Sizilien: Weitere Erdbebensequenz nahe der Nordküste

Erdbebensequenz erschüttert Norden von Sizilien – stärkstes Beben Mb 4,1 weithin spürbar

Datum: 21.03.2026 | Zeit: 12:16:48 UTC | Koordinaten: 37.875 ; 14.306 | Tiefe: 26 km | Mb 4,1

Gestern Abend ereignete sich in Nordsizilien nahe der Küste eine weitere Erdbebensequenz. Sie bestand aus 12 Erschütterungen mit Magnituden zwischen 4,1 und 2,0, wobei auch schwächere Erdbeben aufgetreten sein könnten, die auf der EMSC-Shakemap nicht angezeigt werden. Die Erdbeben reihen sich in eine Serie ein, die seit Anfang März den Norden Siziliens und die vorgelagerten Liparischen Inseln heimsucht.

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Sizilien. © EMSC/Leaflet

Das stärkste Erdbeben der Magnitude 4,1 ereignete sich am 21. März 2026 um 18:04 UTC. Das Hypozentrum lag in 26 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 13 km nordöstlich von Gangi und etwa 80 km westnordwestlich von Catania verortet. Ein weiteres Ereignis der Magnitude 4,0 hatte sich in ähnlicher Tiefe ca. 2 Minuten früher ereignet. Beide Beben waren in der Region deutlich zu spüren gewesen und sorgten bei den Menschen für Beunruhigung. Schäden wurden nicht gemeldet.

Die Wahrnehmungsmeldungen, die in sizilianischen Medien veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Bewohner ein kurzes, aber deutliches Rütteln wahrgenommen haben, das von einem dumpfen Grollen begleitet wurde. In kleineren Orten wie Gangi dürften viele Menschen das Beben im Gebäude gespürt haben (Intensität etwa IV–V EMS), während es in größerer Entfernung eher schwach wahrnehmbar war. Schäden sind bei Erdbeben dieser Magnitude und Tiefe eher unwahrscheinlich, können aber in Einzelfällen nicht ausgeschlossen werden. Meistens treten dann Risse in Wänden auf und es kommt zu Putzabplatzungen.

Tektonisch ist das Ereignis in einen komplexen Spannungsraum eingebettet. Sizilien liegt im Grenzbereich zwischen der Afrikanischen und der Eurasischen Platte. Die Region nördlich des Ätna – insbesondere im Bereich der Nebrodi- und Madonie-Gebirge – ist durch eine Kombination aus Kompression und seitlicher Verschiebung geprägt. Das Schwarmbeben deutet auf eine Aktivität an einer lokalen Störungszone hin, in der Spannungen schubweise freigesetzt werden. Aufgrund der Herdtiefen ist es auch nicht auszuschließen, dass Fluide die Beben triggerten.

Auch der nahe gelegene Vulkan Ätna beeinflusst das regionale Spannungsfeld indirekt. Magmatische Prozesse können lokale Spannungen verändern und auch noch in einiger Entfernung Störungszonen aktivieren. Am Ätna selbst gab es in der letzten Woche wieder tiefe Erdbeben im Nordwesten des Vulkans. Auch wenn es dort Störungen gibt, ist es wahrscheinlich, dass aufsteigendes Magma die Erdbeben auslöste, möglicherweise infolge von Spannungsaufbau an Störungszonen.

Sizilien: Erdrutsch bei Taormina

Unwetter lösten Erdrutsch bei Taormina aus – unbewohntes Haus kollabierte

Süditalien und Sizilien wurden in den letzten Tagen von heftigen Unwettern infolge eines Medicanes heimgesucht, die von Starkregen und Hagel begleitet wurden. In mehreren Regionen kam es zu kleineren Erdrutschen, weil der wassergesättigte Boden nachgab. Im Fokus stand dabei die Region rund um Taormina an der Ostküste der Ätnaregion. Bei dem bei Touristen beliebten Ort kam es zu einem Erdrutsch, der Teile einer Straße mit sich riss. Personen kamen nicht zu Schaden. 

