Gletscherlauf auf Island am 29.08.23

Gletscherlauf im isländischen Fluss Skaftá hat begonnen

Heute Nacht begannen im isländischen Fluss Skaftá Wasserpegel und elektrische Leitfähigkeit zu steigen. Die Wissenschaflter vom IMO nehmen das als Indiz, dass ein Gletscherlauf begonnen hat. Die Skaftá entwässert den Gletscher Vatnajökull und das zusätzliche Wasser stammt aus zwei subglazialen Kavernen, in denen sich Schmelzwasser des Vulkans Grimsvötn sammelt. Durch die Erdwärme, die unter Grimsvötn überwiegend an Fumarolen entweicht, wird das Eis geschmolzen. Ob beide Kavernen entwässern, oder ob nur eine den Gletscherlauf verursacht, ist bis jetzt unklar und Gegenstand weiterer IMO-Untersuchungen. Die Frage ist nicht nur von akademischer Bedeutung, denn durch Druckentlastung des abfließenden Schmelzwassers könnte ein Ausbruch des Vulkans Grimsvötn getriggert werden. Dabei ist das Ausbruchsrisiko größer, wenn die östlich gelegene Kaverne Eystri-Skaftárkatl entwässert, da sie näher am Vulkan als die westliche Kaverne Vestari liegt.

Der Wasserdurchfluss betrug gestern Abend 600 Kubikmeter pro Sekunde und zeigte eine steigende Tendenz. Bei großen Gletscherläufen geht nicht nur eine Gefahr von einem drohenden Vulkanausbruch aus, sondern das Wasser selbst kann Zerstörungen anrichten. Neben Überflutung der Ringstraße könnten im Extremfall auch Dämme und Brücken zerstört werden.

Der letzte große Gletschelauf, bei dem beide Kavernen entwässerten, war vor gut 2 Jahren. Damals hielt ich mich wegen der ersten Fagradalsfjall-Eruption auf Island auf und konnte den Gletscherlauf fotografieren. Ein Ausbruch des Grimsvötn blieb aber aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas jetzt passiert, halte ich für vergleichsweise gering: Eine Eruption des Vulkans ist zwar genauso überfällig wie Eruptionen von Katla und Hekla, allerdings war Grimsvötn in den letzten Monaten vergleichsweise ruhig. Dennoch könnte sich Magma im Untergrund befinden, denn in den letzten Jahren gab es vor der aktuellen Ruhephase inflationsbedingte Bodenhebung.

Vulkan-News am 29.08.23: Popocatepetl

Popocatepetl: Aschewolke und Tremor

Staat: Mexiko | Lokation: 19.028, -98.62 | Aktivität: Asche-Eruptionen

Am mexikanischen Vulkan Popocatepetl bleibt der Tremor weiterhin erhöht. Gestern berichtete CENAPRED von einem insgesamt 349 Minuten lang anhaltenden Tremor. Es wurden jedoch nur 9 Asche-Dampf-Exhalationen beobachtet. Dafür wurde heute eine Aschewolke gemeldet, die laut VAAC eine Höhe von 7600 m erreichte und in nordwestliche Richtung getragen wurde. Auf nächtlichen Live-Webcam-Bildern ist eine beleuchtete Dampfwolke sichtbar, was darauf hinweist, dass sich glühende Lava im Schlot befindet oder sogar ein Lavakuppel wächst.


Phreatische Eruptionen am Rincon de la Vieja

Staat: Costa Rica | Koordinaten: 10.83, -85.32 | Aktivität: Phreatisch

Am Rincon de la Vieja in Costa Rica ereigneten sich gestern Abend 2 phreatische Eruptionen, die im Kratersee des Vulkans stattfanden. Diese Eruptionen führten zur Freisetzung von Dampfwolken, die eine Höhe von bis zu 3000 m über der Kraterhöhe erreichten. Normalerweise steigen die Dampfwolken phreatischer Eruptionen nicht in solch große Höhen auf. Jedoch herrschte gestern Windstille, wodurch die Eruptionswolken senkrecht aufstiegen, ohne vom Wind verweht zu werden. Berichten des zuständigen Observatoriums OVISCORI-UNA zufolge lösten die Eruptionen einen kleinen Lahar aus. Dies geschah höchstwahrscheinlich durch die Explosionskraft, die Wasser aus dem Kratersee herausgeschleudert und über den Kraterrand geschwappt hat. Die Explosionen verursachten lediglich schwache seismische Signale. Obwohl es keine Vorwarnungen gab, besteht an aktiven Vulkanen mit Kraterseen immer eine latente Gefahr von phreatischen Ausbrüchen. Ähnliche Eruptionen fanden zuletzt im Mai statt.


