Vulkan-News 14.06.22: Cerro Negro de Mayasquer

Chiles-Cerro Negro de Mayasquer: seismische Krise

Staat: Kolumbien | Lokation: 0.83-77.97 | Eruption: Schwarmbeben

Der Geologische Dienst Kolumbiens (IGEPN) warnte vor einer möglicherweise bevorstehenden Eruption des Komplexvulkans Chiles-Cerro Negro de Mayasquer. Der Doppelvulkan befindet sich in einer Phase der erhöhten seismischen Unruhe. So wurden seit Ende Mai 17185 Erdbeben mit niedrigen Energien (Mikroseismizität) festgestellt. Hinzu kamen 1217 vulkanotektonische Erdbeben mit größeren Magnituden. Die stärksten Erschütterungen brachten es auf M 3,4-3,0. Die Hypozentren lagen in Tiefen von weniger als 6 km und damit in einem Bereich der Erdkruste, in denen sich gerne Magmenkörper ansammeln. Der Alarmstatus wurde auf „gelb“ erhöht. Ohne weitere Vorwarnungen könnte ein Vulkanausbruch stattfinden. Die -überwiegend indigene- Bevölkerung wurde aufgefordert die Nachrichten aufmerksam zu verfolgen und Warnungen ernst zu nehmen.

Bereits im Jahr 2013 wurde unter dem Cerro Negro eine erhöhte Seismizität festgestellt. Damals löste ein Erdbeben der Magnitude 5,8 ein Schwarmbeben aus. Innerhalb weniger Stunden ereigneten sich gut 4300 Beben. Der Alarmstatus wurde auf „orange“ erhöht. Eine größere Eruption blieb allerdings aus.

Über den Vulkan Chiles-Cerro Negro de Mayasquer

Der Cerro Negro de Mayasquer bildet zusammen mit dem Chiles einen Doppelvulkan, der eine gemeinsame Basis hat. Daher kann man hier nicht -wie in der Literatur weit verbreitet- von zwei Stratovulkanen sprechen, sondern von einem Komplexvulkan.  Er liegt an der kolumbianisch-ecuadorianischen Grenze. Der Gipfelbereich des Cerro Negros wird von einer Caldera dominiert, die nach Westen offen ist. In der Caldera befindet sich ein Kratersee mit einem Schwefelfeld. Es gibt andesitische und dazitische Lavaströme, die möglicherweise während des Holozäns eruptiert wurden. Im Katalog des GVPs wird ein Vulkanausbruch aus dem Jahr 1936 aufgeführt, er könnte aber vom Reventador stammen. Der höhere Gipfel des Vulkans Chiles liegt nur 3 km südöstlich vom Cerro Negro und ist gletscherbedeckt. Chiles brach zuletzt vor etwa 160.000 Jahren aus, hat aber heiße Quellen und ein aktives hydrothermales System an seiner Ostflanke.


Weitere Meldungen:

Ibu mit größerer Eruption als üblich

Staat: Indonesien | Lokation: 1.49, 127.63 | Eruption: Dom, explosiv

Am Ibu auf Halmahera wurde gestern eine Aschewolke registriert, die höher als normal aufstieg. Laut VAAC wurde Vulkanasche in 3700 m Höhe detektiert. Die Eruption dauerte 105 Sekunden und erzeugte ein seismisches Signal mit 32 mm Amplitude. Der Ausbruch ereignete sich bei schönstem Wetter, so dass die Eruption nicht zwingend größer war, als sonst auch, sondern nur besser sichtbar. Tatsächlich gibt es brauchbare Fotos des Vulkanausbruchs.

Erdbeben-News 14.06.22: Reykjanes

Reykjanes auf Island: Erdbeben Mb 3,9

Datum: 14.06.22 | Zeit: 01:02:44  UTC | Lokation: 63.86 ; -22.45 | Tiefe: 2,6 km | Mb 3,9

Auf der isländischen Halbinsel Reykjanes gab es ein moderates Erdbeben der Magnitude 3,9. Es hatte ein Hypozentrum in nur 2,6 km Tiefe. Das Epizentrum lag 3.0 km nördlich von Grindavík und damit im Bereich des Thorbjörn-Vulkans an der Blauen Lagune. Der Erdstoß manifestierte sich zu nachtschlafender Zeit und riss Anwohner der Gegend aus dem Schlaf. Selbst in Reykjavik war der Erdstoß zu spüren gewesen. Die Menschen der Region dürften in den letzten Monaten sowieso unruhig schlafen, denn es droht ein Vulkanausbruch, der seine Finger nicht nur nach dem Geothermalkraftwerk Svartsengi und der Blauen Lagune ausstrecken könnte, sondern sogar den Ort Grindavik bedroht. Wann- und ob es zu einer Eruption kommen wird ist weiter ungewiss. Zuletzt ließ die Bodenhebung in dem Erdbebengebiet nach. Die GPS-Daten werden nicht mehr für alle Messstationen auf Reykjanes öffentlich aktualisiert. Zuerst sah es so aus, als würde sich mit dem Nachlassen der seismischen Tätigkeit die Inflation in Deflation umkehren, doch zuletzt schien sich dann ehr ein Plateau herauszubilden. Man kann davon ausgehen, dass es sich bei den intrudierten magmatischen Fluiden tatsächlich um Magma handelte, dass einen Gang bildete, der weiterhin in ca. 4-5 km Tiefe feststeckt. Alternativ bestand die Möglichkeit, dass es sich bei den Fluiden um zirkulierendes hydrothermales Tiefenwasser handelte. Vor der Fagradalsfjall-Eruption im letzten Jahr wurde ein ähnliches Phänomen festgestellt.

Neben dem beschriebenen Erdbeben ereigneten sich insgesamt 134 weitere Erdstöße innerhalb von 48 Stunden. 9 von ihnen hatten Magnituden im 2-er Bereich. In einer Bemerkung auf IMO heißt es, dass dem Hauptbeben mindestens 100 Nachbeben folgten. Diese sind nur zum Teil in den Tabellen aufgelistet. Von daher werden sich innerhalb von 48 Stunden mehr als 200 Beben unter der Halbinsel ereignet haben.

Update: Auf Island wurde nach einer Sitzung eines Katastrophen-Ausschusses beschlossen, dass der erhöhte Alarmzustand der Unsicherheit aufrecht erhalten bleibt.

Erdbeben unter anderen Regionen Islands

Nicht nur unter Reykjanes bebte es, sondern auch im Bereich anderer vulkanisch relevanten Zonen auf Island. Es gab Erdstöße am Eyjafjallajökull, in Nähe der Hekla und unter den Vulkanen des Vatnajökulls. Auch an Askja und Herdubreid bebte es.