Taormina

Die Unwetter im Süden Italiens sollen auch morgen noch anhalten, bevor eine langsame Wetterbesserung in Sicht ist. Zum Höhepunkt des Geschehens fielen innerhalb von 36 Stunden bis zu 200 mm Niederschlag. Das Auge des Tiefdruckgebiets, das in den Medien oft als Zyklon bezeichnet wird, liegt aktuell südwestlich von Sizilien und bewegt sich nur langsam.

Die gewaltigen Regenmengen unterspülten auch die Fundamente eines alten Hauses in Hanglage und verursachten den Teilkollaps des Gebäudes, das zum Glück bereits unbewohnt war. Daher gab es auch bei diesem Zwischenfall keine verletzten oder sogar getöteten Personen. Die beiden Vorfälle verdeutlichen aber, wie prekär die Situation in ehemals eher ariden Gebieten geworden ist. In den letzten Jahren nahmen starke Unwetter in der Region deutlich zu und Kanalisationen – sofern vorhanden – sind nicht in der Lage, die Wassermassen abzuführen, so dass es in Niederungen und oft auch in Ortschaften häufig zu Überflutungen kommt.

Die Kombination aus extremen Niederschlägen und der morphologischen Beschaffenheit Siziliens macht die Region besonders anfällig für Erdrutsche. Viele Gebäude befinden sich in steilen Hanglagen auf instabilem Untergrund der bei Dauerregen schnell an Stabilität verliert. Behörden haben deshalb Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und in gefährdeten Gebieten Evakuierungen vorbereitet oder bereits durchgeführt.

Die Unwetter beschränkten sich aber nicht nur auf Sizilien, sondern griffen auch auf Kalabrien über, wo es entlang der ionischen Küste und besonders im Ort Mirto Crosia zu starken Überflutungen kam: Straßen verwandelten sich in reißende Ströme und rissen alles mit sich, was nicht niet- und nagelfest war. Ein Mann wurde von den Wassermassen mitgerissen und erlitt schwere Verletzungen. Er konnte geborgen und mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Situation bleibt weiterhin angespannt: Weitere Regenfälle könnten neue Erdrutsche auslösen und zusätzliche Schäden verursachen.

Sizilien: Heftige Unwetter in der Ätnaregion

Starke Gewitter mit Hagel setzten Straßen östlich des Ätnas auf Sizilien unter Wasser

Wie prognostiziert haben gestern Nachmittag starke Unwetter die Ostküste Siziliens getroffen und in mehreren Orten der Provinz Catania für Probleme gesorgt. Besonders stark betroffen war die Gemeinde Aci Sant’Antonio im Südosten des Ätnas. Ein intensives Gewitter brachte Starkregen und Hagel und setzte Straßen unter Wasser. Die Hagelkörner bedeckten zahlreiche Straßen so stark, dass sie teilweise wie von einer weißen Decke überzogen wirkten.

Aci Sant’Antonio

Der plötzliche Hagelschauer führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Viele Autofahrer mussten ihre Fahrt unterbrechen, da sich eine rutschige Mischung aus Eis und Wasser auf der Fahrbahn bildete. Einige Fahrzeuge blieben sogar auf den überfluteten Straßen stecken. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um besonders betroffene Abschnitte zu sichern und den Verkehr wieder in Gang zu bringen.

Doch das Unwetter beschränkte sich nicht nur auf Aci Sant’Antonio. Auch entlang der Küste zwischen Catania und Messina wurden intensive Niederschläge gemeldet. In mehreren Ortschaften liefen Straßen und Plätze innerhalb kurzer Zeit voll Wasser. Besonders in tiefer gelegenen Bereichen kam es zu lokalen Überschwemmungen, da die Kanalisation die plötzlich einsetzenden Wassermassen nicht schnell genug abführen konnte.

Meteorologen sprechen von einem typischen Starkgewitter, wie es im Mittelmeerraum auftreten kann, wenn feuchtwarme Luftmassen vom Meer auf kühlere Luft in höheren Atmosphärenschichten treffen. Diese Konstellation begünstigt die rasche Bildung kräftiger Gewitterzellen, die innerhalb kurzer Zeit große Niederschlagsmengen bringen können. Normalerweise treten solche Extremwetterlagen im Spätsommer und Herbst auf, Richtung Frühlingsanfang sind sie selten, da sich das Mittelmeer normalerweise bereits abgekühlt haben sollte. Dieses Jahr ist es aber offenbar noch warm genug, um die benötigten Energien zur Verfügung zu stellen.

