Vulkan Stromboli mit Lavaüberlauf am 17.01.23

Staat: Italien | Koordinaten: 38.79; 15.21 | Aktivität: Lavastrom

Neuer Lavastrom am Stromboli

Wie das INGV soeben bekannt gab, begann heute um 9:51 UTC ein neuer Lavaüberlauf aus dem Nordkrater des Strombolis. Die Bewölkung lichtet sich gerade, so dass man auf der ThermalCam einen Hotspot am Krater erkennen kann. Auf der Scaira del Fuoco scheinen Schuttlawinen abzugehen, denn man sieht auf Livecambildern Dampf und aufgewirbelte Asche aufsteigen. Die Tremoramplitude steigt und befindet sich im orangenen Bereich. Eine signifikante Bodenverformung wurde bis jetzt nicht festgestellt. Der Prozess scheint noch am Anfang seiner Entwicklung zu sein und es bleibt spannend abzuwarten, wie schnell sich die Situation weiterentwickelt.

Der Lavastrom dampft mittlerweile stark und man sieht seine ausgeprägte Thermalspur via LiveCam auf der Sciara del Fuoco. Der Tremor ist jedoch nicht weiter gestiegen und bewegt sich seitwärts im orangenen Bereich. Es sieht nicht danach aus, als würde sich die Aktivität noch signifikant verstärken, aber wir wissen ja, dass solche Einschätzungen nur eine Momentaufnahme wiedergeben, die sich jederzeit ändern kann. Bei ähnlichen Ereignissen im letzten Jahr wurden pyroklastische Ströme generiert, die bis aufs Meer hinausliefen. Allerdings gab es diese eher während der Anfangsphase der effusiven Eruption.

Die Episode war nur von kurzer Dauer und endete bereits wieder. Der Lavastrom bewegte sich nur im oberen Drittel der Sciara del Fuoco und erreichte nicht das Tyrrhenische Meer. Dafür gingen von der Lavafront Schuttlawinen ab, die ins Meer krachten, was ein ziemlich spektakulärer Anblick sein kann. Während der Eruptionsphase im Jahr 2002-2003, die eigentlich als Initiator der Zeitenwende am Stromboli gilt (infolge der damaligen Flankeneruption wurde das Observatorium errichtet und es kam zu den ersten Zugangsbeschränkungen) konnte ich spektakuläre Steinschläge dokumentieren.

Vulkan Ätna auf Sizilien am 17.01.23

Staat: Italien | Koordinaten: 37.73, 15.00 | Aktivität: Effusiv

Lavastromaktivität am Ätna ist stark zurückgegangen

Heute sieht man anhand der MIROVA-Daten und der Thermalcam des INGV, dass die Lavastromtätigkeit stark zurückgegangen ist und sogar ganz vorbei sein könnte. Die Eruption hatte am 27. November 2022 begonnen, als sich eine neue Bocce am Nordosthang des Südostkraterkegels geöffnet hatte. Sie liegt auf 2800 m Höhe. Der Lavastrom bildete ein Lavafeld, das bis auf den Steilhang des Valle del Bove hinabreichte. Fast hätte die Lavafront den Talboden erreicht, doch nun kühlt sie schnell ab. Ob noch Lava im Valle del Leone fließt, sieht man auf der Cam nicht. Die MIROVA-Werte sprechen dagegen, denn es wird nur noch eine moderate thermische Anomalie im Bereich von 20 MW detektiert. Aus den Sentinel-2-Bildsequenzen, die zwischen dem 28. November 2022 und dem 14. Januar 2023 aufgenommen wurden, leiteten die Vulkanologen die Daten zum kumulierten Lavafeld über den gesamten Zeitraum ab: Die Gesamtfläche beträgt 0,66 Quadratkilometer und die Gesamtlänge des Lavafelds bringt es auf 1890 m. Bis zum 16. Januar wurden 4.800.000 Kubikmeter Lava gefördert. Die durchschnittliche Förderrate lag in der letzten Woche bei 2,3 Kubikmeter pro Sekunde.

Ansonsten war es während des Beobachtungszeitraums 09.-15. Januar 2023 vergleichsweise ruhig am Ätna. Die Tremoramplitude war niedrig bis moderat. Es gab nicht nur Tremor, der auf einer Höhe von 2800 m zwischen dem Südostkraterkegel und dem Zentralkrater angesiedelt war, sondern auch eine tiefer sitzende Tremorquelle, die sich in einer Tiefe von 1000 m unter dem Meeresspiegel zeigte. Die Infraschalltätigkeit wird als gering beschrieben. Und auch die Bodendeformation unterlag keinen größeren Schwankungen. Schaut man sich den Bericht im Detail an, dann erfährt man, dass es an 2 verschieden Stationen unterschiedliche Messwerte zur Bodendeformation gab. In einem Bereich wurde eine leichte Deflation registriert, in einem anderen eine schwache Inflation.

Update 19:30 Uhr: Das INGV brachte eine Warnung heraus, nach der im Bereich der Gipfelkrater ein neuer Lavastrom unterwegs sein soll. Genaue Informationen fehlen noch.

