Ätna: Ascheemissionen trotz Absenkung des Flugwarncodes

Ascheemissionen setzen sich am Ätna trotz Absenkung des Flugwarncodes fort – Flughafen Catania ist wieder offen

Beginnen wir mit einer guten Nachricht für Flugreisende in Sizilien: Der Flughafen Catania hat gestern Abend wieder geöffnet, nachdem der Flugwarncode des Ätnas um 16:37 UTC von „Rot“ auf „Orange“ gesenkt wurde. Dennoch kann noch keine komplette Entwarnung gegeben werden, denn es werden weiterhin Ascheemissionen beobachtet. Bereits in den vergangenen Tagen wurde der VONA-Code mehrfach innerhalb kurzer Zeit verändert, so könnte die Öffnung des Flughafens nur von kurzer Dauer sein. Ein Ende der Aktivität zeichnet sich noch nicht ab, obgleich es Veränderungen der Tremoramplitude gab, die von einem Tiefstand im grünen Bereich wieder bis in die Mitte des gelben Bereichs gestiegen ist.


Ätna

Der Verlauf des Tremorgraphen bleibt trotz des Anstiegs bis in Bereiche der Werte, die wir seit langem als normal für den Ätna ansehen, auffällig: Immer wieder tauchen kurze Peaks auf, die steil bis in den roten Bereich ragen. Die Gründe hierfür können vielfältig sein und das Spektrum reicht von Störungen des Messsystems, menschengemachten Signalen bis hin zu dem Versuch des Vulkans, mit einem stärkeren Ausbruch zu beginnen, obgleich man hier einen langsameren Anstieg der Peaks erwarten würde.

Das gestern veröffentlichte Wochenbulletin des INGV fasst die Aktivität vom 7. bis 13. September zusammen. Demnach kam es am Nordostkrater nahezu kontinuierlich zu Ascheemissionen. Die pulsartig ausgestoßene Asche erreichte dabei Höhen von etwa 4.000 Metern und wurde hauptsächlich nach Osten und Süden verfrachtet. Der Spitzenwert lag bei 5000 m und wurde am 10. September erreicht. Auch die Bocca Nuova erzeugte am 7. und 8. September Ascheemissionen. An der Voragine und am Südostkrater dominierte dagegen die fumarolische Entgasung.

Bemerkenswert ist, dass sich die verschiedenen Überwachungsparameter nicht parallel entwickelten. Die Erdbebenaktivität blieb niedrig; lediglich ein Beben erreichte Magnitude 2,3. Auch die Bodenverformung zeigte keine signifikanten Veränderungen.

Der vulkanische Tremor lag während des größten Teils der untersuchten Woche auf niedrigem bis mittlerem Niveau, ist inzwischen wie oben aufgeführt aber wieder auf mittelhohe Werte gestiegen. Die Analyse der Tremorquellen zeigt erneut eine weite Ausbreitung der Bodenunruhen bis in den westlichen Gipfelbereich.

Die Infraschallaktivität hatte sich im Verlauf der Berichtswoche abgeschwächt, zeigte am 8. September aber hohe bis sehr hohe Ereignisraten, die dem Nordostkrater zugerechnet werden.

Geochemisch ging der SO₂-Ausstoß auf ein mittleres Niveau zurück, während der CO₂-Fluss aus dem Boden leicht zunahm.  Auffällig war hingegen eine positive Anomalie bei den Radon-Emissionen, die auf größere Magmamengen im tieferen Untergrund hindeuten könnte.

Die thermische Aktivität war insgesamt relativ gering; das INGV registrierte in der Berichtswoche maximal etwa 7 MW.

Das INGV schließt eine schnell verlaufende Intensivierung der Aktivität ausdrücklich nicht aus. Möglich sind demnach stärkere explosive Eruptionen mit größeren Aschewolken und sogar Kollapsen von Teilen der Gipfelkegel, die pyroklastische Ströme erzeugen könnten. Die Gesamtsituation am Ätna bleibt dynamisch.

