Griechenland: Starke Unwetter richten Überflutungen an

Schwere Unwetter verwüsten Teile Griechenlands – warmes Mittelmeer als Verstärker

Teile Griechenlands werden seit gestern von starken Unwettern getroffen, die Starkregen und Orkanböen mit sich bringen und Überflutungen und Erdrutsche verursachen. Es entstanden erhebliche Schäden an öffentlicher Infrastruktur und privaten Gebäuden. Besonders betroffen sind die Sporaden, Euböa und die Region Athen. Auslöser ist ein langsam ziehendes Tiefdruckgebiet. Das außergewöhnlich warme Mittelmeer gilt als Verstärker der Niederschläge.

Mylos

Am 14. Oktober 2026 kämpfen zahlreiche Regionen Griechenlands mit den Folgen schwerer Unwetter. Auf der Insel Skiathos verwandelten sich Straßen in reißende Wasserläufe. Überflutungen beschädigten Häuser und Geschäfte und geparkte Autos wurden von den Wassermassen fortgerissen. Auf der Nachbarinsel Skopelos kam es zudem zu Stromausfällen. Die Behörden erwägen, Skiathos zum Katastrophengebiet zu erklären.

Auf Euböa trat der Fluss Kireas über die Ufer. Eine wichtige Straßenverbindung in Richtung Chalkida musste gesperrt werden. Bei Politika stürzte eine Brücke ein. Auch in der Region Attika mit der Hauptstadt Athen verursachten Starkregen und umgestürzte Bäume enorme Verkehrsprobleme. Auf Rhodos wurden Straßen überflutet und Busverbindungen zeitweise eingestellt.

Langsam ziehendes Tief bringt Starkregen und Sturm

Meteorologischen Angaben zufolge werden die Unwetter von einem ausgedehnten Tiefdruckgebiet mit Frontensystemen über der zentralen Ägäis ausgelöst. Das Tief bewegt sich nur langsam nach Südosten. Gleichzeitig liegt höherer Luftdruck über dem zentralen Balkan. Die daraus entstehenden Druckunterschiede sorgen für starke nördliche bis nordöstliche Winde. Im Ägäischen Meer erreichen sie örtlich Stärke 9 bis 10 Beaufort. Zahlreiche Fährverbindungen mussten deshalb ausgesetzt werden.

Bereits vor dem Durchzug des Tiefs prognostizierten die Wetterdienste 50 bis 150 Millimeter Niederschlag auf den Quadratmeter. Besonders hohe Regenmengen wurden für die Sporaden erwartet. Wo Gewitter stundenlang über dieselben Gebiete kreisen, können Flüsse und Bäche binnen kurzer Zeit anschwellen. Versiegelte Flächen und enge Täler begünstigen dabei den schnellen Abfluss des Wassers.

Warmes Mittelmeer liefert zusätzliche Feuchtigkeit

Ein möglicher Verstärker ist das außergewöhnlich warme Mittelmeer. Im September erreichte die mittlere Meeresoberflächentemperatur nach einer Auswertung von Klimadaten 27,34 Grad Celsius und damit einen neuen Rekord für diesen Monat. Über warmem Wasser verdunstet mehr Feuchtigkeit, die in die Atmosphäre gelangt. Wird diese feuchtwarme Luft angehoben, kann sie kräftige Niederschläge begünstigen.

Griechenland: Erdbebenserie zwischen Kreta und Kasos

Erdbebenserie zwischen Kreta und Kasos – spürbare Erschütterungen in der Nacht

In der Nacht zum 7. Oktober hat sich im Meeresraum zwischen Ostkreta und der Insel Kasos eine kleine, aber deutlich spürbare Erdbebenserie manifestiert. Das stärkste Ereignis ereignete sich um 02:43 Uhr Ortszeit und erreichte nach der revidierten Berechnung des Geodynamischen Instituts des Nationalen Observatoriums Athen eine Magnitude von 4,1. Das Epizentrum lag 29 Kilometer westlich von Kasos und 41 km nordöstlich von Palekastro (Kreta). Die Herdtiefe wurde mit 14,5 Kilometern angegeben.

