Pahoehoe-Lava

Pahoehoe-LavaPahoehoe-Lava entsteht aus dünnflüssigen (niedrigviskosen) Lavaströmen, welche schnell fließen. Wenn sie erstarren bildet sich eine relativ glatte Oberfläche.

Der Begriff Pahoehoe stammt aus dem Polynesischen und wurde auf Hawaii geprägt. Er bedeutet soviel wie „Lava auf der man gut gehen kann“. Der Antagonist ist hier die Aa-Lava.

In der Literatur wird oft angegeben, dass diese Lavaströme Temperaturen um 1100 Grad haben. Das mag für die frisch eruptierte Lava gelten, doch alleine die Tatsache, dass die typische Form eines Pahohehoe-Lavastroms dadurch entsteht, dass er oberflächlich abkühlt und unter der Erstarrungskruste weiterfließt und wieder durchbricht, zeigt, dass die Lava in diesem Stadium des Fließens bereits kühler sein muss.

Stricklava als Sonderform der Pahoehoe-Lavaströme

Stricklava (auch Seillava) ist eine Sonderform der Pahoehoe-Lava: wenn sich der Lavastrom staut, oder am Rand langsamer fließt, dann kann sie die glatte Oberfläche zu Wülsten aufschieben. Diese können wir Stricke aussehen, die aneinander liegen.

Vorkommen von Pahoehoe-Lavaströmen

pahoehoe

Pahoehoe-Lavaströme kommen an vielen Vulkanen vor, die basaltische Lava fördern. Am typischsten ist sich für Schildvulkane. Ich kenne diese Lavaströme vom Piton de la Fournaise, dem Erta Alé und dem Kilauea auf Hawaii. Dort besteht praktisch die gesamte Fläche zwischen dem Pu’u ‚O’o-Krater und der Küste aus dieser Art an Lavaströmen. Das schließt die endlos erscheinende Küstenebene im Süden des Vulkans mit ein.

Shelly Pahoehoe Lava

So schön es auch sein mag, einen glatten Pahoehoe-Lavastrom barfuß zu begehen, desto unangenehmer kann es werden, wenn sich unter der dünnen Kruste ein Hohlraum gebildet hat. Das kann passieren, wenn die Lava unter der Erstarrungskruste weitergeflossen ist, oder wenn die Lava besonders gasreich war und sich Gastaschen unter der Kruste bildeten. Begeht man diese Lavaströme, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, durch die Kruste zu brechen. Nicht selten verschwindet man in dieser Shelly Pahoehoe Lava bis zu den Schienenbeinen und schlägt sich diese blutig. Die Strecke raus zum Pu’u O’o-Krater ist berüchtigt für seine Shelly-Lava.

Paroxysmus

Ein Paroxysmus ist eine Eruption, die langsam anfängt und sich zu einem relativ kurzweiligen Höhepunkt steigert. Sobald der Höhepunkt überschritten ist endet der Paroxysmus schnell. Meistens erfolgen paroxysmale Eruptionen in Serien.

Typischerweise beginnt ein Paroxysmus mit strombolianischen Eruptionen. Diese werden im Laufe der Zeit (Tage/Stunden) immer stärker bist sie so schnell aufeinander folgen, das eine Lavafontäne entsteht, die Hunderte Meter hoch sein kann. Die Lavafontäne speist einen Lavastrom. Zudem entsteht eine Aschewolke, die meistens mehrere Kilometer hoch aufsteigt. Durch Kollaps der Aschewolke können pyroklastische Ströme entstehen. Vor dem Einsetzen einer Lavafontäne bilden sich oft kurze Lavaströme.

