Krascheninnikow emittiert Aschewolken und Thermalstrahlung

Vulkan Krascheninnikow brach bis zu 2,5 Kilometer hoch aus – Lavastrom bleibt aktiv

Am Krascheninnikow-Vulkan auf der russischen Halbinsel Kamtschatka wurde eine Aschewolke registriert. Laut dem VAAC Tokio erreichte die Säule vulkanischer Asche eine Höhe von 2,5 Kilometern über dem Meeresspiegel und driftete mit dem Wind über 100 Kilometer weit in Richtung Osten. Es wurde eine Warnung für den Flugverkehr ausgegeben.

Der Vulkan wurde für den Flugverkehr mit der Gefahrenstufe Orange gekennzeichnet. Wissenschaftlern zufolge besteht weiterhin das Risiko weiterer Aschewolken mit einer Höhe von bis zu 6 Kilometern, die dann tatsächlich eine Gefahr für Passagierflugzeuge darstellen könnten.

Neben der Vulkanasche emittiert der Karscheninnikow auch eine moderate Wärmestrahlung mit einer Leistung von 111 MW, wie es bei MIROVA angezeigt wird. Die Thermalstrahlung steht mit dem effusiven Anteil der Eruption in Verbindung: Wie das neueste Sentinel-Satellitenfoto von heute zeigt, fließt aus dem südöstlichen Kraterrand weiterhin ein zweiarmiger Lavastrom über, der aber nur noch etwa halb so lang ist wie zu der Hochphase der Eruption. Folglich bewegt sich der Lavastrom im oberen Drittel der Südostflanke.

Der Krascheninnikow ist nur einer von zwei Vulkanen Kamtschatkas, die aktuell durch die Eruption von Aschewolken auf sich aufmerksam machen. Der andere ist der Schiveluch im Norden der Zentralregion der Halbinsel. Hier erreichen die Aschewolken eine Höhe von gut 4000 m. Anders als in der Vorwoche, als die Asche hauptsächlich aus bereits abgelagertem Material bestand, das vom starken Wind aufgewirbelt wurde, scheint es sich aktuell wieder um echte Ascheemissionen zu handeln. Die Thermalstrahlung vom Shiveluch ist gering, wenn überhaupt welche messbar ist. Auf einem Sentinel-Foto vom 25. September erkennt man im Infrarotbereich an beiden Domen wenige pixelgroße Anomalien, die darauf hindeuten, dass beide Dome noch aktiv sind. Das Domwachstum dürfte aber bestenfalls moderat sein.

während der Shiveluch seit Jahrzehnten aktiv ist, brach der Krascheninnikow kurz nach dem Megabeben ende Juli aus, dass sich vor der Südostküste Kamtschatkas ereignet hatte. Die Seismizität dort hat inzwischen nachgelassen, doch noch immer werden tägliche mehrere mittelstarke Erdbeben registriert.

Kamtschatka: Starke Nachbeben und Bodendeformationen detektiert

Zahlreiche starke Nachbeben infolge des Erdstoßes Mw 7,8 – Boden im Süden von Kamtschatka verschob sich beim Megabeben um mehr als 1 Meter

Das Erdbeben der Magnitude 7,8, das die Südostküste von Kamtschatka gestern Abend um 18:58:17 UTC erschütterte, löste einen starken Nachbebenschwarm aus. Das GFZ listet 37 Erschütterungen mit Magnituden zwischen 4,9 und 6,1 auf. Viele der Beben spielten sich in Tiefen zwischen 20 und 30 Kilometern ab. Darüber hinaus dürfte es eine sehr große Anzahl schwächerer Erdbeben geben, die nicht in den Listen auftauchen. Wahrscheinlich sind es Hunderte.