Shakemap © EMSC/Leaflet

Nur sieben Minuten später, um 02:50 Uhr, folgte ein weiteres Beben der Magnitude 3,9. Sein Epizentrum lag 28 Kilometer westlich von Kasos, die Herdtiefe bei etwa 13 Kilometern. Danach setzte sich die Aktivität mit weiteren schwachen Erdbeben fort. Bis zum Vormittag wurden insgesamt acht Erschütterungen zwischen Magnitude 2,4 und 4,1 registriert.

Die Daten vom EMSC kommen teilweise zu etwas anderen Ergebnissen. Für das Beben um 02:50 Uhr wurde eine Magnitude von 4,2 angegeben. Die Abweichungen sind bei solchen regionalen Ereignissen nicht ungewöhnlich.

Die Erschütterungen wurden vor allem in der näheren Umgebung der Epizentren verspürt. Berichte sprechen von schwach wahrnehmbaren Bodenbewegungen auf Kasos und im östlichen Kreta. Auf Kreta wurden insbesondere in Sitia und Palekastro Erschütterungen mit einer schwachen Intensität von etwa MMI III angegeben; in Agios Nikolaos, Ierapetra und Heraklion war die Bewegung deutlich schwächer. Schäden oder Verletzte wurden nicht gemeldet.

Tektonisch liegt das Epizentrum in einer besonders komplex gegliederten Störungszone des Kreta-Kasos-Beckens, einem mehr als 50 Kilometer langen, SW-NE gestreckten Tiefseebecken zwischen Ostkreta und Kasos. Das Becken wird von großen SW-NE verlaufenden Randverwerfungen sowie untergeordneten SSW-NNE orientierten Störungen begrenzt und durch diese in mehrere, bis etwa 2.800 Meter tiefe Teilbecken gegliedert. Die Störungen stehen mit der großräumigen Tektonik des östlichen Hellenischen Bogens in Verbindung, wo die Afrikanische Platte unter die Ägäische Mikroplatte abtaucht, ein Prozess, der in der gesamten Region zu Spannungen in den Erdkrustensegmenten führt und Erdbeben auslöst.

Bei Kasos traten bereits früher deutlich stärkere Erdbebenserie auf. Eine der markantesten Erschütterungen stammte von einem Mw-6,1-Beben im Jahr 2015, das gleich durch verschiedene Bewegungen entlang komplexer Störungszonen entstand.

Kreta: Unwetter verursacht katastrophale Überflutungen

Starkregen verursacht auf Kreta katastrophale Überschwemmungen und Erdrutsche

Schwere Gewitter und Starkregen haben auf der griechischen Ferieninsel Kreta seit Mittwochabend für starke Schäden und Verkehrsbehinderungen gesorgt. Besonders betroffen ist das Bergland von Mylopotamos im Norden der Insel. In den Orten Zoniana, Livadia und Axos verwandelten sich Straßen zeitweise in reißende Bäche. Wasser, Schlamm und Geröll drangen in Häuser ein und verschütteten Zufahrten. Einsatzkräfte sind mit schwerem Gerät unterwegs, um Straßen freizuräumen und die Erreichbarkeit der Ortschaften wiederherzustellen.

Kreta

In Livadia wurde eine Brücke im Bereich des Klosters Dioskouri durch die Wassermassen beschädigt. Ein Fahrzeug stürzte in das Flussbett, wobei zwei Menschen verletzt wurden. Auch die Verbindung zwischen Axos und Anogia wurde unterbrochen. Gleichzeitig kam es in mehreren Orten zu Stromausfällen. In Zoniana rissen die Wassermassen mehrere Strommasten um.

Besonders große Regenmengen wurden auf dem Lasithi-Plateau registriert. In Tzermiado fielen bis Donnerstagmorgen 174 Millimeter Niederschlag. Erdrutsche und Felsstürze behinderten den Verkehr. Auch in der Umgebung der Inselhauptstadt Heraklion kam es zu Überschwemmungen. In Palaikastro bei Sitia standen mehrere Fahrzeuge unter Wasser.

Die ablaufenden Wassermassen strebten Richtung Meer und setzten auch Küstenorte unter Wasser. Dabei wurden Fahrzeuge bis ins Meer mitgerissen. Hinzu kam eine starke Brandung, die entlang von Küstenpromenaden Schäden verursachte.