Ätna: Flughafen in Catania bleibt geschlossen

Anhaltende Ascheemissionen am Ätna – Flughafen Catania bleibt vorerst geschlossen

Am Ätna auf Sizilien dauern die schwachen Ascheemissionen an. Obwohl die Aktivität vergleichsweise gering ist und sich die Aschewolke rasch auflöst, bleiben die Emissionen für den Flugverkehr relevant. So verlängerte der Flughafen Catania am Dienstag die Sperrung der Luftraumsektoren B3 und C1. Nach Angaben des Flughafens sollen die Flugoperationen voraussichtlich bis mindestens 14:30 Uhr Ortszeit ausgesetzt bleiben. Danach wird entschieden, ob der Flughafen öffnet oder weiter gesperrt bleibt. Reisende wurden aufgefordert, sich vor der Fahrt zum Flughafen bei ihrer Airline über den aktuellen Flugstatus zu informieren.



Die anhaltenden Einschränkungen sorgen auf Sizilien für Verkehrsprobleme, da viele Flüge entweder ersatzlos gestrichen wurden oder auf andere Flughäfen umgeleitet wurden. Unter den Betroffenen waren am Montag auch zahlreiche Urlauber aus Bayern, die nach dem Ende ihres Urlaubs die Heimreise antreten wollten. In Bayern enden heute die Sommerferien, sodass sich die Beeinträchtigungen des Flugverkehrs für Rückreisende zeitlich besonders ungünstig auswirken.

Das VAAC Toulouse geht davon aus, dass die Ascheemission seit dem Beginn der jüngsten Emissionsphase am 14. September gegen 02:40 Uhr UTC weiter anhält. Satellitendaten konnten am Dienstagmorgen allerdings keine eindeutig erkennbare Aschewolke ausmachen. Auf Livecam-Aufnahmen waren sie allerdings noch sichtbar. Jetzt am Vormittag sind Wolken aufgezogen, dennoch kann man die Asche zeitweise noch erahnen. Nach Einschätzung des VAAC zieht die Asche nach Süden und löst sich aufgrund der geringen Emissionsrate schnell auf.

Eine VONA-Meldung des Ätna-Vulkanobservatoriums bestätigte am Montag die anhaltende Ascheemission. Die Höhe der Vulkanwolke wurde anhand von Überwachungskameras auf etwa 4000 Meter über dem Gipfel geschätzt. Auch thermische Kameras registrierten das Phänomen. Der VONA-Flugfarbencode steht weiterhin auf Rot, nachdem zuvor die Warnstufe Orange gegolten hatte.

Von Interesse ist auch der Umstand, dass gestern auf Nachtaufnahmen zwei rote Spots im Gipfelbereich des Südostkraters auszumachen waren. Es handelt sich um die erste Rotglut an diesem Kraterkegel seit Monaten. Möglich, dass sich die Eruptionen demnächst ausweiten. Dafür spricht auch die großflächige Ausdehnung der Tremorquellen. Die Tremoramplitude ist in den letzten Stunden bis in den niedrigen gelben Bereich gestiegen.

Am Montag wurde auch ein weiteres Erdbeben im Bereich der Nordostflanke des Ätna registriert. Das Beben ereignete sich in nur etwa 170 Metern Tiefe unter dem Meeresspiegel gut 1,6 Kilometer südöstlich des Monte Nero und erreichte eine Magnitude von 2,3. Das Epizentrum liegt im Bereich der Pernicana-Störung, einer tektonisch aktiven Störungszone an der Nordostflanke des Vulkans. Erdbeben hier werden häufig durch fluidbedingte Spannungsänderungen ausgelöst, die auf Magmaaufstieg hindeuten können.