Am Ätna auf Sizilien wurden bereits zahlreiche Paroxysmen beobachtet. Genauso am Fuego in Guatemala, oder Manam in Papua Neuguinea. Am Ätna dauert die Hochphase eines Paroxysmus für gewöhnlich 1-2 Stunden. Die Aufheizphase kann Tage bis Stunden dauern. Am Fuego und Manam dauern die Hochphase oft 12 – 36 Stunden. Die Aschewolken erreichen Höhen von 10 km und mehr. Am Manam stiegen die Aschewolken auch schon bis in die Stratosphäre auf. Die Eruptionen wurden so heftig, dass es zu Evakuierungen kam.

Am Ätna gab es bereits mehrere Phasen mit Paroxysmen. Am Anfang einer solchen Phase erfolgen die paroxysmalen Ausbrüchen nach relativ langen Pausenintervallen von Tagen, oder Wochen. Die Intervalle verkürzen sich dann meistens, so dass sogar 2-3 Paroxysmen pro Tag beobachtet wurden. Legendär ist eine Phase mit Ätna-Paroxysmen zum Anfang des neuen Millenniums, bei der 77 Eruptionen registriert wurden.

Während am Ätna bisher keine Menschen durch Paroxysmen getötet wurden, sieht es am Fuego in Guatemala anders aus: Im Juni 2018 ereignete sich dort Paroxysmus mit katastrophalen Folgen. Pyroklastische Ströme liefen über die Vulkanflanken und zerstörten ein Dorf. 190 Personen wurden getötet, 57 verletzt. 256 Menschen galten als vermisst. Viele von ihnen werden Tod sein. Zuvor gab es eine Serie von Paroxysmen, so dass sich die Bevölkerung an die Eruptionen gewöhnt hatte. Am Katastrophentag hing der Fuego in dichten Wolken, so dass die Bewohner nicht mitbekamen, wie die Situation am Vulkan eskalierte.

Peleanische Eruption

Peleanische Eruptionen beschreiben explosive Vulkanausbrüche aus Lavadomen, bei denen Aschewolken und Pyroklastische Ströme entstehen. Dabei kann es zu seitwärts-gerichteten Explosionen kommen, wenn z.B. eine Flanke des Lavadoms kollabiert. 

Peleanische Eruptionen werden von dombildenden Vulkanen erzeugt, die eine hochviskose Lava fördern die reich an Gasen ist. In der Regel sind das andesitische und dazitische Laven. Der Lavadom verstopft den Hauptschlot des Vulkans und verhindert eine Entgasung des Magmas. So kann sich im Schlot und im Dom ein hoher Gasdruck aufbauen, der die hohe Explosivität dieser Ausbruchsform bedingt.

Bekannte Peleanische Eruptionen

Namensgebend für diesen Eruptionstyp war der Vulkan Montagne Pelée auf der Karibikinsel Martinique. Dieser Vulkan eruptierte im Jahr 1902 katastrophal: eine seitwärts gerichtete Eruption generierte Pyroklastische Ströme vom Typ „Nuées ardentes“, die die 7 km entfernte Inselhauptstadt St. Pierre erreichten und dort einen Großteil der Bevölkerung auslöschten. Es starben mindesten 28.000 Menschen. Die Eruption erreichte einen VEI 4 und ist somit im Reigen der mittelstarken Vulkanausbrüche einzuordnen. Der Vulkanexplosivitäts-Index kategorisiert dementsprechend Ausbrüche mit einem VEI 4 generell als Peleanische Eruptionen, ungeachtet dessen, ob es zu einer seitwärts gerichteten Explosion gekommen ist.

Ein ähnliches Ereignis manifestierte sich 1980 am US-Amerikanischen Vulkan Mount St. Helens: unter der Nordflanke des Vulkans akkumulierte sich ein Magmenkörper, der zur Ausbeulung der Flanke führte. Ein Erdbeben löste einen großen Hangrutsch aus. Durch die plötzliche Druckentlastung expandierte das Gas im Magmenkörper und es kam zu einer starken seitwärts gerichteten Explosion. Die Druckwelle ließ in 20 km Entfernung Bäume wie Streichhölzer umknicken. Pyroklastische Ströme verbrannten, was die Druckwelle übrig ließ. Da die Eruption mit einem VEI 6 eingestuft wurde, ging sie als Plinianische Eruption in die Analen der Geschichtsschreibung ein, obwohl sie vom Charakter her Peleanisch war.