Die Behörden haben angesichts der anhaltenden Unwetter Schutzmaßnahmen eingeleitet. Für besonders gefährdete Bergregionen mit beliebten Wanderwegen und Schluchten gilt bis einschließlich Sonntag ein Verkehrs- und Aufenthaltsverbot, von dem viele Urlauber betroffen sein dürften. Der Zivilschutz warnte per 112 (Cell Broadcast, SMS und eMail) vor Fahrten in den betroffenen Gebieten. Es werden weiterer Gewitter und Starkregen erwartet.

Unwetter in anderen Mittelmeerregionen

Die Unwetter sind Teil einer großräumigen Starkregenlage im Mittelmeerraum. In Südfrankreich sorgte der erste markante Mittelmeer-Starkregen der Saison für extreme Niederschlagsmengen von bis zu 337,6 Millimetern in Saint-Hippolyte-du-Fort; Gard und Hérault waren zeitweise unter roter Warnstufe. Auch im Osten Spaniens verschärfte sich die Lage: Für Valencia, Castellón und Tarragona galt wegen drohender torrentialer Regenfälle die höchste Warnstufe. Regional wurden mehr als 150 Millimeter in sechs Stunden erwartet, während der Bahnverkehr in Valencia teilweise eingestellt wurde.

Obwohl die Unwetter im Mittelmeerraum verheerend verliefen und lokale Naturkatastrophen verursachten, fehlen einige Merkmale zu einem Medicane. Dennoch beschreibt der DWD die Wetterlage als erste großräumige Unwetterlage des Herbstes, die mehrere Mittelmeerbecken betrifft.

Griechenland: Erdbeben Mb 4,8 vor Kefalonia

Erdbeben Mb 4,8 vor griechischer Insel Kefalonia löste Nachbebenschwarm aus

Vor der griechischen Insel Kefalonia hat sich am 12. und 13. September 2026 ein Nachbebenschwarm entwickelt, dem am 12. September um 17:51 UTC ein stärkstes Erdbeben vorangegangen war. Nach Angaben des EMSC hatte dieses Beben eine Magnitude von 4,8. Das Hypozentrum lag in 10 Kilometern, gut 23 Kilometer westlich von Argostoli.

Kefalonia. © EMSC/Leaflet

In den folgenden Stunden registrierten die Seismometer zahlreiche weitere Erschütterungen. Darunter waren Beben der Magnituden 2,5 bis 2,8 in unmittelbarer Umgebung des Hauptbebens. Am 13. September folgten unter anderem Beben mit M3,0 um 05:34 UTC sowie ein M2,7 um 04:18 UTC. Die Aktivität konzentriert sich dabei auf einen Bereich westlich und südwestlich von Kefalonia.

Das Hauptbeben wurde auf der gesamten Insel deutlich wahrgenommen. Besonders zahlreiche Meldungen gingen aus Lixouri und Argostoli ein. Bewohner beschrieben kurze, teilweise kräftige Erschütterungen, Möbelbewegungen und ein Schwanken von Gebäuden. In Lixouri berichteten Augenzeugen sogar von einem dumpfen Geräusch unmittelbar vor dem Beben. In Argostoli wurden unter anderem schwankende Möbel und Vibrationen von mehreren Sekunden Dauer beobachtet. Erschütterungen wurden außerdem auf Zakynthos, Lefkada und bis in die Regionen von Agrinio und Patras registriert. Schäden wurden in den bisher vorliegenden Meldungen nicht angegeben.

Die Region gehört zu den aktivsten Erdbebengebieten Griechenlands. Tektonisch betrachtet liegt Kefalonia an der gleichnamigen Transformstörung, einem bedeutenden Blattverschiebungssystem am westlichen Ende der Hellenischen Subduktionszone. Die Störung nimmt die Bewegungen zwischen der Ionischen Platte im Westen und der Ägäis auf. Entlang der Störungszone treten überwiegend dextrale Seitenverschiebungen auf.