Ätna: Flugbetrieb in Catania eingeschränkt

Ätna-Asche legt Flughafen Catania lahm – Einschränkung gilt zunächst bis 16 Uhr

Bereits heute Morgen habe ich über die gesteigerte Aktivität des Ätnas berichtet und darüber, dass der Alarmcode für den Flugverkehr bereits in den frühen Morgenstunden auf „Rot“ erhöht wurde. Kurz nachdem ich meinen Bericht veröffentlicht hatte, gab es möglicherweise eine weitere Aktivitätssteigerung, weswegen der Flughafen Catania-Fontanarossa den Luftraumsektor C1 für ankommende Flüge sperrte. Der Flugbetrieb wurde stark eingeschränkt. Zunächst wurden die Ankünfte bis 16 Uhr Ortszeit ausgesetzt, zahlreiche Maschinen wurden auf andere Flughäfen wie Palermo umgeleitet.

Flughafen Catania. © Leroy Szeglat

Nach Angaben des Toulouse Volcanic Ash Advisory Centre begann die aktuelle Eruptionsphase bereits um 02:40 UTC (04:40 Uhr MESZ). Um 04:52 UTC wurde für den Ätna die höchste Luftfahrt-Warnstufe Rot ausgegeben. Satellitenbilder und Kameras des INGV zeigten eine Aschewolke, die bis in etwa 4 Kilometer Höhe aufstieg. Die Wolke bewegte sich mit 18 km/h nach Südosten und damit in Richtung des Großraums Catania.

Das VAAC beschrieb die Aschefahne allerdings als relativ dünn und rasch zerfallend. Aufgrund der geringen Intensität wurden keine quantitativen Ascheprognosen ausgegeben. Dennoch kam es zu der beschriebenen Einschränkung des Flugverkehrs, da die feinen Aschepartikel in Triebwerke gelangen können, dort schmelzen und anschließend wieder erstarren. Im Extremfall kann dies zu einem Triebwerksausfall führen.

Die Betreibergesellschaft SAC schloss deshalb den Luftraumsektor C1. Die Maßnahme trat am Vormittag in Kraft und führte zur Einstellung sämtlicher Ankünfte bis zunächst 16 Uhr. Bereits mehrere Flüge wurden nach Palermo umgeleitet; weitere Maschinen wichen auf andere sizilianische Flughäfen aus.

Die jüngste VONA-Warnung vom VAAC Toulouse konnte um 10:00 UTC (12:00 MESZ) keine Asche mehr auf Satellitenaufnahmen ausmachen und hob die Warnung auf. Die Chancen stehen gut, dass der Flughafen die Sperrung ab 16 Uhr aufhebt. Dennoch sollten sich Flugreisende zuvor erkundigen, ob ihre Flüge stattfinden werden.

Die Sperrung zeigt die besondere Verwundbarkeit des Flughafens Catania gegenüber Ascheemissionen des Ätna. Schon während der intensiven vulkanischen Aktivität im August war der Flugbetrieb mehrfach eingeschränkt worden und kam über mehrere Tage hinweg zum Erliegen. Die weitere Entwicklung hängt nun vor allem von der Stärke der Ascheemission und der Windrichtung ab.

Ätna: Flugwarncode am 14. September auf Rot angehoben

Wechselspiel des Alarmcodes am Ätna geht weiter – Erneute Ascheemissionen gefährden Flugverkehr

Am Ätna auf Sizilien wurde nach einem ruhigen Wochenende heute Morgen der Alarmcode für den Flugverkehr erneut von „Orange“ auf „Rot“ erhöht. Das INGV veröffentlichte um 04:43 UTC eine entsprechende Meldung. Grund für die Erhöhung sind neue Ascheemissionen, die überwiegend aus dem Nordostkrater austreten und vom starken Wind in Richtung Süden verfrachtet werden.



Ätna

Südlich des Ätnas liegt der Flughafen von Catania, doch die Ascheemissionen sind derzeit zu schwach, als dass sie den Flugbetrieb tatsächlich beeinträchtigen würden. Da eine Verstärkung der Aktivität nicht ausgeschlossen werden kann und spontan ohne weitere Vorwarnung einsetzen könnte, wurde der Alarmcode vorsorglich erhöht.

