Tropensturm wütete vor der Küste Mittelamerikas und türmte Müllberge an der Küste auf
Der Tropensturm „Cristina“ wütet im östlichen Pazifik und hat in den vergangenen Tagen weite Teile Mittelamerikas getroffen. Besonders schwer betroffen war die Küste Guatemalas. Am flachen Küstenabschnitt der Region San Marcos brandeten die Wellen gegen das Ufer und drangen weit ins Hinterland vor. Das zurückweichende Wasser hinterließ enorme Mengen an Müll am Strand.

Nach Angaben des National Hurricane Center in Miami erreichte „Cristina“ anhaltende maximale Windgeschwindigkeiten von 75 km/h. Das Sturmzentrum lag rund 170 Kilometer westnordwestlich von Managua in Nicaragua.
In den Küstenregionen Nicaraguas, Honduras, El Salvadors und Guatemalas wurden bis Donnerstag Niederschlagsmengen von 10 bis 20 Litern pro Quadratmeter erwartet, lokal auch Spitzenwerte von bis zu etwa 30 Litern.
Zeitgleich mit „Cristina“ war auch der Tropensturm „Boris“ vor der Küste Mexikos aktiv.
In sozialen Medien geteilte Aufnahmen zeigen wahre Müllberge aus Plastik, Unrat und Treibholz entlang der Strände. Der Müll stammt jedoch nicht allein aus dem offenen Ozean, sondern repräsentiert vielmehr das, was in Guatemala über längere Zeit in der Natur entsorgt wurde. Während der Regenzeit werden große Abfallmengen von Flüssen aus dem Hinterland in Richtung Meer transportiert, wo sie sich in Küstennähe ansammeln. Der Sturm und die starke Brandung haben das Material konzentriert und anschließend wieder an Land gespült.
Hydrologisch betrachtet handelt es sich an der Pazifikküste Mittelamerikas häufig nicht um klassische Sturmfluten, sondern um eine Überlagerung von hohem Seegang, sogenanntem Wellenauflauf und gleichzeitig erhöhtem Flussabfluss. Die flache Küstengeometrie verstärkt diesen Effekt, da das Wasser weit ins Hinterland vordringen kann. Besonders bei intensiven Niederschlägen schwellen die Flusssysteme rasch an und transportieren Sedimente sowie Abfälle bis in die Mündungsbereiche, wo sie durch die Brandung erneut verteilt werden.
Das Ereignis verdeutlicht die strukturellen Probleme der Abfallentsorgung im Land sowie die weit verbreitete Praxis vieler Einheimischer und Touristen, Plastikmüll in der Natur zu entsorgen. Ein flächendeckendes Recyclingsystem, wie es in vielen europäischen Ländern existiert, fehlt weitgehend. Die angespülten Müllberge stellen nicht nur ein kurzfristiges ästhetisches Problem dar, sondern bergen auch Risiken für Ökosysteme und den Tourismus.
Umweltschützer sehen in solchen Ereignissen einen Hinweis darauf, wie eng Klimawandel, Infrastruktur, Abfallmanagement und Küstenschutz miteinander verknüpft sind und wie dringend integrierte Lösungsansätze benötigt werden.