Pelés Haar

Pelés Haar
Pelés Haar am Masaya in Nicaragua. © Marc Szeglat

Als Pelés Haar, oder das „Haar der Pelé“ bezeichnet man feine Fäden aus vulkanischem Glas. Sie stellen das natürliche Äquivalent zur Mineralwolle dar. Die Lavafäden sind nach dem Haar der hawaiianische Vulkangöttin Pelé benannt. Tatsächlich finden sie sich überwiegend am Rand von Lavaseen, wie jenen, die es oft auf Hawaii zu bewundern gibt. Dort sammeln sie sich in große Büscheln in Mulden, oder hinter windgeschützten Kanten an. Sie können sich aber auch bei anderen Eruptionen basaltischer Lava bilden, z.B. durch Lavaspattering an effusiv tätigen Förderschloten, oder bei der Eruption von Lavafontänen.

Peles Haar kommt aber nicht nur auf Hawaii vor. In größeren Mengen habe ich es auch an anderen Lavaseen wie am Erta Alé in Äthiopien, oder am Masaya in Nicaragua entdeckt. Am Pico do Fogo (Kapverden) und am Ätna habe ich es in kleineren Mengen gefunden. Auch auf Island kommt es vor. Dort wird es als „nornahár“ („Hexenhaar“) bezeichnet.

Pelés Haare bilden sich zum Beispiel, wenn Gasblasen im Lavasee aufsteigen und an der Oberfläche platzen. Dann entstehen kleine Lavafontänen und die Schmelztropfen fliegt nach allen Seiten davon. Diese Schmelztropfen ziehen einen dünnen Faden hinter sich her, solange sie noch mit der Hauptmasse der Schmelze verbunden sind. Es drängt sich die Analogie zu einem Spinnenfaden auf. Die Fäden können über einen Meter lang werden. Manchmal findet man Lavafäden, an denen noch ein erstarrtes Kügelchen eines Schmelztropfens hängt. Diese Schmelzkügelchen werden auch als Peles-Tränen bezeichnet. In den Tränen können winzige Gasbläschen eingeschlossen sein. Sie können dem Vulkanologen Gasproben aus dem Magma liefern.

Peles Haare sind allerdings nicht nur faszinierend, sondern können auch lästig sein! Da sie durch die Luft fliegen, können sie in die Augen gelangen und böse Irritationen verursachen. Wenn man sie anfasst, können sie in die Haut eindringen und abbrechen. Darum sollte man an Lavasen Handschuhe und Schutzbrillen tragen.

Pillow-Lava

Pillow-Lava (auf deutsch Kissenlava) entsteht bei submarinen Eruptionen, oder wenn ein Lavastrom ins Meer (Wasser) mündet. Charakterisiert durch wulst- und kissenartige Gebilde bis 1 m Größe. Es bildet sich  eine glasige Oberfläche durch schnelle Abkühlung bei Kontakt mit Wasser. Durch die Abkühlung entsteht eine kissenförmige Tasche, in deren Inneren die Lava weiterhin geschmolzen und fließfähig ist. An der Front bricht diese Tasche auf und es schiebt sich wieder ein Wulst Lava weiter, bis sie oberflächlich erkaltet. So entsteht die bekannte Struktur aneinandergereihter Kissen. Die Lavaströme, welche Kissenlava bilden, sind meistens niedrigviskose Basaltschmelzen, die sehr heiß sind. Besonders häufig kommt Pillow-Lava auf Vulkaninseln über Hotspots vor, etwa auf Hawaii, oder La Reúnion.

