Vulkan-Update 07.10.21: Vulcano

Am Cumbre Vieja kündigt sich ein neuer Ocean Entry an. Der Sakurajima könnte kurz vor weiteren Explosionen stehen. Neue Daten zur Bodendeformation auf Vulcano wurden bekannt.

Cumbre Vieja: Neuer Lavastrom auf dem Weg zum Meer

Staat: Spanien | Koordinaten: 28.57, -17.84 | Eruption: Hawaiianisch

Auf La Palma ist ein weiterer Lavastrom auf dem Weg zum Meer. Er hat schon die Steilklippen an der Küste erreicht und fließt weiter Richtung Ozean. Anders als am existierenden Ocean Entry, ist an der neuen Stelle 400 m weiter südlich, eine Küstenebene vorgelagert. Außerdem hat es heute ein Erdbeben der Magnitude 4,3 gegeben. Laut EMSC befand sich das Hypozentrum in 36 km Tiefe. Das Epizentrum wurde östlich der Inselhauptstadt Santa Cruz lokalisiert. Es lag ca. 3 km vor der Küste.

Sakurajima: Rotglut im Krater

Staat: Japan | Koordinaten: 31.581, 130.659 | Eruption: Vulcanianisch

Der japanische Vulkan Sakurajima überrascht mit einer rot illuminierten Wolke, die über dem Krater schwebt und die man via LiveCam beobachten kann. Offenbar befindet sich Lava im Schlot. Explosionen wurden bisher nicht gemeldet, doch dass ist wohl nur noch eine Frage von Stunden/Tagen.

Vulcano: Weitere Daten zur Inflation

Staat: Italien | Lokation: 14.87 ; 38.50 | Eruption: Fumarolisch

Vor 3 Tagen berichtete ich darüber, dass der Alarmstatus des italienischen Inselvulkans Vulcano auf „gelb“ erhöht wurde. Heute sind weitere Daten bekannt geworden: so haben die Vulkanologen des INGV eine Bodenhebung von bis zu 3 cm festgestellt. Das ist noch nicht sehr viel, doch es macht deutlich, dass sich magmatische Fluide unter dem Vulkan ansammeln. Zudem wurde eine deutliche Erhöhung der Mikroseismizität registriert. Die Fumarolen-Temperaturen vergrößerten sich teilweise um mehr als 100 Grad Celsius, was eine bemerkenswerte Steigerung ist. Alles in Allem sieht es tatsächlich danach aus, als würde Magma aufsteigen. Dennoch kann man bisher nicht abschätzen, ob- und wann der Vulkan ausbrechen wird. Oft dauert die Aufheizphase eines Vulkans Jahre, oder sogar Jahrzehnte. Doch die Chancen stehen nicht ganz so übel, dass ich noch zu meinen Lebzeiten die Chance bekomme, auf dem Namensgeber aller Vulkane eine Eruption zu dokumentieren. In diesem Zusammenhang kann ich ankündigen, dass sich die Beobachtungen bald nicht nur auf das Visuelle beschränken werden, sondern dass die Anschaffung verschiedener Messinstrumente in Planung ist.

