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Rhyolith

Rhyolith ist ein silikatischer Vulkanit, der überwiegend aus Quarz und Alkalifeldspat (Plagioklas) besteht. Häufig kommen geringe Anteile Biotit und Augit vor. Sehr selten sind Olivin und Magnetit. Die Mineralien sind in einer mikrokristallinen (porphyrischen) Grundmasse eingebettet oder bilden ein glasartiges Gefüge bis hin zum vulkanischen Glas. Da Rhyolith einen hohen Anteil an Kieselsäure (SiO₂) aufweist, gehört er zu den sauren oder felsischen Vulkangesteinen. Sein magmatisches Äquivalent ist der Granit.

Rhyolithische Laven werden mit einer Temperatur zwischen 950 und 750°C eruptiert. Aufgrund der geringen Temperatur und des vielen Siliciumdioxids ist rhyolithische Schmelze hochviskos und nur bedingt fließfähig. Meistens wird Rhyolith explosiv gefördert. Tritt es effusiv aus, dann entstehen für gewöhnlich Lavadome. Es sind aber auch kurze Lavaströme möglich. Werden diese im Wasser abgeschreckt, entsteht das vulkanische Glas Obsidian.

Dacit (Dazit) ist oft mit dem Rhyolith assoziiert, enthält allerdings weniger Kieselsäure als Rhyolith. Zwischen den beiden Vulkaniten gibt es Misch- und Übergangsformen.

Das Vorkommen von Rhyolith

Lava-Creek-Tuff im Yellowstone

Die meisten großen Calderavulkane eruptierten während ihrer Hochphasen rhyolitische und dacitische Schmelze. Bei den sogenannten Supervulkaneruptionen entstanden mächtige Ignimbritdecken und bildeten Tuffe. Beispiele hierfür liefern die Taupo-Caldera in Neuseeland und die Yellowstone-Caldera in den USA. Letztere ist besonders wegen ihres Lava-Creek-Tuffs bekannt. Die gelben Ignimbrite haben ein Volumen von rund 1000 km³ und sind besonders schön am Wasserfall des Gibbon Rivers aufgeschlossen. Der Grand Canyon of the Yellowstone durchschneidet den älteren Mesa Falls Tuff. Die gelben Gesteine waren namensgebend für den ältesten Nationalpark der Welt.

Rhyolithe findet man typischerweise auch an Inselbogenvulkanen entlang von Subduktionszonen. Ein schönes Beispiel ist der Obsidian-Strom Rocce Rosse auf der italienischen Insel Lipari. Ähnliche Obsidianströme und Lavadome aus Rhyolith finden sich auf Island. Das verdeutlicht, dass rhyolithische Schmelzen auch an divergenten Plattengrenzen entstehen können, obwohl hier normalerweise primitive basaltische Schmelzen eruptiert werden. Aus diesen kann rhyolitische Schmelze infolge der fraktionierten Differentiation entstehen.

Risiko für Vulkanbeobachter

Wer an einem aktiven Vulkan unterwegs ist, geht ein Risiko ein, von einer größeren Eruption erwischt zu werden und zu Schaden zu kommen! Dieses Risiko lässt sich nur schwer beziffern, ist aber immer größer als Null.

Für Vulkanspotter können die vermeintlich ungefährlichen Vulkane besonders gefährlich werden, die für gewöhnlich nur kleinere Eruptionen erzeugen, weil man sich dann vielleicht näher an den Krater heranwagt, als es gut für einen ist. Besonders an Dauerbrennern wie Stromboli, Semeru, Yasur und Ol Doinyo Lengai kam es bereits häufiger zu schweren Unfällen, teilweise mit Todesfolge. Während man an einigen Vulkanen noch bis zum Kraterrand vordringen darf, wurde der Aufstieg zum Krater des Strombolis inzwischen komplett verboten. Erlaubt ist es nur noch, sich dem Krater bis auf einer Höhe von 290 m anzunähern. Die Bestimmungen schwanken oft und vor Reiseantritt sollte man sich erkundigen, was geht. Wer trotz Verbot im Sperrgebiet unterwegs ist, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 500 € rechnen, falls er am Vulkan erwischt wird. Während ich die Sperrung an sich als gerechtfertigt empfinde, halte ich das Bußgeld für zu hoch. Außerdem muss eine Regelung für Ausnahmegenehmigungen her!