Vorkommen von Kissenlava

Am Kilauea auf Hawaii konnte man bis vor wenigen Jahren noch die Entstehung von neuer Kissenlava beobachten. Allerdings musste man dafür Tauchen können uns sich an der Küste von Big Island Hawaii in Nähe des Oceanentrys ins Wasser begeben. Seit der Leilani-Eruption in 2018 ist es allerdings nicht mehr zu solch einem Naturschauspiel gekommen. Dafür findet man natürlich alte Kissenlava an den Küsten von Hawaii.

Selbst auf Sizilien findet man Kissenlava. Diese ist schon deutlich älter, als jene am Kilauea und wurde vom Ur-Ätna gefördert. Damals erreichten mächtige Lavaströme das Meer. Heute sind sie an der Steilküste von Aci Trezza aufgeschlossen.

Weniger offensichtlich ist das Vorkommen von Pillow-Lava am Gletscher Myrdalsjökull auf Island. Der Gletscher bedeckt den Vulkan Katla, der schon viele Male unter dem Eis ausbrach. Die Lava floss unter dem Eis in einen subglazialen See und bildete dort die Lavakissen. Aufgrund des globalen Eisschwunds wich der Gletscher zurück und legte die Kissenlava frei.

Natürlich gibt es auch Kissenlava in der Tiefsee, besonders entlang der divergenten Mittelozeanischen Rücken. Doch diese „Aufschlüsse“ sind nicht sonderlich gut zu erreichen.
Findet man Kissenlava in einem Aufschluss, so kann man sicher sein, dass sie im aquatischen Bereich entstanden ist. Somit liefert sie dem Geologen wichtige Hinweise bei der Ansprache von Gesteinsschichten.

Plinianische Eruption

Plinianische Eruptionen sind starke explosive Vulkanausbrüche. Sie fördern große Mengen Vulkanasche bis in die Stratosphäre. Dort breitet sich die Asche wie ein Schirm kreisförmig aus. Aus der Ferne betrachtet sieht so eine Eruptionswolke aus wie ein riesiger Pilz. Sie werden oft mit einem Atompilz verglichen.

Durch den Kollaps der Eruptionssäule können pyroklastische Ströme entstehen.

Plinianische Eruptionen gehören zu den mächtigsten Ausbrüchen, die ein Vulkan erzeugen kann. Entsprechend selten kommen sie vor. Statistisch betrachtet ereignen sie sich in einem Abstand von mehr als 50 Jahren.

Die Wolken einer Plinianischen Eruption steigen mindestens 25 km hoch auf. Ab eine Aufstiegshöhe von 15 km bezeichnet man die Ausbrüche als Sub-Plinianische Eruptionen. Solche Eruptionen finden etwa ein mal pro Jahrzehnt statt. Ultra-Plinianische Eruptionen sind Ausbrüche, deren Eruptionswolken mehr als 40 km hoch aufsteigen. Ausbrüche dieser Größenordnung sind äußerst selten und finden etwa ein Mal pro Jahrhundert statt.

Namensgeber dieser Eruptionsart war der römische Gelehrte Plinius der Jüngere. In einen Brief an seinem Onkel schilderte er den Untergang Pompejis und beschrieb die pilzförmige Eruptionswolke des Vesuvs, als dieser im Jahre 79 n.Chr. ausbrach. Als die Eruptionswolke kollabierte entstanden pyroklastische Ströme, die die Stadt zerstörten.

Katastrophale Plinianische Eruptionen

Obwohl nicht jede Plinianische Eruption zur Katastrophe wird, stellten sie in historischen Zeiten die Eruptionen dar, die die meisten Opfer forderten. Die beiden bekanntesten Eruptionen dieser Art, trugen sich im 19. Jahrhundert in Indonesien zu: Der Ausbruch des Mount Tambora im Jahr 1815 und die des Vulkans Krakatau im Jahr 1883. Beide Eruptionen kosteten Zehntausenden Menschen das Leben. Am Krakatau wurde die Katastrophe durch Tsunamis verstärkt, die durch den Zusammenbruch des Vulkans ausgelöst wurden. Der Ausbruch des Krakataus erreichte eine 6 auf der Skala des Vulkanexplosivitätsindex.

