Ol Doinyo Lengai wird nach ruhigerer Phase aktiver – Rotglühende Lava und Lavaüberlauf im Krater fotografiert
Der einzigartige (aber nicht immer artige) Vulkan Ol Doinyo Lengai in Tansania ist nach einem vergleichsweise ruhigen Frühjahr 2026 offenbar wieder aktiver geworden. Hinweise darauf liefern thermische Signale, die inzwischen wieder deutlich häufiger registriert werden, sowie neue Fotos der Aktivität, die von einem einheimischen Vulkanführer stammen. Sie zeigen selten tagsüber sichtbare Rotglut der Lava.

Auf den jüngsten Sentinel-Satellitenaufnahmen vom 16. Juni ist eine thermische Anomalie zu erkennen, die sich vom zentralen Hornito-Cluster ausgehend nach Norden über den Kraterboden ausbreitet. Offensichtlich kam es hier zu einem Überlauf der natriumkarbonatitischen Lava, die zwar wie Schlamm aussieht, aber Temperaturen von inzwischen mehr als 500 Grad Celsius erreicht. Neue Aufnahmen belegen, dass die Lava in den letzten Monaten heißer geworden ist, denn inzwischen ist ihr Glühen bereits tagsüber bzw. während der Morgendämmerung sichtbar – ein Phänomen, das früher nur auf langzeitbelichteten Nachtaufnahmen erkennbar war. Als ich den Vulkan regelmäßig besuchte, lag die Temperatur knapp über 500 Grad. Heute dürfte die Lava mindestens 550 Grad heiß sein.
Genauere Daten könnten in den kommenden Monaten veröffentlicht werden: Der Vulkanfotograf Olivier Grunewald organisiert derzeit eine halbwissenschaftliche Expedition zum Lengai mit dem Ziel, sich in den Krater abzuseilen und Lavaproben zu sammeln. Wahrscheinlich wird dabei auch die Temperatur direkt vor Ort gemessen. Der Kraterboden hat sich in den vergangenen Jahren wieder so weit aufgefüllt und angehoben, dass nur noch wenige Meter Steilwand verbleiben, die mithilfe von Seilen überwunden werden müssen.
In den letzten Monaten wurden zudem mehrere neue Studien zu diesem faszinierenden Vulkan veröffentlicht, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Während meines Urlaubs auf Bali werde ich einige davon genauer beleuchten und hier vorstellen. Die entsprechenden Beiträge bereite ich bereits vor und lasse sie anschließend automatisch veröffentlichen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Forscher der Ursache für die hohe Kohlenstoffkonzentration der außergewöhnlichen Lava auf die Spur gekommen sind. Eine Studie untersuchte Kohlenstoffisotope in Mantelxenolithen und zeigt, dass der Mantel unter dem Ol Doinyo Lengai ungewöhnlich viel „schweren“ Kohlenstoff enthält. Dies deutet auf eine langfristige Recycling-Komponente aus karbonatreichen Krustenmaterialien hin. Daraus ergibt sich, dass die karbonatitischen Schmelzen nicht aus gewöhnlichem Mantelmaterial stammen, sondern aus einem geochemisch angereicherten Reservoir in etwa zwölf Kilometern Tiefe, das tiefen Kohlenstoffkreisläufen unterliegt.
Eine weitere Arbeit nutzt die Karbonatite des Lengai als Analogmaterial für planetare Prozesse auf dem Merkur. Die spektroskopischen Eigenschaften dieser Laven liefern ein mögliches Modell zur Erklärung der sogenannten „Hollows“, also heller Vertiefungen auf der Merkuroberfläche, die durch flüchtige karbonatreiche Materialien entstanden sein könnten.
Ich selbst plane seit Längerem eine Rückkehr zum Lengai. Anhaltende Knieprobleme, die ich einem Unfall am Lake Natron in der Nähe des Vulkans zu verdanken habe und die sich zuletzt wieder verstärkt haben, halten mich derzeit allerdings davon ab, den Aufstieg erneut zu wagen.