Bemerkenswert ist, dass die Region auch in jüngerer Vergangenheit wiederholt Schwarmbebenaktivität zeigte. Besonders gut untersucht ist ein Erdbebenschwarm nördlich von Kefalonia im Februar 2024. Dabei wurden innerhalb von etwa zwei Monaten rund 2495 schwache bis moderate Erdbeben registriert. Studien deuteten unter anderem auf eine mögliche Beteiligung von magmatischen Fluiden im Untergrund hin.

Noch wesentlich stärker war die Erdbebenserie von 2014 mit zwei schweren Beben der Magnituden 6,1 und 6,0. Auch 2015 erschütterte ein M6,4 die benachbarte Region von Lefkada.

Der aktuelle Schwarm ist damit zunächst als tektonische Aktivität an einem ohnehin hochaktiven Störungssystem einzuordnen. Ob sich das Schwarmbeben weiter intensiviert, bleibt abzuwarten.

Griechenland: Deutlich spürbares Erdbeben im Westen

Deutlich spürbares Erdbeben der Magnitude 4,5 erschüttert den West von Griechenland

Datum: 08.09.2026 | Zeit: 07:46:32 UTC | Koordinaten: 38.540 ; 21.360 | Tiefe: 18 km | Mb 4,5

Ein Erdbeben der Magnitude 4,5 hat am 8. September 2026 um 10:46 Uhr Ortszeit den Westen Griechenlands erschüttert. Nach Angaben des EMSC lag das Epizentrum 10 Kilometer südwestlich von Agrinio und 46 Kilometer nordwestlich von Patras. Das Hypozentrum wurde in 18 Kilometern Tiefe bestimmt. Der Erdstoß wurde von den Anwohnern der Region und darüber hinaus wahrgenommen. Größere Schäden entstanden nicht.

Griechenland. © EMSC

In der nahe gelegenen Stadt Agrinio wurde der Erdstoß besonders deutlich wahrgenommen. Mehrere Beobachter beschrieben ein kräftiges, teilweise mehrere Sekunden dauerndes Rütteln. In einem Fall sollen durch die Erschütterungen sogar Gegenstände aus einem Regal gefallen sein. Andere Bebenzeugen berichteten von einem einzelnen starken Stoß, der Gebäude und Fensterscheiben zum Klirren brachte.

Auch im gut 50 Kilometer entfernten Patras wurde das Beben registriert. Dort beschrieben Bewohner kurze, abrupte Erschütterungen; in einem Fall gerieten auf einem siebten Stockwerk Möbel in Bewegung. Wahrnehmungsmeldungen liegen außerdem aus Ithaka und dem 100 Kilometer entfernten Laganas auf Zakynthos vor.

Tektonisch betrachtet ereignete sich das Beben an einer Störung des Aetolia-Akarnania-Fault-Systems. Sie befindet sich in einer seismisch ausgesprochen aktiven Übergangszone am westlichen Ende des Korinth-Rifts, wo die Dehnungstektonik des Golfs von Korinth und komplexe Störungsbewegungen im Übergangsbereich zum Ionischen Raum aufeinandertreffen. Während im eigentlichen Rift vor allem ost-west-streichende Abschiebungen die Nord-Süd-Dehnung aufnehmen, treten westlich davon auch Blattverschiebungen auf. Studien zeigen insbesondere im Raum zwischen Patras und dem Trichonida-Becken eine komplizierte Kombination aus Abschiebungs- und Scherbewegungen, die immer wieder zu Erdbeben führen. So kam es im Jahr 2007 zu einem ausgeprägten Erdbebenschwarm nahe des Trichonis-Sees, dessen stärkste Erschütterungen bis in den Fünfer-Magnitudenbereich reichten.

Das Beben passt damit grundsätzlich zur aktiven Deformation Westgriechenlands. Mit Magnitude 4,5 war es deutlich spürbar, blieb aber weit unter der Größenordnung schwerer Schadensbeben.

Santorin: Neue Studien zur seismomagmatischen Krise von 2025

Analyse tiefer Tremorsignale und gravimetrische Messungen bestätigt magmatischen Ursprung der Erdbebenkrise 2025 bei den Vulkanen Santorin und Kolumbos

Die große Erdbebenkrise auf Santorin Anfang 2025 war wesentlich stärker von Magmenbewegungen geprägt als von rein tektonischen Prozessen. Zu diesem Ergebnis kamen bereits zwei Studien, über die Vnet im vergangenen Jahr berichtet hatte. Neue Untersuchungen von Tremorsignalen und gravimetrische Messungen liefern nun weitere Hinweise darauf, dass im Untergrund des griechischen Vulkansystems tatsächlich Magma aktiv war.