Die wohl bekannteste Plinianische Eruption der Neuzeit ereignete sich 1991 am philippinischen Vulkan Pinatubo.

Ultra-Plinianische Eruptionen erreichen schnell einen Vulkanexplosivitätsindex von 7, oder 8. Vulkanausbrüche dieser Kategorie können einen globalen Winter verursachen und ein Massensterben auslösen.

Prognosen

Prognosen über bevorstehende Vulkanausbrüche -oder über Erdbeben- zu treffen, ist bis heute nur sehr eingeschränkt möglich. Seriöse Vulkanologen und Seismologen äußern sich dazu praktisch kaum, obwohl es ein Ziel der Forschung ist, entsprechende Naturkatastrophen vorherzusagen. Fragt man nach einer Eruption einen Vulkanologen, ob er mit dem Vulkanausbruch gerechnet hatte, wird man mit aller Wahrscheinlichkeit diesen Satz zu hören bekommen: „Wir wussten, dass der Vulkan zu einem Ausbruch bereit war, konnten aber nicht sagen, wann genau es zum Ausbruch kommen wird“.

Vorhersage von Vulkanausbrüchen

Trotz aller Bemühungen und technischer Fortschritte, kann man bisher nicht exakt sagen, ob- und wann es zu einem Ausbruch (oder Erdbeben) kommen wird. Normalerweise heizen Vulkane vor einer Eruption langsam auf und zeigen das durch verschiedene Parameter an. Die ersten Anzeichen sind schwach und nur mit entsprechend empfindlichen Messinstrumenten wahrnehmbar: aufsteigendes Magma verursacht leichte Bodenvirbrationen, die man nur messen, aber nicht spüren kann. Der Vulkan bläht sich auf und die Hangneigung wird größer. Oft geschieht das aber auch so subtil, dass wir das ohne Gerätschaften nicht wahrnehmen können. Die Gaszusammensetzung ändert sich, aber da die meisten vulkanischen Gase unsichtbar sind, nehmen wir die erhöhte fumarolische Aktivität erst wahr, wenn deutlich mehr Wasserdampf kondensiert, oder sich große hydrothermale Quellen bilden. Alle diese Anzeichen können bereits Jahre vor einem Ausbruch zunehmen. Sobald die Veränderungen makroskopisch wahrnehmbar sind, steht der Vulkanausbruch meistens unmittelbar bevor, doch auch dann kann der Magmenaufstieg unvermittelt stoppen und der erwartete Ausbruch bleibt aus. Prognosen werden natürlich umso genauer, je kürzer der Zeitraum bis zum erwarteten Event ist.

Erdbeben-Prognosen

In Bezug auf die Vorhersage von Erdbeben sind die Anzeichen vor einem Erdbeben noch viel subtiler und ohne Messinstrumente praktisch nicht wahrnehmbar. Während der Vulkanologe wenigstens handfeste Indizien für einen bevorstehenden Vulkanausbruch geliefert bekommt, muss der Seismologe darauf verzichten. Zwar können starke Erdbeben durch eine Serie leichter Erdbeben angekündigt werden, doch oft bauen sie auch die Spannungen über lange Zeiträume ab, ohne dass es zu einem Starkbeben kommt. Etwaige Spannungsänderungen im Gestein sind nur punktuell mit großem Aufwand festzustellen. Tiere haben möglicherweise einen „siebten Sinn“ der sie vor starken Erdbeben warnt, das aber wahrscheinlich auch nur kurz vor einem entsprechenden Ereignis. Hier sind es vor allem statistische Daten und Erfahrung, die einem Seismologen Hinweise auf möglicher Weise bevorstehende Starkbeben liefern. Verläss

liche Prognosen sind aber so kaum möglich. Hinweise könnten auch ausströmende Gase, oder elektrische Phänomene liefern, doch hier steckt man noch in den Anfängen der Forschung.