Je nach Windrichtung führt der Landeanflug vieler Maschinen in einer Schleife am Ätna vorbei. Dadurch können die Flugzeuge den Aschewolken sehr nahe kommen, und es besteht die Gefahr, dass sie diese durchfliegen. Vulkanasche kann Triebwerke beschädigen und hat auf Cockpitscheiben einen ähnlichen Effekt wie ein Sandstrahlgebläse, der umso stärker wirkt, je schneller das Flugzeug fliegt. Im Extremfall können die Scheiben dadurch matt werden und dem Piloten die Sicht rauben.

Gegen eine spontane Verstärkung der Explosivität spricht aktuell der sehr niedrige Tremor, der einen derart tiefen Stand im grünen Bereich erreicht hat, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen habe. Interessant sind allerdings einzelne scharfe Peaks im Graphen, die so weit in den roten Bereich springen, dass dadurch die Skala des Tremorgraphen automatisch verkleinert wird.

Niedriger Tremor mit Peaks. © INGV

Wodurch diese Peaks ausgelöst werden, ist unklar. Einerseits könnten sie auf eine kurzzeitige Verstärkung der Magmabewegungen im Untergrund hindeuten. Andererseits können solche Ausschläge auch durch stärkere Erdbeben in der Nähe ausgelöst werden oder auf technische Probleme zurückgehen. Sprengungen in den Lavasteinbrüchen an der unteren Ätnaflanke sind ein weiterer möglicher Erklärungsansatz.

Die übrige Seismizität bleibt gering, mit einigen Erschütterungen im Valle del Bove und unter den Gipfelkratern.

Auf dem letzten wolkenfreien Satellitenfoto vom 8. September ist im SWIR-Band eine thermische Anomalie im Nordostkrater zu erkennen. Zudem zeigen sich winzige Wärmequellen entlang der Fraktur im Voragine-Kegel, die bei den Eruptionen im Juli und August entstanden ist. Aus der Bocca Nuova wurden starke Entgasungen beobachtet.

Anhand der teils widersprüchlichen Daten bleiben Prognosen zur weiteren Entwicklung des Vulkans schwierig. Thermische Signale und anhaltende Ascheemissionen sprechen für einen hohen Stand des Magmas im Fördersystem. Die geringe Tremoramplitude und Seismizität sprechen allerdings gegen einen starken Magmaaufstieg.

Möglicherweise ist das Fördersystem des Vulkans teilweise blockiert, wodurch der Druck im Vulkaninneren steigt und sich Magma nur noch eingeschränkt bewegen kann. Dies wäre ein möglicher Erklärungsansatz für den geringen Tremor bei gleichzeitig anhaltenden Ascheemissionen: Der steigende Druck könnte die Schlotfüllung im Nordostkrater zunehmend fragmentieren und dadurch die Ascheemissionen erzeugen. Aus so einer Situation heraus wären jederzeit stärkere Explosionen möglich.

Ätna: Ascheausstoß fluktuiert

Ascheausstoß am Ätna fluktuiert – nach kurzweiliger Absenkung der Alarmstufe erneute Erhöhung

Am Ätna schwankt die vulkanische Aktivität weiterhin deutlich. Während der vulkanische Tremor inzwischen weiter zurückgegangen ist und sich nach den aktuellen Messungen im Bereich niedriger Amplituden bewegt, werden aus dem Gipfelbereich nach einem Rückgang der Aktivität in der Nacht heute Vormittag erneut Ascheemissionen beobachtet. Das zeigt, dass die Aktivität zwar deutlich an Dynamik verloren hat, der Vulkan aber noch nicht zur Ruhe gekommen ist.

Besonders deutlich wird die jüngste Entwicklung der fluktuierenden Tätigkeit beim Blick auf die jüngsten VONA-Meldungen des INGV. Nachdem am 4. September eine anhaltende Ascheemission gemeldet und die Luftfahrtwarnstufe von Orange auf Rot angehoben worden war, folgte am 6. September zunächst eine Entspannung der Situation, weswegen das Ätna-Observatorium um 06:13 UTC nur noch eine schwache Ascheemission meldete und den Flugwarnfarbcode wieder von Rot auf Orange herabstufte.