Santorin

Die Krise begann Ende Januar 2025 und dauerte gut 45 Tage. Zehntausende Erdbeben erschütterten die Region nordöstlich von Santorin, einige davon mit Magnituden über 5. Gleichzeitig verlagerte sich die Aktivität ausgehend von den Vulkanen Santorin und Kolumbos über mehr als zehn Kilometer in Richtung der Insel Anydros. Besonders auffällig war der starke Tremor am 14. Februar, der bereits damals auf einen vulkanischen Einfluss hindeutete.

Eine im September 2025 veröffentlichte Studie zeigte anschließend, dass ein etwa 13 Kilometer langer Magmengang für die außergewöhnliche Seismizität verantwortlich war. Aus einem mitteltiefen Reservoir im Bereich des Unterwasservulkans Kolumbos stieg Magma auf und drang als Dyke in die Kruste ein. Der Gang erreichte den Meeresboden jedoch nicht, sondern stoppte in wenigen Kilometern Tiefe, kurz bevor ein submariner Vulkanausbruch ausgelöst wurde. Auf seinem Weg aktivierte die Intrusion vorhandene Störungszonen und löste dadurch die gewaltige Erdbebenserie aus. Mehr als 28.000 Erschütterungen konnten in der Studie identifiziert werden.

Damit war bereits klar, dass die Tektonik zwar eine Rolle bei der Entstehung der Beben spielte, die treibende Kraft aber im Magmensystem zu suchen ist. Eine weitere, Anfang 2026 vorgestellte Studie zeigte zudem, dass Santorin und Kolumbos auch über geologische Zeiträume hinweg miteinander gekoppelt sind. Bohrungen am Meeresboden belegten zeitliche Zusammenhänge zwischen den Eruptionsphasen beider Vulkansysteme.

Tiefer Tremor liefert neues Indiz

Tremorquellen

Eine jetzt in Geophysical Research Letters erschienene Untersuchung von Soubestre und Kollegen nimmt die seismischen Signale der Krise noch einmal detailliert unter die Lupe. Die Forscher unterscheiden zwei unterschiedliche Tremor-Typen. Einer entstand durch die extrem dichte Abfolge kleiner Erdbeben und ist damit im Grunde ein Produkt der Seismizität selbst. Der zweite Tremor-Typ ist dagegen wesentlich interessanter: Seine Signale wiesen niedrige Frequenzen auf und stammen aus Tiefen von 8 bis 25 Kilometern. Sie lassen sich nicht durch eine Überlagerung gewöhnlicher Erdbeben erklären.

Insgesamt identifizierten die Wissenschaftler elf Episoden dieses tiefen Tremors. Sie traten zwischen dem 7. und 19. Februar auf. Eine der Episoden fiel auf den 14. Februar, als der besonders starke Tremor in der Region registriert wurde.

Die Lage der Tremorquellen im Bereich der mittleren Erdkruste passt gut in das Bild, in dem geophysikalische Untersuchungen bereits Schmelze in einem Reservoir nachgewiesen hatten. Als mögliche Ursachen des tiefen Tremors kommen Bewegungen von Magma oder magmatischen Fluiden und Druckänderungen innerhalb des Speichers infrage. Die Forscher wiesen in ihrer Studie allerdings darauf hin, dass sich der genaue Mechanismus hinter der Entstehung des Tremors allein aus ihren Daten heraus nicht eindeutig bestimmen lässt.

Auch die Gravimetrie passt ins Bild

Gravimetrie

Eine weitere aktuelle Studie von Jan Mrlina & Vassilis Sakkas, die erst am 6. Septemberbei Springer veröffentlicht wurde, ergänzt die seismischen Beobachtungen durch gravimetrische Messungen. Sie zeigt bereits vor der eigentlichen Erdbebenkrise Veränderungen des Schwerefeldes, die mit der zuvor beobachteten Inflation Santorins im Zusammenhang standen. Während der Krise änderten sich die Signale, wobei neben dem Einfluss der magmatischen Intrusion auch Fluide im Bereich der Kolumbo-Störungszone eine Rolle gespielt haben könnten.