Erdbeben-News 17.01.23: Spitzbergen

Erdbeben Mw 4,9 zwischen Spitzbergen und Grönland

Datum: 17.01.23 | Zeit: 06:19:02 UTC | 82.03 N ; 4.73 W | Tiefe: 10 km |  Mw 4,9

An der nördlichen Fortsetzung des Mittelatlantischen Rückens manifestierte sich ein Erdbeben der Magnitude 4,9. Das Hypozentrum lag in einer Tiefe von 10 km. Das Epizentrum wurde 568 km west-nordwestlich von Longyearbyen auf Spitzbergen verortet. In den letzten Wochen ist relativ viel Bewegung entlang der kontinentalen Naht zwischen Europa und Nordamerika.


Frankreich: Erdbeben in der Auvergne

Datum: 15.01.23 | Zeit: 09:14:49 UTC | 46.03 N ; 3.18 E | Tiefe: 10 km |  Ml 2,6

Das französische Vulkangebiet der Auvergne wurde in den letzten Tagen von mehreren schwachen Erdbeben erschüttert. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 2,6 und ein Hypozentrum in 10 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 8 km südlich von Gannat festgestellt. Erst im letzten Jahr gab es mehrere schwache Erdstöße in der Region.


Deutschland mit schwachen Erdbeben

Datum: 16.01.23 | Zeit: 20:46:59 UTC | 47.78 N ; 8.80 E | Tiefe: 2 km |  Ml 2,3

In Deutschland bebte es in den letzten Tagen auch häufiger. Die Beben zeichnen sich durch geringe Magnituden aus, zeigen aber, dass der Untergrund bei uns in Bewegung ist. Der stärkste Erdstoß brachte es auf ML 2,3. Der Erdbebenherd lag in nur 2 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 4 km westlich von Singen festgestellt.

Naturkatastrophen-News 17.01.23: Indien

Indische Stadt Joshimath versinkt

Im indischen Bundesstaat Uttarakhand droht eine ganze Stadt zu versinken: In Joshimath sinkt der Boden ab, mit dramatischen Folgen für die Infrastruktur. In mehr als 600 Häusern bildeten sich so große Risse, dass die Gebäude einsturzgefährdet sind. Auch Straßen und Plätze sackten ab und es bildeten sich tiefe Mulden und Erdfälle. Diese Phänomene brachen nicht unvermittelt über die Stadt her, sondern allmählich, wobei sich der Prozess in den letzten Tagen deutlich beschleunigt haben soll. Eine Naturkatastrophe mit Ansage! Erst spät wurden die indische Regierung und die Weltöffentlichkeit aufmerksam auf die Vorgänge in Joshimath und man reagierte mit der Evakuierung der Menschen, die die einsturzgefährdeten Gebäude bewohnen.

Während deutsche Medien noch schreiben, dass die Ursache hinter dem Phänomen unbekannt ist und die indische Regierung den Pudel der ungenehmigten Bauaktivität in die Schuhe schob, weiß der Geologe mehr: Große Teile der Stadt wurden auf einem Schuttfächer von Erdrutschen erbaut, die das Tal am Rand des Himalaya-Gebirges füllen. Außerdem liegt die Stadt in einer Biegung des Flusses Alaknanda, in den vor der Biegung auch noch ein Bach einmündet. Bei Hochwasser dürften sich massig Lockersedimente abgelagert haben. Kurzum, der Untergrund der Stadt ist instabil, wovor schon vor 50 Jahren gewarnt wurde. Doch der Bevölkerungsdruck ließ die Menschen taub werden gegenüber den Warnungen und so wuchs die Gemeinde rapide und entwickelte sich von einem Dorf zu einer Stadt, die sehr wahrscheinlich eines Tages aufgegeben werden muss.

Eine Entwicklung, die man in vielen Gebieten Asiens und Südamerikas sieht und die durch den Klimawandel noch verstärkt wird. Besonders die Armenstädte wurden oft an Stadträndern errichtet, die für eine Bebauung denkbar ungeeignet sind. Starke Regenfälle lösen immer wieder Erdrutsche aus, die dann entsprechende Naturkatastrophen verursachen, bei denen oft Hunderte Menschen sterben. Einen Lösungsansatz der generellen Problematik -der Ausbeutung und Zerstörung unseres Lebensraums- sehe ich nur in einer rigorosen globalen Geburtenkontrolle und einer Abkehr vom steten Wirtschaftswachstum. Da sich so etwas (noch) nicht durchsetzen lässt, wird man wohl weiterhin auf unsicheren Boden bauen müssen.

Warum sich der Prozess der Bodensenkung in den letzten Tagen beschleunigte, darüber kann nur spekuliert werden. In den letzten Jahren wechselten sich in Indien Dürren und Überflutungen ab. Im September gab es in der Region heftige Niederschläge und Hochwasser. Die Gletscher des Himalayas schmelzen schneller. Auch Erdbeben gab es in einem 500 km Umkreis mehrere. Vielleicht änderte sich die Hydrologie des Untergrunds, was ein Absacken des Bodens beschleunigt haben könnte.