Klar ist, dass es nicht ungefährlich ist, zum Krater aufzusteigen. Früher gab es am Stromboli vielleicht einmal im Jahr eine größere Eruption, bei der Tephra und größere Lavabomben auf dem Pizzo oberhalb des Kraters landeten. Mittlerweile ist das häufiger der Fall und man muss damit 3–4 Mal im Jahr rechnen. Wenn man jedes Jahr also einen Tag lang im Kratergebiet unterwegs ist, dann geht man grob geschätzt ein Risiko von ca. 1% ein, dort in eine größere Eruption zu geraten. Das Risiko, zu Schaden zu kommen, ist dann kleiner als 1%. Das ist eine grobe Abschätzung und keine mathematisch korrekte Risikoanalyse. Ob man das Risiko nun als groß oder gering einschätzt, hängt von der Risikofreudigkeit des Einzelnen ab. Ich selbst bin zwar noch nicht am Stromboli von einer größeren Explosion überrascht worden, aber dafür sind mir am Ätna und auf Krakatau schon mehrfach glühende Vulkanbomben und Schlacken um die Ohren geflogen. Sie sind dann 2-3 Meter vor meinen Füßen gelandet. Also, wenn man in eine größere Eruption gerät, muss man nicht zwingend zu Schaden kommen. Klar ist natürlich, dass das Risiko, eines Tages bei einer Eruption zu Schaden zu kommen, größer ist, je öfter man sich der Gefahr aussetzt. Ein Restrisiko bleibt für jeden bestehen.

Oftmals werden die tatsächlichen Risiken von Außenstehenden höher eingeschätzt, als sie es tatsächlich sind. Das sieht man z.B. an den zahlreichen Kommentaren in den sozialen Netzwerken, wenn jemand Bilder postet, die ihn bei einer vermeintlich gefährlichen Aktion zeigen. Ich möchte niemanden dazu auffordern, sich in Gefahr zu begeben, und warne sogar vor den Gefahren des Vulkanismus, doch meiner Meinung nach sollte es jedem selbst überlassen werden, in welche Gefahr er sich wissentlich begibt, solange er keine anderen Personen gefährdet. Wichtig ist, dass man sich über Risiken und Gefahren im Klaren ist und die Verantwortung für sein Leben selbst übernimmt! Aus diesem Grund rate ich auch davon ab, eruptierende Vulkane mit Kindern zu besteigen. Sie können selbst nicht abschätzen, wie groß die Gefahren sind und ob sie das Risiko in Kauf nehmen.

Verwandte Themen

Schildvulkan

Ein Schildvulkan ist eine geologische Struktur, die aus dünnflüssigen (niedrigviskosen) Lavaströmen entsteht. Im Laufe der Zeit baut sich durch die Überlagerung zahlreicher Lavaströme ein Vulkanberg auf, der aufgrund seiner geringen Hangneigung an einen flachen Schild erinnert.

Die Lavaströme können weit fließen und somit einen sehr hohen Vulkan aufbauen, der eine große Basis hat. Tatsächlich ist der höchste Berg der Erde der Schildvulkan Mauna Loa auf Hawaii: Vom Meeresboden aus gemessen ist er mehr als 9000 m hoch.

Der flache Schild des Vulkans Mauna Loa auf Hawaii. Gesehen vom Gipfel des Kilaueas aus. © Marc Szeglat

Schildvulkane bilden sich typischerweise über Mantelplumes (hot spots) oder an divergenten Plattengrenzen. An Subduktionszonen kommen sie nur selten vor. Grund hierfür ist die geförderte Lava-Art bzw. ihre Fließfähigkeit: Während an Subduktionszonen zähe (hochviskose) Lava gefördert wird, tritt an Vulkanen über Mantelplumes und an divergenten Plattengrenzen dünnflüssige basaltische Schmelze aus. Die Eruptionen der Schildvulkane sind effusiver Natur. Größere Explosionen entstehen für gewöhnlich nur, wenn Wasser im Spiel ist und es zu phreatomagmatischen Explosionen kommt.

Typisch für einen Schildvulkan ist die Ausbildung einer Gipfelcaldera. Spalteneruptionen können so viel Lava fördern, dass sich das Magmenreservoir unter dem Vulkan leert. In dem Maße, wie die Lava ausströmt, senkt sich der Kraterboden. Die Wände können kollabieren und ein bis dato normaler Krater kann sich zu einer Caldera erweitern. Im Jahr 2018 konnte man so eine Erweiterung des Kraters am Kilauea auf Hawaii beobachten. Im Gegensatz zu den Calderabildungen an Stratovulkanen sind die Prozesse an einem Schildvulkan weniger gefährlich. Sie laufen relativ langsam ab.