Neben mangelnden Daten bereiten den Forscher rechtliche Hürden Probleme. Treffen sie falsche Prognosen, dann drohen heutzutage schnell Klagen. So geschehen etwa in Italien im Zusammenhang mit dem Erdbeben von L’Aquila. Solche Geschichten motivieren natürlich niemanden sich zu äußern und das Risiko einer Fehleinschätzung einzugehen.

Meine Prognose ist, dass es dem Menschen noch auf lange Sicht nicht gelingen wird Naturkatastrophen verlässlich zu prognostizieren. Besonders die Vorgänge im Erdinneren laufen zum großen Teil vor uns verborgen ab und es gibt zu viele variable (und unbekannte) Parameter, die den Ablauf der Prozesse im Erdinneren steuern, als das wir sie hinreichend entschlüsseln könnten. Dank dieser Unberechenbarkeit bleiben Vulkanausbrüche und Erdbeben weiterhin faszinierend und gefährlich zugleich.

Pyroklastischer Strom

Pyroklastische Ströme sind heiße Wolken aus Vulkanasche, Blöcke und Gas, die am Vulkanhang zu Tal rasen. Sie werden auch als pyroklastische Dichteströme bezeichnet und haben ein großes zerstörerisches Potenzial.

Pyroklastischer StromMeistens entstehen durch (partiellen) Kollaps eines Lavadoms. Sie können auch entstehen, wenn von der Front eines zähflüssigen Lavastroms große Gesteinspakete abbrechen. Das Gas in der Lava wird durch den Kollaps explosionsartig freigesetzt. Die Lava explodiert und wird fragmentiert, also zu kleineren Teilen und Vulkanasche zerblasen. Die Gase sind sehr heiß und bilden ein Luftkissen, welches die Reibung zum Boden verringert. Dadurch erreichen pyroklastische Ströme große Geschwindigkeiten. Da die treibende Kraft die Gravitation ist, werden pyroklastische Ströme auf steilen Hängen schneller, als auf sanft geneigten Vulkanflanken. Sie fließen oft durch Schluchten und Bachläufen, können aber auch größere Hindernisse überspringen.

Glutlawinen, oder base surges

Pyroklastische Ströme können sich auch aus kollabierenden Eruptionswolken bilden. Dann werden sie Glutlawinen (base surges) genannt. Reist der Gasschub einer großen Eruptionswolke ab, kollabieren diese. Die Tephra rast dann an den Seiten des Kegels herab.

Glutwolken, oder nuées ardentes

Eine weitere Sonderform der pyroklastischen Ströme sind die sogenannten Glutwolken. Diese werden auch nuées ardentes genannt. Sie bilden sich durch peleanische Eruptionen, die auch seitwärts gerichtet sein können. Im Gegensatz zu den normalen pyroklastischen Strömen, kommen hier mehr große Blöcke vor.

Zerstörerische Kraft eines Pyroklastischen Stroms

Pyroklastische Ströme zerstören praktisch alles in ihrem Weg. Die Gase können bis zu 1000 Grad Celsius heiß sein. Die Blöcke in den Strömen sind manchmal so groß wie ein Kühlschrank und erreichen Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h. Noch höhere Extremwerte sind möglich. Pyroklastische Ströme sind so ziemlich das gefährlichste, was einem am Vulkan begegnen kann. Das Heimtückische: pyroklastische Ströme entstehen nicht nur an Domvulkanen, sondern sie gibt es als Sonderformen und können relativ unerwartet auftreten. Selbst am „gutmütigen“ Ätna wurden schon welche gesichtet. Dort entstehen sie meistens, wenn sich ein heißer Lavastrom durch die Wand eines Kraterkegels frisst. Außerdem sind sie praktisch geräuschlos. Besonders an Tagen, an denen sich der Vulkan in Wolken hüllt, hat man unter Umständen keine Ahnung, dass ein pyroklastischer Strom auf einem zugerast kommt.

