Sakurajima mit Blitzen am 12.09.22

Vulkanisches Gewitter Sakurajima

Bereits gestern berichtete ich über die jüngsten Eruptionen am Sakurajima. Jetzt entdeckte Manfred das zugehörige Video auf Youtube. Es zeigt, dass während der stärksten Eruption ein ordentliches vulkanisches Gewitter in der Eruptionswolke tobte. Wie es typisch ist, zuckten die meisten Blitze in den ersten Sekunden der Eruption, kurz nachdem die glühende Tephra eruptiert wurde und Vulkanasche ihren schnellen Aufstieg beginnt.

Vulkanische Blitze waren am Sakurajima eine Zeitlang gang und gäbe. Wie genau sie entstehen ist noch unzureichend erforscht. Zuerst muss bei einer explosiven Eruption die Lava fragmentiert werden. Während des Aufstiegs der Aschewolke kollidieren die Aschepartikel und sie laden sich elektrisch auf. Die elektrischen Ladungen trennen sich, es entsteht ein elektrisches Feld, die Grundvoraussetzung für die Entstehung von Blitzen. Außerdem scheint der Anteil des Wassers in der Eruptionswolke eine Rolle für die Stärke eines vulkanischen Gewitters entstehen. Bei hoch aufsteigenden Eruptionswolken beobachtete man bereits einen sprunghaften Anstieg der Blitzanzahl, sobald die Eruptionswolke Höhen erreichte, in der sich Eiskristalle in der Eruptionswolke bildeten. Doch Eiskristalle während der Initialphase einer Eruption können am Sakurajima keine Rolle spielen. Neben der Dichte der Eruptionswolke scheint die Anfangsgeschwindigkeit der Tephra eine entscheidende Rolle zu spielen, ob sich Blitze bilden, oder nicht. Ich kann mir vorstellen, dass der Ladungsaufbau bereits bei der Fragmentation im Förderschlot geschieht.

Das JMA veröffentlichte heute ein neues Bulletin, dass die Tätigkeit zwischen dem 9. und 12 September beschreibt. Darin heißt es, dass sich in diesem Zeitraum 8 Eruptionen zutrugen. Sie schleuderten größere Lavabomben und Blöcke bis zu 1100 m weit. Es besteht die Gefahr, dass Pyroklastische Ströme erzeugt werden, wenn es zum Kollaps einer größeren Aschewolke kommen sollte. Kleinere Pyroklastische Ströme können auch durch Fragmentation großer heißer Blöcke verursacht werden, die bei den Explosionen gefördert werden und auf den Kraterrand krachen.

Der eruptierende Krater ist weiterhin der Minamidake. Nachts nimmt eine hochempfindliche Kamera Rotglut über dem Krater auf. Das Magma steht also hoch im Fördersystem.

Erdbeben-News 12.09.22: Philippinen

Wie so oft, sind die Tage um Vollmond die seismisch aktivsten. Das stärkste Erdbeben der letzten Stunden hatte eine Magnitude von 5,6 und lag im philippinischen Archipel. Das Schwarmbeben nördlich von Island hält an.

Philippinen: Erdbeben Mw 5,6

Datum: 12.09.22 | Zeit: 08:14:44 UTC | Lokation: 6.13 N ; 127.54 E | Tiefe: 40 km | Mw 5,6

Vor der Ostküste der philippinischen Insel Mindanao ereignete sich ein Erdbeben der Magnitude 5,6. Das Hypozentrum lag 40 km tief. Das Epizentrum befand sich 160 km östlich von San Ignacio. Ein Blick auf die Shakemap enthüllt, dass sich bei den Philippinen innerhalb einer Woche sehr viele Erdbeben ereigneten.


Island: Schwarmbeben hält an

Datum: 12.09.22 | Zeit: 01:05:34 UTC | Lokation: 66.64 ; -17.95 E | Tiefe: 11 km | Mb 4,2

Das Schwarmbeben an der TFZ nördlich von Island geht weiter. Die Aktivität fluktuiert ein wenig und nahm im gestrigen Tagesverlauf ab. Gegen Mitternacht intensivierte sie sich dann wieder und es gab mehrere Erdstöße mit Magnituden über 3. Das Stärkste brachte es auf M 4,2. IMO berichtet, dass insgesamt mehr als 6000 Erdbeben registriert wurden.