Lavaseen und Schildvulkane

In den Kratern von Schildvulkanen bilden sich relativ häufig Lavaseen. Wieder müssen die Vulkane Hawaiis als Paradebeispiele herhalten. Im Halemaʻumaʻu-Krater des Kilaueas brodelt oft jahrzehntelang Lava. Der bisher letzte Lavasee ist während der Leilani-Eruption im Jahr 2018 abgelaufen. Berühmt und berüchtigt sind auch die Lavaseen der Virunga-Vulkane Nyamuragira und Nyiragongo. Berüchtigt, weil der Lavasee im Krater des Nyiragongo dazu neigt, durch einen Riss in der Vulkanflanke abzulaufen. Dabei wurde die Stadt Goma teilweise zerstört. Der Erebus in der Antarktis ist ein weiterer Schildvulkan, in dessen Krater ein Lavasee brodelt.

Oceanentries: Wenn Lava den Ozean erreicht

Lavaströme von Inselschildvulkanen erreichen nicht selten den Ozean. Besonders spektakulär und gut dokumentiert sind diese Ereignisse am Kilauea auf Big Island, Hawaii. Dort lösen die Oceanentries wahre Anstürme der Touristen aus.

Die Lavaströme können weite Entfernungen zurücklegen, wenn sie zum größten Teil durch Tunnel fließen, die sie sich selbst geschaffen haben, indem die Lavaströme oberflächlich erstarren, darunter aber weiter fließen. Der Tunnel isoliert sie gut und schützt sie so vor dem Erstarren.

Wenn Lavaströme in den Ozean münden, entstehen nicht selten hohe Dampfsäulen und litorale Eruptionen: Wasserdampfexplosionen fragmentieren die Lava und erzeugen kleine pyroklastische Wolken.

Berühmte Schildvulkane

Neben den Schildvulkanen Hawaiis ist der Schildvulkan Piton de la Fournaise auf La Réunion bemerkenswert. Er zählt zu den aktivsten Feuerbergen der Erde und entstand ebenfalls über einen Hotspot. Auf den Galapagos-Inseln gibt es mehrere Schildvulkane, die furiose Spalteneruptionen erzeugen können. Die oben erwähnten Virunga-Vulkane liegen, genauso wie der Kilimandscharo, auf der Schulter des Ostafrikanischen Grabenbruchs und sind Beispiele für Schildvulkane an einem divergenten Rift.

Schlackenkegel

Schlackenkegel werden auch pyroklastische Kegel genannt und sind konisch geformte Hügel vulkanischen Ursprungs, die überwiegend aus Tephra bestehen. Im Zentrum eines Schlackenkegels befindet sich ein Krater, aus dem explosive Eruptionen stattfinden. Um den Krater lagert sich die Tephra ab. Sie kann den Schlackenkegel bis auf mehrere Hundert Meter Höhe wachsen lassen. Bei der Tephra handelt es sich um Asche, Lapilli und Blöcke, die überwiegend lose abgelagert werden und nur durch die Gravitation zusammengehalten werden. In geringem Maße können die Schlacken verbacken, wenn sie bei ihrer Ablagerung noch glühen. Für gewöhnlich sind Schlackenkegel monogenetisch und entstehen während einer einzigen Eruptionsphase. Während der Schlackenkegel selbst überwiegend aus Tephra besteht, kann er auch effusiv tätig sein und einen Lavastrom fördern. Das geschieht für gewöhnlich bei Flankeneruptionen größerer Vulkane, in deren Initialphasen Spalten entstehen, aus denen Lavafontänen aufsteigen. So eine Lavafontäne bildet den Grundstock eines Schlackenegels. So kann eine ganze Reihe von Schlackenkegeln entlang einer Eruptionsspalte entstehen. Ein schönes Beispiel bietet die Laki-Spalte auf Island. Wenn die Eruption an Intensität verliert, geht die Lavafontänen-Tätigkeit in strombolianische Tätigkeit über. Seltener kommen auch vulcanianische Eruptionen vor.