Vulkan-News 07.10.21: Cumbre Vieja

Cumbre Vieja: Lava analysiert

Staat: Spanien | Koordinaten: 28.57, -17.84 | Eruption: Hawaiianisch

Während die Eruption auf La Palma weiter geht, arbeiten Wissenschaftler auf Hochtouren daran, ihre Proben zu analysieren. Jetzt wurden die ersten Ergebnisse veröffentlicht, bei denen Lavaproben im Dünnschliff unter dem Polarisationsmikroskop untersucht wurden. Demnach handelte es sich bei der Lava der ersten Tage um Basalt, der relativ schnell aus dem Bereich des oberen Erdmantels aufgestiegen ist. Neben den typischen Mineralien wie Olivin, Pyroxen und Amphibol sind viele Plagioklase enthalten. Besonders auffällig ist die große Anzahl an winzigen Obsidian-Einsprenglingen. Obsidian ist ein vulkanisches Glas und entsteht für gewöhnlich, wenn Lava sehr schnell abgekühlt wird. Die untersuchten Lavaproben stammten von dem Lavastrom, der vor der Kirche von Todoque stoppte und normal schnell abkühlte. So kann der Obsidian Hinweise über das Fließverhalten der Lava liefern. Professor Domingo Gimeno (UNI Barcelona) geht zudem davon aus, dass es zu Magma-mixing gekommen ist: ein schnell aufgestiegenes Magma aus dem Erdmantel strömte in einen Magmakörper unterhalb des Vulkans, in dem sich bereits ältere Schmelze befand. Dieser Prozess könnte dann die Eruption ausgelöst haben. Nachdem die Forscher in den ersten Tagen ihre Priorität darin gesetzt hatten, den Verlauf des Lavastroms zu bestimmen, konzentrieren sie sich nun mehr auf die Probenanalysen, um Anhaltspunkte für den weiteren Verlauf der Eruption zu gewinnen.

Der Vulkan selbst zeigt sich davon unbeeindruckt und förderte in der Nacht wieder mehr Vulkanasche. Dadurch kam es erneut zur Beeinträchtigung des Flugverkehrs und zu Flugausfällen. Gestern zog die Seismizität wieder an und heute wurde eine leichte Inflation festgestellt: es steigt immer noch Magma aus dem Bereich der Asthenosphäre auf und sammelt sich unter dem Vulkan.  Ein baldiges Ende der Eruption ist nicht absehbar.

Vulkan-Update 06.10.21: Stromboli

Staat: Italien | Koordinaten: 38.79; 15.21 | Eruption: Strombolianisch

Am Stromboli kam es heute Nachmittag und 14.17 Uhr zu einer größeren explosiven Eruption. Laut INGV landete Tephra auf dem Pizzo und auf der Cima. Über der Sciara del Fuocco ging eine Schuttlawine ab. Eine Aschewolke stieg so hoch auf, dass sie vom Ort aus sichtbar war. Ort des Geschehens war der nordöstliche Kratersektor. Der Tremor stieg kurzzeitig deutlich an, nahm aber schnell wieder normale Werte ein.

Vulkan-News 06.10.21: Nyiragongo

Die Eruption auf La Palma geht weiter und es gibt keine Anzeichen der Entspannung der Lage. Im Krater des Nyiragongos wurde Lava gesichtet.

Cumbre Vieja: Die Show geht weiter

Staat: Spanien | Koordinaten: 28.57, -17.84 | Eruption: Hawaiianisch

[twenty20 img1=“820312″ img2=“820311″ offset=“0.5″ before=“Die Eruption auf La Palma geht weiter…“ after=“…doch die Lava wird erst im Infrarotspektrum richtig sichtbar. © Sentinel“]

Die Aktivität am Cumbre Vieja hält an, allerdings sind Seismizität und Bodendeformation leicht rückläufig. Es wird mehr Lava eruptiert, als aus größeren Tiefen aufsteigt. Noch ist zwar kein Ende der Eruption in Sicht, aber nach einer Verstärkung sieht es auch nicht aus. Dennoch könnten sich neue Lavaströme bilden und weitere Zerstörungen anrichten. Bislang wurden über 100 Millionen Kubikmeter Lava gefördert und man kann davon ausgehen, dass die Förderrate größer ist, als die der letzten beiden Eruptionen zusammengenommen. Während es sich bei dem Ausbruch für die Anwohner um ein katastrophales Ereignis handelt, ist es für Unbeteiligte eine große Naturshow, die uns die Kraft und Dynamik der Natur vor Augen führt. Den Betroffenen wurde -wie so oft- von Seiten der Politik unbürokratische Hilfe versprochen. Gestern wurde ein 2. Hilfspaket in Höhe von 214 Millionen Euro verabschiedet. Stellt sich nur die Frage, was bei den Hausbesitzern ankommt? Jedem, der sein Haus an die Lava verloren hat, wurden 30.000 € versprochen, unabhängig von anderen Versicherungsleistungen. Vor Ort bekam ich die Verzweiflung der Menschen mit. Viele der Evakuierten mussten ihre Häuser innerhalb von Minuten verlassen und mussten alles zurücklassen. Einige durften mit Begleitung des Katastrophenschutzes für wenige Minuten in ihre Häuser zurückkehren, um Wertsachen und Dokumente zu bergen, während die Arbeit auf den Bananenplantagen neben dem Lavastrom weitergeht.

