Erdbeben in Kalifornien – News am 30.04.23

2 Schwarmbeben am Salton See in Kalifornien

Datum 30.04.23 | Zeit: 07:58:19 UTC | 33.21 N ; 115.61 W | Tiefe: 10 km | ML 4,3

Im Süden von Kalifornien kam es heute gleich zu zwei Erdbebenschwärmen. Einer ereignete sich direkt am Südostufer des Salton Sees. Ein zweiter Schwarm manifestierte sich weiter südöstlich in der Nähe der mexikanischen Grenzstadt Mexicali. Seit gestern registrierte das EMSC fast 40 Beben in der Region mit Magnituden ab 2. Die stärkste Erschütterung brachte es auf ML 4,3 und hatte ein Hypozentrum in 10 km Tiefe. Es wurde 13 km nordwestlich von Calipatria am Salton-See verortet.

Von der tektonischen Seite her ist die Gegend um den Salton-See sehr interessant, denn am Ostufer des Sees verläuft die San-Andreas-Fault. Kurz hinter dem See verliert sich ihre Spur. Ein Kuriosum ist der Niland-Geysir, der am Südostufer entlang der Verwerfung umherwandert und an verschiedenen Orten sporadisch springt. Die letzten News zu diesem Geysir stammen aus dem Jahr 2021. Damals gab es auch Schwarmbeben in der Region.

Im Bereich des Schwarmbebens am Südostende des Sees verläuft eine weitere interessante tektonische Verwerfungslinie, die auf den Namen East-Shoreline-Faultsystem hört und weiter südlich in die Imperial Fault mündet. Zwischen dieser Störung und der San-Andreas-Verwerfung bildeten sich zahlreiche quer verlaufende kurze Störung, die die beiden Verwerfungen wie die Sprossen einer Leiter miteinander verbinden. Dieses Konglomerat aus Verwerfungen wird Durmid-Ladder-Structur genannt. Sie verläuft größtenteils unter dem Seeboden und trifft im Bereich des Schwarmbebens auf Land.

Der zweite Erdbebenschwarm weiter südlich des Salton Sees ereignete sich an der Imperial-Fault. Es ist sehr gut möglich, dass es einen Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen gibt und das die Beben von den gleichen Spannungen ausgelöst wurden, die sich in diesem zusammenhängenden Störungssystem an der auslaufenden San-Andreas-Verwerfung aufgebaut haben.

Erdbeben am Vulkan Shiveluch – News vom 30.04.23

Erdbeben erschüttern Vulkan Shiveluch auf Kamtschatka

Datum 30.04.23 | Zeit: 01:14:17 UTC |  56.62 N ; 161.45 E | Tiefe: 10 km | Mb 4,3

Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka wird der Vulkan Shiveluch von einer Serie moderater Erdbeben gerockt. Die stärkste Erschütterung, die vom EMSC detektiert wurde, brachte es auf Mb 4,3 und hatte ein Hypozentrum in 10 km Tiefe. Das Epizentrum befand sich unter der Ostflanke des Vulkans und wurde 50 km NE of Klyuchi verortet. Während das EMSC nur dieses eine Beben registrierte, berichten russische Medien von einer Erdbebenserie. Demnach soll es mindestens 6 Erdbeben gegeben haben. Das Auffällige: alle sollen eine Magnitude von 3,6 gehabt haben, was ich für sehr unwahrscheinlich halte.

Erst Anfang des Monats war es zu einer großen Eruption am Shiveluch gekommen, bei der der Lavadom ausgeblasen wurde und pyroklastische Ströme und hoch aufsteigende Aschewolken generiert wurden. Das zuständige Institut KVERT berichtet seitdem vom Wachstum eines neuen Lavadoms im neu entstandenen Krater. Es wird nächtliche Rotglut und starke Dampfentwicklung beobachtet. Das VAAC meldet Vulkanasche in einer Höhe von 4300 m Höhe, die in Richtung Süden driftet.