Ausbruch am Ätna?

Das Unwetter kam aus Sicht der Vulkanspotter-Community zu einer Unzeit, da es mit einer Tremorhochphase am Ätna zusammenfiel und den Vulkan in dichte Wolken hüllte, die zudem eine größere Menge Neuschnee gebracht haben dürften. Aufgrund der eingeschränkten Sicht ist es bis jetzt nicht klar, ob und was für ein Ausbruch stattgefunden hat. Neben dem hohen Tremor gab es eine leichte Bodensenkung im Gipfelbereich, die darauf hindeutet, dass Magma ausgetreten ist. Berichte über Ascheniederschlag liegen nicht vor. Auf dem letzten wolkenfreien Satellitenbild vom 12. März sind keinerlei thermische Anomalien sichtbar gewesen. Bereits am Vortag hatte es eine ähnliche Phase hohen Tremors gegeben. Das VAAC Toulouse registrierte keine Aschewolken und Berichte über Ascheniederschlag stehen ebenfalls aus. So bleibt das Geschehen weiter rätselhaft.

Sizilien: Schwere Unwetter drohen an den Vulkanen

Schwere Unwetter ziehen Richtung Sizilien und den Liparischen Inseln – Hagel, Überflutungen und Erdrutsche drohen

Aus Richtung Sardinien kommend zieht gerade eine Unwetterfront in Richtung Sizilien und den Liparischen Inseln, die heute bereits wegen der Erdbeben im Fokus meiner Berichterstattung standen. Die Unwetter könnten an den Vulkanen Ätna und Stromboli besonders starke Auswirkungen mit sich bringen und im Extremfall Erdrutsch und Schlammströme (Lahare) verursachen, vor die ich hier explizit warnen möchte. Für den beginnenden Frühling ist so ein Extremwetter eher ungewöhnlich, normalerweise sieht man so etwas eher im Herbst.

Tiefdruckgebiet

Das Wettergeschehen wird von einem starken Tiefdruckgebiet über dem westlichen Mittelmeer geprägt. Das Auge des System hat sich zwischen den Balearen und Sardinien positioniert und verlagert sich nur langsam weiter nach Süden. Meteorologen erwarten, dass Ausläufer des Tiefs in den kommenden Stunden südlich von Sizilien liegen bleiben werden. Dadurch kann sich feuchtwarme Mittelmeerluft über der Insel stauen und schafft somit ideale Voraussetzungen für kräftige und langandauernde Gewitter. Diese werden heute im Tagesverlauf von Westen her die Insel überqueren. Dabei können sich Superzellen bilden, die neben Gewittern mit Starkregen auch Hagel und extrem starke Windböen erzeugen. Die Gewitter ziehen auch über Ostsizilien und können sich in der Ätna-Region festsetzen. Auf ihrem Weg in Richtung Kalabrien können sie auch über die Liparischen Inseln hinwegziehen.

In urbanen Gebieten wie Catania und in Tälern kann der Regen rasch zu Problemen führen. Wenn mehrere Gewitter hintereinander über dieselbe Region ziehen, sind lokal große Regenmengen in kurzer Zeit möglich. Dadurch steigt das Risiko für Überflutungen von Straßen, Unterführungen und tiefer gelegenen Stadtteilen deutlich an.

Wie stark die Auswirkungen letztlich ausfallen, hängt vor allem davon ab, wie langsam sich die Gewitter bewegen und wie lange das Tiefdruckgebiet in der Region verbleibt. Beobachter raten daher, die aktuelle Wetterentwicklung aufmerksam zu verfolgen.

