Bezymianny mit größerer Eruption am 23.10.22

Vulkanausbruch in Kamchatka schickt Aschewolke 10 km hoch

Staat: Russland | Koordinaten: 55.98; 160.58 | Eruption: Vulcanianisch

Heute Nachmittag ist der russische Vulkan Bezymianny ausgebrochen. Das VAAC Tokio brachte eine VONA-Warnung heraus, nach der Vulkanasche in 10.000 m Höhe detektiert wurde. Die Aschewolke driftete in Richtung Nordosten. Die Eruption wurde von KVERT bestätigt. Dort hob man den Alarmstatus auf „rot“ an. Es wird gewarnt, dass der Ausbruch auch hoch fliegende Flugzeuge gefährden könnte. Da die Gegend nur dünn besiedelt ist, besteht aktuell keine Gefahr für Siedlungen, allerdings könnte es in benachbarten Ortschaften zu Ascheniederschlag kommen.

Auf den LiveCams sieht man aktuell Rotglut am Lavadom. Es gehen glühende Schuttlawinen ab und man kann eine aufsteigende Eruptionswolke erahnen. Sehr wahrscheinlich wurde die große Aschewolke von einem pyroklastischen Strom verursacht. Der Dom wächst und man muss mit weiteren Abgängen rechnen.

Dieses Jahr ist der Bezymianny sehr aktiv. Zuletzt tauchte er im August mit einer moderaten Eruption in den News auf. Ende Mai gab es eine Serie größerer pyroklastischer Ströme, bei denen Vulkanasche über 15 km hoch aufstiegen.

Über den Vulkan Bezymianny

Der 2882 m hohe dombildende Stratovulkan ist der niedrigste der 5 Feuerberg, die den Kliuchevskoi-Bezymianny-Vulkankomplex in Zentralkamtschatka bilden. Bezymianny ruhte über 1000 Jahre lang, bevor er im Jahr 1955 aus seinem Dornröschenschlaf erwachte. Es begann ein Dom zu wachsen, der im Folgejahr kollabierte und eine seitwärts gerichtete Explosion nebst Hangrutsch auslöste. Ähnlich wie der Mount St. Helens in den USA, verlor der Bezymianny seinen Gipfel und der Hangrutsch hinterließ eine hufeisenförmige Depression, in der sich das neue Eruptionszentrum befindet. Seitdem kommt es immer wieder zu Phasen mit neuem Domwachstum. Wenn der Dom groß genug ist, generieren Kollaps-Ereignisse pyroklastische Ströme. Die Vorwarnzeit vor größeren Eruptionen ist kurz.

Vulkan-News 23.10.22: Kerinci

Kerinci mit Ascheeruption

Staat: Indonesien | Koordinaten: 1.70, 101.26 | Eruption: Aschewolken

Auf der indonesischen Insel Sumatra ist der Kerinci weiter aktiv und speit Aschewolken aus. Sie erreichen eine Höhe von 4500 m über dem Meeresspiegel und driften in Richtung Südosten. Das VSI registrierte mehr als 200 starke Entgasungen. Die Seismizität ist gering. Die Aktivität des Vulkans könnte mit den starken Regenfällen auf Sumatra zusammenhängen, indem vermehrter Wasserzufluss im Hydrothermalsystem phreatische Eruptionen auslöst. Ähnliches erlebten wir gestern am Cotopaxi. Dort war allerdings auch die Seismizität erhöht.


Sakurajima mit Ascheeruption

Staat: Japan | Koordinaten: 31.581, 130.659 | Eruption: Explosiv

Im Süden Japans eruptierte der Sakurajima Vulkanasche. Sie stieg bis auf einer Höhe von 2700 m auf und wurde vom Wind in Richtung Südosten verfrachtet. Im Bulletin vom JMA ist die Rede davon, dass während des Beobachtungszeitraums 17-21 Oktober größere Lavabomben bis zu 1000 m entfernt vom Minamidake landeten. Im Allgemeinen hat sich die Aktivität etwas abgeschwächt, was sich aber schnell wieder ändern kann.


