Erdbeben-News 21.07.22: Hawaii

Big Island mit zahlreichen Erdbeben

Datum: 20.07.22 | Zeit: 10:59:48 UTC | Lokation: 19.20 N ; 155.41 W | Tiefe: 40 km | Ml 3,3

Auf Big Island Hawaii manifestierten sich seit gestern mehr als 20 Erdstöße mit Magnituden im 2-er Bereich. Interessant ist, dass die Erdbeben weit streuen und sich in verschiedensten Tiefen ereignen. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 3,3 und lag in 40 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 7 km östlich von Pāhala verortet. Die Beben dort stehen im Zusammenhang mit Magmenaufstieg entlang des unteren Westrifts am Vulkan Kilauea. Magma bewegt sich auch in der Nähe der Gipfelcaldera. Dort gab es 3 Erdbeben, die bei EMSC angezeigt werden. Interessanter sind allerdings die weniger alltäglichen Erdbeben im Bereich von Mauna Loa und Kamaʻehuakanaloa (Lōʻihi) Seamount. Über diesen Erdbebenschwarm habe ich bereits vor 3 Tagen berichtet. Er hält weiterhin an. Am Mauna Loa gab es seit gestern 7 Erdbeben mit Magnitude größer als 2. Der stärkste Erdstoß brachte es hier heute auf 2,8. Er hatte ein Hypozentrum in nur 4 km Tiefe, also in einem Bereich, in dem sich oft Magma akkumuliert. Das HVO berichtete in seinem letzten Wochen-Bulletin tatsächlich von 87 Erschütterungen, die sich im Bereich des Vulkans Mauna Loa ereignet hatten. Die Beben standen mit Fluidbewegungen im Zusammenhang, was sich auch in einer langsamen, aber stetigen Inflation widerspiegelt. Der Alarmstatus steht auf „gelb“. Doch der Mauna Loa ist nicht der einzige Vulkan auf Big Island Hawaii. Am benachbarten Vulkan Kilauea steht der Alarmstatus sogar auf „orange“ und im Halema’uma’u-Krater köchelt seit Monaten ein Lavasee. Die Eruption begann am 29. September und förderte seitdem 98 Millionen Kubikmeter Lava. Sie füllt den Krater langsam auf und ließ seinen Boden bisher um 133 Meter steigen. Das Bild zeigt eindrucksvoll, wie groß die Gipfelcaldera mit dem Krater ist und wie klein der aktive Teil des Lavasees dagegen aussieht. Die Caldera vergrößerte sich deutlich, als der Vulkan 2018 die Leilani-Eruption hervorbrachte. Interessant ist, dass die Inflation nun wieder so groß ist, wie vor Beginn der Eruption. Wer weiß, vielleicht verstärkt sich das müde Geköchel des Lavasees bald, oder das Magma sucht sich neue Wege.

Vulkan-News 21.07.22: Shiveluch

  • Shiveluch eruptierte seit gestern 7 Aschewolken
  • Sie stiegen bis zu 5700 m hoch auf
  • Der Dom wächst und es gibt eine Wärmeanomalie
  • Es könnten Pyroklastische Ströme erzeugt werden

Shiveluch in Hochform

Staat: Russland | Koordinaten: 56.65; 161.36 | Eruption: Dom

Während die Vulkane Europas derzeit schwächeln, bleibt es auf Kamtschtka spannend! Auf der russischen Halbinsel ist der Shiveluch weiter aktiv und erzeugt Aschewolken, die bis zu einer Höhe von 5700 m aufsteigen und in östlicher Richtung driften. Seit gestern brachte das VAAC Tokio 7 VONA-Warnungen zum Shiveluch heraus, was auf eine Phase erhöhter Aktivität hindeutet, wie wir sie am Shiveluch im Jahr 2019 gesehen haben. Damals, vor Pandemie und Krieg konnte man tatsächlich noch recht unbeschwert hinreisen, was einige Vulkanauten/Geonauten auch taten. Wie sich die Welt seitdem verändert hat! Nicht nur die Anzahl der Aschewolken, sondern auch die hohe Thermalstrahlung, die vom Shiveluch emittiert wird, spricht für eine Phase erhöhter Aktivität und deutet zugleich auf Domwachstum und Abgänge Pyroklastischer Ströme hin. Aktuell registriert MIROVA eine thermische Strahlung mit 283 MW Leistung. Die Visualisierung des Signals zeigt, dass es eine Längserstreckung in Richtung des Ignimbrit-Feldes hat, was ebenfalls ein Hinweis auf einen Pyroklastischen Strom ist. Auf einem Sentinel-Foto von heute erkennt man im Infrarotspektrum, dass es eine Thermalspur gibt, die vom Dom ausgeht und sich in Richtung Südwesten erstreckt. Sie könnte durch glühende Schuttlawinen, oder durch einen kurzen Lavastrom verursacht werden. Denkbar ist auch, dass sie von einem Pyroklastischen Strom verursacht wurde.

KVERT warnt in seinem Update davor, dass es jeder Zeit zu starken Eruptionen kommen könnte, bei denen Vulkanasche bis zu 15 km hoch aufsteigen kann und dann den Flugverkehr gefährdet. Bereits jetzt sind tief fliegende Flugzeuge in Gefahr. Die Vulkanologen bestätigen das Domwachstum und berichten von starken Entgasungen und Aschewolken, die bis zu 4500 m Höhe aufsteigen. Eine Eruptionswolke hat sich 65 km weit ausgebreitet.

Am Rande sei bemerkt, dass der ca. 60 km entfernte Vulkan Bezymianny ebenfalls thermisch aktiv ist und eine schwache Wärmestrahlung abgibt. Der Dom in der hufeisenförmigen Depression des Kraters wächst momentan langsam.

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