Domvulkan Santiaguito erzeugt Lavaüberlauf – zahlreiche Blocklawinen und Dichteströme dokumentiert
Während der Nacht und in den frühen Morgenstunden des 6. September wurde eine lebhafte vulkanische Aktivität am Caliente-Dom des Santiaguito beobachtet. Diese war durch schwache bis mäßige Explosionen gekennzeichnet, die Aschesäulen mit einer Höhe von bis zu 3.200 m ü. NN erzeugten, allerdings keine VONA-Warnungen beim VAAC Washington auslösten. Die letzte stammt vom 4. September. Laut Angaben der Vulkanologen des INSIVUMEH driftete die Asche über eine Entfernung von etwa 15 km in westliche Richtung und verursachte in den Gemeinden Loma Linda, San Marcos Palajunoj sowie weiteren nahegelegenen Ortschaften Ascheniederschlag.

An den südwestlichen und nordöstlichen Flanken des Lavadoms setzt sich die Extrusion von Lava fort. Kurze Lavazungen bewegen sich über die Domflanken, wobei immer wieder Lavapakete abbrechen, zu Tal stürzen und dabei fragmentieren. In den meisten Fällen entstehen beeindruckende Blocklawinen, die nachts eine enorme Rotglut erzeugen. Dadurch brennen die Aufnahmen der Livestream-Kameras teilweise weiß aus und zeigen nur noch helle Spuren.
In einigen Fällen entstehen auch kurze pyroklastische Dichteströme, die aktuell noch unbesiedelte Gebiete erreichen. Dies kann sich allerdings jederzeit und ohne weitere Vorwarnung ändern. Die Instabilität des Doms lässt weiterhin partielle Kollapsereignisse möglich erscheinen, die pyroklastische Ströme mit größerer Reichweite auslösen können. Die Abgänge belegen das Vorhandensein von aktivem Magma in geringer Tiefe.
Der guatemaltekische Zivilschutz CONRED empfiehlt, sich nicht den Lavadomen zu nähern und sich nicht in Schluchten aufzuhalten, da diese Bereiche als besonders gefährlich gelten. Bei starken Regenfällen können hier zudem Lahare entstehen, die eine zusätzliche Gefahr darstellen.
Um den Domkomplex gilt eine 5-Kilometer-Sperrzone, in der sich niemand aufhalten sollte. Insbesondere ist das Campieren dort verboten. Dennoch ist auf den Livestreams zu erkennen, dass sich auf den Flanken des Muttervulkans Santa María in einer Entfernung von etwa zwei Kilometern Vulkanbeobachter aufhalten. Bei der aktuellen Aktivität sind sie zwar nicht unmittelbar durch pyroklastische Ströme oder Blocklawinen gefährdet, allerdings ist das Gelände steil und rutschig, sodass Absturzgefahr besteht.







