Island: Bodenhebung an verschiedenen Lokationen

Auf Island hebt sich der Boden nicht nur auf der Reykjanes-Halbinsel

Auf Island hebt sich der Boden an mehrere Lokationen, wobei die Bodenhebung aktuell im Bereich von Svartsengi am stärksten ist. Betrachtet man das Diagramm der Universität Reykjavik, sieht man, dass die letzten Messpunkte wieder Bodenhebung anzeigen. Interpoliert man den Grafen von der letzten Messung vor der vermeintlichen Stagnation zum aktuellen Messpunkt, dann kann man den Schluss ziehen, dass es keinen Stillstand der Hebung gab, sondern dass die Messungen ungenau waren. Ansonsten kann man die Messung auch so interpretieren, dass es im Aufstiegsweg eine Blockade gab, die aufgelöst wurde und dass die dahinter angestaute Schmelze mit einem Mal aufstieg. Aber da wir nicht wirklich in die Erde hineinblicken können, sondern immer nur Daten interpretieren, ist das auch spekulativ.

Die Erdbebentätigkeit ist in etwa auf dem Niveau der Vortage. Gestern wurden gut 140 Beben im Bereich des Magmatischen Gangs detektiert.

Heute habe ich mir auch die GPS-Grafiken anderer Vulkangebiete auf Island angesehen und festgestellt, dass sich der Boden im Bereich der Askja-Caldera wieder hebt. Zwar ist die Hebungsrate bei weitem nicht so schnell wie vor der Stagnation im Herbst, doch seitdem hob sich der Boden an der Messstation OLAC um 2 bis 3 cm. Damit hob sich der Boden seit Juli 2022 um gut 70 cm. Die Gesamthebung ist somit in etwa doppelt so hoch wie bei Svartsengi. Im Bereich Askja-Herdubreid gibt es auch immer wieder Erdbeben.

Ähnlich verhält es sich unter dem Gletschervulkan Grimsvötn, auf dessen neue eingesetzte Bodenhebung ich bereits hingewiesen habe. Seit Juli 2023 gibt es eine Bodenhebung von gut 8 cm. Seit Dezember waren es 3-4 cm. In den letzten Tagen ist die Seismizität erhöht.

Aus den Daten lässt sich noch kein unmittelbar bevorstehender Vulkanausbruch vorhersagen, doch die Vulkane laden offenbar auf.

Doch bevor einer der beiden genannten Vulkane ausbrechen wird, werden wir wahrscheinlich eine weitere Eruption auf Reykjanes erleben.

Die Blaue Lagune verlängerte ihre Schließung übrigens bis mindestens zum 5. Januar. Also wird morgen neu entschieden, ob man wieder öffnet. Das letzte Mal öffnete man seine Pforten am 17. Dezember, genau einen Tag vor Eruptionsbeginn.

Nevado del Ruiz mit Erdbeben und Eruptionen

Staat: Kolumbien | Lokation: 34.89, -75.32 | Aktivität: Aschewolken

Erdbebenschwarm erschüttert Nevado del Ruiz – Eruptive Aktivität festgestellt

Der kolumbianische Vulkan Nevado del Ruiz erzeugte heute eine explosive Eruption, bei der Vulkanasche bis auf eine Höhe von 6700 m aufstieg und in Richtung Westen driftete. Das geht aus einer VONA-Meldung des VAAC Washington hervor. Seit dem Vortag wurde ein signifikanter Anstieg der Seismizität registriert. Insgesamt wurden mehr als 600 Erdstöße registriert. Das stärkste Erdbeben hatte eine Magnitude von 3,9 und manifestierte sich einige Kilometer nordwestlich des Vulkans beim Ort Villamaria. Dieser Erdstoß ereignete sich um 11:03 Uhr Lokalzeit und wurde von den Anwohnern der Region deutlich gespürt.

Wie der Geologische Dienst Kolumbiens meldete, konzentrierte sich das Schwarmbeben mit den schwächeren Erschütterungen auf die Region des Nationalparks Los Nevados, in dem der Vulkan liegt. Der stärkere Erdstoß lag etwas abseits davon und könnte meiner Meinung nach tektonischen Ursprungs gewesen sein, und eine Reaktion auf das Schwarmbeben durch Änderungen im Spannungsfeld infolge von Mamgenbewegungen.

