Erdbeben-News 26.03.23: Island

Schwarmbeben am Rand der Katla

Datum 24.03.23 | Zeit: 22:33:35 UTC | 63.956 ; -19.381 | Tiefe: 6,1 km | Ml 2,3

Gestern kam es unter Katla und Myrdalsjökull zu einem kleinen Schwarmbeben. Die Beben verteilten sich auf zwei Areale. Eines lag im Südwesten der Caldera, ein weiteres am Nordwestrand des Gletschers. Die meisten Erschütterungen hatten sehr schwache Magnituden und lagen im Bereich der Mikroseismizität. Insgesamt wurden im Einzugsbereich des Myrdalsjökull innerhalb von 2 Tagen 29 Erdbeben festgestellt. Der stärkste Erdstoß brachte es auf M 2,3 und hatte ein Hypozentrum in 6,1 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 13.1 km nordwestlich von Álftavatn verortet.

Der Ursprung der Beben ist nicht zweifelsfrei geklärt. Sie könnten rein tektonischer Art sein oder im Zusammenhang mit einer Magmenintrusion stehen, wobei es möglich ist, dass aufsteigendes Magma Störungszonen aktiviert und somit tektonische Erdbeben auslöst. Besonders die flach gelegene Erschütterungen am Gletscherrand könnten durch Eisbruch ausgelöst worden sein. Die GPS-Daten im Bereich der Katla sind unauffällig, sodass es keine Indizien für eine stärkere Inflation gibt. Dass die Beben einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch ankündigen ist unwahrscheinlich. Statistisch gesehen ist eine Eruption der Katla überfällig, doch das scheint den Vulkan nicht weiter zu stören. Vor einem Vulkanausbruch würde man wochenlang anhaltende Erdbebenschwärme erwarten, bei denen es täglich zu Hunderten Erdbeben kommt.

Auch in anderen Bereichen von Island kam es zu weiteren Erdbeben. So zeigen die Erdbebenlisten von IMO für die letzten 48 Stunden 167 Erschütterungen an. Zu Erdbeben kam es in der Region Selfoss, auf der Reykjanes-Halbinsel in Zentralisland und an der Nordküste. Im Bereich der Tjörnes-Fracture-Zone wurden 15 Erschütterungen detektiert. Im Bereich des Askja-Herudbreid-Systems ereigneten sich vergleichsweise wenige Erdbeben. Dafür hält die Bodenhebung an der Messstation OLAC weiter an und beträgt fast 53 cm. Auch wenn es im Moment keine weiteren Anzeichen einer unmittelbar bevorstehenden Eruption gibt, bleibt die Situation spannend.

Beim Myrdalsjökull handelt es sich übrigens um den 4. größten Gletscher auf Island. Der Plateaugletscher bedeckt eine Fläche von fast 600 Quadratkilometern. Unter dem Gletscher liegt die gut 100 Quadratkilometer große Katla-Caldera.

Zusammenfassung:

  • Im Bereich der Katla und des Myrdalsjökull gab es Schwarmbeben.
  • Ein Cluster lag innerhalb der Caldera, ein weiterer am Nordwestrand des Gletschers.
  • Auch in anderen Regionen Islands gab es schwache Erdbeben.

Vulkan Semeru mit Lahar am 26.03.23

Vulkan: Semeru | Staat: Indonesien | Koordinaten: -8.108, 112.92 | Aktivität: Dom

Lahar am Semeru löst Panik aus

Am indonesischen Vulkan Semeru lösten vorgestern starke Regenfälle einen Lahar aus. Er bewegte sich sehr schnell und rauschte durch den Fluss Kobokan Bulk, der zum Flussgebiet in Lumajang gehört. Dort riss der Schlammstrom einen Bagger und einen Lastwagen von Sandschürfern mit. Die Arbeiter flohen in Panik vor den Schlammmassen. Tatsächlich brach auch ein Deich am Flussufer, sodass der Lahar in die Dörfer Supit Urang und Sumber Wuluh eindrang und mindestens 3 Häuser beschädigte und mit Schlamm flutete. Der Schlamm lagerte sich 25 cm hoch in den Gebäuden ab. Auch hier flohen die Anwohner panikartig vor dem Lahar. Die Angst der Menschen ist nicht unbegründet, denn schon öfters kamen Personen bei ähnlichen Ereignissen am Semeru ums Leben. Lahare gehören neben den Pyroklastischen Strömen zu den zerstörerischen Phänomenen eines Vulkans, obwohl sie eigentlich nicht direkt eruptiert werden, sondern ein Nebenprodukt der Eruptionen sind. Lahare entstehen, wenn am Vulkanhang abgelagerte Tephra aus Vulkanasche und Lavablöcken von Wasser mobilisiert wird. Das Wasser stammt für gewöhnlich von starken Regenfällen, es gibt aber auch Laharen, die durch Wasser aus einem Kratersee gespeist werden. Ein Kratersee kann auslaufen, indem sich ein Riss in der Kraterwand bildet oder überlaufen, wenn er zu voll wird. Natürlich können auch explosive Eruptionen das Wasser aus einem Kratersee schleudern. Eine weitere mögliche Wasserquelle ist Schmelzwasser von einem Gletscher am Vulkangipfel.

Im Falle des Semerus stammt das Wasser von starken Regenfällen. Die Tephra wird von den täglichen Eruptionen gefördert. Davon werden zur Zeit zwischen 80 und 100 pro Tag registriert. Vulkanisch bedingte Erdbeben gibt es nur wenige. Dafür wächst im Krater ein Panake-Lavadom, von dem ein kleiner Lavastrom ausgeht, der durch eine Bresche in der südlichen Kraterwand fließt. Auf Sentinel-Satellitenfotos erkennt man, dass der Lavastrom derzeit nur rudimentär ausgeprägt ist und praktisch nur eine kleine Lavazunge bildet. In aktiveren Zeiten gehen von ihm Schuttlawinen und Pyroklastische Ströme ab, so wie es aktuell am Merapi der Fall ist, der ebenfalls auf der Insel Java liegt. Allerdings besteht der Dom am Merapi aus Lava, die noch zäher ist als am Semeru und es bildet sich kein Lavastrom.

Zusammenfassung:

  • Ein Lahar am Semeru floss durch den Fluss Kobokan Bulk.
  • Der Schlammstrom erfasste Baufahrzeuge der Sandschürfer.
  • Die Schlammmassen sprengten einen Deich und Flossen in 2 Dörfer.
  • Mindestens 3 Gebäude wurden beschädigt und Anwohner flohen in Panik.