Sizilien: Erhöhte Seismizität im Norden

Erhöhte Seismizität im Norden von Sizilien – Küstenregion besonders betroffen

Im Norden Siziliens und dem angrenzenden Tyrrhenischen Meer, wo es gestern Abend ein starkes Erdbeben in großer Tiefe bei Neapel gegeben hatte, ist die Seismizität erhöht. Auffällig sind zwei kleiner Erdbebencluster kurz vor der Küste bei Milazzo und Marina di Patti, wo es seit dem 7. März 12 Erschütterungen gegeben hatte. Das stärkste brachte es auf eine Magnitude von 2,8 bei einer Herdtiefe von 10 Kilometern. Das Epizentrum befand sich 11 Kilometer westlich von Milazzo. 

Sizilien. © EMSC/Leaflet

Obwohl die Beben geringe Magnituden hatten und nicht spürbar waren, sind sie im Kontext von vulkane.net von besonderem Interesse, da sie mit dem Tindari-Letojanni-Fault in Verbindung standen. Hierbei handelt es sich um eine Blattverschiebung am Rand der Ionischen Platte, die von nördlich des Ätnas bis nach Vulcano und anderen Inseln des Liparischen Archipels reicht. Die Störungszone könnte auf Spannungsveränderungen im Umfeld der Vulkane reagieren: Auf Vulcano hatte es Anfang des Monats fluidbedingte Erdbeben gegeben, genauso wie es letzte Woche zu dem starken Erdbebenschwarm unter der Südwestflanke des Ätnas gekommen ist. Dieser Schwarm ist immer noch aktiv und sammelte zumindest bis gestern weitere Erdbeben ein. Dem nicht genug, sind die Regionen durch die Subduktion der Ionischen Platte auch mit den Vulkanen Kampaniens verbunden, wo es gestern Abend das erwähnte Erdbeben Mw 5,9 und 375 km Tiefe gab, das sich vor dem Golf von Neapel manifestierte.

Auch wenn ich es nicht wissenschaftlich beweisen kann und die meisten Stimmen sagen werden, dass es alles nur Zufall ist, kann ich mich der Ahnung nicht verwehren, dass es hier tatsächlich Hinweise auf großen Spannungsaufbau entlang der Störungen der Ionischen Platte gibt. Spannungen, die sich möglicherweise in den nächsten Wochen oder Monaten auf die Aktivität des einen oder anderen Vulkans Süditaliens auswirken und eine Eruption triggern könnten.

Ätna: Schneemassen werden gefährlich

Sizilianischer Vulkan Ätna versinkt im Schnee – Nachlese zu den Erdbeben im Westen

In den sizilianischen Höhenlagen schneit es unablässig und der Vulkan Ätna wird aktuell unter Schneemassen regelrecht begraben. Zumindest die Regionen oberhalb von 1500 m versinken metertief im Schnee. Dabei kam es heute im Bereich des Skigebiets Etna Nord auf der Piano Provenzana zu langen Staus mit regelrechten Straßenblockaden. Besorgte Bergführer posteten in den sozialen Medien, dass es im Falle eines Notfalls zu Panik kommen könnte und Retter nicht bis zu den Opfern vordringen könnten. Und an einem aktiven Vulkan, der zudem ein Skigebiet ist, kann es schnell zu Notfällen kommen, zumal es Anzeichen gibt, dass Ätna nicht lange ruhig bleiben wird.

Erdbebensituation vom 26. Januar. © INGV

Diese Anzeichen manifestieren sich in Erdbeben, von denen es in den letzten Tagen reichlich gab. Wie berichtet gab es am 25. Januar einige Erdbeben mit Magnituden über 2,0, die sich unter der Westflanke ereigneten. Mit der verspäteten Veröffentlichung der INGV-Daten auf der Shakemap des Instituts ist im Nachhinein deutlich geworden, dass es eine größere Anzahl an schwächeren Beben gab, als aus den EMSC-Daten ersichtlich war. Möglich, dass wir am Ätna früher einen neuen Ausbruch sehen werden als bislang gedacht, obwohl die restlichen Geodaten darauf keinen Hinweis liefern.

In diesem Sinne kritisieren die erwähnten Bergführer auch, dass die Behörden im Falle des Lavastroms Anfang des Monats mit Sperrungen und Sicherheitsvorkehrungen überreagiert hätten, jetzt im Falle des Schneechaos aber absolut unvorbereitet sind und keinen Plan haben, wie sie vorgehen sollen! Etwas, was mir auch immer wieder durch den Kopf geht: wirkliche Experten fehlen in den Kommunen und Regierungen und planlose Chaoten haben das sagen.