Massive Bodenverschiebungen. © NASA

Das Erdbeben steht mit dem Starkbebenschwarm Ende Juli im Zusammenhang, dessen stärkste Erschütterung eine Magnitude von 8,8 hatte. Dieses Beben war so stark, dass es den Boden im Süden Kamtschatkas massiv verschob. InSAR-Karten zeigen, dass sich der südlichste Teil der Halbinsel Kamtschatka um mehr als einen Meter nach Osten bewegte. Gleichzeitig senkte sich die Landoberfläche leicht ab. Die stärksten Bodenverschiebungen traten über 200 Kilometer südwestlich des Epizentrums auf, während die unmittelbare Umgebung des Bruchbeginns vergleichsweise geringe Deformationen zeigte. Das Megaerdbeben zählt zu den stärksten Ereignissen, die jemals mit modernen Instrumenten registriert wurden.

Die Karte der Bodenbewegungen zeigt deutlich, wie sich weite Teile der Küstenregion Kamtschatkas nach Osten verlagerten. Gestrichelte Linien markieren die großen Verwerfungen und Plattengrenzen, an denen die pazifische Platte unter die Ochotskische Platte abtaucht. Kleine Bereiche ohne Daten erscheinen als weiße Flecken. Trotz der immensen Stärke des Bebens waren die Schäden auf der Halbinsel gering. Das Epizentrum lag offshore, die größten Brüche ereigneten sich in dünn besiedelten Regionen.




Die gewonnenen Informationen sind entscheidend für die Modellierung von Tsunamis und für die schnelle Identifikation der am stärksten betroffenen Gebiete. Sie ermöglichen es Einsatzkräften, begrenzte Ressourcen gezielt einzusetzen und potenzielle Gefahren frühzeitig einzuschätzen.

Am 2. August registrierte der Satellit ALOS-2 zudem eine deutliche Bodenbewegung am Krascheninnikow, einem lange inaktiven Vulkan auf der Halbinsel, der nur fünf Tage nach dem Erdbeben ausbrach. Die Messungen zeigten eine markante Verschiebung an der Flanke des Vulkans, dargestellt in Rot im Einschub der Karte. Diese Deformation deutet darauf hin, dass sich an diesem Tag ein Magmagang der Oberfläche annäherte und den bevorstehenden Ausbruch vorbereitete. Bei zeitnaher Auswertung hätten Vulkanologen das erhöhte Eruptionsrisiko möglicherweise frühzeitig erkannt. Tatsächlich wurde man von dem Ausbruch überrascht.

Erstellt wurde die Kartierung mit Hilfe von Interferometrischem Synthetic Aperture Radar (InSAR). Dabei werden Radarbilder, die vor und nach einem Erdbeben aus dem All aufgenommen wurden, miteinander verglichen, um kleinste Höhen- und Lageänderungen der Erdoberfläche zu messen. Für dieses Ereignis nutzten Wissenschaftler SAR-Daten des PALSAR-2-Sensors an Bord des japanischen Satelliten ALOS-2. Ergänzt durch seismische und GNSS-Messungen lässt sich so nicht nur die Bruchzone rekonstruieren, sondern auch nachvollziehen, wie sich die Verwerfung in den Tagen und Wochen nach dem Beben weiter bewegt. Diese Erkenntnisse fließen in künftige Gefährdungsanalysen ein und verbessern das Verständnis globaler Plattentektonik. (Quelle: Nasa-Earthobservatory)

Kamtschatka: Weiteres sehr starkes Erdbeben Mw 7,8

Sehr starkes Erdbeben Mw 7,8 erschüttert Küste im Südosten Kamtschatkas – beispiellose Bebenserie

Datum: 18.09.2025 | Zeit: 18:58:17 UTC | Koordinaten: 53.266 ; 160.493 | Tiefe: 20 km | Mw 7,8

Heute Abend wurde die Küstenregion der russischen Halbinsel Kamtschatka ein weiteres Mal von einem sehr starken Erdbeben der Magnitude 7,8 erschüttert. Nach vorläufigen Angaben des EMSC lag der Erdbebenherd in 20  Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag offshore vor der Südostküste und wurde 126 km ost-nordöstlich der Provinzhauptstadt Petropavlovsk-Kamchatsky verortet.