Nur gut drei Stunden später änderte sich die Einschätzung wieder, weswegen um 09:34 UTC das Observatorium wieder eine anhaltende Ascheemission meldete und den Aviation-Color-Code erneut auf Rot anhob. Bemerkenswert sind widersprüchliche Informationen, in denen es einerseits heißt, dass ausdrücklich keine Aschewolke erzeugt wurde, dennoch wurde die Asche in Richtung Südwesten verfrachtet. Die Aktivität wurde sowohl von den Überwachungskameras als auch von Mitarbeitern des INGV vor Ort beobachtet.

Die Emissionen werden von Livecam-Aufnahmen bestätigt, die sehr wohl die Förderung einer hellbraunen Aschewolke aus dem Nordostkrater zeigen.

Für den Flugverkehr ist entscheidend, ob aus den passiv wirkenden Ascheemissionen tatsächlich eine explosiv geförderte, höher aufsteigende Vulkanaschewolke entsteht. Dies ist nach den beiden VONA-Meldungen vom 6. September bislang nicht der Fall. Der niedrige Tremor – auf dessen Grafik in den frühen Morgenstunden ein steiler Peak ungeklärter Ursache zu sehen ist – spricht momentan gegen stärkeren Magmenaufstieg, ebenso die vergleichsweise geringe Seismizität.

Dennoch bleibt die Situation aufmerksam zu beobachten. Die dargestellten Parameter sind nur Momentaufnahmen, die sich schnell ändern können. Das INGV stellt die Messdaten und die Überwachung des Vulkans kontinuierlich bereit.

Ätna: Warnstufe Rot für den Flugverkehr

Rote VONA-Warnung für den Flugverkehr – weiterhin starke Ascheemissionen am Ätna

Die aktuelle Entwicklung am Ätna wird weiterhin von passiven Ascheemissionen geprägt, die durchaus als kräftig bezeichnet werden können. Daher erhöhte das INGV am Nachmittag des 4. September den Warncode für den Flugverkehr von Orange auf Rot. Eine größere, klar abgegrenzte Aschewolke entstand nach Angaben der Vulkanbeobachter allerdings nicht. Die Asche wird in Richtung Süd-Südwest verfrachtet.

Noch am Morgen bot sich via Livecam ein anderes Bild: Man konnte eine ausgeprägte, rotbraun gefärbte Aschewolke beobachten, die aus dem Nordostkrater aufstieg. Starke Winde drückten die Aschewolke wie bereits am Vortag nieder und verhinderten einen Aufstieg in größere Höhen. Dennoch wurden beachtliche Mengen Asche gefördert. Bemerkenswert ist dies insofern, als sich der Tremor weiterhin im unteren gelben Bereich bewegt und als schwach bis mäßig bezeichnet werden kann. Der geringe Tremor lässt vermuten, dass derzeit keine starken Magmabewegungen im Fördersystem stattfinden und die Ascheemissionen vergleichsweise wenig explosiv sind.

Interessant ist dabei die Bocca Nuova. Auf aktuellen Satellitenaufnahmen im kurzwelligen Infrarotbereich (SWIR) zeichnet sich eine thermische Anomalie ab. Zusammen mit den Beobachtungen der Überwachungskameras spricht dies dafür, dass sich im Inneren des Kraters eine erhöhte thermische Aktivität entwickelt hat. Ob die Anomalie unmittelbar mit den gegenwärtigen Ascheemissionen zusammenhängt, lässt sich anhand der Satellitendaten allein jedoch nicht zweifelsfrei feststellen.

Vergleichbare Ascheemissionen aus dem Nordostkrater wurden bereits in der Vergangenheit beobachtet. Sie hängen vermutlich mit Kollapsereignissen im Schlotsystem zusammen und könnten entweder durch steigenden Druck infolge eines Magmenaufstiegs ausgelöst werden oder mit gegenläufigen Prozessen zusammenhängen.