Zusätzlich zu den Erdbeben wurden thermische Anomalien und seismische Aktivitäten im Zusammenhang mit der Fluidbewegung innerhalb des Vulkans beobachtet. Der Vulkan stößt auch Wasserdampf und Gase aus, wobei die Schwefeldioxid-Entgasungsraten variieren und eine Asche-Dampfwolke bis zu 1600 m über Kraterhöhe aufsteigt.

Es besteht die Möglichkeit weiterer Gasemissionen und Ascheeruptionen, die je nach Windrichtung die umliegenden Gebiete betreffen können. Die Empfehlung des SGC ist es, die Nähe zum Arenas-Krater im Nationalpark Los Nevados zu vermeiden, da dort weiterhin Ascheeruptionen auftreten, was eine Gefahr für die Sicherheit darstellt.

Die Gelb-Warnstufe des Vulkans weist auf eine verringerte Instabilität und geringe Ausbruchsgefahr hin, aber es wird betont, dass sich der Vulkan jederzeit steigern kann, so dass die Alarmstufe Orange oder sogar Rot erreichen könnte. Die Bevölkerung wird dazu aufgefordert, die Warnstufen ernst zu nehmen und das Verhalten nicht als normalisiert anzusehen.

Vulkan Anak Krakatau mit hoher Seismizität am 04.01.24

Staat: Indonesien | Koordinaten: -6.10, 105.42 | Aktivität: Aschewolken

Zahlreiche Erdbeben und Tremor am Krakatau – Ausbruchswahrscheinlichkeit groß

Der indonesische Inselvulkan Anak Krakatau war im letzten Jahr oft eruptiv aktiv, wobei überwiegend strombolianische Eruptionen erzeugt wurden. Die Ausbruchsphasen kündigten sich meistens durch Erdbeben an, von denen täglich in Spitzenzeiten bis zu 150 Stück registriert wurden. Die letzte Ausbruchsphase sahen wir Mitte Dezember. Danach war es für einige Tage auch seismisch ruhig, bis Ende Dezember wieder einige Erdbeben registriert wurden. Ihre Zahl schnellte in den letzten Tagen in ungeahnte Höhen und kumulierte gestern in eine beachtliche Anzahl: Es wurden 263 Tremorphasen festgestellt. Dazu gesellten sich 95 Erdbeben mit niedrigen Frequenzen und 21 weitere vulkanisch bedingte Erschütterungen. Am Vortag waren es 43 Tremorphasen, 134 Niedrigfrequenzerdbeben, 30 Hybriderdbeben und 38 vulkanotektonische Erdbeben. Die hohe Seismizität wird durch die Bewegung magmatischer Fluide im Untergrund hervorgerufen und lässt vermuten, dass ich einiges an Schmelze im Untergrund angesammelt hat. Denkbar wäre auch das Eindringen von Meerwasser ins Fördersystem, das aufheizt und den Druck ansteigen lässt. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass wir bald eine sichtbare Reaktion des Vulkans erleben werden. Der Alarmstatus steht auf „Orange“ bzw. „Phase 3“.  Es gilt eine Sperrzone und die Insel darf nicht betreten werden.

Spätestens seit dem Flankenkollaps im Jahr 2018 weiß man aber, dass sich Eruptionen auch in einem deutlich größeren umkreis um die Insel auswirken können: Die Flanke kollabierte infolge einer starken Eruption. Der Flankenkollaps löste einen Tsunami aus, der gegen die Küsten von Sumatra und Java brandete. Mindestens 439 Menschen starben durch die Monsterwelle, die eigentlich nicht ganz so groß war. Die Angst ist groß, dass sich so ein Ereignis wiederholen könnte.

Anak Krakatau ist nicht der einzige aktive Vulkan des indonesischen Archipels. Neben den Dauerbrennern Dukono, Ibu und Semru liegen Tätigkeitsberichte von den Vulkanen Lewotobi, Marapi und Merapi vor. Letzterer zeigte in den letzten Tagen auch wieder einige Erdbeben. Ihre Anzahl ist im Vergleich zu der Phase erhöhter seismischer Aktivität, die bis Anfang Dezember anhielt, gering. Dafür gehen weiter glühende Schuttlawinen ab. Eine davon wurde in einem Livecamvideo dokumentiert.