Parallel zur Schweremessung untersuchten die Forscher auch das Deformationsmuster Santorins und stellten fest, dass es während der Hauptphase der Krise eine Subsidenz gab. Nach der Krise kehrte sich das Muster wieder um und der Boden began sich zu heben, teilweise sogar schneller als vor der Krise. Diese Bodendeformationen werden als nahezu aseismische Öffnung des Santorin-Amorgos-Grabens interpretiert und könnten darauf hindeuten, dass weiterhin Magma in die flache Kruste intrudiert.

Ein einheitliches Bild der Krise bei Santorin

Betrachtet man alle Studien zusammen, entsteht ein zunehmend konsistentes Bild vom Hergang der Krise: Zunächst kam es zu einer Zufuhr und Akkumulation von Magma im Magmasystem unter Santorin beziehungsweise im gekoppelten System von Santorin und Kolumbos. Dies führte zu einer messbaren Bodenhebung. Anschließend setzte eine größere Magmenintrusion ein, die nach dem derzeitigen Modell von einem mitteltiefen Magmenreservoir unter dem submarinen Kolumbo-Vulkan ausging. Das in die Erdkruste eindringende Magma aktivierte vorhandene Störungen und verursachte die massive Erdbebentätigkeit. Gleichzeitig wurden im Bereich des mitteltiefen Magmenreservoirs tiefe Tremorsignale registriert, die auf dort ablaufende magmatische Prozesse hindeuten. Damit zeichnet sich zunehmend ab, dass es sich bei dem magmatischen System von Santorin und Kolumbos nicht einfach um zwei miteinander gekoppelte Magmenkörper handelt, sondern um eine komplexe, verzweigte und vielschichtige Magmendomäne, in der verschiedene Magmenreservoirs und Zufuhrwege miteinander interagieren.

Der Magmenaufstieg begann in rund 18 Kilometern Tiefe und stoppte zunächst ca. 11,5 km unter der Oberfläche. Von dort aus breitete sich ein magmatischer Gang 13 Kilometer weit nach Nordosten aus. Dabei erreichte die Intrusion eine Tiefe von etwa 3 bis 5 Kilometern unter dem Meeresboden, bevor sie zum Stillstand kam, ohne dass sich eine Eruption ereignete.

Die neuen Ergebnisse machen damit die Interpretation der Santorin-Krise zunehmend eindeutig: Es handelte sich nicht um eine gewöhnliche tektonische Erdbebenserie. Die Krise wurde offenbar durch Magmenbewegungen ausgelöst, während die vorhandenen Störungen die Energie in Form tausender Erdbeben freisetzten. Der nun nachgewiesene tiefe Tremor liefert dafür einen weiteren wichtigen Beleg und zeigt, dass auch das tieferliegende Magmenreservoir während der Krise aktiv war.

Quellen:
1) Soubestre et al. (2026), Geophysical Research Letters, DOI: 10.1029/2025GL119853;
2) Mrlina, J. & Sakkas, V. (2026) Pure and Applied Geophysics. DOI: 10.1007/s00024-026-04085-x.
3) Isken et al. (2025), Nature 645, 939–945, DOI: 10.1038/s41586-025-09525-7.

Griechenland: Erdbeben Mw 5,1 südwestlich von Kreta

Erdbeben südwestlich von Kreta erschütterte weite Teile der Insel und erzeugte zahlreich Wahrnehmungsmeldungen

Datum: 20.06.2026 | Zeit: 09:37:26 UTC | Koordinaten: 34.813 ; 24.133 | Tiefe: 13 km | Mw 5,1

Ein Erdbeben der Magnitude 5,1 hat am Samstagmittag weite Teile der kretischen Inselwelt erschüttert. Nach Angaben des EMSC ereignete sich das Beben um 12:37 Uhr Ortszeit südwestlich der Insel, an der Küste von Gavdos. Hierbei handelt es sich um eine Kreta vorgelagerten Insel. Das Epizentrum lag 108 Kilometer südwestlich von Heraklion und 69 Kilometer südsüdwestlich von Rethymno. Das Hypozentrum befand sich in einer Tiefe von etwa 13 Kilometern. Wenige Minuten vor dem Erdbeben hatte sich ein Vorbeben Mb 4,7 ereignet.