Laut dem Bericht einer russischen Zeitung war in den letzten Tagen eine Forschergruppe am Shiveluch, um die Auswirkungen der Eruption zu studieren. Die pyroklastischen Ströme stoppten 2 km vor der Brücke über den Trockenfluss Bekesh. Dort waren die Ablagerungen des Ignimbrits 10 cm mächtig. Mittags setzte die Schneeschmelze ein, sodass sich die Ablagerungen in einen zähen Schlamm verwandelten. Die Forscher trafen auf einen Bären, der dem Straßenverlauf folgte und keinen Platz machte, weil er nicht in den Schlamm ausweichen wollte. Die Forschergruppe gelangte zu einer Holzfällerstation, die von den pyroklastischen Strömen zerstört wurde.

Die Vulkanologen von KVERT warnen davor, dass es jederzeit zu weiteren starken Explosionen kommen könnte, die den Flugverkehr gefährden. Der Alarmstatus steht auf „orange“.

Es stellt sich natürlich die Frage, ob die aktuellen Erdbeben von aufsteigendem Magma verursacht werden. Leider fehlen Daten zur Mikroseismizität. Die moderaten Erdbeben könnten sich an einer lokalen Störungszone ereignet haben und primär tektonischen Ursprungs sein. Die Störungszone könnte aber durch ein verändertes Spannungsfeld infolge von Magmenbewegungen aktiviert worden sein. Sollte es sich direkt um vulkanotektonische Erdbeben gehandelt haben, würde ich ein recht starkes Schwarmbeben erwarten, von dem nur die stärksten Erschütterungen detektiert wurden. In diesem Fall werden weitere starke Eruptionen nicht lange auf sich warten lassen.

Erdbeben News vom 29.04.23: Alaska

Erbeben Mb 6,2 erschüttert Alaska

Datum 29.04.23 | Zeit: 16:32:26 UTC | 56.21 N ; 156.69 W | Tiefe: 77 km | Mb 6,2

Update: Leser wiesen mich darauf hin, dass das Beben bei den Erdbebendiensten nicht mehr gelistet ist. Evtl. handelte es sich um eine Falschmeldung der Erdbebendienste.

Originalmeldung: Heute Abend ereignete sich ein Erdbeben Mb 6,2 vor der Küste von Alaska. Das Hypozentrum befand sich in 77 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 257 km ost-nordöstlich von Sand Point verortet. Aufgrund der Tiefe des Hypozentrums im Bereich der Asthenosphäre bestand keine Tsunami-Gefahr. Der Erdstoß hing mit der Subduktion der Pazifischen Platte unter der Platte Nordamerikas zusammen. Das Beben ereignete sich nur ein paar hundert Kilometer vom Beginn des Aleutenbogens entfernt. Der Inselbogen ist vulkanischen Ursprungs, aber auch im Bereich der Küste von Alaska gibt es zahlreiche Vulkane, die auf Erdbeben mit Magnitude über 6 reagieren könnten. Mount Chiginagak und Mount Aniakchak (in dessen Caldera es letzten ebenfalls Erdbeben gab) sowie Mount Veniaminof liegen dem Epizentrum des Bebens am nächsten. Selbst Nova-Rupta und Mount Trident liegen nur ca. 250 km vom Epizentrum entfernt und somit im Wirkungskreis des Erdbebens.

Wo wir schon beim Thema Mount Trident und Nova Rupta sind: seit einem Schwarmbeben im August 2022 ist die Seismizität dort erhöht. Das AVO berichtet in seinem wöchentlichen Update, das gestern erschien, dass es in der letzten Woche 28 Erbeben im Bereich der beiden nahe beieinander liegenden Vulkane gegeben hat. Die Seismizität blieb somit über dem Backgroundlevel und könnte im Zusammenhang mit der Akkumulation von Magma im Untergrund zusammen hängen.

