Vulkaninsel Panarea: Hydrothermalquellen dokumentiert

  • Panarea ist eine der Liparischen Insel und Teil einer submarinen Caldera
  • Vor 20 Jahren gab es Wasserverfärbungen infolge starker Hydrothermaler Aktivität
  • Jetzt wurden die Tiefseequellen filmisch dokumentiert

Panarea: Teil einer submarinen Caldera vor Stromboli

Die Vulkaninsel Panarea gehört zum Liparischen Archipel nördlich von Sizilien und liegt in direkter Nachbarschaft zum bekannteren Stromboli Vulkan. Auf meinen Fahrten dorthin machte ich schon oft im Hafen der Insel Zwischenstation, blickte in das tiefblaue Wasser der Hafenbucht und sinnierte darüber, was sich wohl in der Tiefe befinden mag. Denn schon seit längerem ist bekannt, dass am Meeresboden vor der Insel hydrothermale Aktivität gibt. Die deutlichsten Manifestationen dieser Aktivität zeigten sich im Jahr 2002, als es am vorgelagerten Inselchen Lisca Bianca zu ausgeprägten Wasserverfärbungen kam. Damals muss es zu einem regelrechten Ausbruch hydrothermaler Fluide gekommen sein, die auch in der Gasphase vorlagen. Das Meereswasser erwärmte sich auf 25 Grad und es kam zu einem Fischsterben. Man vermutete , dass sich der Vulkan auf einen Ausbruch vorbereiten könnte, doch nach einigen Wochen beruhigte sich die Situation wieder. Zurück blieb die Erkenntnis, dass der Vulkanismus im Bereich der ältesten Liparischen Insel noch nicht gänzlich erloschen ist. Die Insel selbst erinnert nur rudimentär an einen Vulkan, denn sie bildet nur den Westrand einer größeren Caldera, die sich Unterwasser befindet. Die kleine Insel Lisca Bianca erhebt sich am Südostrand der Caldera.

Filmprojekt der UNESCO dokumentiert Hydrothermalquellen vor Panarea

2o Jahre nach der starken Entgasungsphase machte sich ein Team aus Forschern und Filmern auf den Weg nach Panarea, um die hydrothermale Aktivität zu dokumentieren. Finanziert wurde das Projekt von der UNESO, unter deren Schutz das Weltkulturerbe der Liparischen Inseln steht. Das Projekt ist nur eines von vielen, dass im Rahmen der Dekade der Meereswissenschaften (2021–2030) durchgeführt wird. Ein Ziel der Forschungen ist es, dem submarinen Vulkanismus weiter auf die Spur zu kommen. Mittlerweile gibt es Schätzungen, dass am Meeresboden eine Millionen Vulkane schlummern, die vor unseren Blicken verborgen sind. Diese Vulkane sollen 80% der weltweiten vulkanischen Aktivität stellen.

Die Entdecker des UNESCO-Projekts tauchten unter Leitung des Unterwasserfotografen Alexis Rosenfeld vor Panarea ab und brachten fantastischen Aufnahmen und neue Erkenntnisse mit an die Oberfläche. Während die permanenten Gasaustritte im flachen Wasser bereits bekannt waren, versetzten Hydrothermalquellen, die in 70 m Tiefe entdeckt wurden in Erstaunen. Sie ähneln den Black Smokern der Tiefsee, nur dass sie klare Hydrothermallösungen und Gase fördern. Messungen ergaben, dass einige der bizarren Gebilde täglich bis zu einer Millionen Liter saurer Fluide ausstoßen. Eine interessante Entdeckung, die bestimmt weitere Forschungsabreiten auf den Plan rufen wird.

Laacher See Vulkan: Bodenhebung auf neuer Karte sichtbar

  • Copernikus veröffentlichte eine interaktive Karte zur Bodendeformation
  • Der neue Service heißt European Ground Motion Service
  • Auf der Karte sind Bodenhebungen am Laacher See Vulkan sichtbar
  • Die Daten wurden allerdings zwischen 2016 und 2020 erhoben