Kreta. © EMSC

Obwohl die Magnitude im mittleren Bereich lag, wurde das Beben in einem großen Umkreis um das Epizentrum wahrgenommen. Dem EMSC liegen Meldungen aus 350 Kilometer Entfernung vor. Zahlreiche Bewohner meldeten spürbare Erschütterungen aus vielen Regionen Kretas. Besonders viele Wahrnehmungsberichte gingen aus Chaniá und umliegenden Orten ein. Die Bebenzeugen beschrieben ein plötzliches, kräftiges Rütteln von Gebäuden, klirrende Gegenstände, was kurzzeitig zu Verunsicherung führte. Einige berichteten von einer sich schnell ausbreitenden horizontalen Bewegung, andere von einem kurzen, aber markanten Stoß, der viele Menschen aus ihren alltäglichen Aktivitäten aufschreckte.

Schäden oder Verletzte wurden nicht gemeldet. Dennoch wird die Bevölkerung durch solche mittelschweren Erdbeben regelmäßig an die hohe seismische Aktivität der Region erinnert.

Vor Kreta verläuft eine der bedeutendsten tektonischen Störungszonen Europas, an der unser Kontinent mit Afrika kollidiert. Dadurch gerät Afrika quasi unter die Räder Europas und taucht unter dem Kontinent ab. Dieser Subduktion genannte Prozess läuft entlang des Hellenischen Bogens südlich von Kreta ab und ist maßgeblich für die Erdbeben der Region verantwortlich, selbst wenn sich manche Erdbeben an lokalen Störungszonen ereignen.

Für die Wissenschaft liefern solche mittelstarken Erdbeben wichtige Daten über die Dynamik der Subduktionszone und die fortlaufende geologische Entwicklung des Hellenischen Bogens.

Griechenland: Spürbares Erdbeben vor der Südwestküste

Spürbares Erdbeben vor der Südwestküste Griechenlands – Magnitude wurde von 5,2 auf 4,9 korrigiert

Am Sonntagabend erschütterte um 21:17 Uhr Ortszeit ein mittelstarkes Erdbeben die südwestliche Küstenregion des Peloponnes in Griechenland. Nach den aktuellen seismologischen Daten lag das Epizentrum im Meer südlich der Halbinsel Messinien, etwa 24 Kilometer südwestlich von Pylos und rund 169 Kilometer südlich von Patras. Der Erdbebenherd befand sich in einer Tiefe von 10 Kilometern. Die Magnitude wurde zunächst mit 5,2 angegeben, inzwischen aber auf 4,9 reduziert.

Griechenland. © EMSC/Leaflet

Das Erdbeben ist als mittelstark einzustufen. Die Erschütterung wurde in der unmittelbaren Umgebung deutlich wahrgenommen. Besonders zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen gingen aus dem Küstenort Methóni ein, der 17 Kilometer nordöstlich des Epizentrums liegt.

Mehrere Bebenzeugen berichteten, ein tiefes Grollen gehört zu haben, das den eigentlichen Erschütterungen vorauseilte. Ein Bewohner schilderte gegenüber der EMSC, dass die Hügel zunächst „gerumpelt“ hätten, bevor ein Stoß zu spüren gewesen sei, der sich „in Richtung Meer“ bewegt habe. Ein anderer Zeuge berichtete von lautem Grollen und einem kurzen, kräftigen Knall, bevor das Haus gefühlt „zwei Zentimeter hin und her“ geschwankt habe. Die Beschreibungen deuten auf eine kurze, aber heftige Erschütterung hin, wie sie für relativ flache Erdbeben typisch ist.

Tektonisch lässt sich das Beben einer der aktivsten Erdbebenregionen Europas zuordnen. Südlich des Peloponnes verläuft die Hellenische Subduktionszone, an der die Afrikanische Platte mit einer Geschwindigkeit von mehreren Zentimetern pro Jahr unter die Ägäische Mikroplatte abtaucht. Die dabei entstehenden Spannungen werden regelmäßig in Form von Erdbeben freigesetzt. Neben tiefen Ereignissen innerhalb der abtauchenden Platte treten dort auch flachere Beben in der oberen Erdkruste auf, die aufgrund ihrer geringen Herdtiefe oft besonders deutlich wahrgenommen werden.