Eine ähnliche Erdbebenaktivität gibt es unter dem oben erwähnten Vulkan Mount Aniakchak. Laut AVO liegt die Seismizität ebenfalls über Backgroundlevel, allerdings geht das Institut nicht näher auf die Anzahl der Beben ein, sondern schreibt, dass es mehrere Beben mit Magnituden bis 3 gegeben habe. Da ein Seismometer ausgefallen war, konnte man schwächere Beben nicht genau erfassen. Hier könnte sich ebenfalls Magma im Untergrund sammeln.


Weitere Erdbebenmeldungen:

Golf von Anden: Erdbeben Mw 5,1

Datum 29.04.23 | Zeit: 14:07:01 UTC |  13.24 N ; 51.01 E | Tiefe: 2 km | Mw 5,1

Im Golf von Aden, der sich im Bereich der Mündung des Roten Meeres in den Indischen Ozean befindet, wurde heute Mittag ein Beben der Magnitude 5,1 registriert. Der Erdbebenherd lag nur 2 km tief. Das Epizentrum wurde 152 km nord-nordwestlich von Bereeda (Somalia) lokalisiert.


Erdbeben auf Big Island Hawaii nehmen weiter zu

Heute steigerte sich die Anzahl der Erdbeben mit Magnituden ab 2, die sich am Kilauea auf Hawaii ereigneten. Das EMSC detektierte seit gestern 22 dieser Erdbeben. Mehrere Beben lagen westlich der Gipfelcaldera, es gab aber auch Erschütterungen in anderen Bereichen der Gipfelregion. Die meisten Erschütterungen hatten Hypozentren nahe des Meeresspiegelniveaus. Seit gut einer Woche wurden vom HVO täglich zwischen 100 und 120 Beben registriert. Ich denke, wir sind nicht mehr allzu lange von einer neuen Eruption im Halema’uma’u-Krater entfernt.

Unwetter in Deutschland – Naturkatastrophen-News am 29.04.23

Unwetter mit Hagel und Starkregen lösen Hangrutsch aus

Am Freitag kam es in Deutschland zu einem starken Unwetter, von dem weite Teile der Bundesländer Hessen und Baden Württemberg betroffen waren. Starke Regenfälle verwandelten Straßen in Bäche und ließen Keller volllaufen. Der mit Wasser übersättigte Boden ließ in Heidelberg einen Hang abrutschen. In Mainz kam es zu einem Hagelsturm.

Wie die Polizei berichtet, konnten vor dem Hangrutsch die Bewohner eines Hauses evakuiert werden. Dabei musste insbesondere eine ältere Bewohnerin von den Beamten in Sicherheit gebracht werden. Aufgrund der Evakuierungsmaßnahmen kamen keine Personen zu Schaden, es entstanden nur Sachschäden. Derzeit wird geprüft, ob das beschädigte, aber nicht zerstörte Haus weiter bewohnt werden kann.

Zu starken Regenfällen kam es auch in anderen Städten Baden Württembergs und Feuerwehr und Rettungskräfte waren im pausenlosen Einsatz. Überflutungen, vollgelaufene Keller und unpassierbare Straßen infolge umgestürzter Bäume wurden auch aus Mannheim und mehreren Orten der Landkreise Neckar-Odenwald und Rhein-Neckar gemeldet.

In Mainz stürmte und regnete es nicht nur, sondern das Unwetter wurde von einem Hagelschauer begleitet. Die Hagelkörner erreichten Tischtennisballgröße und richteten Schäden an mindestens 30 Gebäuden an. Der Sturm ließ Dachpfannen durch die Luft wirbeln und Fensterscheiben und Fahrzeuge beschädigten. Außerdem wurden mehrere Bäume entwurzelt. Das Dach einer Scheune stürzte ein. Die Aufräumarbeiten dauern noch heute an.

Wie das Video zeigt, ging das Unwetter bei Mainz aus einer Superzelle hervor, in der sich auch Tornados bilden können.