Vorkommen von Schlackenkegeln

Am häufigsten sind Schlackenkegel auf den Flanken großer Schild- und Stratovulkane zu finden, oder sie bilden sich innerhalb von Calderavulkanen. Sie können aber auch eigenständige Vulkanfelder bilden und sind dann nicht selten mit Lavadomen assoziiert. Solche Lavafelder finden sich etwa südlich des US-amerikanischen Monolakes, in der deutschen Vulkaneifel oder in Mexiko. Dort steht auch einer der bekanntesten eigenständigen Schlackenkegel-Vulkane der Welt: der Paricutin. Seine gewaltsame Geburt geht auf das Jahr 1943 zurück und ist das Paradebeispiel der Entstehung eines neuen Vulkans. Innerhalb von neun Jahren wuchs der Kegel bis auf eine Höhe von 424 Metern und generierte ein großes Feld aus Lavaströmen.

Am Ätna auf Sizilien gibt es Hunderte Schlackenkegel. Sie finden sich auf den Flanken und markieren den Verlauf der großen Störungssysteme. Bei den Flankeneruptionen von 2001 und 2002–2003 konnte ich die Geburt solcher Schlackenkegel miterleben.

Die Leilani-Eruption am Kilauea auf Hawaii brachte im Jahr 2018 gleich mehrere Schlackenkegel zur Welt. Die Lavafontänen hier waren fast so spektakulär wie bei den Eruptionen am Ätna. Doch auf Hawaii überwiegte der effusive Teil der Eruption und es wurden große Lavafelder kreiert.

Schlammvulkan

Schlammvulkane als Manifestationen von Erdöl- und Gaslagerstätten

Ein Schlammvulkan ist eine geologische Formation, die Schlamm, Gas und manchmal Wasser an die Oberfläche befördert. Er unterscheidet sich von einem „normalen“ Vulkan, da er nicht magmatischen Ursprungs ist und keine Lava oder Magma aus dem Erdinneren ausstößt. Stattdessen bestehen seine Ausbrüche aus einer Mischung von feinem Sediment, Wasser und Gasen wie Methan, die durch isostatische oder tektonische Prozesse freigesetzt werden. Schlammvulkane stehen oft in direkter Verbindung mit Öl- und Gasfeldern, da sie unter ähnlichen geologischen Bedingungen vorkommen und durch ähnliche Prozesse entstehen.

Schlammvulkane können kleine Kegel aus verfestigten Sedimenten aufbauen und sind dann oft einige Meter hoch. Der submarine Schlammvulkan Al Idrisi vor der marokkanischen Atlantikküste gilt als der höchste Schlammvulkan der Welt. Er erhebt sich 255 m über dem Meeresboden.

Es gibt allerdings auch Schlammvulkane in geothermalen Vulkangebieten, bei denen die Erdwärme als Motor der Schlammeruptionen dient. Oft besteht der Schlamm dort aus zersetztem Lavagestein. Solche Schlammvulkane werden oft als post- oder zwischenvulkanische Erscheinungen angesehen.

Entstehung eines Schlammvulkans

Schlammvulkane bilden sich oft entlang von Verwerfungen und geologischen Strukturen, die auch für Öl- und Gasvorkommen typisch sind. Verwerfungen und Risse in der Erdkruste bieten Gasen und Flüssigkeiten einen Weg nach oben, und wenn diese Risse in sedimentreichen Gebieten auftreten, kann ein Schlammvulkan entstehen. Sie können sich aber auch durch tektonische Prozesse bilden, wenn Fluide durch Plattenbewegungen unter Druck geraten.

In vielen Fällen entsteht ein Schlammvulkan in küstennahen Gebieten oder dort, wo große Mengen an Sedimenten unter hohem Druck stehen. Meist haben sie periodische, kleine Ausbrüche, die lokal begrenzt sind.

Unterschiede zu „normalen“ Vulkanen

Normale Vulkane fördern heißes Magma und Lava aus dem Erdinneren an die Oberfläche und können explosive Ausbrüche mit schwerwiegenden Auswirkungen haben. Schlammvulkane hingegen sind durch kalte oder lauwarme Eruptionen gekennzeichnet und verursachen keine Lavaflüsse. Gelegentlich kommt es zur Entzündung des ausgestoßenen Methangases, wodurch starke Explosionen entstehen können. Diese stellen durchaus eine Gefahr dar. Außerdem ist Methan ein potentes Treibhausgas.