Nyiragongo: Lava im Krater

Staat: DRK | Koordinaten:-1.52, 29.25 | Eruption: Lavasee

Fast 5 Monate nach seinem katastrophalen Ausbruch wurde nun frische Lava im Krater des kongolesischen Vulkans Nyiragongo entdeckt. Das Observatorium in Goma wertete Satellitenaufnahmen aus, die eine ausgeprägte thermische Anomalie zeigen. Da der Gipfel des großen Schildvulkans überwiegend in Wolken gehüllt ist, lässt sich nicht genau abschätzen, wie groß die Lavaansammlung ist. Es könnte sich um Lavaströme handeln, die im Krater unterwegs sind, oder aber auch um einen neuen Lavasee. Nach den letzten Flankeneruptionen dauerte es Jahre, bis sich ein neuer Lavasee etablierte. Vielleicht geht es diesmal schneller.

Erdbeben-News 05.10.21: Japan

Heute gab es ein starkes Erdbeben vor der Küste der japanischen Insel Honshu. Auf Island und unter dem Yellowstone bebte es ebenfalls.

Japan: Erdbeben Mb 6,1

Datum: 05.10.2021 | Zeit: 17:46:04 UTC | Lokation: 40.13 N ; 142.13 E| Tiefe: 60 km | Mb 6,1

Heute Nachmittag wurde die Nordküste der japanische Insel Honshu von einem Erdbeben der Magnitude 6,1 erschüttert. Das Hypozentrum befand sich 60 km tief. Das Epizentrum lag offshore, genauer, 56 km nördlich von Miyako. Update: Die Magnitude wurde auf 5,6 korrigiert.

Island: Schwarmbeben auf Reykjanes

Datum: 05.10.2021 | Zeit: 16:14:10 UTC | Lokation: 63.93 N ; 22.18 W| Tiefe: 27 km | Mb 3,3

Das Schwarmbeben südwestlich des isländischen Vulkans Keilir geht weiter. IMO registrierte heute Nachmittag einen weiteren Erdstoß der Magnitude 3,3. Die Tiefe des Hypozentrums wurde mit 5 km angegeben. Es kann gut sein, dass sich Magma im Untergrund ansammelt und sich die Aktivität vom Fagradalsfjall dorthin verlagert.

Yellowstone: Erdbeben im Nordwesten

Datum: 05.10.2021 | Zeit: 00:30:08 UTC | Lokation: 44.75 N ; 110.62 W| Tiefe: 27 km | ML 2.6

Im äußersten Nordwesten des Yellowstone Nationalparks ereignete sich ein kleines Schwarmbeben. Seit gestern wurden 4 Erschütterungen mit Magnituden im 2-er Bereich detektiert. Das Stärkste brachte es heute auf M 2,6. Sein Hypozentrum lag 5 km tief. Das Epizentrum wurde 39 km östlich von West-Yellowstone lokalisiert.

 

Vulkan-News 05.10.21: Ätna, Kilauea

Die Vulkane Cumbre Vieja und Kilauea sind weiterhin aktiv. Am Ätna und Keilir gibt es Anzeichen vulkansicher Unruhe.