Die Unwetter beschränkten sich nicht nur auf Deutschland. Auch im Norden Österreichs gab es ergiebigen Dauerregen. Im Hörbranzer Gemeindegebiet Hochreute kam es zu einer ähnlichen Situation wie im Raum Heidelberg: Ein Hang kam ins Rutschen und drohte mehrere Gebäude mit sich zu reissen. Auch dort wurden Anwohner evakuiert.

Aus einer Erklärung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) geht hervor, dass der April 2023 sehr regnerisch ausgefallen ist. Erstmals seit 15 Jahren ist der April wieder zu nass ausgefallen. Pro Quadratmeter hat es knapp 64 Liter Niederschlag gegeben, was rund 10% über dem Wert der international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990 liegt.

Interessant ist, dass bei der Eruption des submarinen Vulkans Hunga Tonga-Hunga Ha’api zum Jahreswechsel 2021/22 viel Wasserdampf in die Atmosphäre geblasen wurde. Die Menge wurde auf ca. 10% des bereits vorhandenen atmosphärischen Wasserdampfs geschätzt.

Vulkane Afrikas – News am 29.04.23

Im heutigen Bericht geht es um die drei afrikanischen Vulkane Erta Alé, Nyamuragira und Ol Doinyo Lengai die thermische Anomalien in ihren Kratern zeigen.

Erta Alé mit thermischen Signal

Staat: Äthiopien | Lokation: 13.60, 40.70 | Aktivität: Hawaiianisch

Der äthiopische Vulkan Erta Alé liegt in der Danakil-Depression des Afar-Dreiecks. Hierbei handelt es sich um eine sehr dünn besiedelte Wüste in einer Senke, die zu den trockensten und heißesten Orten der Welt gehört. Der Erta Alé ist ein flacher Schildvulkan, der auf dem trockengefallenen Äquivalent eines Ozeanischen Rückens liegt, denn bei der Danakil handelt es sich um ein Stück Meeresboden, das durch einen Gebirgsriegel vom Roten Meer getrennt ist. Korralen und Salzablagerungen beweisen, dass die Depression einstmals bereits unter Wasser lag. Tektonische Prozesse und eine Veränderung des Meeresspiegels ließen diesen Teil des Meeres trocken fallen, obgleich es noch viele Punkte gibt, die unter dem Meeresspiegel liegen.

Viele Jahre lang brodelte im Südkrater des Erta Alé ein Lavasee, der bei einer großen effusiven Eruption im Jahr 2017 leer lief. Seitdem versuchte der Vulkan immer wieder einen stabilen Lavasee zu etablieren, was aber nicht gelang. Die Schmelze steht hoch im Fördersystem und unter einer Erstarrungskruste auf dem Krater scheint ein Lavasee zu brodeln. In den letzten Monaten waren die einzigen sichtbaren Manifestationen der vulkanischen Aktivität drei Hornitos, von denen eine geringe Wärmestrahlung ausging. einer dieser Hornitos befand sich am südlichen Kraterrand des Nordkraters. Hier gab es sporadische Lavaüberläufe. Auf einem aktuellen Sentinel-Satellitenfoto sieht man diese Wärmequelle nicht mehr. Dafür scheint sich die Aktivität an einem Hornito im Südkrater verstärkt zu haben. Möglicherweise kommt es zu Lavaspattering. Spekulativ ist, dass der Hornito kollabierte und so ein Fenster zum Lavasee schuf, der unter der Erstarrungskruste zu brodeln scheint. MIROVA detektierte in den letzten Tagen mal eine schwache bis moderate Wärmestrahlung. Aktuell wird keine Strahlung angezeigt. Genaueres werden wir erst erfahren, wenn sich wieder eine Expedition zum Vulkan aufmacht und von dort berichtet. Eine systematische Überwachung von Seiten der Vulkanologen gibt es am Erta Alé nicht.