Die Erdbeben entlang der Pernicana-Störung, über die ich bereits im August berichtete, standen in der Vergangenheit ebenfalls mit dem Aufstieg von Magma in Verbindung. Seit dem Ablaufen der Lavaseen auf Ambrym (Vanuatu) wissen wir allerdings auch, dass Magma aus höher gelegenen Speichersystemen wieder in größere Tiefen abfließen kann und dabei ebenfalls Erdbeben und Bodenverformungen verursachen kann.

Welcher dieser Prozesse aktuell am Ätna eine Rolle spielt, werden wir spätestens dann wissen, wenn es zu einer stärkeren Eruption kommt – oder eine solche gegebenenfalls ausbleibt.

Ätna: Erdbeben ML 3,1 unter der Nordflanke

Weiteres Erdbeben erschüttert Ätna-Nordflanke – Eruption deutlich abgeschwächt

Am Nordhang des Ätna hat am Donnerstagmorgen ein weiteres Mal die Erde gebebt. Das INGV registrierte um 07:47 Uhr Ortszeit ein Erdbeben der Magnitude ML 3,1, dessen Epizentrum zehn Kilometer südwestlich von Linguaglossa lag. Der Erdbebenherd befand sich in nur etwa 2 Kilometern Tiefe. Aufgrund der geringen Tiefe konnte die Erschütterung in den umliegenden Orten wahrgenommen werden.

Ätna © EMSC

Der Erdstoß ereignete sich nur fünf Tage nach dem stärkeren Beben der Magnitude 3,9 vom 15. August, das ebenfalls im Bereich von Linguaglossa registriert wurde. Die aktuelle Aktivität fällt in eine Phase intensiver vulkanischer Aktivität am Ätna, die zuletzt allerdings rückläufige Tendenzen zeigte.

Das Erdbeben steht im Zusammenhang mit Spannungen entlang der Pernicana-Störung, die oft infolge von Magmaaufstieg auftreten.

Gleichzeitig hat sich die Eruption deutlich abgeschwächt. Nach Angaben des INGV war am 19. August bereits ein klarer Rückgang des vulkanischen Tremors festgestellt worden. Der Lavastrom aus einer Öffnung auf rund 3100 Metern Höhe im oberen Valle del Bove war nach etwa 500 Metern zum Stillstand gekommen. Auch der ältere Lavastrom aus 1900 Metern Höhe hatte bei rund 1315 Metern seine Aktivität eingestellt und befand sich in Abkühlung.

Lediglich ein darüber liegender jüngerer Lavastrom besaß noch eine aktive Front bei etwa 1550 Metern nahe Rocca Musarra. Auf der Thermalcam erkennt man nur noch einen schmalen Streifen heißer Lava.

Explosive Aktivität am Voragine-Krater wurde bei der Inspektion nicht beobachtet. Es traten lediglich schwache Ascheemissionen auf.

Eine am 20. August veröffentlichte VONA-Meldung bestätigt die weitere Beruhigung. Der Aviation-Colour-Code bleibt Orange, aktuell wird jedoch lediglich eine schwache Ascheemission gemeldet. Die Asche wird nach Südosten verfrachtet und ist nur noch auf den visuellen und thermischen Überwachungskameras erkennbar.

Damit befindet sich die Eruption offenbar in einer deutlich schwächeren Phase. Die vulkanischen Prozesse sind jedoch noch nicht vollständig zum Erliegen gekommen und werden vom INGV weiterhin eng überwacht.

Ätna: Veränderte Eruptionsdynamik des Vulkans

Fluktuierende Ätna-Eruption rückt verändertes Fördersystem in den Fokus der Forscher

Die Aktivität am Ätna bleibt auch am 18. August ausgesprochen wechselhaft. Während der Lavastrom aus der Öffnung auf rund 1900 Metern Höhe weiter gespeist wird und inzwischen bis auf etwa 1330 Meter im Bereich Rocca Capra in der Valle del Bove vorgedrungen ist, öffnete sich am frühen Morgen auf etwa 3100 Metern eine weitere Eruptionsöffnung. Der daraus gespeiste Lavastrom war wegen dichter Bewölkung zunächst nicht einsehbar, kann inzwischen auf Wärmebildkameras aber visualisiert werden. Gleichzeitig ist die explosive Aktivität am Krater Voragine seit Mitternacht erloschen und es werden nur noch schwache Emissionen beobachtet. Der Flughafen Catania hat seinen Betrieb inzwischen wieder uneingeschränkt aufgenommen.