Geodaten unauffällig – Ätna scheint stabil

Den Daten des Bulletins für den Beobachtungszeitraum vom 19. bis 25. Januar 2026 sind allerdings darauf keine weiteren Hinweise zu entnehmen, doch das ist es in den seltensten Fällen.

Im Gipfelbereich des Vulkans wurde an allen Kratern eine teils intensive Gasemission beobachtet. Diese Degassierung stellt momentan die dominierende Aktivitätsform dar. Explosive oder effusive Eruptionen traten im Berichtszeitraum nicht auf.

Auch der vulkanische Tremor bewegte sich überwiegend auf einem mittel-niedrigen Niveau. Infraschallmessungen zeigten eine mäßige Aktivität, die hauptsächlich dem Nordostkrater zugeordnet wird. Die höchste Anzahl an Infraschallereignissen wurde am 23. Januar gemessen. Diese standen mit explosionsartigen Entgasungen oder tief im Schlot stattfindenden Eruptionen im Zusammenhang.

Sowohl GNSS-Daten als auch Neigungsmessungen weisen auf stabile Verhältnisse hin. Geochemische Analysen ergaben einen SO₂-Ausstoß auf mittlerem Niveau sowie einen niedrigen CO₂-Fluss aus dem Boden. Satellitendaten bestätigten eine insgesamt geringe thermische Aktivität.

Zusammenfassend befindet sich der Ätna derzeit in einer stabilen Phase mit geringem Gefährdungspotenzial. Dennoch signalisiert die Infraschalltätigkeit im Nordostkrater, dass es Aktivität gibt, die sich schnell steigern könnte Ein ähnliches Muster gab es vor der Eruption zum Jahreswechsel.

Ätna: Weitere Erdbeben unter der Westflanke

Etna
Erdbeben unter der Ätna-Westflanke. Sehr schön zu sehen sind die Parasitärkrater, der Gipfel und rechts das Valle del Bove. © Copernicus

Mehrere Erdbeben unter Ätna-Westflanke – stärkste Erschütterung Mb 2,5

Unter der Westflanke des sizilianischen Vulkans Ätna bebte erneut die Erde. Gestern manifestierten sich drei Beben mit Magnituden zwischen 2,1 und 2,4 bei Herdtiefen um 13 Kilometer. Die Epizentren wurden vom EMSC rund 5 km nordwestlich von Adrano lokalisiert. Bereits am 25. Januar meldete das INGV einen Erdstoß der Magnitude Mb 2,5 in 11 Kilometern Tiefe, der sich im gleichen Areal zwischen Adrano und Bronte zutrug und gut 3 Kilometer westlich des Monte Mindaro verortet wurde.

Die Erdbeben passen in das Muster, das wir bereits seit Ende letzten Jahres kennen. Die Beben hängen aller Wahrscheinlichkeit nach mit Magmenaufstieg zusammen, der Spannungen verursacht und Störungszonen aktiviert beziehungsweise Gesteinsbruch auslöst. Durch die fortgesetzte Intrusion erhöht sich der Druck im Magmaspeichersystem, wodurch in Kürze wahrscheinlich weitere Beben und mittelfristig ein neuer Vulkanausbruch ausgelöst werden.

Der Tremor stieg leicht vom grünen in den unteren gelben Bereich, ist aber noch als unauffällig zu bezeichnen. Aus dem letzten Wochenbulletin des INGV geht hervor, dass die Tremorquellen entlang eines schmalen Bandes angeordnet waren, das in Nordwest-Südost-Richtung verläuft und dabei den Süden des Nordostkraters streift. Die Längserstreckung ist außergewöhnlich groß und erinnert an einen magmatischen Gang. Es handelt sich um den gleichen Magmenkörper, der für die Eruption zum Jahreswechsel verantwortlich war. Heute oder morgen sollte das neue Bulletin erscheinen, und die neuen Daten könnten Aufschluss darüber geben, ob dieser Magmenkörper aktiv bleibt.