Die Daten sind noch als vorläufig zu betrachten und könnten noch von einem Seismologen überprüft und korrigiert werden. Das GFZ zeigt eine automatisch bestimmte Magnitude von Mw 7,7 an. Das Hypozentrum wurde in 10 Kilometern Tiefe fixiert.

Nur 10 Minuten später ereignete sich ein Nachbeben Mw 6,1 in 10 Kilometern Tiefe.
Zuletzt gab es einen vergleichbaren Erdstoß am 13. September, der sich ebenfalls vor der Küste der Halbinsel Shipunsky nördlich von Petropavlovsk ereignete. Die Erdbeben stehen im Zusammenhang mit dem Megabeben Mw 8,8 Ende Juli. Dieses Beben manifestierte sich laut Kamtschatkazeit am 29. Juli, bei uns war es aber schon ein Tag später, weshalb es in Berichten unterschiedliche Datumsangaben geben kann. Auf Vnet, verwende ich die UTC-Angaben die sich an den Nullmeridian von Greenwich in England orientiert.

Bereits in den Tagen vor dem Megaerdbeben hatte es im gleichen Segment des Kurilen-Kamtschaka-Grabens starke Erdbeben gegeben. Die Erdbebenserie zeugt von enormen Spannungen entlang der Subduktionszone vor Kamtschatka. Diese Spannungen werden sich nicht nur auf das aktuell betroffene Störungssegment beschränken, daher rechne ich in den nächsten Jahren mit weiteren sehr starken Erdbeben sowohl nördlich als auch südlich der aktuellen Lokalität. Auch der Norden Japans könnte betroffen sein.
Trotz der intensiven Bebentätigkeit vor der Küste der Provinzhauptstadt hielten sich die Auswirkungen auf die Infrastruktur in Grenzen. Ob es sich diesmal auch so verhält werden wir in den nächsten Stunden erfahren – entsprechende Meldungen stehen noch aus.

Update: Größere Gebäudeschäden blieben auch diesmal aus. Für die Aleuten wurde Tsunami-Alarm gegeben, Berichte über katastrophale Riesenwellen blieben aber aus. Das Erdbeben löste wieder einen Nachbebenschwarm aus. Das GFZ listet für die 12 Stunden nach dem Hauptbeben 36 Erschütterungen mit Magnituden zwischen 4,9 und 6,1 auf.

Shiveluch erzeugt Eruptionsserie mit Aschewolken

Shiveluch erzeugt Eruptionsserie – Vulkanasche driftet in 4300 m Höhe nordwestwärts

Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka steigerte der Shiveluch seine Aktivität. Seit gestern wurden vom VAAC Tokio 4 VONA-Warnungen vor Aschewolken herausgegeben, nach denen Vulkanasche bis auf 4300 m Höhe über dem Meeresspiegel aufsteigt und in Richtung Nordwesten driftet und in einiger Entfernung vom Vulkan niederregnet.

Der Shiveluch

Nach Angaben der Vulkanologen vor Ort umgingen die Aschewolken bisher größere Siedlungen, sodass in den Dörfern der Halbinsel kein unmittelbarer Ascheregen gemeldet wurde. Dennoch warnen die Experten, dass sich die Situation bei einer Winddrehung ändern könnte. In diesem Fall wären besonders die Orte Kljutschi und Maiski im Bezirk Ust-Kamtschatka von leichter Ascheablagerung betroffen.

Aufgrund der aktuellen Aschefreisetzung hat das zuständige Institut für Vulkanologie die Gefahrenstufe für den Flugverkehr auf „Orange“ gesetzt. Diese Einstufung weist darauf hin, dass jederzeit weitere explosive Eruptionen möglich sind, die Aschewolken in für Flugzeuge gefährliche Höhen treiben könnten.