Ätna mit thermischer Anomalie

Staat: Italien | Koordinaten: 37.73, 15.00 |Eruption: Fumarolisch

Seit dem letzten Paroxysmus ist es um den Ätna etwas still geworden, natürlich auch, weil er sich im Schatten von La Palma bewegt. MIROVA detektierte in den vergangenen Tagen immer wieder schwache Wärmestrahlung und heute Morgen kann man auf der Thermalcam 2 schwache Hotspots am Gipfel des Neuen Südostkraters erkennen. Die Fumarolen-Temperatur scheint zu steigen, was ein Indiz für einen hohen Stand des Magmas im Fördersystem sein könnte. Der Tremor ist unauffällig und bewegt sich im grünen Bereich.

Cumbre Vieja: Zahlreiche Erdbeben

Staat: Spanien | Koordinaten: 28.57, -17.84 | Eruption: Hawaiianisch

Die Insel La Palma wird immer noch von zahlreichen Erdbeben gerockt. Gestern wurde ein neuer Höchstwert an Erschütterungen detektiert, seitdem die Eruption begonnen hat: das IGN verzeichnet 98 Erschütterungen, von denen fast 30 Magnituden größer als 3 hatten. Die Beben manifestierten sich zum größten Teil unter dem Gipfelbereich des Cumbre Vieja. Der Tremor fluktuiert leicht auf dem Niveau, dass er seit seiner Pause eingenommen hat. Die Bodenhebung ist weiter zurückgegangen und fiel erstmalig seit Eruptionsbeginn unter den Wert von 20 cm. Die sichtbare Aktivität variiert. Momentan ist vermehrt der Hauptschlot des größten Kegels aktiv.

Keilir: Bebentätigkeit bleibt hoch

Staat: Island | Koordinaten: 63.941-22.172 | Eruption: Schwarmbeben

Die Seismizität südwestlich des isländischen Vulkans Keilir bleibt hoch. In den letzten 48 Stunden registrierte IMO 224 Erschütterungen auf Reykjanes. 6 Erdbeben brachten es auf Magnituden von 3 oder mehr. Die meisten Hypozentren befinden sich in 5 km Tiefe, also dort, wo sich gerne Magmenkörper bilden. Berichte über neue Bodendeformation gibt es bislang nicht, allerdings endete in dem Gebiet der Magmatische Gang, der den Fagradalsfjall zu Anfangs speiste. Es könnte sein, dass Magma aufsteigt, oder aber auch, dass es Setzungserscheinungen im Hohlraum gibt.

Kilauea: Lavasee bleibt aktiv

Staat: USA | Lokation: 19.42, -155.29 | Eruption: Hawaiianisch

Der Lavasee im Halemaʻumaʻu-Krater bleibt aktiv und sein Pegel konstant bei 27 m. Die Deflation vergrößerte sich und der Schwefeldioxid-Ausstoß reduzierte sich auf 12.000 Tonnen am Tag. Gestern gab es eine Phase, bei der bis zu 60 m hohe Lavafontänen entstanden. Dabei bildete sich Peles Haar. Die Lavafäden wurden mit dem Wind verteilt. Aufgrund der stabilen Eruption, die sich auf den Gipfelbereich des Vulkans beschränkt, reduzierte das USGS die Alarmstufe auf „gelb“.

Cumbre Vieja: Im Bann der Lava auf La Palma


Am 19 September 2021 begann auf der Kanareninsel La Palma ein Vulkanausbruch. Der Eruption voran ging eine seismische Krise, die mehrere Tage anhielt und von aufsteigendem Magma verursacht wurde. Obwohl ein Ausbruch wahrscheinlich war, rechneten die Wenigsten damit, dass sich das Eruptionszentrum am Rand des besiedelten Gebiets von El Paso öffnete. In kürzester Zeit wurden Hunderte Häuser zerstört. Schon 3 Tage nach Eruptionsbeginn trafen die ersten Vulkanauten der Vulkanologischen Gesellschaft auf La Palma ein. Ich folgte am 8. Tag der Eruption.