Hinweise auf größere Schäden oder Verletzte liegen nicht vor. Angesichts der tektonischen Situation muss man in den kommenden Tagen mit Nachbeben rechnen.

Griechenland: Erdbeben Mb 5,2 erschüttert Euböa

Mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 5,2 erschüttert in Griechenland Nord-Euböa und Athen – Leichte Schäden und Erdrutsche gemeldet

Datum: 07.06.2026 | Zeit: 10:02:50 UTC | Koordinaten: 38.769 ; 23.379 | Tiefe:  10 km | Mb 5,2

Ein Erdbeben der Magnitude 5,2 hat am Sonntagmittag die griechische Insel Euböa erschüttert und wurde in große Teile Mittel- und Südgriechenlands deutlich wahrgenommen. Nach Angaben seismologischer Dienste ereignete sich das Hauptbeben um 10:02 UTC (13:02 Ortszeit) mit einem Epizentrum 5 Kilometer ost-nordöstlich von Limni im Norden Euböas. Die Markierung auf der EMSC Shakemap weicht von der Verortung allerdings deutlich ab. Die Herdtiefe wird aktuell mit rund 10 Kilometern angegeben, womit das Beben als relativ flach einzuordnen ist und entsprechend deutlich an der Oberfläche wahrgenommen wurde. Griechische Erdbebendienste geben die Herdtiefe mit 5 Kilometer an.

Griechenland (Euböa). © EMSC/Leaflet

Dem Hauptstoß gingen mehrere schwächere Beben voraus, darunter ein Ereignis der Magnitude 4,8 sowie weitere Vorbeben im Bereich von 4,3 bis 3,0. In den Minuten und Stunden nach dem Hauptbeben setzte zudem ein dichter Nachbebenschwarm ein, der zahlreiche Erschütterungen zwischen Magnitude 2,5 und 3,6 umfasste. Diese Sequenz deutet klar auf eine klassische Foreshock–Mainshock–Aftershock-Abfolge entlang einer lokal begrenzten Störungszone hin.


Die Erschütterungen waren in weiten Teilen Griechenlands deutlich spürbar, darunter in der Region Attika und der Hauptstadt Athen, wo viele Bewohner von vibrierenden Fenstern und kurzzeitiger Verunsicherung berichteten. In der Nähe des Epizentrums erreichten die Bodenbewegungen hingegen deutlich höhere Intensitäten.

Besonders betroffen war der Norden Euböas, wo es infolge der starken Bodenbeschleunigungen zu mehreren Erdrutschen kam. Nach Angaben lokaler Behörden wurden Straßen in bergigen Gebieten teilweise blockiert, während Einsatzkräfte mit der Räumung und der Überprüfung der Infrastruktur beschäftigt waren. Größere Gebäudeschäden oder Verletzte wurden bislang nicht gemeldet. Es kam jedoch zu vereinzelten Rissen in Wohngebäuden und kleineren Schäden an älteren Bauwerken. Laut einem Medienbericht sollen auch einige Gebäudemauern eingestürzt sein.

Tektonisch betrachtet ereignete sich das Erdbeben in der geologisch hochaktiven Ägäis-Region, die durch die Subduktion der Afrikanischen Platte unter die Eurasische Platte geprägt ist. Nord-Euböa befindet sich innerhalb einer ausgedehnten Dehnungszone mit zahlreichen aktiven Normalstörungen. Diese Strukturen führen regelmäßig zu seismischen Schwärmen und moderaten Erdbeben, die durch Krustendehnung in der obersten Erdschicht ausgelöst werden. Das aktuelle Ereignis passt in dieses bekannte Muster aktiver extensionaler Tektonik.

Update 19:30 Uhr: Auf der EMSC-Shakemap werden inzwischen weitere Erdbeben in dem beschriebene Bereich angezeigt, die sich tatsächlich zeitnahe mit den anderen ereignete. Darunter ein Beben Mb 5,5, das vor der Südküste von Euböa lag.