Der Shiveluch ist einer der größten und aktivsten Vulkane Kamtschatkas. Er erhebt sich bis auf 3.283 Meter und besitzt einen komplexen Aufbau aus mehreren Gipfeln und Lavadomen. Der jüngste und derzeit aktive Teil des Systems ist der südwestlich gelegene „Junger Shiveluch“. Dort ereignen sich seit Jahrhunderten immer wieder explosive Ausbrüche, begleitet von pyroklastischen Strömen, Lavadombildung und großflächigem Aschenausstoß. Bedeutende Eruptionen in den Jahren 1964 und 2023 haben gezeigt, dass der Vulkan enorme Mengen Material in die Atmosphäre schleudern kann, mit Auswirkungen bis in den internationalen Luftverkehr.

Seit der größeren Eruption von 2023 ist auch im alten Teil des Vulkans wieder ein Lavadom der Karan-Gruppe aktiv geworden.

Derzeit bleibt die Lage unter ständiger Beobachtung. Für die Bevölkerung Kamtschatkas besteht im Moment keine unmittelbare Gefahr, doch werden Bewohner in der Nähe des Vulkans angehalten, auf offizielle Warnungen zu achten und Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten.

Bezymianny: Vulkanasche in 4300 m Höhe detektiert

Vulkanasche am Bezymianny bis auf 4300 m Höhe aufgestiegen – VONA-Warnung ausgelöst

Heute Morgen um 10:14 Uhr löste das VAAC Tokio eine Aschewarnung aus, die den Vulkan Bezymianny auf Kamtschatka betrifft. Demnach kam es zu einer Eruption, in deren Folge eine Aschewolke bis auf 4300 m Höhe über Meeresniveau aufgestiegen ist und nach Osten driftet. Dabei kam es zu leichtem Ascheniederschlag in bewohntem Gebiet.

Aschewolken können am Bezymianny entweder direkt durch explosive Eruptionen entstehen oder durch Kollaps-Ereignisse am Lavadom, dann meistens im Zusammenhang mit dem Abgang eines pyroklastischen Stroms.

Normalerweise folgen nach den ersten Aschewolken weitere, die in immer kürzeren Abständen kommen, bis sich die Aktivität so weit verstärkt, dass es zu größeren pyroklastischen Strömen und hoch aufsteigenden Aschewolken kommt, die durchaus Höhen von 15 bis 20 Kilometern erreichen könnten. In solchen Phasen kann es lebensgefährlich sein, sich dem Vulkan zu nähern.

Andere Vulkane Kamtschatkas

Sehr wahrscheinlich hängt die Aktivitätssteigerung am Bezymianny nicht mit den Erdbeben vor der Südostküste Kamtschatkas zusammen. Anders sieht es da mit dem Vulkan Krasheninnikov aus, der erst nach dem Megabeben Ende Juli erwachte. Dieser Vulkan ist bis heute aktiv geblieben und emittiert eine moderate Wärmestrahlung. Sie hat eine Leistung von 46 MW und deutet an, dass noch etwas Lava unterwegs sein könnte. Auf den letzten Sentinel-Satellitenfotos ist noch ein zweiarmiger Lavastrom zu erkennen, der aus dem Rand der Gipfelcaldera zu entspringen scheint. Außerdem gibt es einen Hotspot im Vulkankrater, der andeutet, dass der Vulkan auch jederzeit wieder mit Explosionen beginnen könnte.

Damit sind die Meldungen aus Kamtschatka aber noch nicht erschöpft: Während man auf Satellitenbildern keine weiteren thermischen Anomalien ausmachen kann und auch Bezymianny und der benachbarte Klyuchevskoy kalt erscheinen, gibt es eine VONA-Meldung vom Shiveluch. Demnach eruptierte auch dieser Vulkan gestern eine Aschewolke, die bis auf eine Höhe von 6700 m aufstieg.