Seit Wochen gab es vom Ätna kein wolkenfreies Satellitenfoto mehr. Das letzte stammt vom 13. Januar und zeigte nicht nur einen schneebedeckten Vulkan, sondern auch kalte Förderschlote, ohne auch nur die winzigste Spur einer thermischen Anomalie im Bereich der Hauptkrater.

Gestern ereignete sich zudem ein sehr tiefes Beben nordöstlich der liparischen Vulkaninsel Stromboli. Dieses Beben hatte eine Magnitude von 2,9 und eine Herdtiefe von 253 Kilometern. Es ist innerhalb weniger Tage bereits das zweite Beben in diesem Areal und könnte mit Prozessen in Verbindung stehen, die für die Magmenentstehung verantwortlich sind. Stromboli setzt seine normale strombolianische Tätigkeit fort. Auffällig sind hohe CO₂-Emissionen, die auf eine größere Menge Schmelze in der Tiefe schließen lassen. Lavaüberläufe sind dort innerhalb weniger Wochen vorprogrammiert.

Sizilien: Katastrophaler Erdrutsch bei Niscemi

Erdrutsch bei Niscemi auf Sizilien: Folge extremer Niederschläge der Unwetter der letzten Tage

Die Erde auf Sizilien kommt nicht zur Ruhe, nur diesmal ist weder der Ätna schuld noch ein starkes Erdbeben, sondern die extremen Niederschläge der letzten Woche, die gestern am Stadtrand der Stadt Niscemi einen starken Erdrutsch ausgelöst haben. Entlang eines Hangs am Ortsrand nahe einer Klippenzone senkte sich der Untergrund über mehrere Meter ab. Auffällig war dabei, dass große Teile des Hanges als kompakter Block abrutschten und eine terrassenartige Stufe bildeten – ein typisches Merkmal langsam gleitender Rutschungen. Niscemi – das in der südsizilianischen Provinz Caltanissetta liegt – ist auf instabilen Boden gegründet und es besteht die Gefahr, dass sich entlang der mehrere hundert Meter langen Abbruchkante weitere Erdrutsche manifestieren. Aus diesem Grund wurden mehr als 1000 Personen evakuiert. Todesopfer gab es wie durch ein Wunder nicht. Spektakuläre Bilder dokumentieren das außergewöhnliche Ereignis und dürften viral gehen. 

Niscemi

Geologisch betrachtet gehört das Gebiet von Niscemi zum südlichen Zentralsizilien, das von sedimentären Abfolgen geprägt ist. Der Untergrund besteht hier überwiegend aus Wechsellagerungen von Sanden, Sandsteinen, Mergeln und tonreichen Schichten, die im Miozän und Pliozän abgelagert wurden. Besonders problematisch ist die Kombination aus durchlässigeren Sandlagen über weniger durchlässigen Ton- oder Mergelhorizonten. Solche Grenzflächen wirken bei Wassersättigung als natürliche Gleitebenen, so wie es hier offenbar der Fall war.

Morphologisch ist die Region durch sanft bis mäßig geneigte Hügel gekennzeichnet, die von Erosionsrinnen und kleinen Tälern zerschnitten werden. Diese Topografie begünstigt Hanginstabilitäten, vor allem dort, wo menschliche Eingriffe – Straßen, Einschnitte oder Bebauung – das natürliche Gleichgewicht zusätzlich schwächen.

Nach ersten Einschätzungen handelt es sich um eine translational-rotierende Rutschung. Der Hang verlor nicht schlagartig seine Struktur, sondern glitt als relativ kohärente Masse hangabwärts. Solche Bewegungen verlaufen oft schleichend, können aber in kurzer Zeit deutliche Absenkungen von mehreren Metern verursachen. Genau dieses Bild zeigte sich in Niscemi: abgesackte Flächen mit scharf strukturierten Abrisskanten und ein insgesamt „intakter“, aber tiefer liegender Hangkörper.