Nyamuragira mit Lava in der Caldera

Staat: DRK | Koordinaten: -1.41, 29.20 | Aktivität: Lavastrom

Auf einem neuen Sentinel-Satellitenfoto sieht man auch, dass es eine größere thermische Anomalie in der Caldera des kongolesischen Vulkans Nyamuragira gibt. Sie deutet darauf hin, dass Lava in der Caldera unterwegs ist. Einen entsprechenden Hinweis lieferte auch das Goma-Vulkanobservatorium, dass dank eines engagierten Mitarbeiters ausgebaut wird und anfängt öfters in den Sozialen Medien zu kommunizieren. Trotzdem bleibt es auch für die Wissenschaftler vor Ort schwierig, den Nyamuragira zu besteigen, weil sich in den Wäldern am Hang des Vulkans immer noch mordende Rebellen rumtreiben.


Ol Doinyo Lengai mit schwachem Signal

Staat: Tansania | Koordinaten: -2.76 ; 39.91 |Aktivität: Effusiv

Friedlicher geht es am Ol Doinyo Lengai in Tansania zu. Dort kann man den Vulkan gefahrlos (in Bezug auf böse Menschen) besteigen. Trotzdem gibt es von dort auch vergleichsweise selten Augenzeugenberichte des vulkanischen Geschehens, was in erster Linie den exorbitant explodierten Preisen für Safaris geschuldet sein dürfte. Reisen in die Region des Lake Natrons mit einer kurzen Lengai-Besteigung liegen für 2 Personen praktisch immer im fünfstelligem Bereich. Auf einem Satellitenbild vom 13. April (das letzte ohne Wolken) ist eine schwache thermische Anomalie erkennbar, die darauf hindeutet, dass in einem Hornito im Vulkankrater weiterhin die einzigartige Lava des Vulkans brodelt.

In den letzten Tagen hat es übrigens viel in der Region geregnet und die Dürre im Norden Tansanias und Süden Kenias scheint vorbei zu sein.

Vulkan Santiaguito: Neue Infos und Fotos

Staat: Guatemala | Koordinaten: 14.76, -91.55 | Aktivität: Dom

Ascheeruptionen am Santiaguito in Guatemala

Der guatemaltekische Domvulkan Santiaguito ist weiterhin effusiv und explosiv aktiv: der Dom wächst und es gibt starke Entgasungen und schwache Ascheeruptionen. Laut den Vulkanologen von INSIVUMEH steigt eine Dampfwolke bis zu 800 Metern über dem Dom auf. Wenn es zum Ascheausstoß kommt, erreichen die Aschewolken eine vergleichbare Höhe. Die Eruptionswolken breiten sich mit dem Wind nach Südosten bzw. Südwesten aus. Schwache Block- und Aschelawinen werden weiterhin am Domrand sowie in der Mitte und an der Vorderseite des westlichen Lavastroms beobachtet, der weiterhin aktiv ist, dessen Ausbreitung aber stagniert. Es wird empfohlen, sich dem Lavastrom nicht zu nähern, da er eine starke Hitze abstrahlt und an seinen Rändern immer wieder Zusammenbrüche auftreten, die bei Annäherung Verbrennungen und andere schwere Verletzungen verursachen können. In der Nacht wurde am Dom Rotglut beobachtet.

Der Vulkan unterhält eine hohe Aktivität aufgrund der Extrusion von Lava in Blöcken in der Kuppel des Domo Caliente in west-südwestlicher Richtung und des instabilen Materials im Krater, es besteht die Wahrscheinlichkeit von mäßigen bis starken pyroklastischen Strömen, daher sollte man sich nicht in der Nähe oder in den Flussbetten in der Nähe der Hänge des Vulkans aufhalten. Der Alarmstatus steht auf „gelb“ und die Eruptionen können sich jederzeit intensivieren.