Anzahl und Verbreitung von Schlammvulkanen weltweit

Es gibt weltweit schätzungsweise 1.100 aktive Schlammvulkane. Die meisten davon befinden sich in Ländern wie Aserbaidschan, Indonesien, Trinidad, Venezuela und auch Kolumbien. Besonders Aserbaidschan ist bekannt für seine zahlreichen Schlammvulkane, die entlang der Küste des Kaspischen Meeres zu finden sind. Aber auch in Italien gibt es Schlammvulkane, etwa bei Nirano nahe Modena.

Einer der mächtigsten Schlammvulkane findet sich auf der indonesischen Insel Java beim Ort Sidoarjo und wird Lusi genannt. Er bildete sich im Jahr 2006 in der Nähe einer Erdölbohrung und könnte menschengemacht sein. Es wurde auch diskutiert, dass ein Erdbeben die Schlammerruption verursacht haben könnte. Bis heute treten gewaltige Schlammmengen aus, die bis zu 100 Grad heiß sind und ein großes Areal von mehr als 7 Quadratkilometern unbewohnbar machen. Über 5000 Häuser wurden zerstört.

Schwefel

Schwefel ist ein chemisches Element mit der Ordnungszahl 16 und dem Elementsymbol S. Schwefel zählt zu den Chalkogenen. In der Erdkruste kommt Schwefel relativ häufig vor, und zwar in gediegener Form oder in anorganischen Verbindungen wie Sulfid oder Sulfat. Schwefel ist sehr reaktiv und siedet bei 444,6 °C. Seine Schmelztemperatur liegt bei 119,6 °C. Verbrennt Schwefel, entsteht Schwefeldioxid, der Ausgangsstoff von Schwefelsäure. Diese ist eines der wichtigsten Stoffe der chemischen Industrie. Schwefelwasserstoff (H₂S) entsteht durch Reaktion des Schwefels mit Wasserstoff. Es ist ein Gas und riecht nach faulen Eiern. In der Tat entsteht Schwefelwasserstoff bei organischen Fäulnisprozessen, ist aber auch Bestandteil vulkanischer Gase.

Schwefelgase zur Vorhersage von Vulkanausbrüchen

Schwefelgase entweichen dem Magma, wenn es sich noch im Fördersystem des Vulkans befindet. So kann die Konzentration von Schwefeldioxid in den ausgestoßenen Gaswolken Hinweise liefern, ob Magma aufsteigt. Um die ermittelten Werte richtig interpretieren zu können, ist es notwendig, den Vulkan über längere Zeiträume zu beobachten. Jeder Vulkan hat einen anderen „Fingerabdruck“ und die Werte lassen sich nicht 1:1 allgemeingültig auf alle Vulkane übertragen. Generell kann davon ausgegangen werden, dass ein signifikanter Anstieg der Schwefeldioxid-Konzentration durch aufsteigendes Magma verursacht wird. Gemessen wird mit einem GOSPEC-genannten Spektrometer.

Schwefellagerstätten

Schwefel kann in der Natur unterschiedlich entstehen. Es gibt mineralische Lagerstätten, welche sich durch biochemische Reduktion von Sulfaten bildeten. Kleinere sind Lagerstätten vulkanischen Ursprungs. Hier kondensierte der Schwefel aus vulkanischen Gasen, die H₂S enthalten. Die wahrscheinlich bekannteste Lagerstätte vulkanischen Ursprungs findet sich am Vulkan Kawah Ijen auf der indonesischen Insel Java. Dort wird der Schwefel am Rand eines sauren Kratersees per Handarbeit gewonnen. Vulkanische Gase werden an Fumarolen in Rohren geleitet und abgekühlt. Am Ende der Rohrleitungen kondensiert der Schwefel aus den Gasen. Er tropft in seiner flüssigen Phase aus den Rohren und verfestigt sich schnell. Der Schwefel ist an manchen Fumarolen so heiß, dass er sich selbst entzündet.

Schwefelbrand

Die Zündtemperatur von Schwefel liegt bei 250 °C. Die verschiedenen Gasphasen der Sulfide fangen bei deutlich niedrigeren Temperaturen Feuer. Der Schwefelbrand erzeugt blaue Flammen, was auf hohe Temperaturen von mehr als 1200 °C hindeutet. Außer am Kawah Ijen gibt es noch andere Schwefelvorkommen an Vulkanen, doch nur selten wird von brennendem Schwefel berichtet.