Neues Tool erfasst Bodenhebungen am Laacher See Vulkan bis 2020

Ein recht neues Tool findet sich in einer interaktiven INSAR-Karte Europas, die vom European Ground Motion Service (EGMS) zur Verfügung gestellt wird. Auf der Karte stellen unzählige farbige Punkte Bodendeformationen in Europa dar, die sich -laut Pressemeldungen- innerhalb eines Jahres ereigneten. Bodendeformationen sind für uns Vulkanspotter von besonderem Interesse, da sie an Vulkanen Hinweise auf deren Aktivität geben können und somit ein wichtiges Instrument für die Vorhersage von Vulkanausbrüchen darstellen. Tatsächlich lassen sich Bodenhebungen an den italienischen Vulkanen Campi Flegrei und Ätna detektieren, selbst wenn es beim EGMS die Einschränkungen gibt, dass die Gipfelbereiche von Vulkanen von der Anzeige in der Karte ausgenommen sind. Hier liegt die Interpretationshoheit der Daten bei den zuständigen Observatorien. Nicht ausgespart sind die Maare und Schlackenkegel der deutschen Vulkaneifel. Diese habe ich heute einmal genauer betrachtet und festgestellt, dass die Karte Bodendeformationen im Bereich des Laacher-See Vulkans anzeigt. Allerdings -und hier kommt die große Einschränkung- scheinen die Daten nicht die aktuelle Bodenhebung widerzuspiegeln, sondern greifen auf Daten zurück, die zwischen 2016 und 2020 gesammelt wurden. Zu dieser Erkenntnis gelangt man, wenn man auf die einzelnen Farbpunkt klickt: es öffnet sich eine kleines Fenster mit Details zu den Daten. Diesen Umstand entdeckte ich beim Schreiben des Artikels.

Bodenhebung am Laacher See Vulkan

Am signifikantesten war die Bodenhebung bis 2020 im Nordwesten des Laacher-See Vulkans. Dort beträgt sie lokal bis zu 4 Zentimeter. Auch an anderen Stellen des Maars mit Caldera-Charakter lassen sich Bodenhebungen erkennen. Aber Vorsicht, es ist wahrscheinlich, dass sie von Menschenhand verursacht wurden, denn wenn man in die Karte des EGMS hineinzoomt, erkennt man, dass diese Spots in Bereichen liegen, in denen sich Steinbrüche befinden. Dort wird Lavagestein aus dem Ringwall des Laacher See-Vulkans abgebaut. Normalerweise sollte man meinen, dass dort dann Bodensenkungen festgestellt werden, doch klar ist auch, dass der Abraum irgendwo aufgeschüttet werden muss. Diese Daten sind auf jeden Fall mit Skepsis zu betrachten. Einzig im Nordwesten des Laacher Sees gibt es eine Bodenhebungszone unter dem Ort Glees. Dort finden keine Abbauarbeiten statt, dafür gibt es in der Nähe des Dorfes eine Kohlendioxid-Abfüllanlage, die im Zentrum der Bodenhebung liegt. Dort ereigneten sich in den vergangenen Jahren schwache Erdbeben, die mit Fluidbewegungen im Zusammenhang stehen könnten. Von Forschern wurden mehrere Szenarien aufgestellt, die beim Aufstieg einer Gasblase anfangen und bis zur Bildung eines Magmenkörpers reichen. Ich gehe davon aus, dass die Deformationen im Zusammenhang mit magmatischen Fluiden in Gasform zusammenhingen. Das Gas könnte von einem Magmenkörper in größerer Tiefe stammen. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass die Daten offenbar nicht aktuell sind und keine Daten zum Ist-Zustand liefern. Über die früheren Bodenhebungen wurde bereits in diesem Artikel berichtet.

Erdbeben-News 17.06.22: Beben in Vulkangebieten

Heute schreibe ich zuerst über einige interessante Erdbeben, die sich in Vulkangebieten zugetragen haben. Diese Erdbeben waren zwar von geringen Magnituden, könnten aber im Zusammenhang mit Fluidbewegungen im Untergrund stehen, weshalb sie in einem besonderen Kontext stehen.

Kanarische Inseln: Erdbeben bei den Vulkanen Teide und Enmedio

Datum: 16.06.22 | Zeit: 23:19:23 UTC | Lokation: 28.05 N ; 16.25 W | Tiefe: 20 km | Mb 2,1

In den letzten Wochen ist es um die Kanarischen Inseln recht ruhig geworden, obwohl es aus seismologischer Sicht durchaus unruhig ist. Immer noch gibt es Erdbeben im Bereich von La Palma, auch wenn die Seismizität hier stark zurückgegangen ist. Aktuell liegt der Fokus allerdings nicht bei La Palma, sondern bei Teneriffa. Hier gibt es 2 Erdbeben-Cluster. Der eine liegt am Vulkan Pico del Teide, der einen Großteil des Inselsüden einnimmt. Dort ereigneten sich in den letzten Stunden 5 Erdbeben mit Magnituden um 1,6. Die Hypozentren schwanken um 20 km Tiefe. Beides, also die Magnitude und Tiefe sprechen dafür, dass sich magmatische Fluide in der Asthenosphäre bewegen und Richtung Erdkruste aufsteigen.