Das war auch das Szenario, auf das Thomas Spinner in der letzten Woche am Santiaguito traf. Bereits gestern teilte ich seine Fotos vom Fuego. Den Santiaguito besuchte er wenige Tage zuvor auf seiner Guatemala-Tour. Ähnlich wie am Fuego, bezieht man am Santiaguito seinen Beobachtungsposten auch an einem größeren Vulkan. In diesem Fall blickt man vom Gipfel des größeren Vulkans Santa Maria auf den Santiaguito hinab, der sich an der Basis der kollabierten Flanke des größeren Vulkans bildete. Thomas bezog einen Beobachtungspunkt unterhalb des Gipfels. Wie die Fotos zeigen, hatte er nicht nur das Glück, einige Explosionen fotografieren zu können, sondern erwischte auch einen kleinen pyroklastischen Dichtestrom.

Thomas ist Mitglied im Vulkanverein „Vulkanologische Gesellschaft e.V.“, der sich am 13. Mai in der Vulkaneifel bei Schalkenmehren trifft. Wer den Verein kennenlernen möchte, kann nach einer kurzen Anmeldung bei mir gerne dazustoßen. Die Teilnahme am Treffen ist kostenlos.

Erdbeben-News 28.04.23: Island

Island: Erhöhte Erdbebenaktivität im Bereich des Vatnajökulls

Datum 28.04.23 | Zeit: 03:12:19 UTC | 65.24 ; -16.30 | Tiefe: 3,1 km | Mb 1,7

Gestern steigerte sich die Erdbebentätigkeit im Bereich des Vatnajökulls erneut ein wenig. Betroffen waren die Vulkane Grimsvötn und Bardarbunga, die direkt unter dem Gletscher liegt, sowie das System Askja-Herduberid, das sich nördlich der Eisbedeckung befindet. Innerhalb von 48 Stunden registrierte IMO in dem Bereich 44 Einzelbeben. Möglicherweise stehen die Beben mit Fluidbewegungen im Zusammenhang. Allerdings liegen die großen Zentralvulkane auf den beiden Armen der divergenten Störungszone des Mittelatlantischen Rückens, sodass es sich auch um tektonisch bedingte Erdbeben handeln kann. Die Erschütterungen hatten überwiegend Magnituden im Bereich der Mikroseismizität. Die Tiefen der Erdbebenherde streuten, mit einer Tendenz zu flachen Beben in Tiefen weniger als 5 km. Das stärkste Beben brachte es auf M 1,7 bei einer Tiefe von 3,1 km. Es hatte ein Epizentrum, das 6.7 km nord-nordwestlich von Herðubreiðarlindir verortet wurde.

Es wird weiterhin Bodenhebung im Bereich der Askja registriert. Leider ist die prominenteste Messstation OLAC ausgefallen, vermutlich wegen zuviel Schnee. Dort wurde zuletzt 53 cm Bodenhebung gemessen. An der benachbarten Messstation JONC hebt sich der Boden unvermindert. Mittlerweile sind so 24 cm Bodenhebung zusammen gekommen. Die Eisbedeckung am Öskjuvatn ist praktisch vollständig geschlossen. Nur am westlichen Rand des Sees scheint es eine kleine Zone ohne Eis zu geben. Dort münden warme hydrothermale Lösungen in den See.

Unter den Vulkanen Grimsvötn und Bardarbunga zeigen die Messstationen aktuell keine signifikante Bodenhebung an.

Erdbeben gab es natürlich auch in anderen Regionen von Island. Insgesamt waren es in den vergangenen beiden Tagen 120 Erschütterungen. Die meisten davon wurden im Norden von Island im Bereich der Tjörnes-Fracture-Zone detektiert. Auf der Reykjanes-Halbinsel gab es wenige Erschütterungen im Bereich von Grindavik und dem Fagradalsfjall.