Schwefeldioxid

Schwefeldioxid (SO₂) ist ein anorganisches Gas, das bei Verbrennungen von Schwefel oder schwefelhaltigen Stoffen wie Kohle und Erdöl entsteht. Schwefeldioxid reagiert mit Wasser zu schwefliger Säure (H₂SO₃), die zur Bildung von saurem Regen beitragen kann, was schädliche Auswirkungen auf Umwelt, Pflanzen und Bauwerke hat, aber auch eine wichtige Säure der chemischen Industrie darstellt.

Schwefeldioxid ist ein Hauptbestandteil vulkanischer Gase und ist daher auch magmatischen Ursprungs. Stößt ein Vulkan Schwefeldioxid aus, ist es ein Anzeichen für einen aktiven Magmenkörper im Untergrund. Steigt der SO₂-Ausstoß an einem Vulkan, ist das ein Anzeichen für aufsteigendes Magma. Eruptierende Vulkane setzen große Mengen SO₂ frei. Hier werden pro Tag Tausende Tonnen Schwefeldioxid freigesetzt. Besonders große Calderavulkane mit einem Hydrothermalsystem setzen auch ohne sichtbare Eruption oft Tausende Tonnen SO₂ frei. Ein Beispiel ist der philippinische Taal-Vulkan, der zeitweise mehr als 10.000 Tonnen Schwefeldioxid am Tag emittiert, ohne auszubrechen. Je nach Wetterlage kann nebelartiger VOG entstehen. Hierbei handelt es sich um SMOG aus vulkanischen Gasen. Dieser VOG ist gesundheitsschädlich.

Gesundheitsschädliche Schwefeldioxid-Konzentrationen und Schutz durch Gasmasken

Es stellt sich die Frage, ab wann eine Exposition gegenüber Schwefeldioxid für den Menschen schädlich wird. Es gibt verschiedene Grenzwerte und Richtlinien, die ich recherchiert habe: Laut der WHO gilt eine Konzentration von über 500 µg/m³ (ca. 0,175 ppm) bei einer 10-minütigen Exposition bereits als gesundheitsschädlich. Der empfohlene Tageshöchstwert liegt bei 20 µg/m³ (ca. 0,007 ppm). In der EU darf der Tagesgrenzwert von 125 µg/m³ Schwefeldioxid maximal dreimal pro Kalenderjahr überschritten werden.

In den USA legt die OSHA für Arbeitsumgebungen einen Grenzwert von 5 ppm SO₂ als zeitgewichteten Durchschnitt für eine 8-Stunden-Schicht fest. Kurzfristig sind Belastungen von 50 bis 100 ppm Schwefeldioxid pro Kubikmeter Luft bis zu 60 Minuten tolerierbar, danach besteht die Gefahr ernsthafter Gesundheitsschäden, einschließlich Erstickungstod.

Wirkungsvollen Schutz vor Schwefeldioxid bieten ausschließlich Gasmasken mit entsprechenden Filtern gegen anorganische saure Gase und Dämpfe der Typen E und B. Die Filter gibt es in verschiedenen Schutzklassen 1 bis 3, die für verschieden starke Konzentrationen ausgelegt sind. Schutzklasse 3 ist die höchste. Unbedingt zu beachten ist, dass die Filter nach Öffnen der Verpackung nur eine begrenzte Haltbarkeit haben und auch – in Abhängigkeit von der Gaskonzentration – nur wenige Stunden lang wirkungsvoll arbeiten. Darauf ist insbesondere bei Vulkantouren zu achten, bei denen der Reiseveranstalter Masken zur Verfügung stellt. Oft sind diese wirkungslos, da die Filter bereits gebraucht wurden!

Auswirkung vulkanisches Schwefeldioxid auf das Klima

Außer für die Gesundheit der Menschen kann Schwefeldioxid, das in großen Mengen bei Eruptionen freigesetzt wird, in der oberen Atmosphäre Aerosole bilden, die das Klima nachhaltig beeinflussen können, indem sie die Sonnenstrahlen ins Weltall zurückwerfen. So kann es zu einer globalen Abkühlung kommen. Ein bekanntes Beispiel ist der Ausbruch des Mount Pinatubo im Jahr 1991, der zu einer globalen Abkühlung um etwa 0,5 °C für mehrere Jahre führte.