Taal mit weiteren phreatischen Eruptionen

Staat: Philippinen | Lokation: 14.002; 120.99 | Eruption: Phreatisch

Gestern gab es am Taal-Vulkan 2 weitere phreatische Eruptionen. Sie dauerten bis zu 6 Minuten und ließen Wasserdampf bis auf einer Höhe von 1500 m aufsteigen. Der Schwefeldioxid-Ausstoß war mit 6700 Tonnen am Tag hoch. Zudem ereigneten sich 6 vulkanisch-bedingte Erdbeben. 5 davon waren Tremorphasen die bis zu 167 Sekunden dauerten.

 

Island: Erdbeben Mb 4,1 am Herdubreid

Erdbeben Mb 4,1 erschüttern den Tafelvulkan Herdubreid

Datum: 22.10.22 | Zeit: 23:11:01 UTC | Lokation: 65.21 ;  -16.36 | Tiefe: 7,8 km | Mb 4,1

Seit Tagen ist die Erdbebentätigkeit unter Island erhöht. So gibt es mehrere Bebenspots entlang der Hauptstörungszonen, auf denen sich auch die großen Zentralvulkane Islands befinden, unter denen es ebenfalls vermehrt bebt. Daher ist es unklar, inwieweit die Erdbeben tektonisch bedingt sind und welche der Erdbeben möglicherweise mit dem Vulkanismus zusammenhängen.

Gestern Abend manifestierte sich um 23:11:01 Uhr ein Erdbeben der Magnitude 4,1 beim Herdubreid. Das Hypozentrum lag fast 8 km tief. Das Epizentrum wurde 4,1 km nördlich des Tafelvulkans lokalisiert. Der Erdstoß konnte in der nordisländischen Stadt Akureyri gespürt werden. Zwei weitere Beben hatten Magnituden im 3er-Bereich. Die Beben waren Teil eines Schwarms, der bislang aus 375 Erschütterungen besteht, die in den IMO-Tabellen aufgeführt werden. Auf der Seite von IMO ist von mehr als 600 automatisch erfassten Erdbeben die Rede.

Herdubreid in monogenetisch und entstand unter dem Eis

Herdubreid war in den letzten Jahren immer wieder Schauplatz von Schwarmbeben und man vermutete dass sie durch eine Magmen-Akkumulation verursacht wurden. Der Tafelvulkan entstand während der Eiszeit unter der Gletscherbedeckung, wodurch die abgeflachte Form zustande kam. Der Krater liegt auf einer 200 m hohen Anhöhe im Süden des Plateaus. Forscher vermuten, dass dieser Teil des Vulkans während der letzten Eruptionen über dem Eis lag. Sie gehen auch davon aus, dass der Vulkan in nur einer einzigen Eruptionsphase entstand, er also monogenetisch ist. Somit ist ein neuer Ausbruch des Herdubreids unwahrscheinlich, es könnten aber Eruptionen in seiner Nähe entstehen. Während die bis zu 1000 m hohen Hänge überwiegend aus Palagonit bestehen, ist das Material des oberen Teils des Vulkans basaltischer Herkunft. Bei Palagonit handelt es sich um ein vulkanisches Glas, dass ebenfalls aus basaltischer Lava besteht, sich aber aufgrund der schnelle Abkühlung unter Wasser, bzw. Eis gebildet haben muss.

In der nordischen Mythologie gilt Herdubreid als Sitz des Donnergottes Thor. Der Tafelvulkan gehört zum System des Zentralvulkans Askja, der seit letztem Jahr durch Inflation auffällt und möglicherweise dabei ist, sich auf eine Eruption vorzubereiten.

Weitere Erdbeben gab es an der Tjörnes-Fracture-Zone. Hier wurden innerhalb von 48 Stunden 82 Erschütterungen registriert. Die Bebentätigkeit ist ebenfalls im Süden von Island erhöht.