Cumbre Vieja: Bilder einer Eruption

Ankunft auf La Palma

Pünktlich mit meiner Annäherung an die Insel setzte die Aktivität des Vulkans aus. Zu dieser Zeit befand ich mich auf dem Weg vom Flughafen auf Teneriffa zur Fähre nach La Palma und als ich auf die abgestürzte Tremorkurve blickte, staunte ich nicht schlecht. Das konnte jetzt doch nicht wahr sein?! Hieß es in den Statistiken nicht, dass die Eruption mindestens 24 Tage dauern sollte? Auch in den Sozialen Medien kursierten schon wieder Bemerkungen über Marc, den Vulkanlöscher. Doch das brachte selbst Jesus nicht fertig, der ja bekanntermaßen Wasser in Wein verwandeln konnte, eine Eigenschaft, um die ich ihn sehr beneide. Also nix da, der Vulkan pausierte nur und als ich dann am späten Nachmittag endlich in El Paso ankam, setzte die Tätigkeit wieder ein.

Ich machte Quartier bei Jochen, der ein genial gelegenes Apartment organisiert hatte: von der Terrasse aus konnten wir den Vulkan beobachten, der sich in ca. 3 km Entfernung befand. Sein Grummeln und Donnern erfüllte die Luft und alles war voller Vulkanasche. Abends trafen wir Tom, Thorsten und Martin, die deutlich weiter entfernt untergekommen waren. Wir bezogen Stellung an einem der populärsten Aussichtspunkte in Vulkannähe, der zufällig am Ende jener Strasse lag, an der sich unser Apartment befand. Irgendwie mag ich kurze Wege. Von dort konnten wir bequem die Lavafontänen beobachten, gelangten aber nicht bis an die Lavafront. Diese war besser bewacht als Fort Knox und jeder Weg war abgesperrt. Bequemlichkeit ist ein Ding, Nähe ein Anderes. So echtes Vulkanfeeling wollte bei mir nicht aufkommen. Jochen und ich beschlossen eine weitere Annäherung an den Feuerberg und suchten eine Straße auf einen Bergrücken, der der Eruptionsspalte vorgelagert war. Hier kamen wir etwas näher an die Spalte mit ihrem neuen Kegel ran, doch noch bevor sich das richtige Gefühl einstellen wollte, standen wir erneut vor einer Straßensperre. Der Blick auf die Lavafontäne war von hier aus schon ganz gut und es hatten sich mehrere Schaulustige eingefunden, darunter auch Steven, ein weiteres Mitglied unseres Vulkanvereins. Weitere Annäherungsversuche an den Kegel erwiesen sich zwar als abenteuerlich, stellten aber den gewünschten Erfolg nicht ein. So erkundeten wir noch am nächsten Tag die Gegend und loteten einige Möglichkeiten der Annäherung aus, die ich dann erst in den nächsten Tagen mit Andreas und Tom realisieren konnte, denn Jochen und die anderen Vulkanauten mussten wieder abreisen.

Mit Sondergenehmigung ins Sperrgebiet

An meinem dritten Tag auf La Palma bekamen wir dann endlich unsere Genehmigungen, um ins Sperrgebiet vordringen zu dürfen. Zuvor hatte ich beim Essen eine Gruppe internationaler Wissenschaftler getroffen, was den Genehmigungsprozess ein wenig beschleunigte. Andreas und ich beschlossen mit dem Vulkan auf Tuchfühlung zu gehen, querten Abends den bewaldeten Hang des Cumbre Vieja und arbeiteten uns bis auf ein paar hundert Meter an den neuen Kraterkegel heran. Unter ohrenbetäubenden Getöse schoss die Lava in die Höhe und prasselte auf den Kegel nieder. 3 Schlote förderten Tephra und aus einem Vierten sprudelte dünnflüssige Schmelze, die den Lavastrom speiste. Seinen Weg konnten wir von hier oben aus mit den Augen verfolgen. Der Rückmarsch in der Dunkelheit erhielt einen Abendteuerpunkt, denn er führte über Stock und Stein und an recht tiefen Senken entlang.