Seismik

Seismik ist der Oberbegriff für sämtliche Erdbeben-Tätigkeit. Ob es sich um tektonisch bedingte Erdbeben handelt oder ob sie mit dem Vulkanismus im Zusammenhang stehen, spielt erst einmal keine Rolle. Der Begriff fasst auch eine Vielzahl von geophysikalischen Untersuchungsmethoden zusammen, die seismische Wellen nutzen und mit deren Hilfe die obere Erdkruste untersucht wird. Diese werden z.B. bei der Erkundung von Lagerstätten angewendet. Speziell in Verbindung mit der Vulkanologie ist eine relativ neue Untersuchungsmethode interessant: die seismische Tomografie. Diese untersucht sogar Strukturen im oberen Erdmantel.

Seismometer

Allen Untersuchungsmethoden basieren auf einem Instrument, das es in einer Vielzahl verschiedener Ausführungen gibt: dem Seismometer. Es ist in der Lage, die feinsten Bodenerschütterungen zu detektieren. Erste Seismometer basierten auf einer Masse (Stahlkugel), die an einer Feder aufgehängt war. Somit war die Seismometermasse träge, d.h. entkoppelt, und schwang bei Bodenerschütterungen nicht mit. Die Bewegung des Erdbodens relativ zur trägen Masse wurde über Hebel geleitet und als Kurvenverlauf auf eine endlos umlaufende Papiertrommel aufgezeichnet. Heutige Seismometer arbeiten elektrisch. Die Masse ist von einer Drahtspule umgeben und wird von einem Magnetfeld umhüllt. Bewegungen induzieren einen elektrischen Strom, dessen Stärke proportional zu den Erdbewegungen ist. Die analogen Daten werden dann digitalisiert. Aufzeichnungsgerät und Sensor sind heute oftmals entkoppelt. Das Gerät mit dem Sensor wird auch Geophon genannt und wird abseits von Störquellen im Boden (Bohrloch, Bunker) installiert.

Seismische Tomografie

An vielen Vulkanen in dicht besiedelten Gebieten gibt es heute Netzwerke zahlreicher Seismografen. Mit diesen werden nicht nur die vulkanotektonischen Erdbeben registriert, die helfen, einen Vulkanausbruch vorherzusagen, sondern natürlich auch stärkere tektonische Erdbeben festgestellt. Die Summe aller Daten ermöglicht es Seismologen, ein genaues Bild des Untergrundes zu erstellen. Die Geschwindigkeit der Erdbebenwellen ist von der Gesteinsdichte abhängig, die von Gestein zu Gestein verschieden ist. Zudem können tektonische Strukturen und magmatische Fluide die Ausbreitung der Wellen beeinträchtigen oder sogar ganz unterbinden. Änderungen in der Laufzeit der Erdbebenwellen zwischen verschiedenen Seismografen geben nun Hinweise darauf, welches Gestein passiert wurde, oder ob es tektonische Besonderheiten gibt. Die Daten werden mittels spezieller Computerprogramme analysiert und somit ein Modell des Untergrunds berechnet. In vielen prominenten Vulkangebieten wurde mit Hilfe der seismischen Tomografie Magmenkörper kartiert. Im Falle des Yellowstone-Vulkans beginnt man langsam, die komplexen Strukturen des oberen Erdmantels zu entschlüsseln. Auch der Untergrund der Campi Flegrei wurde mittels seismischer Tomografie neu kartiert.

Seismologie

Seismologie ist die Lehre von den Erdbeben und der Ausbreitung von Erdbebenwellen (seismischen Wellen) in der festen Erdkruste. Die Seismologie ist eine Teildisziplin der Geophysik. Das Wort Seismologie stammt von dem griechischen Begriff seismós ab, was Erschütterung bedeutet.

Ein Seismologe ist dementsprechend der Forscher, der sich mit der Seismologie befasst. Für gewöhnlich hat ein Seismologe Geophysik studiert und sich im Laufe des Studiums auf das Teilgebiet der Seismologie spezialisiert.