Wärmebild der Lavaströme © INGV

Der abrupte Wechsel hatte sich bereits am Vorabend angekündigt. Nach zunächst hohem Tremor fiel dessen Amplitude gegen 23:30 UTC innerhalb kurzer Zeit in den niedrigen Bereich zurück. Seitdem bewegt er sich mit stark fluktuierenden Amplituden im gelben Bereich und erzeugt dabei ein Muster, wie es häufig in den Ruhephasen zwischen 2 Paroxysmen auftaucht. Parallel dazu brach auch die Infraschallaktivität nahezu vollständig ein. Die Tremorquellen liegen weiterhin im Bereich der Voragine, inzwischen zwischen 1900 und 2500 Metern Höhe. Das GNSS-Netz zeigt keine signifikanten Veränderungen. Das Klinometer am Cratere del Piano registrierte nach vorherigen Schwankungen eine kumulative Änderung von etwa einem Mikroradiant, ausgelöst durch Deflation. Seit etwa 23:50 UTC zeichnet sich dort allerdings eine Trendwende ab.

Vulkantourist im Sperrgebiet tödlich vom Blitz getroffen

Wie unberechenbar die Situation am Berg derzeit ist, zeigte sich auch am Sonntag. Ein 29-jähriger US-Tourist aus Kansas wurde im Bereich Rocca Capra von einem Blitz getroffen und starb später im Krankenhaus. Der Mann war in einem von offizieller Stelle gesperrten Bereich unterwegs. Die Behörden hatten wegen der anhaltenden vulkanischen Aktivität Teile des Ätna gesperrt. Ob es sich bei dem Blitz um ein meteorologisches Phänomen handelte oder um einen vom Vulkan erzeugten Vulkanblitz, wurde nicht kommuniziert. Generell ist im Alpin mit Gewittern nicht zu spaßen.

Änderung der internen Dynamik des Fördersystems

Vulkanologisch besonders interessant ist die Rolle der Voragine. Bereits früher hatte ich die Vermutung geäußert, dass bei den Eruptionen der letzten Wochen das Magma nicht nur aus dem flachen Magmenkörper unterhalb des Gipfels stammen kann, da es dünnflüssiger und heißer zu sein scheint als bei vorherigen Eruptionen. Der Vulkanologe Marco Viccaro wies nun gegenüber italienischen Medien darauf hin, dass die Reaktivierung der Voragine mit tiefgreifenden Veränderungen im Magmafördersystem des Ätna verbunden ist und Forscher an Studien hierzu arbeiten. Die Voragine ist nicht lediglich einer der vier Gipfelkrater, sondern steht mit dem tiefreichenden zentralen Versorgungssystem des Vulkans in Verbindung. Untersuchungen zeigen, dass sich nach ihrer Reaktivierung die Dynamik des Magmatransports verändern kann – einschließlich der Geschwindigkeit, mit der Magma durch die oberen Bereiche des Systems aufsteigt.

Damit könnte die seit 2024 beobachtete Dominanz der Voragine auf eine längerfristige Veränderung der internen Dynamik des Vulkans hinweisen. Zu diesem Kontext passt auch das Erdbeben M 3,9 an der Pernicana-Störung, dass den Norden des Ätna am 15. August erschütterte.

Die jüngste Aktivität mit gleichzeitigem Lavaausfluss an der oberen Ostflanke, wechselnder Aktivität aus Voragine und dem Nordostkrater und abrupten Änderungen von Tremor und Infraschall passt zu einem komplexen, sich neu organisierenden Fördersystem. Die aktuelle Beruhigung der Voragine bedeutet daher nicht zwangsläufig eine nachhaltige Entspannung des Vulkans. Möglicherweise wird uns der Ausbruch noch länger beschäftigen.