Am folgenden Abend schlugen wir uns bis zur Abflussrinne des Lavastroms vor, die direkt unterhalb des Kraterkegels verlief. Ein nicht ungefährlicher Beobachtungsposten, aber einer der Faszinierendsten. Hier konnte man sie spüren, die Hitze des Vulkans. Hier atmete man pures Schwefeldioxid und stand im Lapilli-Regen. Hier war man den Kräften des Erdinneren schutzlos ausgeliefert. Schiefgehen durfte nichts, denn es hätte für uns katastrophale Folgen gehabt. Ein schnell voranschreitender Lavaschwall, der Kollaps einer Kraterwand, die Öffnung eines tiefer gelegenen Förderschlotes, oder eine plötzliche Explosion wären uns sicherlich nicht gut bekommen. Menschen sind ja so zerbrechlich! Tatsächlich konnten wir aus der Nähe erkennen, dass es einige Veränderungen in der nördlichen Kraterwand gab und berichteten darüber noch am gleichen Abend im Hauptquartiert der Einsatzkräfte. Zudem hatten wir an der Lavafront Proben gesammelt.

Nachts und am nächsten Morgen öffneten sich dann tatsächlich neue Schlote. Zwei von ihnen entsprangen gut 800 m vom Krater entfernt und nur 120 m östlich der Straße, auf der am Abend unser Wagen stand. Ein paar Stunden ehr und der neue Lavastrom hätte uns den Rückweg von der Abflussrinne abgeschnitten, die nun praktisch unerreichbar war. Als Vulkanbeobachter braucht man manchmal einfach etwas Glück, oder wenigstens das Ausbleiben von Pech!

An meinem letzten Abend auf La Palma wollten wir den Ocean Entry erkunden. Doch als wir uns auf dem Weg dorthin befanden, erschien eine gigantische Rauchsäule am Himmel. Ihre Quelle breitete sich am Boden rasend schnell aus und ich dachte zuerst an einen Aschestrom, der durch ein Kollaps am Ocean Entry entstanden sein könnte, oder dass sich eine Eruptionsspalte geöffnet hätte. Doch das wahr wohl ehr Wunschdenken. Offenbar war ein mehrere Hundert Meter langes Bananen-Gewächshaus abgefackelt. Der Brand entstand durch den Lavastrom, kurz oberhalb der Steilküste, über die sich seit 2 Tagen die Lava stürzte. Binnen Minuten füllte sich das gesamte Tal mit schwarzem Rauch und es wurden Ausgangssperren verhängt. Nicht etwa wegen der Schadstoffbelastung durch den Brand der Plastikfolie, sondern aufgrund des bösen Vulkans. Nun ja, genaugenommen nochmal Glück gehabt, denn eine halbe Stunde später wäre ich direkt neben dem Feuer gestanden. Heute war an den Ocean Entry kein rankommen mehr. Es müssen ja auch noch Ziele für den nächsten Besuch auf La Palma beiben.

Vulkan-News 04.10.21: Vulcano

Am italienischen Inselvulkan Vulcano wurde die Alarmstufe erhöht. Die Eruptionen auf Hawaii und La Palma sind stabil.