Kamtschatka: Sehr starke Erdbeben Mw 7,4

Sehr starkes Erdbeben Mw 7,4 erschüttert Kamtschatka – Epizentrum nahe Petropavlovsk-Kamchatsky

Datum: 13.09.2025 | Zeit: 02:37:55 UTC | Koordinaten: 53.146 ; 160.167 | Tiefe: 44 km | Mw 7,4

Heute Nacht wurde die russische Halbinsel Kamtschatka erneut von einem sehr starken Erdbeben erschüttert. Es hatte eine Magnitude von 7,4 und ein Hypozentrum in 44 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum wurde 103 Kilometer ost-nordöstlich von Petropavlovsk-Kamchatsky lokalisiert. Es wurde Tsunami-Alarm gegeben.

Erdbeben Kamtschatka.. © EMSC

Das Epizentrum lag knapp vor der Küste der Halbinsel Shipunsky und deutlich näher am Land, als es bei den anderen starken Erdbeben der Sequenz der Fall gewesen war, die bereits im Juli begann. Betroffen war derselbe Abschnitt des Kurilen-Kamtschatka-Grabens. Dass das Beben näher an der Küste lag, hängt mit der größeren Herdtiefe zusammen. Dass es erneut zu einem so starken Erdbeben kam, verdeutlicht die enormen Spannungen, die sich entlang der Subduktionszone aufgebaut haben. Entlang des 2250 Kilometer langen Grabens dürfte weiterhin ein großes Erdbebenpotenzial bestehen, was ein ebenfalls hohes Tsunamirisiko bedingt.


Zwar wurde Tsunamialarm gegeben, doch aufgrund des tiefen Hypozentrums war das Risiko gering – ebenso wie die Auswirkungen an der Erdoberfläche. Der Erdstoß war in der Provinzhauptstadt Petropavlovsk-Kamchatsky deutlich zu spüren, und beim EMSC gingen zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen ein. Die Zeugen beschrieben das Beben als sehr stark. Möbel und Lampen wackelten, doch „der Karpfen blieb im Aquarium“, hieß es in einer Schilderung. Und wie wir wissen: Solange es dem Karpfen gut geht, gibt es auch keine katastrophalen Schäden an der Infrastruktur.

Überraschenderweise verursachte auch das stärkste Beben der Sequenz, das sich Ende Juli manifestierte und eine Magnitude von 8,8 hatte, nur vergleichsweise kleine Tsunamis und richtete selbst in Petropavlovsk-Kamchatsky nur geringe Schäden an. Der größte Schaden, von dem ich erfuhr, war der Einsturz einer Häuserfront eines Kindergartens. Darüber hinaus gab es Risse in Gebäuden und Straßen sowie kleinere Schäden.

Die Auswirkungen des Megabebens auf die Vulkane Kamtschatkas waren hingegen deutlich. Mehrere bereits eruptierende Vulkane steigerten ihre Aktivität, und der bis dahin ruhende Vulkan Krasheninnikov brach aus. Gestern zeigte der Shiveluch bereits vor dem Beben erhöhte Aktivität.

Übrigens, die Halbinsel Shipunsky trennt die Awatscha-Bucht (Avacha Bay) von der offenen Kronotski-Bucht und gehört zum östlichen Vulkangebiet Kamtschatkas. Ganz in der Nähe befinden sich die Vulkane Avachinsky, Koryaksky und weiter nördlich Zhupanovsky.

Shiveluch eruptiert Asche auf 4300 m Höhe

Asche vom Shiveluch in 4300 m Höhe detektiert – VONA-Warnungen ausgegeben

Im fernen Osten Russlands ist der Shiveluch erneut ausgebrochen und hat mehrere Aschewolken eruptiert, die bis auf eine Höhe von 4300 m aufgestiegen sind und sich über ein großes Areal in Richtung Süden verteilt haben. Dabei kam es zu leichtem Ascheniederschlag im Ort Kljutschi, der etwa 40 Kilometer vom Fuß des Shiveluch entfernt liegt.

