Erdbeben-News 24.06.22: Langjökull

Langjökull auf Island: Erdbeben Mb 4,6

Datum: 23.06.22 | Zeit: 22:12:06 UTC | Lokation: 64.65; -20.33 | Tiefe: 6.3 km | Mb 4,6

  • Unter dem isländischen Gletscher Langjökull bebte es mit Mb 4,6
  • Es gab mehr als 100 Nachbeben
  • Die Beben ereigneten sich unter einer Caldera

Gestern manifestierte sich unter dem isländischen Gletscher Langjökull ein vergleichsweise starkes Erdbeben der Magnitude 4,6. Das Hypozentrum lag in 6,3 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 13.5 km südlich von Eiríksjökull (einem gletscherbedeckten Tafelberg-Vulkan nordwestlich des Langjökulls) verortet. Ein Blick auf die Erdbebenkarte enthüllt, dass sich das Beben unter einer subglazialen Caldera im Südteil des Gletschers ereignete. Man sieht auch die Hveravellier-Caldera im Nordosten des Gletschers. Sie ist der eigentliche Zentralvulkan eines 100 km langen Systems aus Spalten und Vulkanen. Beim Langjökull handelt es sich um den zweitgrößten Gletscher auf Island.

Bis heute Mittag folgten 37 weitere Erschütterungen, die im Erdbebenkatalog angezeigt werden. Von ihnen hatte das stärkste Beben eine Magnitude von 3,7 hatte. 9 Erschütterungen lagen im 2er-Bereich. Vor dem Hauptbeben gab es 2 schwächere Vorbeben. Es werden allerdings nicht alle Beben im Katalog angezeigt. Wahrscheinlich, weil sich die meisten Erschütterungen im Bereich der Mikroseismizität bewegten. IMO meldet mehr als 100 Nachbeben. Das Hauptbeben war in weiten Teilen Islands zu spüren gewesen.

Im April und Mai ereigneten sich im Bereich des Langjökulls mehrere Erdbeben in der gleichen Region. Es ist nicht auszuschließen, dass sie mit den Vulkanen unter dem Gletscher zusammenhängen, und dass diese dabei sind zu erwachen. Online zugängliche GPS-Daten sind mir nicht bekannt. Generell ist es nicht einfach die subglazialen Vulkane zu überwachen. Auf Island stehen die Feuerberge unter dem Vatnajökull und Myrdalsjökull im Fokus der Überwachung subglazialer Vulkane. Da das System unter dem Langjökull bislang vergleichsweise ruhig war, wurde relativ wenig publiziert. Ein Umstand, der sich bald ändern könnte.

Der Langjökull ist nicht der einzige Bebenspot auf Island. Auch unter Reykjanes gab es wieder mehrere Erdbeben. In den letzten 48 Stunden wurden 59 Erschütterungen detektiert. Freilich, gegen der Hochphase der Aktivität ein bescheidener Wert.

Vulkan-News 24.06.22: Chikurachki

 

Chikurachki in Eruption

Staat: Russland | Koordinaten: 50.33; 155.46 | Eruption: Vulcanianisch

Auf der Kurileninsel Paramushir ist der Vulkan Chikurachki ausgebrochen. Das geht aus 3 VONA-Meldungen des VAACs Tokio hervor. Demnach stieg Vulkanasche bis auf einer Höhe von 5500 m auf und driftete in Richtung Nordosten. KVERT erhöhte den Alarmstatus von „gelb“ auf „orange“ und warnt ausdrücklich davor, dass es jeder Zeit zu explosiven Eruptionen kommen könnte, bei denen Vulkanasche höher als 6000 m aufsteigt und den Flugverkehr gefährdet. Menschen am Boden sind derzeit nicht gefährdet, es sei denn, sie nähern sich dem Vulkan zu sehr an. Die Gegend ist nur dünn besiedelt.

Bereits Ende Januar 2022 gab es 2 Explosionen am Chikurachki, die eine vergleichbare Stärke wie die heutigen hatten. Die Eruptionen förderten Aschewolken, die bis zu 5 km über dem Meeresspiegel aufstiegen und bis zu 255 km weit abdrifteten.

Über den Vulkan Chikurachki

Der Chikurachki hat eine Gipfelhöhe von 1781 m und ist damit der höchste Vulkan auf Paramushir. Dennoch wird der Vulkankegel beim GVP als klein beschrieben, da der aktuelle Vulkan auf einem älteren (pleistozänen) Vulkangebäude aufsitzt. Erste Eruptionen begannen während des Pleistozäns, als überwiegend basaltische Laven gefördert wurden. Obwohl Eruptionen die Basaltlava fördern selten stark explosiv sind, soll es zu plinianischen Ausbrüchen gekommen sein. Meine Vermutung ist, dass da dann ähnliche Prozesse am Werk waren, wie bei den Ätna-Paroxysmen. Spätere Eruptionsphasen förderten auch andesitische Laven. Während des Holozäns erreichten Lavaströme das Meer und es wurden Lavadeltas kreiert. Im Süden des Chikurachki schließt sich eine Gruppe aus Schlackenkegel an, die auf den Namen Tatarinov hört.

Auf Paramushir gibt es mehrere Vulkane. Zu diesen zählt der Ebeko, der uns in den News in den letzten Jahren häufig begegnet ist, nun aber recht ruhig geworden zu sein scheint. Nordwestlich von Paramushir liegt der Inselvulkan Alaid, der für seine VEI 4-Eruptionen bekannt ist.

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