Weitere Erdbeben-Meldungen:

Fidschi: Mantelbeben Mb 6,0

Datum 28.04.23 | Zeit: 03:13:44 UTC | 25.17 S ; 178.49 E | Tiefe: 593 km | Mb 6,0

Südlich von Fidschi gab es ein Mantelbeben Mb 6,0, das in der großen Tiefe von 593 km ereignete. Das Epizentrum wurde 782 km südlich von Suva lokalisiert. Zwei Nachbeben hatten eine Magnitude von 5,5. Mantelbeben dieser Stärke sind vergleichsweise selten, weil das Gestein des Erdmantels plastisch und verformbar ist, weswegen sich normalerweise keine großen Spanneungen aufbauen können, so dass es erst gar nicht zu Erdbeben kommt. Kommt es doch dazu, dann manifestieren sich die Erschütterungen für gewöhnlich an einem Stück subduzierter Ozeankruste, das bis in den Erdmantel abgetaucht ist, ohne zu schmelzen.


South Sandwich Inseln: Erdbeben Mw 5,6

Datum 28.04.23 | Zeit: 01:07:52 UTC | 60.00 S ; 28.12 W | Tiefe: 139 km | Mw 5,6

Südlich der South Sandwich Inseln ereignete sich ein Erdbeben der Magnitude 5,6. Das Hypozentrum lag auch hier mit 139 km recht tief, befand sich aber noch in der Asthenosphäre. Das Epizentrum wurde 2050 km östlich von Stanley (Falkland Inseln) verortet,


Iran: Erdbeben Mb 4,9

Datum 29.04.23 | Zeit: 22:39:02 UTC | 36.04 N ; 59.37 E | Tiefe: 10 km | Mb 4,9

Im Nordosten des Irans bebte es mit einer Magnitude von 4,9. Der Erdbebenherd lag in 10 km Tiefe. Das Epizentrum befand sich 36 km süd-südwestlich von Mashhad. Dem EMSC liegen Warnungsmeldungen Wahrnehmungsmeldungen vor.

 

Hitzewelle in Spanien – Naturkatastrophen-News 27.04.23

Ungewöhnlich frühe Hitzewelle lähmt Teile Spaniens

In Teilen Spaniens ist es momentan sehr heiß und die Meteorologen sprechen von der ersten Hitzewelle des Jahres, die nicht nur ungewöhnlich stark ausfällt, sondern auch ungewöhnlich früh im Jahr die Iberische Halbinsel heimsucht. Besonders heiß ist es im Südwesten Spaniens. In Sevilla wurden heute Temperaturen von bis zu 36,7 Grad Celsius gemessen. Den Rekord knackte der Ort Morón de la Frontera, der südwestlich von Sevilla liegt. Dort kletterte das Thermometer auf 37,1 Grad: ein neuer Spitzenwert für den Monat April in Spanien. Seit Beginn der Klimaaufzeichnungen war es noch nie wärmer dort. Der bisherige Rekord wurde um fast 3 Grad überschritten. Und die Wetterprognosen legen nahe, dass die Temperaturen am Freitag noch höher ausfallen können. Einige Wettermodelle sagen voraus, dass sogar die 40-Grad-Marke erreicht werden könnte. Doch schon jetzt ist es den Menschen zu viel, denn bei solchen Temperaturen kann man kaum noch seine gewohnten Tätigkeiten nachgehen, geschweige denn körperlich anstrengende Arbeiten verrichtet werden.

Natürlich fragt man sich, wie wohl der Sommer werden wird und wie die hohen Temperaturen im Frühjahr die Dürre beeinflussen werden, die schon lange in Spanien herrscht. Pessimisten befürchten, dass die aktuelle Wetterlage das neue Normal werden wird: Schwache Höhenwinde und ein ortsstabiles Tiefdruckgebiet über dem Atlantik schaufeln trocken heiße Wüstenluft aus der Sahara Richtung Europa. Die entgegengesetzt wirkenden Luftströmungen bescheren uns in Deutschland aktuell für diese Jahreszeit zu niedrige Temperaturen: In einer Höhe von 1500 m ist die Luft um 8- 10 ° C kühler als im langjährigen Mittel. Dafür sind die Luftmassen im Südwesten Europas und im Nordwesten Afrikas um bis zwölf Grad wärmer als normal. Viel zu heiß ist es übrigens auch in Indien und Thailand.