Vulcano: Erhöhung der Alarmstufe

Staat: Italien | Lokation: 14.87 ; 38.50 | Eruption: Fumarolisch

Vulcano ist eine kleine Vulkaninsel im Tyrrhenischen Meer vor Sizilien und gehört, wie der Stromboli, zum Liparischen Archipel. Die letzte Eruption begann 1889 und leitete das Ende des industriellen Schwefelabbaus ein. Seitdem mauserte sich die Insel zu einem beliebten Ferienziel, dass mit den verschiedenen Manifestationen des Postvulkanismus Touristen lockt. Doch damit könnte es bald vorbei sein: am Freitag erhöhte das INGV den Alarmstatus des Vulkans auf „gelb“ und der Aufstieg zur Fossa ist nur noch mit Führer erlaubt. Grund für den Alarm war eine Zunahme der Seismizität und eine leichte Inflation. Außerdem erhöhten sich Temperatur und Gasflux der Fumarolen am Kraterrand. Die Vulkanologen befürchten zwar keine unmittelbar bevorstehende Eruption, doch langfristig betrachtet könnte sich ein Vulkanausbruch anbahnen. In den letzten Jahrzehnten gab es bereits 2 ähnliche Phasen, ohne dass es zu einer Eruption gekommen wäre. Manchmal dauert es allerdings auch sehr lange, bis ein Vulkan dann endlich zur Eruption bereit ist. Auf jeden Fall erleben wir gerade ein extrem spannendes Vulkanjahr.

Kilauea: Lavasee-Eruption hält an

Staat: USA | Lokation: 19.42, -155.29 | Eruption: Hawaiianisch

Am Kilauea auf Hawaii ist der Lavasee weiterhin aktiv. Sein Spiegel stieg in den letzten 24 Stunden um 1 Meter. Am Grund des Sees ist eine 35 m lange Spalte aktiv. Der Ausstoß an Schwefeldioxid lag bei fast 15.000 Tonnen am Tag und war somit sehr hoch. Die Seismizität ist ebenfalls erhöht.

Cumbre Vieja: Zahlreiche Erdbeben

Staat: Spanien | Koordinaten: 28.57, -17.84 | Eruption: Hawaiianisch

Seit gestern verstärkte sich die Seismizität unter dem Gipfelbereich des Cumbre Vieja weiter und viele der Beben sind so stark, dass sie sogar beim EMSC gelistet sind. In den letzten 24 Stunden wurden gut 60 Erdbeben mit Magnituden größer 2 detektiert. Auf der Übersichtskarte der Beben der letzten 2 Wochen erkennt man zwei Cluster von Erdbeben: einen im Nordosten bei El Paso, einen zweiten (und jüngeren) im weiter südlich gelegenen Gipfelbereich des Cumbre Vieja. Dort wird noch keine nennenswerte Inflation registriert, dennoch könnte es sein, dass sich in der Region eine weitere Spalte öffnen wird. Zu bedenken gilt, dass die Beben in Tiefen von mehr als 10 km stattfinden und wenn sich dort ein Magmenkörper befinden sollte, könnte die Schmelze schräg aufsteigen und am aktuellen Eruptionszentrum austreten.

Vulkan-News 03.10.21: Keilir, Kilauea

Die Eruptionen am Cumbre Vieja und Klilauea sind stabil. Südwestlich des isländischen Vulkans Keilir gibt es ein Schwarmbeben.

Cumbre Vieja: Anstieg der Seismizität

Staat: Spanien | Koordinaten: 28.57, -17.84 | Eruption: Hawaiianisch

Der Vulkanausbruch auf der Kanareninsel La Palma dauert nun bereits 2 Wochen und ein Ende der Eruption zeichnet sich nicht ab. Im Gegenteil: Inflation und Deflation halten sich die Waage, so dass die Bodenhebung seit 2 Tagen stabil bei 22 cm steht. Lavazufluss- und Abfluss sind im Gleichgewicht. Nichtsdestotrotz wurden in den letzten 3 Tagen zahlreiche Erdbeben mit Magnituden im 3er-Bereich gemeldet, von denen ich einige spüren konnte. Ihre Epizentren liegen unter dem Gipfelbereich des Cumbre Vieja. Die Hypozentren befinden sich in Tiefen von mehr als 10 km. Inzwischen zerstörte die Lava mehr als 1000 Gebäude und verschüttete 30 km an Straßen.