Pyroklastite

Pyroklastite (Pyroklastisches Gestein) ist der Sammelbegriff für vulkanisches Gestein, dessen Lava explosiv gefördert wurde. Ein Pyroklast ist ein einzelner Lavabrocken. Tephra nennen sich hingegen vulkanische Lockerstoffe, die noch nicht zu einem pyroklastischen Gestein geworden sind. Die Tephra kann zu einem Pyroklastit werden, indem die lockeren Ablagerungen zementieren, oder durch Hitzeeinwirkung verbacken.

Pyroklasten als Ausgangsmaterial der Pyroklastite

Die Pyroklasten entstehen entweder durch Fragmentation während der Eruption, oder durch Kristallisation in einem Magma. Bei der Fragmentation kommt es durch explosionsartiger Entgasung zu einem Zerfetzen einer Schmelze. Eine bereits erstarrte Schlotfüllung aus Lava kann durch Explosionen in kleinere Bestandteile zerbrochen werden.

Die explosiv geförderten Pyroklasten klassifiziert man anhand ihrer Korngröße. Quasi eine Norm stellt die Empfehlungen der International Union of Geological Sciences dar:

  • Asche (< 0,2 cm), sehr kleine Pyroklasten. Form beliebig.
  • Lapilli (0,2 bis 6,4 cm), kleine Pyroklasten. Form beliebig
  • Blöcke (> 6,4 cm). Die eckige oder gerundet-eckige Form weist darauf hin, dass der Pyroklast zum Zeitpunkt der Entstehung fest war
  • Bomben (> 6,4 cm). Gerundete, elliptische Form. Sie zeigt, dass der Pyroklast während Entstehung und Transport geschmolzen war

Verfestigt sich eine vulkanische Ablagerung zu einem Pyroklastischen Gestein, besteht dieses zu mindesten zu 75% aus Pyroklasten. Die anderen 25% bestehen aus anderen Sedimenten, die die Pyroklasten zementieren können. Normalerweise bestehen Pyroklastite aus Pyroklasten unterschiedlicher Korngröße.

Pyroklastite kann man anhand von 2 Kriterien unterscheiden, bzw. klassifizieren. Zum einen nach der Art ihres Transportes, zum anderen, nach ihrer vorherrschenden Korngrößen und Komponenten.

Unterscheidung der Pyroklastite Anhand des Transports

Anhand der Transportmechanismen unterscheidet man die Pyroklastite in Pyroklastische Fallablagerungen und Pyroklastische Fließablagerungen. Bei den Fallablagerungen wurden die Pyroklasten ejektiv gefördert und sie fielen aus der Atmosphäre auf den Boden. Pyroklastische Fließablagerungen (Ignimbrite) bilden sich aus Pyroklastischen Strömen.

Klassifizierung von pyroklastischen Gesteinen nach Komponenten und Korngrößen

Es gibt eine lange Liste von Pyroklastiten, die Anhand von Komponenten und ihren Korngrößen unterschieden werden. Hinzu kommt eine weitere Differenzierung entsprechend des überwiegenden Chemismus. Hier nur die wichtigste Pyroklastika:

  • Agglomerat bestehen zu mehr als 75 % aus vulkanischen Bomben besteht.
  • Pyroklastische Brekzie enthält mehr als 75 % aus vulkanische Blöcke.
  • Tuff-Brekzie besteht zwischen 25 % und 75 % aus vulkanischen Bomben und Blöcken.
  • Lapilli-Tuff enthält mehr als 75 % Lapilli und Asche und weniger als 25 % Bomben und Blöcke.
  • Lapillistein setzt sich aus mehr als 75 % Lapilli zusammen.
  • Tuff oder Aschentuff besteht zu mindesten 75 % aus Vulkanasche.

Vulkanische Gesteine, die aus Lavaströmen entstehen, zählen nicht zu den Pyroklastiten. Sie werde Ergussgesteine genannt.