Dürre jenseits der Alpen

Ungewöhnlich trocken ist es seit Monaten nicht nur im Südwesten Europas, sondern auch südlich der Alpen. Ein Ende der Dürre ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: in den Alpen lag zu wenig Schnee und die Schneeschmelze fällt gering aus. Besonders dramatisch entwickelt sich die Lage am Gardasee, der nur noch zu 38% gefüllt sein soll, obwohl ich das Anhand aktueller Satellitenaufnahmen nicht nachvollziehen kann. Der See reguliert normalerweise während des trockenen Sommers den Wasserstand im Fluss Po, der wiederum wichtiger Wasserlieferant für die Landwirtschaft der Region darstellt. Sollte sich die Situation nicht durch jede Menge Regen bald entschärfen, wird es im Sommer wohl echte Probleme geben. Der Wasserstand erreichte mit nur 45,8 cm über dem hydrometrischen Nullpunkt den niedrigsten jemals seit 1953 beobachteten Wert, gegenüber dem Durchschnitt von 109 cm in den letzten 70 Jahren. Der hydrometrische Nullpunkt des Pegels wird immer etwas unter dem niedrigsten Wasserstand der letzten Jahrzehnte gesetzt.

Erdbeben auf Hawaii – News vom 27.04.23

Zwei moderate Erdbeben erschüttern Big Island Hawaii

Datum 27.04.23 | Zeit: 02:30:54 UTC | 19.19 N ; 155.38 W | Tiefe: 35 km | ML 4,5

Heute Nacht gab es gleich 2 moderate Erdbeben auf Big Island Hawaii, die von den Anwohnern deutlich wahrgenommen wurden. Laut EMSC hatte das stärkere Beben eine Magnitude von 4,5 und manifestierte sich nahe der Südostküste unweit von Pahala. Das Epizentrum wurde 10 km östlich des Ortes lokalisiert. Das Hypozentrum befand sich in 35 km Tiefe, was dafür spricht, dass das Beben mit Magmenaufstieg in Verbindung steht, der sich in dieser Region seit längerer Zeit ereignet. Wie eine Studie zeigt, scheint Pahala direkt über dem Mantelplume zu liegen, der das Vulkansystem mit frischer Schmelze versorgt.

Das zweite Beben brachte es gemäß EMSC auf ML 4,2 und lag ebenfalls in 35 Kilometer Tiefe. Das EMSC verortete das Epizentrum allerdings unter der Westflanke des Mauna-Loa-Vulkans. Laut HVO war das Beben schwächer und hatte eine Magnitude von 3,9 in 26 Kilometern Tiefe. Die Wissenschaftler brachten ein Statement heraus, nach dem das Beben nicht direkt mit dem Vulkanismus der Region in Verbindung stand, sondern durch die Auflast der Insel und den damit entstehenden Stress in der Ozeanplatte ausgelöst worden sein.

Unter der Mauna Loa Ostflanke gab es weitere schwache Beben in geringen Tiefen, genauso wie sich weitere Beben östlich der Kilauea-Caldera manifestierten. Gestern ereigneten sich fast 120 Beben unter dem Kilauea. Die Bodenhebung infolge von Magmeninflation bleibt an beiden Vulkanen vergleichsweise hoch, was ein Indiz ist, dass sich die Feuerberge bereits wieder auf die nächste Eruption vorbereiten. Wann es soweit sein wird, lässt sich nicht genau vorhersagen, aber besonders im Falle des Kilaueas vermute ich, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird.

Kilauea und Mauna Loa sind aktive Schildvulkane vom Typ Hotspot, die zu den aktivsten Vulkanen der Welt zählen. Neue Studien belegen, dass die Vulkane von einem Mantelplume gespeist werden, der ein verzweigtes Fördersystem mit mehreren Magmenkörpern mit Schmelze versorgt.