Ein direkter Zusammenhang mit den starken Niederschlägen der letzten Tage gilt als sehr wahrscheinlich, ist aber wissenschaftlich noch nicht bewiesen. Intensive und anhaltende Regenfälle führten zur Sättigung der oberflächennahen Sedimente und zu einem Anstieg des Porenwasserdrucks. Dadurch verringerte sich die Scherfestigkeit insbesondere der tonreichen Schichten. In einem geologischen Umfeld wie dem von Niscemi reicht dieser Effekt oft aus, um bereits vorbelastete Hänge zum Gleiten zu bringen.

Tatsächlich gab es unweit des Ortes in der vergangenen Woche ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,6. Da die Herdtiefe aber in mehr als 40 Kilometern festgestellt wurde, ist es eigentlich auszuschließen, dass der Erdstoß den Erdrutsch triggerte.

Italien: Medicane Harry verursachte Zerstörungen auf Sizilien

Starke Zerstörungen entlang der Ostküste von Sizilien – Medicane „Harry“ wütete mit voller Kraft

Mit Merkmalen eines Zyklons bzw. Medicanes wütete Wintersturm Harry in weiten Teilen Süditaliens und hat insbesondere entlang der Ostküste Siziliens eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Italienische Medien sprechen von einem außergewöhnlichen Wetterereignis, das in seiner Intensität für den winterlichen Mittelmeerraum ungewöhnlich war. Eine Kombination aus orkanartigen Winden, gepaart mit extremen Regenfällen und schweren Sturmfluten, führte lokal zu starken Schäden an der küstennahen Infrastruktur. Noch heute fließt durch zahlreiche Küstenstraßen Meerwasser. Ufermauern und Kaianlagen wurden stark beschädigt oder sogar völlig zerstört.

Besonders betroffen waren Sizilien, der Süden Kalabriens und Sardinien. Dort trafen meterhohe Wellen ungebremst auf die Küsten und richteten schwere Schäden an Promenaden, Hafenanlagen und Stränden an. In einigen Orten drang das Meer weit ins Landesinnere vor, überschwemmte Straßen und Erdgeschosse und machte Verkehrswege unpassierbar. Küstenstraßen mussten gesperrt werden, weil Asphalt unterspült oder durch Geröll und Treibgut blockiert war. An mehreren Abschnitten brachen Fahrbahnen ein, was den Verkehr zum Erliegen brachte und die Verwundbarkeit der Küsteninfrastruktur verdeutlichte.

In den sozialen Medien geteilte Aufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörungen, die bis jetzt noch nicht bilanziert werden konnten. Im Großraum Catania und entlang der Küste von Aci Trezza und Aci Reale wurden zahlreiche Küstenmauern – aus Lavagestein des Ätnas erbaut – zerlegt und die Trümmer gegen Vorgärten und Hauswände geschoben, die ihrerseits beschädigt wurden. Die durch den rauen Seegang ausgelösten Überflutungen in den küstennahen Bereichen verwandelten Straßen in Flüsse, die allerlei Unrat mit sich führten. Der Fährverkehr zu den Liparischen Inseln vor der Nordküste Siziliens wurde eingestellt, die Inseln waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Berichte über neue Murenabgänge auf Stromboli liegen bis jetzt nicht vor.

Im Landesinneren sorgten anhaltende Starkregenfälle für Überflutungen und Erdrutsche. Bäche und kleine Flüsse traten über die Ufer und setzten Wohngebiete sowie landwirtschaftliche Flächen unter Wasser. Hangrutsche beschädigten Straßen und isolierten zeitweise kleinere Gemeinden. Der Bahn- und Fährverkehr wurde in vielen Regionen eingestellt, da Wind und Wellengang den sicheren Betrieb unmöglich machten.

Die Behörden veranlassten umfangreichen Schutzmaßnahmen. Für besonders gefährdete Gebiete wurden Evakuierungen angeordnet. Die Schulen blieben geschlossen. Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Zivilschutz arbeiteten im Dauereinsatz. Auch freiwillige Helfer sicherten Gebäude, pumpten Wasser ab und unterstützten Menschen, die ihre Häuser vorübergehend verlassen mussten.

Der Wintersturm Harry zeigte einmal mehr, wie anfällig der Mittelmeerraum für extreme Wetterlagen ist, die durch den Klimawandel an Häufigkeit und Intensität zunehmen können.