Ätna: Wiederaufgelebte Ascheeruption stört Flugverkehr

Aschewolke stört Flugverkehr am Ätna – weitere Spaltenöffnung erzeugte pyroklastischen Dichtestrom

Am Ätna hat sich die eruptive Aktivität ein weiteres Mal deutlich verstärkt. Seit dem Abend des 16. August werden wieder intensive Ascheeruptionen registriert, deren Auswirkungen auch auf den Flugverkehr der Region übergreifen. Das VAAC Toulouse setzte den Alarmcode für den Flugverkehr auf Rot. Eine am 17. August um 09:00 UTC beobachtete Aschewolke erreichte nach Angaben des VAAC etwa 7000 Meter über dem Meeresspiegel und driftete mit fast 40 km/h nach Südosten. Die Aschekonzentration ist vor allem im Umkreis von 100 Kilometern um den Vulkan hoch.

Am Flughafen Catania wurde deshalb die Einschränkung des Flugbetriebs verlängert. Im Sektor B1 dürfen bis Dienstagmittag, 18. August, nur noch zehn ankommende Flugzeuge pro Stunde abgefertigt werden. Abflüge sind dagegen nicht eingeschränkt. Reisende werden aufgefordert, vor der Fahrt zum Flughafen den Status ihrer Flüge zu überprüfen. Vor allem sollte man bedenken, dass nur Flugzeuge, die in Catania landen konnten, auch wieder abheben können. Von daher täuschen die Informationen des Flughafens oft über die tatsächliche Lage hinweg: Trotz der vermeintlichen freien Startmöglichkeit für Flugzeuge gibt es starke Einschränkungen auch bei den abgehenden Flügen.

Neben der explosiven Aktivität des Voragine-Kraters hat sich die effusive Aktivität im Valle del Bove weiterentwickelt. Das INGV dokumentierte am 17. August um 06:09 UTC die Öffnung einer neuen effusiven Spalte im Valle del Bove, die sich auf einem Höhenniveau zwischen 2200 und 2350 Metern befindet. Aus der neu entstandenen Öffnung trat nicht nur Lava aus, sondern im Initialstadium der Öffnung wurde von zahlreichen Beobachtern ein kleiner pyroklastischer Dichtestrom dokumentiert. Das Phänomen tritt bei den meisten Öffnungen neuer Eruptionsspalten auf und kann unter Umständen gefährlich werden. Daher sollte man es tunlichst unterlassen, das Valle del Bove unterhalb der Eruptionszentren zu betreten.

Auch die Lavaströme aus den Ausbruchsöffnungen auf etwa 2750 und 1990 Metern werden weiterhin gespeist; ihre Front erreichte rund 1395 Meter Höhe.

Die Messdaten bestätigen die erneute Verstärkung der Eruption. Der vulkanische Tremor stieg am 16. August auf hohe Werte und blieb anschließend trotz leichter Schwankungen auf erhöhtem Niveau. Die Tremorquellen konzentrierten sich im Bereich der Voragine. Die Infraschallaktivität schwankte stark. Das INGV registrierte zudem Veränderungen an einzelnen Neigungsmessstationen mit Werten zwischen 0,5 und 2 µrad, obwohl das GNSS-Netz keine signifikanten Veränderungen zeigte. Die Hangneigung nimmt infolge der Deflation durch die Lavaförderung ab.

Was mich persönlich bei den Daten des INGV verwundert, ist der Umstand, dass zwar von Deflation gesprochen wird, aber in den wöchentlichen Zustandsberichten zum Ätna nie die Rede von Inflation ist. Wird tatsächlich Lava gefördert, deren Magmen sich bereits seit Jahrzehnten im flachen Speicherreservoir des Ätnas befinden, oder wird Magmaaufstieg explizit nicht erwähnt, wohlmöglich um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen?