beeindruckende Aufnahme anzufertigen.

Aus den Daten des LGS geht hervor, dass es gestern vor dem Lavaüberlauf eine vergleichsweise hohe Anzahl von VLP-Erdbeben gab, die mit einer erhöhten Häufigkeit strombolianischer Eruptionen einhergingen. Statt der üblichen 5 bis 12 Explosionsbeben pro Stunde wurden mehr als 15 registriert. Der akustische Explosionsdruck war mittelstark. Die Emissionen von Schwefeldioxid und Kohlendioxid wurden hingegen als schwach eingestuft. Der Lavaüberlauf kündigte sich somit nicht durch einen erhöhten Gasfluss an. Auffällig war jedoch eine erhöhte Steinschlagaktivität, die auf eine gesteigerte Explosivität und mögliche Instabilitäten im Gipfelbereich hindeutete: Innerhalb von 24 Stunden wurden insgesamt 13 Steinschlagsignale registriert.

Häufig dauern Lavaüberläufe nur einen Tag an, seltener bis zu zwei Tage. Dafür treten sie jedoch oft in Serien auf, sodass Vulkanspotter über Weihnachten und möglicherweise auch noch über Silvester hinweg auf eine erhöhte Aktivität hoffen dürfen.

Update: Während laut LGS-Bulletin die Kohlendioxid-Konzentration am Stromboli als niedrig eingestuft wurde, ist dem neuesten INGV-Bulletin Gegenteiliges zu entnehmen: Hier heißt es, dass die CO₂-Emissionen am Pizzo sehr hoch seien Mehr dazu morgen.

Ätna: Erdbeben im Nordwesten und ein aktiver Nordostkrater

Erneuter Erdbebenschwarm im Nordwesten des Ätnas – Aktivität im Nordostkrater dokumentiert

Auf Sizilien bereitet sich der Ätna offenbar auf seine nächste eruptive Phase vor. Darauf deuten erneute Erdbeben an verschiedenen Lokalitäten und in unterschiedlichen Tiefenniveaus hin, ebenso wie tief im Schlot stattfindende Explosionen im Nordostkrater. Der Südostkrater hingegen besticht derzeit durch seine ungewöhnliche Ruhe. Das stärkste Beben im Nordwesten erreichte eine Magnitude von 2,1 und hatte ein Hypozentrum in 23 Kilometern Tiefe.

Ätnabeben

Die Erdbeben unter der nordwestlichen Basis des Ätnas manifestierten sich in der Nacht vom 17. auf den 18. Dezember und wiesen Epizentren südlich von Randazzo sowie östlich von Maletto auf. Die Herdtiefen lagen sämtlich jenseits der 20-Kilometer-Marke und damit im untersten Stockwerk der Erdkruste. Obwohl es in dieser Tiefe mehrere Hundert Grad heiß ist, ist das Gestein noch nicht so plastisch, dass es nicht zu tektonisch bedingtem Sprödbruch kommen könnte – eine Möglichkeit, die einige Forscher auch für den Ätna postulieren. Ich halte es hingegen für unwahrscheinlich, dass es sich hierbei um rein tektonische Beben handelt, und gehe davon aus, dass sie in erster Linie auf Magmenaufstieg zurückzuführen sind.

Zeitgleich ereignete sich ein kleiner Erdbebenschwarm im Nordosten des Ätnas, unweit von Piedimonte Etneo. Die Hypozentren lagen in etwa sieben Kilometern Tiefe. Hier ist bekannt, dass Fluidaufstieg lokale Störungszonen aktivieren kann.

Intrakrateraktivität im Nordostkrater

Bereits am vergangenen Wochenende dokumentierte Michele Mammino tief im Schlot stattfindende Aktivität im Nordostkrater. In seinem Video ist zu sehen, wie der rotglühende, offene Schlot stoßweise Dampf ausstößt, was auf explosive Aktivität hindeutet. Tatsächlich wurde etwas rotglühende Schlacke ausgeworfen, die auf dem Kraterboden zurückfiel. Es gibt also schwache Intrakrateraktivität. Diese Beobachtungen decken sich mit dem Vorhandensein einer thermischen Anomalie im Nordostkrater, die auf Sentinel-Satellitenaufnahmen der vergangenen Wochen zu erkennen ist. Auf dem jüngsten Bild erschienen die Schlote im Zentralkrater wieder relativ kalt, Gleiches gilt für den Südostkrater.

Ich weiß von mehreren Vulkanspottern, die ihre Weihnachtsferien am Ätna verbringen – nicht zuletzt in der Hoffnung, ein ätneisches Silvesterfeuerwerk geboten zu bekommen. Nun verhält es sich mit der Vorhersage von Eruptionen ähnlich wie mit der Prognose weißer Weihnachten: Ein Vulkanfeuerwerk liegt im Bereich des Möglichen, wobei ich die Wahrscheinlichkeit derzeit nicht sehr hoch einschätze. Zwar zeigt sich der Ätna zunehmend seismisch aktiv, doch ist man noch weit von einer seismischen Krise entfernt, die neue Eruptionen ankündigen würde. Strombolianische Explosionen sind am Ätna aber jederzeit möglich und vielleicht steigert sich die Explosivität des Nordostkraters noch.

Gipfelstürmer sollten sich jedenfalls gut ausrüsten, denn es ist Winter am Ätna und im Gipfelbereich kann es besonders nachts sehr ungemütlich werden. Außerdem sollte man sich erkundigen, ob Zugangsbeschränkungen gelten. Generell darf der Kraterbereich nur mit Vulkanführer betreten werden.