Aufgrund der schlechten Luftqualität im Talkessel, wurden am Freitag die Ausgangssperren ausgedehnt. Doch nicht allein die Gasemissionen des Vulkans beeinträchtigen die Luftqualität, sondern auch die brennenden Gewächshäuser der Bananenplantagen, die vom Lavastrom abgfackelt werden. Am Freitag konnte ich beobachten, wie so ein Gewächshaus aus Kunstoff-Gewebeplane abfackelte und zuerst dachte ich, dass es an der Küste zu einem Kollaps des Lavadeltas nebst Pyroklastischem Strom gekommen sei. Innerhalb von Minuten verdunkelte sich der Himmel im Tal und verpestete die Luft mit Rauch und Ruß.

Inzwischen bin ich wieder daheim und berichte aus dem Homeoffice. Jetzt heißt es auch die Videos- und Fotos der letzten Woche aufzuarbeiten, die ich euch im Laufe der nächsten Woche präsentieren werde.

Kilauea: Lavasee stabil

Staat: USA | Lokation: 19.42, -155.29 | Eruption: Hawaiianisch

Der Pegel des neuen Lavasees am Kilauea auf Hawaii veränderte sich nur wenig und stieg in den letzten 24 Stunden um 2 Meter an. Seine Tiefe beträgt nun 26 m, gemessen über der erstarrten Kruste des Lavasees vom Jahresanfang. Die Lava wird aus mehreren Schloten eruptiert. Sie befinden sich am Grund des Lavasees und in der westlichen Kraterwand. Über den Schloten kommt es zur Bildung von Lavafontänen. Das HVO berichtet, dass sie über dem Hauptschlot bis zu 7 m hoch werden und über den Nebenschloten Höhen bis zu 2 m erreichen. Sporadisch entstehen auch bis zu 60 m hohe Fontänen.

Der Gasausstoß wurde zuletzt am 1. Oktober gemessen: man kam auf einen Wert von 12900 Tonen Schwefeldioxid am Tag. Die Seismizität ist noch leicht erhöht. Seit Eruptionsbeginn am 29. Oktober wird Deflation registriert. Sie nahm in den letzten 24 Stunden etwas ab. Es wird also mehr Lava eruptiert, als an Magma aus größerer Tiefe aufsteigt: die flach gelegenen  Magmakammer unter dem Vulkan entleert sich.

Keilir: Schwarmbeben erschüttert Reykjanes

Staat: Island | Koordinaten: 63.941-22.172 | Eruption: Schwarmbeben

Seit dem 27. September haben mehr als 4000 Erdbeben die Region um den isländischen Vulkan Keilir erschüttert. 9 Erdbeben hatten Magnituden größer als 3. Gestern Mittag manifestierte sich das stärkste Beben der Serie mit M 4,2. Die Erschütterung konnte auf der Reykjanes-Halbinsel gespürt werden. Keilir ist kein unbekannter Vulkan, denn dort endete der Magmatische Gang, der zu Anfangs die Eruption am Fagradalsfjall gespeist hatte. Die Vermutung liegt nahe, dass die Seismizität durch Magmenintrusion hervorgerufen wird. Derweilen erleben wir am Fagradalsfjall die bislang längste Pause der Eruption und es könnte durchaus sein, dass es auch ihr Ende ist, obwohl noch sehr viel Gas aus dem Krater strömt. Aber allem Ende wohnt auch ein neuer Anfang inne und wer weiß, vielleicht verlagert sich die Aktivität Richtung Keilir. Wer sich den Tremorgraphen des Fagradalsfjalls anschaut, sieht dort zahlreiche Peaks im blauen Frequenzband (2-4 Hz). Hierbei handelt es sich um die Erdbeben am Keilir.