Geschichte der Seismologie

Einer der Gründer der Seismologie war Ernst von Rebeur-Paschwitz. Er zeichnete im Jahr 1889 zufällig ein Erdbeben auf. Der Astronom arbeitete in Potsdam und Wilhelmshaven an zwei Horizontalpendeln, mit deren Hilfe er Neigungsmessungen durch Erdkrustenbewegungen astronomischer Körper messen wollte. Dabei gelang es ihm zufällig, mit beiden Apparaturen seismische Wellen eines Erdbebens in Japan zu detektieren. Dieses Ereignis stellt die erste Messung eines weit entfernten Erdbebens dar und gilt als Meilenstein in der Seismologie. Danach wurden schnell genauere Seismographen entwickelt. Einfache Seismographen wurden schon früher hergestellt, doch diese waren zu unempfindlich, um weit entfernte Beben registrieren zu können. Der Italiener Cecchi baute einen im Jahr 1875. Ein simples Gerät zur Erfassung von Erdbebenwellen stammte aus China und wurde bereits im Jahr 132 erfunden.

Erstes seismologisches Observatorium in Deutschland

Die wohl erste richtige Erdbebenwarte in Deutschland wurde 1902 in Göttingen etabliert. Emil Wiechert baute einen Seismografen in einen Bergwerksstollen ein. Dort war er vor äußeren Einflüssen, vor Störungen und Vibrationen geschützt. Baugleiche Seismographen gingen in den nächsten 4 Jahren u.a. in Leipzig, Potsdam und Hamburg in Betrieb. Jahrzehntelang wurden Erdbebenwarten nach dem gleichen Prinzip aus dem Jahr 1902 eingerichtet. Der Seismograph wandelt die Erdbebenwellen in ein grafisch darstellbares Signal um und überträgt es auf ein Seismogramm. Im einfachsten Fall werden die vertikalen Bodenerschütterungen eines Erdbebens direkt mit einem Stift, der an einer trägen Masse befestigt ist, auf eine rotierende Papierrolle aufgezeichnet. Die Digitalisierung revolutionierte auch die Seismologie: Heute werden Seismogramme direkt am Computerbildschirm dargestellt.

Spaltenvulkan

Ein Spaltenvulkan ist keine kegelförmige Vulkanstruktur wie ein Schild- oder Schichtvulkan, sondern eine langgestreckte vulkanische Spalte in der Erdkruste, aus der Magma über eine größere Strecke austritt. Diese Spalten können mehrere Kilometer lang sein. Sie entstehen dort, wo sich die Erdkruste aufreißt oder auseinanderdehnt, sodass Magma aus tieferen Zonen relativ gleichmäßig an die Oberfläche gelangt.

Besonders in der Anfangsphase einer Spaltenvulkan-Eruption entstehen Lavafontänen, die richtiggehende Lavavorhänge bilden, die großflächige Lavaströme speisen. Die Lava kann in Abhängigkeit von der Hangneigung Geschwindigkeiten von mehr als 50 km/h erreichen und gut 1250 Grad heiß sein. In einem späteren Eruptionsstadium bilden sich entlang der Eruptionsspalte niedrige Schlackenkegel und Hornitos, so dass Kraterreihen entstehen.

Die Lavaarten, die ein Spaltenvulkan fördert, sind meist primitive basaltische Schmelzen – also dünnflüssig und gasarm. Solche Laven fließen sehr leicht aus und können weite Flächen überdecken. Die Haupttypen sind Tholeiitbasalte und Alkalibasalte, je nach chemischer Zusammensetzung und geotektonischem Umfeld. Selten treten auch etwas differenziertere, jedoch immer noch relativ dünnflüssige Laven wie hawaiitische oder trachibasaltische Schmelzen auf. Weil die Lava so mobil ist, bilden sich keine steilen Kegel, sondern weite Lavadecken oder Plateaus. Diese werden auch Plateau- oder Flutbasalte genannt, wenn sie sich über sehr große Gebiete ausbreiten.

Typischerweise kommen Spaltenvulkane an divergenten Plattengrenzen vor, also dort, wo sich zwei tektonische Platten voneinander entfernen. Ein klassisches Beispiel sind die mittelozeanischen Rücken, an denen sich ständig neue ozeanische Kruste bildet. An Land treten Spaltenvulkane vor allem in Riftzonen auf, etwa im Ostafrikanischen Graben oder auf Island, wo der Mittelatlantische Rücken oberhalb des Meeresspiegels verläuft. Hier sind zuletzt mehrere Spaltenvulkane aktiv gewesen, wie etwa entlang der Sundhnukúr-Kraterreihe auf der Reykjanes-Halbinsel. Berühmt-berüchtigt war auch die Laki-Eruption, die im 18. Jahrhundert aufgrund des enormen Schwefelgasausstoßes eine Hungersnot auf Island und den Britischen Inseln auslöste.