Vulkan-Nachrichten 12.06.22: Bulusan

  • Am philippinischen Bulusan gab es eine weitere Eruption
  • Es kam zu Ascheniederschlag in 2 Orten und 10 Dörfern
  • Die Alarmstufe bleibt auf „1“

Bulusan in Eruption

Staat: Philippinen | Koordinaten: 12.77; 124.05 | Eruption: Phreatisch

Auf der Philippineninsel Luzon ist der Bulusan erneut ausgebrochen. Das VAAC meldete bereits gestern Abend eine Aschewolke, die bis auf einer Höhe von 6100 m Höhe aufstieg und in Richtung Nordwesten driftete. PHILVOLCS berichtete in den letzten Tagen von anhaltender Seismizität, Inflation und Dampfausstoß. Insofern kam der Vulkanausbruch nicht überraschend. Der letzte Report der Vulkanologen beschreibt eine phreatische Eruption, die sich nachts um 3:37 Uhr (Ortszeit) manifestierte und 18 Minuten dauerte. Auch heute gab es 2 VONA-Meldungen, nach denen sich Vulkanasche in 6100 m Höhe befindet.

Medien berichten von massivem Ascheniederschlag, der mehrere Ortschaften im Bezirk Sorsogon betrifft. Es sollen 2 Städte und 10 Dörfer betroffen sein. 1500 Personen wurden aus dem direkten Umkreis des Vulkans evakuiert. Dabei halfen Feuerwehr und Zivilschutz.

Fotos zeigen Aschewolke am Bulusan

Auf Fotos der lokalen Presse sieht man, dass der Bulusan auch während der Morgendämmerung aktiv war und über mehrere Stunden Asche ausstieß. Die explosive Hauptphase der Eruption lief allerdings im Verborgenen ab und versteckte sich vor den Blicken der Livecams.

Der starke Ascheniederschlag steht -meiner Meinung nach- im Widerspruch zu einer rein phreatischen (dampfgetriebenen) Eruption. Zwar kann dabei auch alte, im Schlot anstehende Lava fragmentiert werden, so dass es zur Eruption von Vulkanasche kommt, doch massiven Ascheniederschlag erzeugen solche Eruptionen für gewöhnlich nicht, dazu muss frisches Magma im Schlot aufsteigen.

Unverständlicherweise erhöhte PHILOVLCS die Alarmstufe des Vulkans Bulusan nicht, sondern belässt sie auf „1“ (von 5). Normalerweise wäre Alarmstufe „2“ in der augenblicklichen Situation angemessen, besonders, da es bereits zu Evakuierungen gekommen ist.

Der Bulusan erzeugte in den vergangenen 400 Jahren mindestens 44 größere Eruptionen. Damit zählt er zu den aktivsten Vulkanen des pazifischen Inselstaates. Die meisten Eruptionen hatten einen VEI von 2. 1981 ereignete sich ein stärkerer Vulkanausbruch mit einem VEI 3. In den letzten Jahren zeigte der Bulusan öfters Anzeichen des Erwachens.

Vulkan Ätna mit weiterer Eruptionsspalte am 12. Juni

  • Am Ätna fließen weiterhin Lavaströme
  • Gestern bildete sich eine neue Eruptionsspalte auf 1900 m Höhe
  • Der neue Lavastrom war gestern Abend einige 10er Meter lang

Aktive Lavaströme am Ätna

Am Ätna auf Sizilien sind die Lavaströme weiter aktiv. Das gilt für die Ströme aus der Spalte auf 2900 m Höhe und für einen kurzen Lavastrom, aus einer Spalte, die sich erst gestern öffnete. Sie bildete sich, wie die Spalte der vergangenen Woche, auf einer Höhe von ungefähr 1900 m, im Serracozzo-Gebiet am Nordrand des Valle del Bove. Lava quoll und quillt aus dem Spalt und speist einen kurzen Lavastrom.
Auf einer Sentinel-Aufnahme von gestern Mittag ist nicht nur die Lava des Hauptstroms zu sehen, sondern auch Asche-Emissionen aus dem Neuen Südostkrater. Darüber hinaus gab es 2 thermische Anomalien im Zentralkrater, der auch eine beachtliche Dampfwolke erzeugte. Gestern meldete das LGS sehr hohe Infraschall-Werte, die aber durch starken wind beeinflusst sein könnten. Heute hat man die Anlage deswegen offline genommen.

Selbst wenn die neuen Spalten nicht viel Lava fördern, ist es doch ein interessantes Phänomen, dass eigentlich nur bei größeren Eruptionen zu beobachten ist. Offenbar befindet sich eine größere Magma-Ansammlung im Vulkan. Die Schmelze enthält wenig Gas und tritt daher recht ruhig aus. Mithilfe des Tremors lässt sich der Magmenkörper lokalisieren: er sitzt auf Höhe der Basis des Neuen Südostkraters und damit recht weit oben im Vulkan und nahe am Rand des Valle del Bove. Es stellt sich die Frage, ob die Lava aus den tief gelegenen Spalten von diesem Magmenkörper stammt und im Berg erst nach unten fließt bevor es austritt, oder ob es auf seinen Weg nach oben seitlich austritt? Es ist auch nicht auszuschließen, dass es sich bei der Lava der unteren Spalten um Material des Hauptstroms handelt, dass in einer alten Tube verschwindet und weiter unten wieder raus kommt.

Was mich wundert, ist, dass das INGV keine ungewöhnliche Inflation registriert, sondern nur eine leichte Deflation infolge der Eruption. Normalerweise sollte man erwarten, dass sich das Gebiet im Bereich der neuen Spalten hebt, bevor Lava austritt. Es kann natürlich sein, dass es in diesem Gebiet keine Messpunkte/Stationen gibt, so dass eine lokale Inflation verborgen bleibt.

INSAR-Satellitenaufnahmen zeigen Bodenhebung am Ätna

Auf INSAR-Aufnahmen des EGMS ist gerade das interessante Gebiet ausgespart. Dennoch erkennt man, dass es in der Ätna-Region, im Verlauf eines Jahres die Bodenhebung überwiegt. Östlich des Tals hob sich der Boden um ca. 1 cm, nur im Süden gab es eine Absenkung von ungefähr 0,5 cm. An der Ostküste gab es Bodenhebungen von ca. 3 cm. Daraus lässt sich schließen, dass der langjährige Trend der Bodenhebung weiter geht und auch von den Paroxysmen des letzten Jahres nicht nachhaltig gebrochen wurde.

Eine abschließende Beurteilung der Lage am Ätna ist schwierig und zuverlässige Prognosen lassen sich nicht erstellen. Meiner Meinung ist ein Szenario, dass Ätna gerade weiter aufheizt, obwohl es nur wenige vulkanisch-bedingte Erdbeben gibt. Besonders, dass der Zentralkrater heißer wird, und das sich Spalten im flachen Teil des Valle del Bove öffnen, gibt mir zu denken.

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