Am Marapi auf Sumatra gibt es sporadische Explosionen, die kleine Aschewolken fördern. Zudem wird Dampf ausgestoßen.

Vom Leweotobi steigen Asche-Dampfwolken auf, die eine Höhe von bis zu 2700 m erreichen. Die Seismizität ist leicht erhöht.

Indonesien gilt als das Land mit den meisten aktiven Vulkanen der Welt. Je nach Quelle unterscheidet sich ihre Anzahl, aber man kann von gut 130 Vulkanen ausgehen, die als aktiv eingestuft werden. Generell werden Vulkane, die innerhalb der letzten 10.000 Jahre eruptierten, als aktiv eingestuft.

 

Taal mit hohem Schwefeldioxid Ausstoß am 04.01.24

Taal stieß mehr als 11.000 Tonnen Schwefeldioxid aus – Warnung vor VOG

Staat: Philippinen | Lokation: 14.002; 120.99 | Aktivität: Fumarolisch

Der philippinische Taal-Vulkan beginnt das neue Jahr, wie er das alte beendete: mit einem hohen Ausstoß an vulkanischem Schwefeldioxid-Gas. Am 2. Januar waren es 11.434 Tonnen, die dem Krater auf Volcano-Island entströmten. Das Wasser des Kratersees war verfärbt und aufgewühlt. Der Gasausstoß verursachte starke vertikale Strömungen. Eine Dampfwolke stieg bis zu 2400 m über dem Krater auf und driftete in Richtung Südwesten. Offenbar werden andere Messungen nur noch sporadisch ausgeführt, denn pH-Wert und Wassertemperatur wurden zuletzt im Oktober gemessen. Der pH-Wert betrug 0,4 was extrem sauer ist und einen Wert annahm, der nahe dem Ende der Skala liegt. Zur Erinnerung: Der pH-Wert ist ein Maß für die Stärke einer Säure bzw. Base. Die Skala wird normalerweise von 0 bis 14 dargestellt, wobei der Mittelwert 7 neutral ist. Rechts davon hat eine Flüssigkeit die Eigenschaft einer Base. Links von 7 werden Säuren angezeigt. Die Temperatur lag bei 74,3 Grad, was ebenfalls sehr heiß für einen Kratersee ist. Außerdem wurde im Bereich von Volcano Island Bodenhebung festgestellt. Gestern wurden 4 vulkanisch bedingte Erdbeben registriert. Alles in allem sprechen die geophysikalischen Daten dafür, dass Magma im Untergrund entgast und das Hydrothermalsystem weiter anheizt. Phreatische Eruptionen sind jederzeit möglich und stellen eine Gefahr für Menschen da, die sich auf Volcano Island aufhalten.

Die starken Schwefeldioxid-Emissionen stellen eine gesundheitliche Gefahr für die Anwohner der Region dar, da sich das Gas großflächig verteilt. Besonders bei Inversionswetterlagen kann das Gas nicht nach oben entweichen und sammelt sich in bodennahen Luftschichten an. Dann entsteht VOG, bzw. VSMOG, wie der Dunst aus Vulkangas auch genannt wird. Ähnlich wie der industriell bedingte SMOG ist VOG gesundheitsschädlich und belastet vor allem die Atemwege und das Herzkreislaufsystem. Auch die Schleimhäute und Augen können gereizt werden.

Bulusan mit Erdbeben und Bodenhebung

Staat: Philippinen | Lokation: 12.77; 124.05 | Eruption: Fumarolisch

In den letzten Tagen verursachte auch der Vulkan Bulusan Sorgen, denn Seismizität und Inflation nahmen signifikant zu. So meldete PHILVOLS am 2. Januar 116 vulkanisch bedingte Erdbeben. Sie standen im Zusammenhang mit unterirdischen Magmabewegungen. Seit Februar letzten Jahres hebt sich die südliche Vulkanflanke und die Ausbruchsgefahr steigt.