VONA-Warnung Shiveluch

Dem Ort Ort am Ufer des Kamtschatka-Flusses kommt eine besondere Rolle zu, denn er liegt zwischen dem Shiveluch und der Vulkangruppe Zentralkamtschatkas, die nur etwa 30 Kilometer Luftlinie entfernt ist. Vom Ort aus hat man an klaren Tagen gute Sicht auf die Vulkane, was aber den Preis hat, dass man im Wirkungskreis der Feuerberge lebt. Bei der letzten wirklich starken Eruption des Shiveluch im Jahr 2022 hatte man in Kljutschi mit massiven Ascheniederschlägen zu kämpfen, die das öffentliche Leben lahmlegten. Damals wurde der Dom im Jungen Shiveluch komplett ausgeblasen und es entstanden pyroklastische Ströme, die bis an die Straße nördlich des Kamtschatka-Flusses heranreichten. Über dem Fluss wurde übrigens eine neue Brücke gebaut. Als ich 2013 das letzte Mal in Kljutschi weilte, war die alte Brücke kaputt und man musste den Fluss mit einer Fähre überqueren.

Seitdem hat der Dom im jungen Shiveluch, der kurz nach seinem Blowout wieder zu wachsen anfing, Gesellschaft bekommen: Im alten Teil des Vulkans wächst nun ebenfalls ein Lavadom in der Karan-Gruppe. Er wurde auf den Namen „300-Jahre-RAS“ getauft.

Die anderen Vulkane Kamtschatkas haben sich nach dem starken Erdbeben Mw 8,8 vom 30. Juli wieder beruhigt, obgleich es vor Petropavlovsk immer noch Nachbeben gibt. Das Megabeben triggerte eine Eruption des Vulkans Krasheninnikov, der zuletzt am 25. August eine Aschewolke ausstieß. Ein Sentinel-Satellitenbild vom 3. September zeigt aber noch die Thermalsignatur eines Lavastroms, der über die Nordostflanke des Vulkans fließt.

Auf Satellitenfotos des Shiveluch kann man aktuell keine Thermalstrahlung erkennen, wobei Wolken im Süden des Vulkans dies auch erschweren. Das letzte wirklich wolkenfreie Bild des Vulkans stammt aus dem Mai. Zu diesem Zeitpunkt konnte man bei genauem Hinschauen kleine thermische Anomalien an beiden Lavadomen ausmachen.

Karymsky: Weiterer Vulkan Kamtschatkas ausgebrochen

Weiterer Vulkan Kamtschatkas nach starkem Erdbeben ausgebrochen – Karymsky eruptiert Vulkanasche

Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka ist mit dem Karymsky ein weiterer Vulkan ausgebrochen. Laut den VONA-Meldungen des VAAC Tokio steigt Vulkanasche bis auf eine Höhe von 2700 m auf und driftet in Richtung Südosten. Es ist der 5. Vulkan, der seit dem starken Erdbeben Mw 8,8 vom 30. Juli ausgebrochen ist. Da der Karymsky aber immer wieder sporadisch aktiv ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, dass das Erdbeben die Eruption triggerte.

VONA-Warnung Karymsky

Das Gleiche gilt für die Vulkane Bezymianny und Shiveluch, die ebenfalls daueraktiv sind und alle paar Wochen oder Monate in den Schlagzeilen stehen, weil sie neue Eruptionen erzeugt haben. Auch der Klyucheskoy war bereits zum Zeitpunkt des Erdbebens aktiv, doch hier steigerten sich die Eruptionen nur Stunden nach dem Erdbeben, so dass es zumindest naheliegend ist, dass die Aktivitätssteigerung von den Erschütterungen des Bebens ausgelöst wurde. Der 5. in Eruption begriffene Vulkan Kamtschatkas ist der Krasheninnikov, der bis zum Erdbeben unauffällig war und keine Anzeichen des Erwachens zeigte, doch wenige Tage nach dem Erdbeben ausbrach. Hier gehen Vulkanologen davon aus, dass das Erdbeben die Eruptionen triggerte, auch wenn wissenschaftliche Beweise ausstehen und vermutlich auch nie geliefert werden können, schon alleine aus dem Grund, dass es nicht genug Messinstrumente am Vulkan gibt, um genug Daten zu liefern, um einen Zusammenhang nachweisen zu können. Zuletzt eruptierte der Krasheninnikov vor 2 Tagen Aschewolken und einen Lavastrom.