Ob der Erdbebenschwarm mit Magmenintrusion einhergeht ist bis jetzt nicht definitiv geklärt. Isländische Forscher stufen das Geschehen als „normal“ ein. Besorgt über eine möglicherweise bevorstehende Eruption zeigt man sich nicht. Der Ausbruch eines Unterwasservulkans würde an dieser Stelle wahrscheinlich nur geringe Auswirkungen an der Oberfläche haben. Anzeichen für eine Eruption gibt es bis jetzt nicht.

Vulkane und Erdbeben am 12.09.22: Sizilien

Auf der größten Insel des Mittelmeeres stehen 2 Vulkane im Fokus meiner Berichterstattung, an denen es in den letzten Tagen Erdbeben gab. Die Rede ist von den Vulkanen Ätna und Vulcano.

Ätna: Erdstoß M 2,1

Unter der Ätna Nordwestflanke gab es 2 Erdbeben mit den Magnituden 2,1 und 2,0. Die Hypozentren lagen in 19 und 26 km Tiefe. Die Epizentren wurden 19 km nord-nord-östlich von Adrano lokalisiert. Lage und Tiefe der Erdbeben deuten darauf hin, dass sie von aufsteigendem Magma ausgelöst wurden. In den letzten Wochen ist ein Anstieg der Seismizität unter dem Vulkan zu beobachten. Sie hat aber bei weitem noch nicht das Niveau erreicht, wie wir es in den Monaten vor den Paroxysmen im letzten Jahr sahen. Momentan lädt der Ätna langsam, aber recht konstant auf. Eine lokale Steigerung der Inflation registrierten die Vulkanologen vom INGV Ende August/Anfang September, als es im Nordosten des Vulkans zu verstärkter Inflation an einer Messstation am Monte Crisimo kam. Der Magmenaufstieg erfolgte entlang des Pernicana-Verwerfungssystems. Eine weitere Inflationssteigerung konnte auch an der Station bei Sant’Alfio registriert werden.

Aus dem Monatsbericht des INGV geht hervor, dass die Gipfelkrater entgasen stark, wobei die größte Aktivität von der Bocca Nuova ausgeht. Die Entgasungen dort erfolgen zuweilen explosionsartig und sind von lauten Detonationsgeräuschen begleitet. An einigen Tagen mit hohem Tremor, beobachteten die Vulkanologen den Auswurf glühender Tephra über den Kraterrand hinaus. Diese Explosionen wurden Mitte August vom westlichen Förderschlot erzeugt. Es finden also tief sitzende Eruptionen statt und der Vulkan ist nicht so tot, wie es den Anschein hat. Die Tätigkeit verursacht auch Infraschall, den die Sensoren des INGVs aufnehmen.

Der Neuen-Südostkrater ist fumarolisch tätig. An einigen Tagen wurde Rotglut aus einem Schlot am Nordrand des Kraters beobachtet. Dieser Schlot erzeugte im Mai und Juni einige Ascheeruptionen. Lava steht also hoch im Fördersystem des Kraters, ohne dass es zu Eruptionen kommen würde.

Anfang August kam es zu einem partiellen Kollaps einer Kraterwand im Nordostkrater ansonsten präsentiert er sich genauso ruhig wie die Voragine, sieht man einmal von Entgasungen ab.

Vulcano mit schwachen Erschütterungen

Nachdem es um den Inselvulkan Vulcano, der nördlich von Sizilien liegt, in den letzten Wochen ruhiger geworden war, gab es in den vergangenen Tagen wieder einige schwache Erschütterungen, die in den Listen vom INGV angezeigt werden. Sie hatten Magnituden im Bereich der Mikroseismizität und streuten in der Region von Vulcanello. Diesen Monat gab es 8 Beben, von denen 4 in der Karte angezeigt werden. Die Tiefen lagen zwischen 2,77 und 4,15 km. Die Fumarolen-Temperaturen am Krater der Fossa bleiben hoch, während der Gasausstoß etwas zurückging.