Starke Seismizität am Kilauea

Staat: USA | Lokation: 19.42, -155.29 | Aktivität: Seismik

Am Kilauea auf Hawaii bleibt die seismische Aktivität auf einem hohen Niveau. Gestern wurden erneut mehr als 200 Erdstöße erfasst. In den meisten Tagen der letzten Woche waren es etwa 150 schwache Erdbeben. Die meisten dieser Beben treten entlang einer Linie südlich der Gipfelcaldera auf und haben Hypozentren in Tiefen von 2-3 km. Zudem wird eine Anhebung des Bodens festgestellt. Die Ausstoßmenge von Schwefeldioxid hat sich leicht auf 75 Tonnen pro Tag erhöht. Die Vulkanologen des HVO geben an, dass ähnliche Ereignisse vor den letzten Ausbrüchen auftraten. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen oder Wochen ein neuer Ausbruch im Gipfelbereich des Vulkans erfolgt. Vor dem letzten Ausbruch dauerten die Erdbebentätigkeiten mehrere Wochen an, bevor die Lava schließlich den Weg an die Erdoberfläche fand.

Erdbeben M 7,0 vor Bali – News vom 29.08.23

Starkes Erdbeben Mw 7,0 in der indonesischen Bali-See

Datum 28.08.23 | Zeit: 19:55:32 UTC | -6.810 ; 116.563 | Tiefe: 516 km | Mw 7,0

Die indonesische Bali-see wurde gestern Abend von einem starken Erdbeben der Magnitude 7,0 erschüttert. Zuerst wurde die Magnitude mit 7,1 angegeben, dann später aber etwas herabgestuft. Der Erdstoß ereignete sich um 19:55:32 UTC (03:55:32 Ortszeit) und hatte ein Epizentrum, das 188 km nord-nordwestlich von Labuan auf der Insel Lombok verortet wurde. Die Urlaubsinsel Bali liegt etwa 220 km vom Epizentrum entfernt. Näher lag die Küste der kleinen Insel Soemoerboengkar, die sich nur ca. 30 km vom Epizentrum befindet. Dennoch blieb der starke Erdstoß ohne katastrophale Folgen und es wurden keine schweren Schäden gemeldet. Auch ein Tsunami blieb aus. Der Erdstoß wurde von den Anwohnern der Insel aber deutlich wahrgenommen. Ein Bebenzeuge auf Bali schilderte mir, dass Fenster und Türen geklappert hätten. Dass das Beben so glimpflich verlief, ist dem Umstand zu verdanken, dass sich das Hypozentrum in 516 km Tiefe befand und damit im oberen Erdmantel. Mantelbeben manifestieren sich normalerweise an einem Stück alte Erdkruste, das an einer Subduktionszone bis in den Erdmantel abtaucht ohne zu schmelzen. Es ist wahrscheinlich, dass hier ein Stück der Indo-Australischen Platte, die am Javagraben südlich von Bali subduziert wird bis in den Erdmantel abtauchte. Auf der anderen Seite gibt es im Bereich der Bali-See zahlreiche lokale Störungszonen. Doch diese beschränken sich auf die Erdkruste und reichen nicht bis in den Erdmantel hinab, so dass es sich nicht um ein tektonisches Erdbeben gehandelt haben kann. Übrigens gab es zwei Nachbeben mit Magnituden im 5er-Bereich.

Vulkane gibt es in der Region genug. Mir fallen da die Vulkane Batur und Agung auf Bali ein, oder der Rinjani auf Lombok. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass das Beben eine Eruption triggern wird, wenn es sich aufgrund der Tiefe auch an der Oberfläche kaum auswirkte.


Erdbeben Mw 6,0 in der Bandasee

Datum 29.08.23 | Zeit: 04:34:44 UTC | -5.540 ; 129.987 | Tiefe: 215 km | Mw 6,0

Wenige Stunden nach dem o.g. Erdbeben gab es im Osten des indonesischen Archipels ein weiteres starkes Mantelbeben. Es hatte eine Magnitude von 6,0 und einen Erdbebenherd in 215 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 272 km südöstlich von Amahai verortet.