Der Karymsky verursachte seit gestern Abend 4 VONA-Meldungen. Diese gehen obligatorisch an Fluggesellschaften und Fluglotsen heraus, selbst wenn – wie in diesem Fall – kaum eine ernsthafte Bedrohung für den Flugverkehr von den Aschewolken des entlegenen Vulkans ausgeht. In Schwierigkeiten könnten bestenfalls die tief fliegenden Hubschrauber kommen, die Touristen und Forscher zum Vulkan fliegen.

Übrigens hat sich die Erdbebentätigkeit vor der Südostküste Kamtschatkas immer noch nicht beruhigt. Es gibt noch zahlreiche, teils starke Nachbeben entlang des Kurilen-Kamtschatka-Grabens. Das stärkste dieser Nachbeben der letzten Stunden erreichte heute Nacht eine Magnitude von 6,0.

Kamtschatka: Weiteres starkes Erdbeben vor der Südküste

Starkes Erdbeben Mw 6,2 vor der Südküste von Kamtschatka – Erdbeben manifestierte sich vor dem Kurilen-Kamtschatka-Graben

Datum: 25.08.2025 | Zeit: 06:48:35 UTC | Koordinaten: 49.418 ; 160.071 | Tiefe: 12 km | Mw 6,2

Die Erdbebenserie vor der Südostküste Kamtschatkas reißt nicht ab, denn heute Morgen ereignete sich um 06:48:35 Uhr UTC (18:48:35 Uhr Lokalzeit) ein weiterer starker Erdstoß. Er hatte eine Magnitude von 6,2 und ein Hypozentrum in Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag abseits der bisherigen Erdbeben und wurde 418 km süd-südöstlich von Petropavlovsk-Kamchatsky verortet.

Die Daten stammen vom EMSC und könnten noch korrigiert werden, wobei es bereits 2 Korrekturen gab: Zuerst wurde die Magnitude mit 6,7 angegeben, dann mit 6,1 und nun mit 6,2.

Das Besondere an diesem Erdbeben ist, dass es sich nicht westlich der Subduktionszone des Kurilen-Kamtschatka-Grabens ereignete, sondern östlich davon. Dennoch kann man dieses Beben als Nachbeben des Megathrust-Erdstoßes der Magnitude 8,8 ansehen, der sich am 30. Juli ereignete und nicht nur unzählige weitere Erschütterungen verursachte, sondern auch mindestens einen Vulkanausbruch triggerte. Bei diesem Vulkan handelte es sich um den Krasheninnikov, der nach einer mehrtägigen Pause auch heute wieder eruptierte und 2 VONA-Warnungen verursachte. Demnach stieg Vulkanasche bis auf eine Höhe von 2500 m auf. Außerdem wird eine hohe Wärmestrahlung detektiert, die nahelegt, dass ein Lavastrom unterwegs ist. Möglicherweise verstärkte das Erdbeben auch die Aktivität des Klyuchenvskoy, der aber bereits vor dem Starkbeben aktiv gewesen ist.

Das Erdbeben heute Morgen ereignete sich ein Stück östlich des Kurilen-Kamtschatka-Grabens und damit auf dem Teil der Pazifischen Ozeanplatte, der sich vor der Subduktionszone befindet. Normalerweise manifestieren sich Erdbeben hinter den Subduktionszonen, dort, wo die subduzierende Platte bereits abtaucht. Durch diesen Prozess wird auch die oben liegende Platte gebeugt, so dass in ihr Spannungen entstehen können, die nicht nur durch Rissbildungen abgebaut werden, sondern auch durch ein Zurückschnellen der gebeugten Platte.