Ähnlich verhält es sich am 2. Bebencluster, der sich unter dem Meeresboden, zwischen den Inseln Teneriffa und Grand Canaria befindet. Das stärkste Beben hier brachte es auf Mb 2,1. Das Hypozentrum lag 30 km tief. Insgesamt wurden hier in den letzten Tagen 9 Beben festgestellt, wobei die Hypozentren streuen. Die Vulkanologen der Kanarischen Inseln schrieben bereits im letzten Jahr, dass die Erdbeben dort mit Fluidbewegungen im Bereich des submarinen Vulkans Enmedio zusammenhängen könnten. Der Vulkan liegt 25 Kilometer von Teneriffa und 36 Kilometer von Gran Canaria entfernt und erhebt sich 470 Meter über dem Boden des Atlantischen Ozeans. Der Meeresboden ist hier 2100 m tief. Die Basis des Vulkans wird als groß beschrieben und soll ein Fläche bedecken, die so groß wie 539 Fußballfelder ist. In den vergangenen Jahren gab es im Bereich des Vulkans mehrere stärkere Erdbeben. Das Stärkste brachte es auf eine Magnitude von 5,0 und ereignete sich 1989. Im Februar 2022 manifestierte sich ein Erdstoß M 3,7. Vergleichsweise oft kommt es zu Schwarmbeben. In der Nähe von Enmedio verläuft allerdings auch eine Störungszone, so dass eine eindeutige Zuordnung der Beben nicht immer möglich ist, doch Vulkanologen sind sich einig, dass mindestens ein Teil der Beben im Zusammenhang mit Fluidbewegungen stehen, so dass es zu einer submarinen Eruption kommen könnte. Aufgrund der großen Tiefe des Meeres, würde sich eine Eruption an der Oberfläche allerdings kaum auswirken. Da neuste Untersuchungen vom März dieses Jahres zeigten, dass es am Enmedio eine thermische Anomalie gibt, gehen Wissenschaftler von hydrothermal Aktivität aus. Diese soll im nächsten Jahr genauer untersucht werden.

Update: Das IGP bestätigte, dass die Beben unter dem Teide mit einem Schwarm aus Hybriderdbeben einherging, des Magnituden im Bereich der Mirkoseismizität lagen. Es ist von mehr als 300 Erschütterungen die Rede. Als wahrscheinlichste Erklärung gilt, dass die Beben im Zusammenhang mit Fluidbewegungen standen.

Frankreich: Erdbeben Mb 2,2 in der Auvergne

Datum: 17.06.22 | Zeit: 06:49:14 UTC | Lokation: 45.61 N ; 2.85 E | Tiefe: 12 km | Mb 2,2

Die französische Vulkanregion der Auvergne wurde von einem Erdbeben der Magnitude 2,2 erschüttert. Die Tiefe des Hypozentrums lag bei 12 km. Das Epizentrum wurde 9 km östlich von La Bourboule lokalisiert. Bekannter ist der Ort Clermont-Ferrand, der sich 26 km nordöstlich des Epizentrums befindet. Bereits in den letzten Tagen gab es ein ähnliches Erdbeben in der Region. Seit einigen Monaten ist eine Zunahme der Seismizität im Bereich der Auvergne festzustellen. Wodurch sie hervorgerufen wird ist unklar. Auf den INSAR-Aufnahmen des EDMS lassen sich keine Bodendeformationen erkennen, so dass die Erdbeben sehr wahrscheinlich tektonischer Art sind. Natürlich könnten sich magmatische Fluide auch horizontal bewegen und dabei Erdbeben erzeugen, ohne dass es zu einer Bodenhebung kommt, doch das ist ein rein spekulativer Gedankengang. Anders sieht es hingegen in der Vulkaneifel aus. Hier wurde nachgewiesen, dass die sporadischen Erdbeben im Zusammenhang mit einer Bodenhebung stehen, doch dazu später mehr.

USA: Erdbeben in der Long-Valley Caldera

Datum: 17.06.22 | Zeit: 05:39:38 UTC | Lokation: 37.64 N ; 118.88 W | Tiefe: -1 km | Md 2,3

In der US-amerikanischen Long-Valley Caldera kam es zu einem Erdbeben der Magnitude 2,3. Die Tiefe des Hypozentrums wurde vom EMSC mit -1 km angegeben, was dadurch zustande kam, dass sich der Erdstoß oberhalb des Meeresspiegels zutrug. Das Epizentrum wurde 8 km östlich der Mammoth Lakes lokalisiert. Bei der Long-Valley Caldera handelt es sich um einen weiteren Caldera-Vulkan in den USA, der theoretisch zu Supervulkanausbrüchen in der Lage ist. Dennoch ist er weit weniger bekannt, als die Yellowstone-Caldera, die in den letzten Tagen in den News stand, weil dort große Areale überflutet wurden. Das aktuelle Erdbeben bedeutet nicht, dass der Long-Valley-Vulkan nun vor dem Ausbruch steht, sondern zeigt nur, dass es im Untergrund Bewegung gibt.

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